Wir machen Wald
Grüne Wirtschaft

Wir machen Wald

Harry Assenmacher ist Gründer von ForestFinance und erklärt, welche Vorteile Forstinvestments für alle Beteiligten mit sich bringen und wie dadurch ein nachhaltiges Wald-Wirtschaftssystem ensteht.

 

Harry Assenmacher ist Gründer von ForestFinance und erklärt, welche Vorteile Forstinvestments für alle Beteiligten mit sich bringen und wie dadurch ein nachhaltiges Wald-Wirtschaftssystem ensteht.

 

17.02.2016

UMWELTHAUPTSTADT: Harry Assenmacher, Sie beschreiben in Ihrem Online-Magazin den Wandel vom Klimawandel zum Klimahandel. Was ist damit gemeint und welches Geschäftsmodell steckt hinter ForestFinance?

HARRY ASSENMACHER: Dieser etwas provokative Titel in unserem Blog ist vor zwei Jahren zum Erscheinen des neuen Berichtes des Weltklimarates entstanden. Und soll zeigen, dass der existente Klimawandel nun sogar genutzt wird, um das klimazerstörerische Wirtschaftssystem noch anzufeuern. Der Handel mit – sinnlosen – CO2-Zertifikaten, die aber der Finanzindustrie dienen ist da nur ein Beispiel.

Wir machen z.B. im Emissionshandel, so wie er heute organisiert ist, nur mit weil unsere Waldflächen real CO2 aus der Atmosphäre ‚entfernen’, wir ein dauerhaftes Mischwald-System aufbauen und dabei dieser Wald noch zusätzlich viele andere positive Umwelteffekte hat, wie z.B. Biodiversität. ‚Nebenbei’ aber im wahrsten Sinne ‚natürlich’ erwirtschaften wir für unsere Kunden durch den Verkauf der zertifizierten Kohlendioxidbindung zusätzliche Erträge. Unser eigentliches Geschäftsmodell ist eben das ‚Machen’ von Wald. Und das tun wir seit über 20 Jahren in Panama, Vietnam, Peru, Kolumbien und Deutschland. Neben den Umwelteffekten versuchen wir auch soziale Ergebnisse zu erzielen:  Menschen vor Ort erhalten eine sozialversicherte, sichere und gut bezahlte Tätigkeit und unsere Investoren, die das Ganze finanzieren, dürfen mit Erträgen aus Holz, Agrarprodukten, CO2 und vielen anderen Produkten rechnen.

Mit Ihrem Angebot bieten Sie gleichzeitig eine Alternative zur herkömmlichen "Spende" für den Regenwald. Ist das der bessere Weg?

Das eine schließt das Andere ja nicht aus. Allerdings bin ich der Meinung, dass der Regenwald nicht durch Spenden zu retten ist – wenn er überhaupt noch zu retten ist. Der Regenwald und die Umwelt generell, wird durch ein bestimmtes zerstörerisches Wirtschaftssystem vernichtet. Also muss man das System ändern. Hier versuchen wir einen anderen Weg aufzuzeigen. Der geht klar in Richtung genossenschaftliches, partnerschaftliches Wirtschaften und weg vom reinen Profit-Denken. Menschen, die bereit sind, ihr Geld in unsere Projekte zu investieren erreichen drei Ziele: Da ist zunächst der Wald, die Beschäftigung der Menschen vor Ort und dazu ein möglicher Ertrag der natürlich und sozial erzeugt wurde. Eben Werte schaffen, statt Profit scheffeln.

Wie nachhaltig sind Forstinvestments generell? Worauf sollten Anleger besonders achten?

