Wurmkiste für Bioabfälle
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Wurmkiste für Bioabfälle

UNTERNEHMENSVORSTELLUNG | In diese Wurmkisten kannst du deine Bioabfälle loswerden und gleichzeitig dienen sie als schicke Sitzhocker.

UNTERNEHMENSVORSTELLUNG | In diese Wurmkisten kannst du deine Bioabfälle loswerden und gleichzeitig dienen sie als schicke Sitzhocker.

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15.12.2017 - Das Interview führte Stefanie Suckau

LifeVERDE: Herr Witzeneder, können Sie uns etwas zur Entstehungsgeschichte von Wurmkiste.at erzählen? Welche Firmenphilosophie verfolgen Sie?
 
David Witzeneder, Wurmkiste.at: Begonnen hat es damit, dass ich keine Lust mehr darauf hatte meine Bioabfälle in den Restmüll zu werfen. Ich bin auf dem Land aufgewachsen und war es gewohnt diese auf den Komposthaufen zu geben. So einen gab es in der Großstadt jedoch nicht, geschweige denn eine Biotonne. Mein Frust darüber führte mich soweit, dass ich meinen Biomüll im nahegelegenen Park vergrub. Nach einiger Zeit wurde mir aber klar, dass es erstens illegal ist und zweitens unsere schönen Parks in Wien „verschandelt“ (umgangssprachlich „verunstaltet“).

Glücklicherweise erfuhr ich von der Wurmkompostierung, welche mich sofort in ihren Bann zog. Begeistert wurde das erste Modell für unsere damalige WG gebaut und siehe da: Wir konnten unseren gesamten Biomüll verwerten. Diese geruchsfreie Lösung entwickelte sich auch zum Gesprächsthema Nummer eins wenn wir in der WG Besuch empfangen durften und führte auch zu ausführlichen Gesprächen über Nachhaltigkeit, Biomüll und Lebensmittel. Als ich mein Studium abgeschlossen hatte, begann ich mit meinem Bruder Thomas (einem gelernten Tischler), die ersten Wurmkisten in der Garage zu entwickeln. Mit der Ungewissheit, ob Wurmkisten überhaupt Menschen ansprechen würden, begann somit eine aufregende Reise, welche bis heute andauert.



Unsere Firmenphilosophie kann in vier Punkten zusammengefasst werden • Freude an der Arbeit • Sinnvolles Arbeiten mit Herz • Nutzung erneuerbarer Energien und Rohstoffe • Stetiges überschaubares Wachsen

Es macht uns keinen Spaß, einer sinnlosen Arbeit nachzugehen und fragwürdige Schritte zu tätigen, mit dem Ziel schnell zu einem Start-Up-Star zu werden. Die vier genannten Leitsätze fundieren als Fundament für die Arbeit, der wir bei wurmkiste.at nachgehen.

Welche Produkte bieten Sie an und an wen richtet sich Ihr Angebot?

Wir produzieren Wurmkomposter aus Holz, die zugleich als Sitzhocker dienen und somit für den Wohnbereich geeignet sind. In diesen leben bis zu 2000 Kompostwürmer die den anfallenden Küchenabfall zu wertvollen Wurmhumus und Wurmtee machen.  Wir liefern die Wurmkisten fix und fertig oder als Selbstbauset. Letzteres benötigt nur einen Akkuschrauber und ein paar Stunden Arbeit, da die Teile bewusst so vorgefertigt werden, dass selbst Heimwerkeranfänger*innen am Ende eine funktionierende Wurmkiste besitzen. Natürlich versenden wir auch unsere Würmer, gebettet in Substrat. ; )  

Anfangs dachten wir uns, dass sich die meisten Menschen selbst eine Kiste bauen wollen, nach eigenen Ideen und mit eigenen Materialien. Nach einiger Zeit erkannten wir aber, dass besonders Menschen aus dem urbanen Raum auf ein erprobtes und funktionierendes System zurückgreifen. Bei Unsicherheiten, Problemen oder Tipps stehen wir unseren Kunden mit Rat und Tat zur Seite, denn nicht nur zufriedene Würmer, sondern auch Kunden stehen bei uns an erster Stelle. Wir möchten, dass Wurmkistenbesitzer*innen genau so glücklich sind wie wir.  


