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YOGA VIDYA e.V.: Inneren Frieden finden und bewusst leben

Der YOGA VIDYA e.V. verbindet jahrtausendealte Yoga- und Vedanta-Traditionen mit den Bedürfnissen der heutigen Zeit. Im Interview spricht der Verein über die Bedeutung von Ashrams, Meditation, Gemeinschaft und darüber, warum gelebte Spiritualität weit über die Yogamatte hinausreicht.

Der YOGA VIDYA e.V. verbindet jahrtausendealte Yoga- und Vedanta-Traditionen mit den Bedürfnissen der heutigen Zeit. Im Interview spricht der Verein über die Bedeutung von Ashrams, Meditation, Gemeinschaft und darüber, warum gelebte Spiritualität weit über die Yogamatte hinausreicht.

15.07.2026, das Interview führte: Louisa Becker - Bild: YOGA VIDYA

Yoga ist für viele Menschen zunächst ein Weg zu mehr Beweglichkeit, Entspannung oder Stressabbau. Doch hinter den körperlichen Übungen verbirgt sich eine ganzheitliche Lebensphilosophie, die Körper, Geist und Seele miteinander verbindet. YOGA VIDYA e.V. begleitet Menschen auf diesem Weg – sowohl mit Kursen und Retreats als auch in seinen Ashrams, in denen Spiritualität im Alltag gelebt wird. Im Interview erläutert der Gründer und Leiter des Vereins, SUKADEV BRETZ, welche Rolle Meditation und Gemeinschaft spielen, warum Achtsamkeit und Nachhaltigkeit zusammengehören und welche Botschaft der Yoga-Vedanta-Tradition heute besonders relevant ist.


Bild: YOGA VIDYA e.V.

LifeVERDE: Euer Verein versteht sich als Teil eines weltweiten Netzwerks, das Licht, Liebe und Frieden in die Welt tragen möchte. Wie sieht diese gelebte Spiritualität im Alltag in euren Ashrams konkret aus und wie würdest du einem Außenstehenden beschreiben, was ein Ashram ist?

SUKADEV BRETZ, Gründer und Leiter des YOGA VIDYA e.V.: Ein Ashram ist ein Ort, an dem Spiritualität gelebt wird. Natürlich wird auch gearbeitet, gekocht, organisiert und gelacht – aber all das geschieht mit dem Bemühen, sich immer wieder mit etwas Höherem zu verbinden.

Der Tag beginnt und endet mit Meditation, Mantras und Gebet. Dazwischen praktizieren wir Yoga, engagieren uns im selbstlosen Dienen und versuchen, Achtsamkeit und Mitgefühl in den Alltag zu bringen. Ein Ashram ist kein Rückzugsort vor dem Leben, sondern ein Übungsfeld für das Leben. Hier können Menschen erfahren, wie mehr Bewusstheit, Gelassenheit und Freude entstehen, wenn Spiritualität nicht nur gedacht, sondern gelebt wird.

Unser Wunsch ist es, dass jeder, der einen Ashram besucht, etwas von diesem inneren Frieden mit nach Hause nimmt und ihn in Familie, Beruf und Gesellschaft weiterträgt.

Viele Menschen kommen heute zum Yoga, weil sie sich körperlich stärken oder Stress abbauen wollen. Sie kommen also mit einem sehr konkreten Ziel. Wie reagiert ihr darauf, wenn jemand das erste Mal teilnimmt und plötzlich merkt, dass da noch mehr dahintersteckt?

Das erleben wir sehr häufig – und wir freuen uns darüber. Viele Menschen beginnen Yoga wegen des Rückens, wegen Stress oder weil sie beweglicher werden möchten. Das ist ein wunderbarer Einstieg.

Yoga nimmt jeden Menschen dort an, wo er gerade steht. Niemand muss sich für Spiritualität interessieren oder bestimmte Vorstellungen mitbringen. Gleichzeitig machen viele die Erfahrung, dass mit der Zeit nicht nur der Körper entspannter wird, sondern auch der Geist ruhiger und das Herz weiter.

Wir möchten niemanden von etwas überzeugen. Vielmehr schaffen wir einen Raum, in dem Menschen ihre eigenen Erfahrungen machen können. Oft entdecken sie dabei ganz von selbst, dass Yoga weit mehr ist als Körperübungen – nämlich ein Weg zu mehr Lebensfreude, innerer Stärke und Verbundenheit. Viele spüren dabei auch, dass es im Leben noch mehr geben muss. Sie beginnen zu fragen: Wo komme ich her? Was ist der Sinn meines Lebens? Wohin gehe ich? Yoga lädt uns ein, diese Fragen nicht nur mit dem Verstand zu beantworten, sondern sie durch die eigene Erfahrung zu erforschen und bewusster zu leben.


Bild: YOGA VIDYA e.V.

Meditation wird immer stärker auch wissenschaftlich untersucht und gleichzeitig sehr unterschiedlich interpretiert. Wie geht ihr damit um, wenn moderne Erwartungen auf eine jahrtausendealte Praxis treffen?

Ich freue mich sehr darüber, dass wissenschaftliche Studien heute viele positive Wirkungen der Meditation bestätigen. Das macht den Zugang für viele Menschen leichter.