Der Markt ist voll von Angeboten, die vordergründing nachhaltig zu sein scheinen, es aber keinesfalls sind. Und das ist für den Anleger auch gar nicht einfach zu durchschauen. Bäumen pflanzen kann doch nicht falsch sein!? Weit gefehlt. Mit Bäumen kann man ganze Regionen verwüsten. Man betrachte nur die gigantischen Monokulturen aus Eukalyptus oder Kautschukbäumen, die nichts sind als industrielle Rohstofffabriken mit hohem Bodenzerstörungspotential. Eine Monokulturplantage wie Holz, Palmöl, Kautschuk etc. bringt am Ende vielleicht maximierte Renditen aber ganz sicher keinen Wald. Zurück bleibt da eine Wüste – und zwar nicht nur am Boden auch sozial ist da alles zerstört. Die Beispiele sind weltweit zu besichtigen. Das Ziel sollte klar sein: Bei einem Waldinvestment aus unserem Hause investieren Kunden in ein auf Dauer angelegtes Mischwald-System, das Grundlage für Wasserspeicherung und Erosionsschutz sowie Lebensraum für Tiere darstellt. Eine Ernte erfolgt nur mit ausgewählten Bäumen, es verbleibt ein vollkommen intaktes Ökosystem.

In der unübersichtlichen Vielfalt der Angebote ist es immer sinnvoll zu überprüfen, ob die Anbieter auf Erfahrung zurückgreifen können und ob Investoren bereits Ausschüttungen erhalten haben. In unseren Projekten haben unsere Kunden bereits mehrfach Ausschüttungen erhalten, die durch den Verkauf von Holz, Kakao und CO2-Zertifikaten erwirtschaftet wurden.

Darüber hinaus spielt es eine sehr wichtige Rolle, wie die Projekte gemanagt werden. Darunter fällt neben der grundsätzlichen Forstexpertise auch der Umgang mit Chemikalien. Zudem sind Zertifikate wie die von FSC, UTZ und Gold Standard ein Zeichen für ein Mindestmaß an Qualität. Solche Zertifizierungen sind also für Investoren ein wichtiger Hinweis, aber eben auch leider keine Garantie. So gibt es (leider) auch FSC-zertifizierte riesige Monokulturplantagen. Noch schlimmer aber: Allein der Hinweis auf zukünftig geplante Zertifizierungen besagt nichts über den aktuellen Zustand.

Zu Themen wie Landgrabbing, welche Anbindung in der Region an die Bevölkerung stattfindet und welche Haltung man zu Kinderarbeit und den Möglichkeiten der Weiterbildung für Mitarbeiter hat – da kann sich der Investor kundig machen. Muss er aber auch. Waldinvestment der ‚guten’ Art fordert vom Kunden eben auch Eigeninitiative.

Deswegen: Die Anbieter sollten gut und umfänglich informieren. Dazu zählen Geschäftsberichte, Forstberichte und weitere Dokumentationen der Arbeit, wie Nachhaltigkeits- oder Biodiversitätsberichte. Werden alle Fragen zu diesem Investment gut und logisch beantwortet? Wer nichts zu verbergen hat, wird geduldig alle Fragen beantworten und darüber hinaus auch jederzeit einen persönliche Besuch der Projekte anbieten.

Gibt es neben der ökologischen und sozialen Komponente auch ökonomische Vorteile, die Waldinvestments mit sich bringen?

Ja natürlich. Wir erwarten bei unseren Projekten Erträge, die in einem Korridor von 0 bis 10% jährlich liegen. Wir verschweigen den möglichen Totalverlust genauso wenig, wie wir einen optimalen Verlauf skizzieren. Realistisch halten wir einen Ertrag, der sich irgendwo pro Jahr zwischen 5% und 7% bewegt. Das wäre angesichts der aktuellen Zinsen auf dem Sparbuch eine attraktive Anlage.

Allerdings müssen Investoren Geduld mitbringen. Denn die großen Auszahlungen bei Wald kommen erst nach 25 Jahren – der Wald muss ja erst wachsen. Etwas frühere Erträge sind möglich bei den Agroforstprodukten mit Kakao. Der liefert ab dem fünften Jahr regelmäßig jährliche Erträge aus der Kakaoernte.

Generell kann man sagen: Wald-Ökonomie ist langsam, langwierig aber eben ‚erdverbunden’. Und deswegen auch mit den entsprechenden – ökonomischen – Risiken aber auch Chancen verbunden.

Wer sind Ihre Kunden, bzw. Anleger aktuell? Gibt es neue Zielgruppen, die Sie gerne für nachhaltige Investments erreichen möchten?