 
Was schätzen Ihre Kunden ganz besonders? Welches Feedback erhalten Sie? Welche Must-Haves sind besonders beliebt?

Viele Menschen berichten uns, von dem Spaß den sie hatten, aus einem Selbstbauset eine eigene Wurmkiste daraus gemacht zu haben. Im Zeitalter der Digitalisierung sei es wie ein kleines Abenteuer für sie, Schritt für Schritt die Bretter zu schleifen, zu ölen und sich handwerklich zu betätigen. Auf ein selbstgebautes Möbelstück kann man schon stolz sein! Besonders freuen wir uns darüber, wenn uns Leute davon erzählen, wie glücklich sie mit ihren neuen Haustieren sind. Menschen die anfangen Radieschen, Salate und vieles mehr auf der Fensterbank zu kultivieren, gedüngt mit dem selbstgeernteten Wurmhumus. Es macht nicht nur uns glücklich, wenn Biomüll zur Basis des eigenen Gemüses wird!

Was ist das Besondere an Ihren Produkte. Können Sie ein paar Beispiele nennen?

Der springende Punkt ist, dass wir das Thema wirklich lieben und leben. Dies führt dazu, dass wir ständig Verbesserungen und Innovationen in allen Bereichen umsetzen. Derzeit arbeiten wir am Ausbau von Videotutorials, die es noch leichter machen sollen, das System dahinter zu verstehen.

Unsere jahrelange Erfahrung lässt sich auch daran erkennen, dass unser Produkt bei weitem ausgereifter ist, als andere am Markt bestehenden Systeme. Die Wahl des Materials zum Beispiel wirkt sich wesentlich auf die Funktionen aus. Während die meisten Systeme auf billiges Plastik setzen, bestehen unsere Wurmkisten aus Holz. Dieser geniale Naturstoff gewährt einen optimalen Feuchtigkeitsaustausch und beschert den Würmern ein ideales Klima. Den Plastikbehältern fehlt jedoch diese Eigenschaft. Dies führt nicht nur zum „Schwitzen“ der Plastikbox, sondern auch zu einem Nachteil der Würmer.

Wie leben Sie im Unternehmen Nachhaltigkeit?

Wir sind Mitglied der Klimabündnisbetriebe in Österreich, kaufen den Großteil der Materialien von regionalen Partnern, beziehen Ökostrom, versuchen Müll soweit es geht zu vermeiden und verpacken die Wurmkisten nur in “wurmverdaubare” Verpackungsmaterialien. Des Weiteren besteht eine Zusammenarbeit mit einem integrativen Tischlereibetrieb. Im ökonomischen Kontext setzen wir auf ein moderates Wachstum. Slowly but steady wins the race!



Vor welche Herausforderungen stellt Sie der Nachhaltigkeitsaspekt eventuell?

Natürlich könnten wir unsere Wurmkisten günstiger im Ausland produzieren lassen, konventionellen Strom beziehen und andere Maßnahmen in Richtung Kostenminimierung setzen. Dies würde jedoch unseren Prinzipien wiedersprechen. Wir sehen unsere Schritte jedoch nicht als Herausforderungen, sondern als einen Vorteil, der uns ein kontrolliertes Wachsen ermöglicht.

Welche Trends im Bereich „Nachhaltig Wohnen und Leben“ finden Sie besonders spannend?

Ich bin ein absoluter Fan von Tiny Houses und Autarkie im kleinen Stil. Man merkt einfach wie wenig man zum Auskommen braucht. Wie einfach es ist, beispielsweise Gemüse mit Rohstoffen aus den eigenen vier Wänden anzubauen. Hier empfehle ich die Website von Wohnwagon (www.wohnwagon.at), die Spezialisten auf diesem Gebiet sind.

Verraten Sie uns, wie sich Ihr grünes Angebot weiterentwickeln wird?

Wir tüfteln bereits an neuen Produkten für den Außenbereich, mehr kann ich dazu leider noch nicht verraten! Das gigantische Potential der Würmer werden wir mit großer Wahrscheinlichkeit erst in ein paar Jahren erfassen können. Es bleibt auf jeden Fall spannend!

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