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Der Baum für die Zukunft: Wie Dresdener Holzbengel Weihnachten neu erfindet

INTERVIEW | Wie Dresdener Holzbengel aus regionalem Pflegeholz langlebige Weihnachtsbäume schafft – und damit eine echte Alternative zu Monokulturen bietet.

INTERVIEW | Wie Dresdener Holzbengel aus regionalem Pflegeholz langlebige Weihnachtsbäume schafft – und damit eine echte Alternative zu Monokulturen bietet.

05.12.2025, ein Beitrag von: Fabienne Voigt - Bild: Dresdener Holzbengel

Jedes Jahr werden allein in Deutschland rund 31 Millionen Weihnachtsbäume geschlagen – für wenige Wochen Feststimmung und anschließend für die Entsorgung. Dass es auch anders geht, zeigen die Dresdener Holzbengel: ein junges Unternehmen, das aus regionalem, naturbelassenem Holz langlebige Weihnachtsbäume fertigt und damit eine ressourcenschonende Alternative zur klassischen Baumproduktion bietet. Statt Monokulturen, Pestiziden und jährlichem Nachkauf setzt das Team auf Wiederverwendbarkeit, kurze Wege und die natürliche Vielfalt des Materials. Die Holzbäume sollen dabei nicht nur ökologisch sinnvoll sein, sondern auch die emotionale Seite des Weihnachtsfestes erhalten – warm, authentisch, dekorierbar und individuell.
Im Interview erklären die Gründer, was Nachhaltigkeit für sie bedeutet, wie sie ihre Holzquellen auswählen, welche Reaktionen sie von Kund*innen bekommen und warum ihr Ansatz weit über Weihnachten hinaus gedacht ist.

LifeVERDE: Eure Website spricht von „Nachhaltigkeit trifft Vielfalt". Was genau bedeutet Nachhaltigkeit für Dresdener Holzbengel — und wie unterscheidet sich euer Ansatz von dem klassischer Weihnachtsbaumproduktion?

Martin Erler: Nachhaltigkeit bedeutet für uns bei den Dresdener Holzbengel mehr als nur ein Schlagwort – es ist das Fundament unserer gesamten Philosophie. Im Gegensatz zur klassischen Weihnachtsbaumproduktion, bei der jährlich allein in Deutschland ca. 31 Millionen Bäume aus Monokulturen für eine sehr kurze Nutzungsdauer geschlagen und entsorgt werden, verfolgen wir einen grundlegend anderen Ansatz.

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Für uns beginnt Nachhaltigkeit bei der Ressourcenschonung: Unsere Holzweihnachtsbäume werden nur einmal angeschafft und können Jahr für Jahr wiederverwendet werden. Das bedeutet, dass für unser Weihnachtsfest kein Baum mehr eigens aufgezogen und gefällt werden muss. Klassische Plantagen arbeiten häufig mit Pflanzenschutzmitteln und Düngern, was Böden und Gewässer belastet – dem setzen wir naturbelassenes, regionales Holz entgegen. Ein weiterer Unterschied liegt in Regionalität und kurzen Wegen: Wir fertigen in Dresden, halten Transportdistanzen klein und vermeiden unnötige Emissionen. Vielfalt entsteht durch mehrere Größen und Ausführungen sowie durch die natürliche Einzigartigkeit des Holzes – jeder Baum ist ein Unikat und lässt sich jedes Jahr neu dekorieren.

Bild: Dresdener Holzbengel

Ihr verwendet für eure Bäume Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft und verarbeitet Äste, die z. B. bei Flurbereinigungen oder aus Sicherheitsgründen gefällt wurden. Wie stellt ihr sicher, dass diese Holzquellen wirklich nachhaltig und umweltverträglich sind?

Die Herkunft und Qualität unseres Holzes ist zentral. Wir beziehen Hölzer aus der Region aus nachhaltiger Forstwirtschaft und nutzen Material, das ohnehin bei Waldpflege, Flurbereinigungen oder aus Sicherheitsgründen anfällt. Es wird kein Baum extra für unsere Produkte gefällt. Kurze Transportwege senken die Emissionen, und durch naturbelassene Verarbeitung ohne chemische Zusätze bleibt das Material so ökologisch wie möglich. So nutzen wir vorhandene Ressourcen sinnvoll und vermeiden die ökologischen Nachteile spezialisierter Weihnachtsbaumplantagen.

Viele Menschen verbinden mit Weihnachten einen echten, frisch geschlagenen Baum — wie reagiert ihr auf klimabewusste Verbraucher*innen, die diese traditionelle Stimmung nicht missen möchten? Was sind typische Sorgen und wie begegnet ihr ihnen?

