Wir verbringen rund ein Drittel unseres Lebens im Bett – warum also nicht auch dort bewusster konsumieren? Genau an diesem Gedanken setzt YUMEKO an. Unter dem Motto „Change the World Sleeping“ möchte das Unternehmen zeigen, dass Komfort, hochwertiges Design und ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen bei Bettwaren und Heimtextilien zusammengehören können. Im Mittelpunkt stehen natürliche, biologische und recycelte Materialien wie Bio-Baumwolle, Leinen, Hanf und recycelte Fasern. Dabei betrachtet YUMEKO nicht nur das fertige Produkt, sondern die gesamte Lieferkette: von der Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe über faire Arbeitsbedingungen und Löhne bis hin zu unabhängigen Standards wie GOTS und Fairtrade. Eine wichtige Rolle spielen außerdem Transparenz und Langlebigkeit. Statt möglichst viel neu zu kaufen, verfolgt YUMEKO den Ansatz, vorhandene Dinge lange zu nutzen und bei Neuanschaffungen bewusst auf Qualität zu setzen. Im Interview erklärt das Unternehmen, warum Zertifizierungen allein nicht immer die ganze Geschichte erzählen, wie sich die Erwartungen an verantwortungsvoll produzierte Heimtextilien verändert haben und weshalb ein bewussteres Zuhause nicht über Nacht entstehen muss. Ein Interview mit dem YUMEKO-Gründer Rob van den Dool.

Bild: YUMEKO/Gründer ROB VAN DEN DOOL
LifeVERDE: Die Mission von YUMEKO lautet „Change the World Sleeping“. Wie spiegelt sich diese Philosophie in Ihrem Geschäftsalltag und in der Entwicklung Ihrer Produkte wider?
YUMEKO-Gründer ROB VAN DEN DOOL: Für uns bedeutet „Change the World Sleeping“, dass etwas so Alltägliches wie Schlaf zu einer Kraft für positive Veränderungen werden kann. Wir verbringen etwa ein Drittel unseres Lebens im Bett, daher können die Entscheidungen, die wir in diesem Bereich treffen, eine bedeutende Wirkung haben. Deshalb achten wir bei der Entwicklung unserer Produkte nicht nur auf Komfort und Design. Wir möchten wissen, woher unsere Materialien stammen, wer sie hergestellt hat und welche Auswirkungen sie auf ihrem Weg auf Menschen, Tiere und den Planeten haben. Vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt ist es unser Ziel, jeden Schritt so verantwortungsvoll und fair wie möglich zu gestalten.
Gleichzeitig sind wir davon überzeugt, dass nachhaltige Entscheidungen attraktiv sein sollten. Unsere Produkte sollen sich wunderbar anfühlen, schön aussehen und viele Jahre halten. Denn etwas zu schaffen, das Menschen wirklich lieben und lange nutzen, ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil von Nachhaltigkeit.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Materialien für Ihre Bettwaren und Heimtextilien aus, und welche Aspekte sind Ihnen dabei besonders wichtig?
Ein Material muss mehrere Kriterien erfüllen. Es muss außergewöhnlichen Komfort und hohe Qualität bieten und gleichzeitig die Auswirkungen auf Menschen und den Planeten so gering wie möglich halten. Deshalb entscheiden wir uns, wo immer es möglich ist, für natürliche, biologische und recycelte Materialien, darunter Bio-Baumwolle, Leinen, Hanf und recycelte Fasern.
Wir betrachten dabei nicht nur das Material selbst, sondern die gesamte dahinterstehende Lieferkette: wo und wie es angebaut wird, welche Ressourcen für seine Herstellung benötigt werden, wie es verarbeitet wird und unter welchen Bedingungen die Menschen arbeiten, die unsere Rohstoffe anbauen und ernten sowie unsere Produkte herstellen. Faire Arbeitsbedingungen, faire Löhne und langfristige Beziehungen zu unseren Partnern sind für uns ebenso wichtig wie die Auswirkungen auf die Umwelt. Wo etablierte Zertifizierungen verfügbar sind, helfen uns Standards wie GOTS und Fairtrade dabei, die sozialen und ökologischen Bedingungen entlang der gesamten Lieferkette zu überprüfen.