Meditation hat sich über Jahrtausende hinweg bewährt, nicht nur zur Stressbewältigung und Entspannung. Meditation geht tiefer, berührt unseren Wesenskern und hilft, unser wahres Wesen zu entdecken. Im Yoga sagen wir: Hinter allen Gedanken und Gefühlen liegt ein Raum von Frieden, Freude und Bewusstheit. Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen unter Leistungsdruck stehen und Ängste oder Unsicherheiten erleben, kann Meditation helfen, wieder ins innere Gleichgewicht zu kommen. Sie stärkt das Vertrauen in die eigenen inneren Kräfte und – aus yogischer Sicht – auch das Vertrauen in eine göttliche Führung.

Deshalb schließen sich Wissenschaft und Spiritualität für mich nicht aus. Die spirituelle Praxis eröffnet die Möglichkeit einer tiefen inneren Erfahrung.

Wir leben in einer Zeit, in der Achtsamkeits-Apps, Online-Retreats und zertifizierte Meditationskurse überall verfügbar sind. Warum braucht es eurer Meinung nach noch physische Orte wie eure Ashrams?

Digitale Angebote sind eine große Bereicherung. Sie ermöglichen vielen Menschen einen ersten Zugang zu Yoga und Meditation und begleiten sie im Alltag.

Ein Ashram bietet jedoch etwas, das digital kaum ersetzt werden kann: einen Raum, in dem Menschen für einige Tage oder Wochen ganz in eine Atmosphäre von Achtsamkeit, Gemeinschaft und spiritueller Praxis eintauchen können. Wenn viele Menschen gemeinsam meditieren, singen, Yoga üben und bewusst leben, entsteht eine besondere Kraft. Hinzu kommen der Austausch mit Gleichgesinnten und die besondere Atmosphäre, die entsteht, wenn viele Menschen gemeinsam meditieren, Yoga üben und bewusst leben. Viele erleben dies als ein kraftvolles Energiefeld, das sie tief berührt und inspiriert.

Viele Gäste sagen nach ihrem Aufenthalt, dass sie nicht nur etwas gelernt haben, sondern sich innerlich verändert fühlen. Diese Erfahrung gemeinsamer Praxis und gelebter Gemeinschaft ist für viele Menschen ein wertvoller Gegenpol zu einer zunehmend digitalen Welt.

Ein hohes Maß an Ethik, Achtsamkeit und das vegetarische Leben prägen eure Haltung. Wie spiegelt sich dieses soziale und ökologische Engagement in der praktischen Bewirtschaftung und dem täglichen Zusammenleben in euren Groß-Ashrams wie Bad Meinberg wider?

Yoga beginnt nicht auf der Matte und endet dort auch nicht. Die yogischen Werte möchten wir möglichst in allen Lebensbereichen verwirklichen.

Dazu gehört unser veganes Speisenangebot, ein achtsamer und bewusster Umgang mit Energie und Ressourcen, nachhaltiges Wirtschaften und das Bemühen, Verantwortung für Mensch, Tier und Natur zu übernehmen. Ebenso wichtig ist uns das Miteinander. Wir verstehen Gemeinschaft als einen Ort, an dem Menschen lernen können, respektvoll miteinander umzugehen, einander zu unterstützen und auch Unterschiede wertzuschätzen.

Natürlich sind wir nicht vollkommen. Aber wir bemühen uns jeden Tag darum, unsere Ideale immer besser im Alltag umzusetzen.


Bild: YOGA VIDYA e.V.

Zum Abschluss: Wenn es eine einzige Erkenntnis oder Botschaft aus der Yoga-Vedanta-Tradition gibt, die ihr den Menschen in der heutigen Zeit mit auf den Weg geben möchtet – welche wäre das und warum?

Die wichtigste Botschaft lautet für mich: Du bist in deinem tiefsten Wesen nicht begrenzt, nicht getrennt und nicht allein.

Yoga und Vedanta lehren, dass in jedem Menschen eine unendliche Quelle von Frieden, Liebe und Freude liegt. Wenn wir lernen, uns wieder mit dieser inneren Quelle zu verbinden, verändert sich nicht nur unser eigenes Leben. Wir begegnen auch anderen Menschen mit mehr Mitgefühl, Gelassenheit und Verständnis.

Gerade in einer Zeit voller Unsicherheit und schneller Veränderungen kann diese Erkenntnis Orientierung schenken. Je mehr Menschen inneren Frieden finden, desto mehr Frieden kann auch in die Welt kommen. Jeder Mensch, der Frieden in sich selbst entwickelt, leistet einen Beitrag zu einer friedlicheren Welt.


Bild: YOGA VIDYA e.V.

Fazit: Frieden beginnt im eigenen Inneren

Für YOGA VIDYA beginnt ein friedlicheres Miteinander mit der inneren Entwicklung jedes einzelnen Menschen. Yoga und Meditation schaffen Räume für mehr Achtsamkeit, Gelassenheit und Mitgefühl – nicht nur während der Praxis, sondern im gesamten Alltag. Die Verbindung von Spiritualität, Gemeinschaft und bewusstem Leben soll Menschen dabei unterstützen, ihre innere Stärke zu entdecken und diesen Frieden in Familie, Beruf und Gesellschaft weiterzutragen.

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