Nachhaltiges Putzen gewinnt zunehmend an Bedeutung – doch echte Transparenz und wirksame Alternativen sind selten. Der BIO-PUTZLADEN möchte genau hier ansetzen und natürliche, langlebige Lösungen für den Alltag bieten. Im Interview erklärt Gründer PETER RÖSNER, wie der Shop entstand, welche Kriterien für die Produktauswahl entscheidend sind und warum Mikroplastikprodukte ein großes Problem darstellen. Außerdem spricht er darüber, wie Verbraucher*innen mit bewussten Entscheidungen einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten können.
LifeVERDE: HERR RÖSNER, was war die ursprüngliche Motivation, einen Onlineshop speziell für umweltfreundliche und nachhaltige Reinigungsprodukte zu gründen? – Gab es einen bestimmten Moment oder eine Beobachtung, die Sie dazu bewegt hat?
PETER RÖSNER (BIO-PUTZLADEN): Seit Jahrzehnten beschäftige ich mich intensiv mit der Thematik der professionellen Reinigungstechnik. Das fundierte Fachwissen habe ich mir durch die enge Zusammenarbeit mit Profianwendern in der Gebäudereinigung, der Krankenhaus- und Pflegeheim-Unterhaltsreinigung, aber natürlich auch durch die Betreuung von Anwendern im Konsumerbereich, also dem Putzen zu Hause, angeeignet. In den letzten Jahren prägten zunehmend der Ruf nach Nachhaltigkeit, der Schutz unserer Umwelt und das Verlangen nach einer gesunden Umgebung den Reinigungsmarkt. Infolgedessen wurde ich von einem renommierten Kunden angesprochen und gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, geeignete Produkte für eine auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Bodenreinigung zu entwickeln. Die Umsetzung war relativ einfach, zumal ich mich ja schon länger mit entsprechenden Möglichkeiten beschäftigt hatte. Das war dann eigentlich die Initialzündung für die Idee, ein möglichst umfassendes Sortiment über die gesamte Bandbreite der Unterhaltsreinigung und Hygiene für zu Hause – dem persönlichen Umfeld – zu schaffen. Mir war klar: Umweltschutz beginnt im eigenen Zuhause.
Die Präsentation sollte übersichtlich und über kurze Wege, wie in einem Ladengeschäft, erfolgen. Stationär sollte es nicht sein – damit war die Idee für einen interaktiven Shop geboren: den BIO-PUTZLADEN. Ein Konzept, das es in dieser Form im Onlinehandel bis dato noch nicht gab.
Der Name BIO-PUTZLADEN entstand, weil ich bei der Namensfindung gerne an den liebgewonnenen „Tante-Emma-Laden“ zurückgedacht habe. Er war zu seiner Zeit der Treffpunkt, an dem man alles Nötige sehen und kaufen konnte – ohne Schnickschnack, ohne übermäßige Verpackung und ohne absurde Mindestabnahmen. Die Ware wurde einfach so geliefert, wie der Kunde sie wollte. Mit einer Flut von Billigprodukten aus Asien wie z. B. Mikrofasertüchern, -mopps und aufwendigen Kunststoffwaren, die oft bewusst kurzlebig gestaltet werden, wird der Konsument sprichwörtlich „zugemüllt“. Umweltschutz, Nachhaltigkeit und CO₂-Belastung verschwinden hinter massiver Werbung, Rabattschlachten und nichtssagenden Gütesiegeln großer Handelsketten. Die Möglichkeit, unsere Ideen eigenverantwortlich und ohne wirtschaftliche Zwänge umsetzen zu können, war ausschlaggebend dafür, marktgerechte und biobasierte Lösungen anzubieten. Zwischenzeitlich ist das Team vom BIO-PUTZLADEN stolz darauf, ein umfassendes Portfolio anwenderorientierter und innovativer Reinigungstextilien und -geräte für nahezu alle Aufgabenbereiche zur Verfügung zu stellen. Übertragen auf heute möchten wir mit dem BIO-PUTZLADEN jedem die Möglichkeit geben, seinen persönlichen Bedarf für Sauberkeit und Hygiene in nachhaltiger Qualität einfach und schnell per Klick auszuwählen.

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LifeVERDE: Nachhaltigkeit hört oft beim Einkauf von Lebensmitteln nicht auf – wie möchten Sie mit Ihrem Angebot dazu beitragen, dass auch beim Putzen bewusster konsumiert wird?