Viele Menschen haben eine tiefe emotionale Bindung an den „echten" Weihnachtsbaum, inklusive Optik und Duft. Unser Ansatz: Tradition bewahren, Umsetzung modernisieren. Unsere Bäume bestehen aus echtem, naturbelassenem Holz mit sichtbarer Maserung und Rinde, wodurch sie warm und authentisch wirken. Sie lassen sich wie gehabt mit Lichterketten, Kugeln oder Strohsternen schmücken. Wer den Tannenduft vermisst, kann Tannenzweige oder ätherische Öle ergänzen – so bleibt die vertraute Stimmung erhalten, während der ökologische Fußabdruck deutlich sinkt.

Bild: Dresdener Holzbengel

Eure Holzbäume sind wiederverwendbar, nadeln nicht und lassen sich einfach verstauen. Welche Rückmeldungen bekommt ihr von Kund*innen — etwa von Allergiker*innen, Tier- oder Familienhaushalten?

Die Resonanz hebt regelmäßig hervor: kein Nadeln, kein Gießen, kein Entsorgungsstress und sehr schneller Auf- und Abbau. Allergikerinnen und Menschen mit empfindlichen Atemwegen schätzen, dass keine Baum-Nadeln und keine mitgebrachten Schimmelsporen im Wohnraum landen. Tierhaushalte berichten von geringerem Verletzungsrisiko durch ausbleibende Nadeln sowie von der hohen Standfestigkeit. Familien mit Kindern loben die Robustheit, die Sicherheit und die einfache, platzsparende Lagerung. Häufiges Extra: Kleine Bäume dienen mit Säckchen bestückt als wiederverwendbare Adventskalender.

Nachhaltigkeit bedeutet oft nicht nur Umwelt-, sondern auch Ressourcenschutz: Wie viele Jahre hält ein Holzweihnachtsbaum eurer Meinung nach — und wie verändert sich eure Umweltbilanz im Vergleich zu jährlich „Neubäumen" dauerhaft?

Ein Holzweihnachtsbaum ist bei sachgerechter Lagerung auf Jahrzehnte ausgelegt. Je länger die Nutzung, desto besser die Umweltbilanz im Vergleich zu jährlich neuen Bäumen. Einmalige Herstellung, kurze Transportwege, Wiederverwendung über viele Jahre und Holz als CO2-Speicher führen über den Lebenszyklus zu sehr geringen Emissionen. Gleichzeitig entfallen jährliche Wege, Kosten und die Entsorgung. Wirtschaftlich rechnet sich der Baum typischerweise nach wenigen Jahren – danach spart man jedes Jahr die Anschaffung eines neuen Baums.

Bild: Dresdener Holzbengel

Euer Konzept könnte ja auch über Weihnachten hinaus spannend sein — etwa für andere saisonale Dekorationen. Habt ihr Überlegungen oder Pläne, das Einsatzspektrum eurer Produkte auszuweiten?

Das Grundprinzip – wiederverwendbare, naturbelassene, regionale Holzprodukte – eignet sich auch für andere Saisons. Denkbar sind zum Beispiel Oster- und Frühlingsdekorationen, herbstliche Motive oder modular gedachte Holz-Arrangements. Schon heute nutzen viele Kundinnen und Kunden unsere kleineren Modelle als Adventskalender oder saisonale Deko. Perspektivisch prüfen wir, wo Bedarf besteht und wo wir mit zeitlosem Design und langlebiger Qualität den größten Mehrwert stiften.

Was sind die größten Herausforderungen für euch als nachhaltig orientiertes Unternehmen – etwa bei Materialbeschaffung, Preisgestaltung oder Kund*innen -Akzeptanz — und wie geht ihr damit um?

Materialbeschaffung: Weil wir nur Holz aus Pflege- und Sicherheitsmaßnahmen nutzen, schwankt die Verfügbarkeit. Lösung: regionales Partnernetzwerk, vorausschauende Planung und fachgerechte Trocknung/Lagerung.

Preisgestaltung: Höhere Einmalinvestition gegenüber einem einzelnen Naturbaum. Lösung: Transparente Gesamtkosten über die Jahre, Amortisationshinweise, mehrere Größen für unterschiedliche Budgets.

Akzeptanz: Emotionale Bindung an den Nadelbaum. Lösung: Authentische Kommunikation, reale Kundenbeispiele, Erklären der Vorteile ohne erhobenen Zeigefinger.

Produktion/Skalierung: Handarbeit und Qualität begrenzen die Kapazität. Lösung: Prozessoptimierung, punktuelle Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben, Vorverkaufs- und Planungsmodelle.

Wettbewerbsumfeld: Günstige Plastikbäume und Gewohnheit beim Naturbaum. Lösung: klare Positionierung als natürliche, langlebige, regionale Alternative ohne die Nachteile beider Extreme.

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