Gleichzeitig erzählen Zertifizierungen nicht immer die ganze Geschichte. Für einige Materialien sind etablierte Zertifizierungssysteme bislang noch nicht flächendeckend verfügbar. Hanf ist dafür ein gutes Beispiel. Er gilt als eine der nachhaltigeren Nutzpflanzen: Er benötigt vergleichsweise wenig Wasser, wächst schnell und kommt aufgrund seiner natürlichen Widerstandsfähigkeit in der Regel mit sehr wenig Pestizideinsatz aus. Außerdem ist Hanf eine robuste und langlebige Naturfaser, die mit jeder Nutzung weicher wird. Die richtigen Materialien auszuwählen bedeutet für uns daher, das Gesamtbild zu betrachten – von den Umweltauswirkungen und Arbeitsbedingungen über Qualität und Langlebigkeit bis hin zu unabhängigen Zertifizierungen.
Transparenz wird für Verbraucherinnen immer wichtiger. Wie macht YUMEKO die Herkunft seiner Materialien und seine Produktionsprozesse für Kundinnen transparent und nachvollziehbar?
Wir sind der Meinung, dass es für eine Marke nicht ausreicht, einfach zu behaupten, etwas sei nachhaltig. Man sollte zeigen können, was das konkret bedeutet, worauf die eigenen Aussagen beruhen und welche Auswirkungen entlang des gesamten Weges entstehen. Deshalb ist es unser Ziel, unsere Lieferketten so transparent wie möglich zu gestalten. Auf unseren Produktseiten informieren wir über die Herkunft unserer Materialien, darüber, wo unsere Produkte hergestellt werden, und über die jeweiligen Zertifizierungen. So können Kund*innen nachvollziehen, welche Geschichte hinter dem steckt, was sie kaufen.
Darüber hinaus veröffentlichen wir jährlich einen Impact Report – eine Initiative, mit der wir bereits 2012 aus eigener Überzeugung begonnen haben. Darin legen wir offen, welche Fortschritte wir erzielt haben, welche Auswirkungen unser Handeln hat und vor welchen Herausforderungen wir weiterhin stehen. Transparenz bedeutet für uns nicht nur, zu zeigen, was bereits gut funktioniert. Eine vollkommen nachhaltige Textilindustrie gibt es bislang nicht, und es bleibt immer noch mehr zu tun. Indem wir sowohl unsere Erfolge als auch die Bereiche offenlegen, in denen wir uns noch verbessern können, übernehmen wir Verantwortung und treiben positive Veränderungen weiter voran.

Bild: YUMEKO
Welche Rolle spielen Zertifizierungen und unabhängige Standards bei YUMEKO, und warum sind diese Ihrer Meinung nach für Verbraucher*innen wichtig?
Zertifizierungen und unabhängige Standards spielen bei YUMEKO eine wichtige Rolle. Sie tragen dazu bei, Nachhaltigkeitsversprechen messbar und überprüfbar zu machen und bieten eine unabhängige Absicherung bei Themen wie biologischen Materialien, fairen Arbeitsbedingungen und Löhnen sowie dem Einsatz schädlicher Chemikalien. Wo immer sie anwendbar sind, arbeiten wir mit anerkannten Standards wie GOTS und Fairtrade.
Für Verbraucher*innen bieten diese Zertifizierungen etwas besonders Wertvolles: Klarheit und Vertrauen. In einem Markt, in dem Begriffe wie „nachhaltig“, „natürlich“ und „verantwortungsvoll“ häufig verwendet werden, helfen unabhängige Standards dabei, zu verstehen, was tatsächlich hinter einer Aussage steckt, und fundiertere Kaufentscheidungen zu treffen.
Das geht über Nachhaltigkeitszertifizierungen hinaus. Auch unabhängige Verbraucherorganisationen spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung von Produktqualität und Leistung. In den Niederlanden beispielsweise testet und vergleicht der Consumentenbond Produkte unabhängig – vergleichbar mit der Stiftung Warentest in Deutschland. Unsere All-Seasons-Bettdecke aus recycelten Daunen wurde vom Consumentenbond fünfmal in Folge als „Best in Test“ ausgezeichnet. Das ist eine wichtige unabhängige Bestätigung dafür, dass verantwortungsvollere Entscheidungen gleichzeitig außergewöhnliche Qualität und hohen Komfort bieten können.
Gleichzeitig betrachten wir eine Zertifizierung nicht als Endpunkt. Das gehört zu unserer Pionier-DNA: Wir suchen kontinuierlich nach Möglichkeiten, noch weiterzugehen, bessere Materialien zu entdecken und die Art und Weise zu verbessern, wie Produkte hergestellt werden. Manchmal bedeutet das, mit Materialien zu arbeiten oder Lösungen zu entwickeln, für die es bislang noch keine etablierten Zertifizierungen gibt. Zertifizierungen bilden für uns eine wichtige Grundlage, aber wir betrachten stets das größere Ganze und fordern uns selbst – und die Branche – immer wieder dazu heraus, es besser zu machen.