Das allgemeine Bewusstsein für Nachhaltigkeit, den Schutz unseres Planeten und die Sicherung lebensnotwendiger Ressourcen für kommende Generationen ist zunächst vor allem beim Kauf von Lebensmitteln gewachsen. Wer Bio-Produkte kauft, hat meist persönliche Gründe, um auf Umweltschutz, Gesundheit und Fairness zu achten. Um wirklich erfolgreich agieren zu können, dürfen wir aber nicht nur an Lebensmittel denken. Natürlich zählen auch das Putzen, die Hygiene und unser persönliches Umfeld dazu. Unser CO₂-Fußabdruck beginnt zu Hause. Zahlreiche alternative Reinigungs- und Hygienemittel, aber auch Wisch- und Trockentextilien sind heute verfügbar. Leider ist nicht immer alles, wo „Bio“ draufsteht, auch ein wirklich biogerechtes Produkt. Verbraucher*innen sollten sich kritisch mit den Artikeln beschäftigen und sich nicht von Gütesiegeln blenden lassen, die in der Praxis kaum etwas aussagen. Viele Medienberichte haben uns zuletzt die Augen über Tricksereien der „schwarzen Schafe“ geöffnet. Ein Blick zurück zeigt: Natürliche Materialien wie Baumwoll- und Leinengewebe, Holz, pflanzliche oder tierische Borsten, Kernseifen und alte Hausmittel waren wirksam und für Mensch und Natur unschädlich. Warum also künstlich erzeugte, schwer zu entsorgende und teilweise gesundheitsschädliche Produkte produzieren, die dann umweltbelastend rund um den Planeten transportiert werden? Brauchen wir wirklich massenhaft Konservierungsstoffe, synthetische Tenside oder gesundheitsgefährdende Chemikalien? Nein. Die Natur zeigt: Natürliche Alternativen existieren – und sie funktionieren. Tücher aus Baumwolle oder Leinen für Böden, Oberflächen oder Fenster scheuen keinen Vergleich mit Mikrofasertüchern. Universell einsetzbar, effizient und langlebig bieten sie natürliche Sauberkeit und eine umweltfreundliche Wiederverwertbarkeit.
LifeVERDE: Welche Inhaltsstoffe sind Ihnen bei der Auswahl Ihrer Produkte besonders wichtig – und auf welche Stoffe verzichten Sie ganz bewusst? Warum ist das entscheidend für Umwelt und Gesundheit?
Fluch und Segen stecken in vielen herkömmlichen chemischen Reinigungsmitteln. Zwar nutzen wir die Vorteile für Sauberkeit gerne, doch die Belastung unserer Umwelt wurde lange verdrängt.
Mit dem starken Trend zu Nachhaltigkeit und CO₂-Reduzierung stehen herkömmliche Reinigungsmittel heute zu Recht unter kritischer Beobachtung.
Besonders problematisch sind:
Konservierungsstoffe in flüssigen Wasch- und Reinigungsprodukten
schädliche synthetische Tenside
unnütze Füllstoffe (oft Mikroplastik)
Konservierungsmittel wie Biozide oder Formaldehyd sollen zwar Bakterien hemmen, können aber die Hautflora schädigen. Synthetische Tenside stammen häufig aus Erdöl oder ökologisch problematischem Palmöl. Mikroplastik gelangt tonnenweise in Gewässer – Schätzungen sprechen von rund 23.000 Tonnen pro Jahr allein im Abwasser. Auf all das wollen wir weitestgehend verzichten. Viele Alternativprodukte sind umweltverträglich und erzielen gleichwertige oder sogar bessere Ergebnisse. Altbewährte Hausmittel wie Essig, Natron, Orange und Zitrone sind Klassiker. In moderner Form als schonende Hochkonzentrate reinigen sie Oberflächen, Böden und Glas nicht nur effektiv, sondern hinterlassen natürliche Frische. Entscheidend ist: Echte Bio-Reiniger verzichten auf künstliche Duftstoffe, unnötige Konservierungsmittel und problematische Chemikalien. Sie sind unbedenklich, gesundheitlich sicher und biologisch abbaubar – unsere zentralen Kriterien.

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LifeVERDE: Wie wählen Sie Ihre Hersteller und Lieferanten aus? – Gibt es bestimmte ökologische oder soziale Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit ein Produkt in Ihr Sortiment aufgenommen wird?