Unsere Kunden sind der Querschnitt der Gesellschaft. Das fängt an beim Kleinkind, das einen Geschenkbaum zur Taufe erhält und geht bis zum Berater für Family-Offices, der seinen Kunden einen hohen Betrag unserer Produkte empfiehlt. Allen ist gemeinsam, dass sie nicht allein renditegetrieben sind, sondern sich Gedanken darüber machen, wie ihr Geld Werte erzeugt oder Wert erhalten kann. Unsere Kunden erfreuen sich am Gesamtkonzept. Ich nenne Ihnen mal ein Beispiel: Wenn wir auf unserem Facebook-Account darüber berichten, dass Mitarbeiter aus Panama in Abendkursen das Lesen und Schreiben lernen und ihre erste Unterschrift unter einen Vertrag setzen, dann freuen sich unsere Kunden. Oder, wenn wir seltene Tiere in unseren Wäldern sichten, dann bekommen die das richtige Gefühl. All das sind Werte – auch wenn die (noch) nicht in Geld gemessen werden können.

Und selbstverständlich haben wir große Lust, neue Zielgruppen zu erreichen. Wir freuen uns über jeden, der mitmacht und unsere Ziele unterstützt. Wir haben jetzt ca. 17.000 Kunden, aber das Potential ist noch riesig.

Welche verschiedenen Möglichkeiten bieten Sie Ihren Anlegern? Kann bspw. auch ein Student mit eher kleineren Beträgen „baumsparen“?

Das ist ja der eigentliche Gedanke von ForestFinance gewesen. Den Kleinanlegern die Möglichkeit zu geben, in etwas zu investieren, was sonst nur institutionelle Anleger tun. Unsere Angebote reichen von Geschenkprodukten (GeschenkBaum und ChocolateTree) für 40 bzw. 59 Euro bis hin zu kleinen Anlagemöglichkeiten, wie dem BaumSparVertrag (ab ca. 400 Euro jährlich). Für jeden Geldbeutel ist da was Passendes dabei. Und wer größer einsteigen möchte, der kann sich an unseren Produkten CacaoInvest oder GreenAcacia beteiligen. Dort bieten wir eine Bandbreite ab 2.700 Euro. Nach oben sind keine Grenzen gesetzt.

ForestFinance wurde zuletzt mit dem Green Brand Award 2015 ausgezeichnet. Wie kam es dazu?

GreenBrands zeichnet alle zwei Jahre besonders nachhaltig agierende Unternehmen mit ihrem Gütesiegel aus. 2015 haben wir uns für diese Auszeichnung beworben und das Siegel nach eingehender Prüfung schließlich auch erhalten. Wir sind damit bisher das erste Unternehmen aus der Umweltinvestmentbranche, welches als Green Brand ausgezeichnet wurde. Darauf sind wir sehr stolz und es bestätigt uns einmal mehr darin, dass wir mit unserer Unternehmensstrategie und unserem Nachhaltigkeitskonzept auf dem richtigen Weg sind.

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie aktuell?

Nach nunmehr 20 Jahren haben unsere Projekte einen Reifegrad erreicht, an dem wir uns nicht mehr nur mit dem Aufforsten beschäftigen, sondern mit dem Ernten und Veredeln. Wir haben uns in den vergangenen Jahren insbesondere das Thema der Weiterverarbeitung unserer Rohstoffe vorgenommen. Neben modernsten Trocknungsstationen für Kakao, die eine gleichbleibende Qualität unseres Kakaos ermöglichen und so die Verkaufspreise erhöhen, haben wir ein Holzverarbeitungs-Zentrum in Las Lajas, Panama eröffnet, indem wir aus eigenen Hölzern Baustoffe, Brettwaren und Holzprodukte fertigen. Auch mit dem klimafreundlichen Ziel, möglichst viel Rohstoff vor Ort zu verwerten, ohne Transporte.

In Panama City haben wir uns an einer Schokoladen- und Pralinenmanufaktur beteiligt, die aus unseren Rohstoffen vor Ort edle Genüsse fertigt.