Welche Entwicklungen beobachten Sie derzeit auf dem Markt für nachhaltige Heimtextilien, und wie haben sich die Erwartungen Ihrer Kund*innen im Laufe der Jahre verändert?
Als YUMEKO gegründet wurde, war die Entscheidung für nachhaltige Heimtextilien alles andere als selbstverständlich. Wir mussten erklären, warum Bio-Baumwolle wichtig ist, was Zertifizierungen bedeuten und warum die Art und Weise, wie ein Produkt hergestellt wird, genauso viel Aufmerksamkeit verdient wie sein Aussehen und sein Gefühl auf der Haut. Heute hat sich diese Diskussion verändert. Verbraucher*innen erwarten zunehmend, dass schöne, hochwertige Produkte zugleich verantwortungsvoll hergestellt werden. Nachhaltigkeit ist nicht länger nur ein nettes Extra, sondern entwickelt sich immer mehr zu einer grundlegenden Erwartung.
Gleichzeitig sind die Ansprüche gestiegen. Menschen sind besser informiert und hinterfragen die Aussagen von Marken kritischer. Sie möchten wissen, woher Materialien stammen, wer ihre Produkte hergestellt hat und welche Auswirkungen ihre Entscheidungen haben. Wir sehen das als eine sehr positive Entwicklung, denn dadurch wird die gesamte Branche zu mehr Transparenz und Verantwortungsbewusstsein bewegt.
Außerdem beobachten wir eine wachsende Wertschätzung für natürliche Materialien, zeitloses Design und Produkte, die für eine lange Nutzungsdauer entwickelt wurden. Der Gedanke, weniger, dafür aber besser zu kaufen, findet immer mehr Anklang. Für uns bedeutet das, dass wir nicht stehen bleiben dürfen. Nachhaltigkeit entwickelt sich kontinuierlich weiter – und wir ebenso. Wir suchen weiterhin nach besseren Materialien, verbessern unsere Lieferketten und entwickeln neue Möglichkeiten, positive Veränderungen zu bewirken, während wir gleichzeitig Produkte schaffen, die Menschen wirklich gerne in ihr Zuhause holen.
Welchen Rat würden Sie Menschen geben, die ihr Zuhause nachhaltiger gestalten und bei der Auswahl von Heimtextilien bewusstere Kaufentscheidungen treffen möchten?
Fangen Sie mit dem an, was Sie bereits besitzen. Ein nachhaltigeres Zuhause zu schaffen bedeutet nicht, alles durch eine „nachhaltige“ Alternative zu ersetzen. Die Dinge, die man besitzt, gut zu pflegen und so lange wie möglich zu nutzen, ist häufig die nachhaltigste Entscheidung, die man treffen kann. Wenn tatsächlich etwas ersetzt werden muss, sollte die Entscheidung bewusst getroffen werden. Achten Sie auf natürliche, biologische oder recycelte Materialien, eine gute Verarbeitung und eine Qualität, die auf Langlebigkeit ausgelegt ist. Und entscheiden Sie sich für etwas, das Ihnen wirklich gefällt. Denn je länger Sie ein Produkt behalten und nutzen möchten, desto besser.
Letztendlich geht es nicht darum, über Nacht das vollkommen nachhaltige Zuhause zu schaffen. Es geht darum, bewusster zu konsumieren: das zu nutzen, was man bereits besitzt, sich beim Neukauf für bessere Alternativen zu entscheiden und sich mit weniger Dingen zu umgeben, an denen man lange Freude haben kann.

Bild: YUMEKO
Fazit: Besser schlafen, bewusster konsumieren
YUMEKO zeigt, dass ein bewussterer Umgang mit Heimtextilien nicht mit einem kompletten Neuanfang verbunden sein muss. Vielmehr geht es darum, Vorhandenes möglichst lange zu nutzen und bei notwendigen Neuanschaffungen auf Materialien, Herkunft, faire Herstellung und Qualität zu achten. Gerade bei Heimtextilien, die uns täglich begleiten, kann Langlebigkeit einen wichtigen Unterschied machen. Der Ansatz von YUMEKO lautet deshalb nicht, möglichst viel zu ersetzen, sondern weniger und dafür bewusster zu konsumieren – und Produkte auszuwählen, an denen man möglichst lange Freude hat.
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