Kurze und zuverlässige Lieferketten mit geringer Logistikbelastung sind ein Teil unserer Kriterien. Uns ist wichtig, von unseren Partnern möglichst viel über Rohstoffe, Verarbeitung, Fertigung und Qualitätssicherung zu erfahren. Wir sind stolz, dass unsere Partner meist die gleiche Haltung teilen wie wir. Rohstoffe wie Baumwolle oder Leinen sollen überwiegend aus europäischen Anbaugebieten stammen. Holz soll aus echten FSC-zertifizierten Forstflächen kommen. Besatzmaterial wie Kokos, Reiswurzel, Arenga oder tierische Borsten (Rosshaar, Schweineborsten, Ziegenhaar) wird sorgfältig ausgewählt. Entscheidend ist, dass die Weiterverarbeitung in Deutschland oder Europa erfolgt – unter sicheren, fairen Arbeitsbedingungen. Kinderarbeit ist für uns ein absolutes No-Go. Auch das Lebensende eines Produkts spielt eine Rolle: Alle Materialien sollen recycelbar, biologisch abbaubar oder schadstofffrei entsorgbar sein. Gleichzeitig setzen wir auf langlebige Produkte – ein zentraler Baustein der Kreislaufwirtschaft.
LifeVERDE: Viele Verbraucher empfinden nachhaltige Produkte oft als teurer. Wie erklären Sie Ihre Preisgestaltung – und warum lohnt sich die Investition langfristig?
Für uns stehen Fairness und Preis im Zusammenhang. Unser Sortiment soll eine breite, nachhaltige Auswahl bieten – aber das bedeutet auch höheren Aufwand.
Rohstoffkosten, Zertifizierungen, geringe Liefermengen und aufwendiger Anbau beeinflussen die Preise. Ein Beispiel: Leinen (Flachs) steht nur in begrenzten Mengen zur Verfügung. Weniger Angebot bedeutet höhere Preise. Auch arbeitsrechtliche Standards und Kontrollen in Europa erhöhen die Kosten – dafür sind sie transparent und nachvollziehbar. In vielen asiatischen Ländern ist das Gegenteil der Fall. Verbraucherinnen, die nachhaltig handeln wollen, verstehen den Wert hochwertiger Produkte – sie kaufen bewusst, nicht billig. Unsere Erfahrung: Kundinnen erkennen die fairen Preise für nachhaltige Qualität an. Wir wollen nicht billig sein – sondern fair und nachhaltig.

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LifeVERDE: Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Missverständnisse beim Thema „nachhaltiges Putzen“? – Gibt es Mythen, die Sie gerne aufklären möchten?
Viele Missverständnisse werden durch Marketing großer Handelsketten erzeugt. Ein Beispiel sind Mikrofasertücher: Sie funktionieren gut, keine Frage. Aber sie sind nicht nachhaltig – auch wenn Händler das gerne behaupten. Sie bestehen aus Erdöl, werden oft unter fragwürdigen Bedingungen in Billiglohnländern produziert, verursachen Mikroplastik und haben eine miserable Ökobilanz. Dass naturfaserbasierte Tücher „altmodisch“ seien, ist schlicht falsch. Sie sind langlebig, effizient und umweltschonend – und finden zunehmend Anklang bei allen Altersgruppen.
LifeVERDE: Wie wichtig ist Ihnen Transparenz gegenüber Ihren Kundinnen und Kunden – etwa in Bezug auf Lieferketten, Inhaltsstoffe und Verpackung?
Transparenz ist eines der wichtigsten Kriterien für Kaufentscheidungen. Nur wer ehrlich informiert, kann seiner Verantwortung gerecht werden. Besonders im Nachhaltigkeitsbereich müssen Kund*innen wissen, welche Inhaltsstoffe verwendet werden, wo Rohstoffe stammen und wie die Produkte hergestellt wurden. Wir prüfen unsere Partner intensiv – im Gespräch und vor Ort. Nur wenn wir selbst überzeugt sind, empfehlen wir ein Produkt. Nicht Rabatte, sondern Transparenz schafft Vertrauen.
LifeVERDE: Zum Abschluss: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des nachhaltigen Konsums im Bereich Reinigung und Hygiene? – Wo sehen Sie Ihren Beitrag in den kommenden Jahren?
Der Raubbau an unserem Planeten schreitet drastisch voran. Zukünftige Generationen werden kaum noch die Möglichkeit haben, die Fehler unseres Konsum- und Wohlstandsverhaltens zu korrigieren. Umso wichtiger ist es, alle Lebensbereiche durch die Nachhaltigkeits-Brille zu betrachten – auch Reinigung und Hygiene. In der Eurozone gibt es rund 155 Millionen Haushalte. Würden diese auf biogerechte Produkte umsteigen, wäre das ein enormer Beitrag zum Klimaschutz – schneller und kostengünstiger als viele andere Maßnahmen.
Mit natürlichen Rohstoffen, Mehrwegprodukten und optimierten Logistikprozessen kann jede*r einen Beitrag leisten. Wir möchten mit dem BIO-PUTZLADEN dazu motivieren und eine nachhaltige, langlebige Alternative zum Wegwerfkonsum bieten.
Vielen Dank für das Interview!
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