Das neueste Projekt ist die Gründung der Genossenschaft „Internationale Produzenten Organisation e.G.“. Hier wollen wir eine Handels- und Vermarktungsgenossenschaft entwickeln, an der sich unsere Kunden ebenso beteiligen können, wie kleine und mittlere Fertigungsbetriebe, die sich zertifizierte Rohstoffe in höchster Qualität sichern wollen. Weitere Ideen zur Veredelung werden folgen.

Und wir führen gerade mit „RootProof“ einen neuen Standard ein. Alle Produkte in unserem TreeShop haben einen Herkunftsnachweis. Wir wissen nicht nur auf die GPS-Koordinate genau, wo der Rohstoff für das Produkt herkommt. Auf der Website www.rootproof.org erzählen wir auch noch die Geschichte zum Rohstoff. Wer hat wo geerntet, wie waren die Bedingungen etc. Alles das, erzählen wir. Mehr Transparenz zum Produkt geht nicht. Das wollen wir ausbauen und andere motivieren mitzumachen.

Sie bieten in ihrem TreeShop unter anderem ForestFinance Edelschokolade an. Gibt es hier eine Verbindung zu Ihrem Wald-Wirtschaftssystem?

Selbstverständlich. Alle Produkte bestehen aus unseren eigenen Rohstoffen. Wir haben diverse Schokoladen von verschiedenen Chocolatiers im Angebot, die allesamt aus unserem eigenen Kakao aus Panama und Peru stammen. Die Holzprodukte sind aus unseren Hölzern in Zusammenarbeit mit einer deutschen Werkstatt für behinderte Menschen entstanden. Und es entstehen gerade wieder neue Produkte und Möbel – alle aus unseren Hölzern. Der TreeShop ist das logische Ende unseres Verwertungskonzeptes. Aus einer Rinderweide in den Tropen einen Wald machen und aus den dort gewonnen zertifizierten Hölzern Kinderspielzeug und Schokoladen produzieren und verkaufen: ein toller Kreislauf.

Zuletzt ein Ausblick in die Zukunft: Wie wird sich ForestFinance in den kommenden Jahren weiterentwickeln?

Wir werden weiter gesund wachsen und noch mehr Menschen von unserer Idee begeistern. Entweder als Anleger in Waldinvestments oder als Käufer von den leckeren und schönen Produkten unserer Wälder. Mit der Genossenschaft möchten wir eine Plattform für den Handel mit fairen und nachhaltigen Rohstoffen etablieren und auch dort an Mitgliedern und Handelsvolumen wachsen.

Darüber hinaus sehen wir großes Potential auch in den benachbarten europäischen Ländern. In Frankreich haben wir bereits vor zwei Jahren eine eigene Gesellschaft gegründet, weitere Länder werden folgen.

Und wir werden uns treu bleiben, bei allem, was wir tun: Wir machen Wald!

 
KONTAKT

Julia Kroll
Pressereferentin

ForestFinance Gruppe
www.forestfinance.de
Tel: +49 (0)40 - 65 69 72 – 62

ForestFinance Filmportrait: "Wir machen Wald" from ForestFinance on Vimeo.

 



Kommentare
Kommentare
Eddy
31.05.2016
Super Sache! Das ganze scheint sich auch noch sehr positiv zu entwickeln und wächst, wie man an dem folgenden Bericht ganz gut erkennen kann: <a href="http://www.blog.gruenesgeld.net/2016/05/forestfinance-veroeffentlicht-forst-bericht-2015-gutes-wachstum/">http://www.blog.gruenesgeld.net/2016/05/forestfinance-veroeffentlicht-forst-bericht-2015-gutes-wachstum/</a>

Danke für das interessante Interview!

LG Eddy

Kevin
18.02.2016
Hallo Herr Assenmacher,

Sie machen da ein sehr gutes Geschäft.Es ist ratsam und insbesondere ist es sehr nützlich.
Die Kunden in Ihren Projekten können Ausschüttungen erhalten, die durch den Verkauf von Holz, Kakao und CO2-Zertifikaten erwirtschaftet wurden.
Sehr toll !
Kevin

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