Grüne Wirtschaft

Was eine gute Matratze ausmacht: Einblicke aus sieben Jahren Matratzenentwicklung

Verapur-Geschäftsführer erklärt, welche Produktangaben beim Matratzenkauf relevant sind, worauf Verbraucher bei Materialien und Verarbeitung achten können und welche Nachweise Orientierung geben.

Verapur-Geschäftsführer erklärt, welche Produktangaben beim Matratzenkauf relevant sind, worauf Verbraucher bei Materialien und Verarbeitung achten können und welche Nachweise Orientierung geben.

02.10.2026

Verapur ist ein deutscher Matratzenhersteller mit Sitz in Berlin. Die Produktion befindet sich in Bad Oeynhausen. Das Unternehmen entwickelt seine Schlafsysteme selbst und produziert die Matratzen gemeinsam mit spezialisierten Produktionspartnern in Deutschland. Der Vertrieb erfolgt hauptsächlich über den eigenen Webshop sowie über Amazon und Otto. Der Geschäftsführer führt Verapur seit rund sieben Jahren und hat in dieser Zeit nahezu alle Bereiche des Geschäfts kennengelernt – von der Produktentwicklung und der eigenen sowie externen Produktion über Lieferketten und Retouren bis hin zum Onlinehandel. Dabei beschäftigt ihn immer wieder die grundlegende Frage, was eine gute Matratze tatsächlich ausmacht. Sein Blick auf das Thema hat sich im Laufe der Jahre verändert. Heute richtet er seine Aufmerksamkeit weniger auf werbliche Versprechen und stärker auf die konkreten Eigenschaften eines Produkts: Welche Materialien werden eingesetzt? Wie ist eine Matratze konstruiert? Und wie verändert sie sich nach mehreren Jahren der Nutzung? Schließlich handelt es sich bei einer Matratze um ein Gebrauchsprodukt, das einen Menschen im besten Fall über viele Jahre hinweg Nacht für Nacht begleitet.


Bild: Inhaber verapur, Maximilian Schottke

LifeVERDE: Welche Eigenschaften einer Matratze können aus Ihrer Sicht dazu beitragen, Ressourcen zu schonen – und woran können Verbraucher diese Eigenschaften beim Kauf konkret erkennen?

Inhaber verapur, Maximilian Schottke: Für mich beginnt Nachhaltigkeit bei Matratzen mit einer ziemlich einfachen Frage: Wie lange kann ich das Produkt vernünftig benutzen? Wenn eine Matratze ihre Form und ihre Liegeeigenschaften lange behält, muss sie seltener ersetzt werden. Entsprechend werden auch weniger Rohstoffe, Verpackungen und Transporte benötigt. Beim Kauf würde ich deshalb zuerst auf den tatsächlichen Aufbau schauen. Welche Schäume werden verwendet und welche Raumgewichte haben sie? Wie ist der Federkern aufgebaut? Ist der Bezug abnehmbar und waschbar? Können einzelne Bestandteile ersetzt werden? Wir haben selbst gelernt, dass Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit an dieser Stelle eng zusammenhängen. Ein Produkt, das zu schnell verschleißt oder für den Kunden nicht funktioniert, kommt im Zweifel zurück. Dann hat man zusätzliche Transporte, neues Verpackungsmaterial und eine Matratze, die unter Umständen nicht mehr regulär verkauft werden kann. Deshalb gehören für mich auch gute Beratung und möglichst wenige Fehlkäufe zum Thema Nachhaltigkeit. Darüber wird meiner Meinung nach zu wenig gesprochen.


Bild: verapur

Welche Materialien werden bei Matratzen eingesetzt, und welche Unterschiede gibt es beispielsweise hinsichtlich Herkunft, Verarbeitung, Haltbarkeit und möglicher Wiederverwertung?

Im Wesentlichen sprechen wir über verschiedene Schäume, Federkerne und Textilien sowie Kombinationen daraus. Das Problem für Verbraucher ist, dass zwei Matratzen von außen fast identisch aussehen können, obwohl im Inneren völlig unterschiedliche Materialien und Qualitäten stecken. Bei einem Schaum reicht zum Beispiel die Bezeichnung „Kaltschaum" oder „Komfortschaum" nicht aus, um die Qualität beurteilen zu können. Unter anderem spielen Dichte beziehungsweise Raumgewicht und die Verarbeitung eine Rolle. Bei einem Taschenfederkern sind beispielsweise Drahtstärke, Konstruktion und die darüberliegenden Komfortschichten interessant. Ich halte deshalb auch wenig von pauschalen Aussagen wie „Material X ist nachhaltig und Material Y ist schlecht". Man muss sich die gesamte Konstruktion ansehen und vor allem die Frage stellen, wie lange sie funktioniert. Beim Recycling gibt es ein weiteres Problem: Eine Matratze besteht aus verschiedenen Materialien, die teilweise fest miteinander verbunden sind. Je einfacher diese später wieder voneinander getrennt werden können, desto besser sind grundsätzlich auch die Voraussetzungen für eine stoffliche Verwertung.

Welche Rolle spielt die Lebensdauer einer Matratze?

Eine sehr große. In der Branche liest man mittlerweile teilweise Empfehlungen, Matratzen bereits nach wenigen Jahren auszutauschen. Wenn beispielsweise von drei Jahren gesprochen wird, halte ich das für problematisch. Eine vernünftige Matratze im mittleren Preissegment sollte aus meiner Sicht eher fünf bis acht Jahre halten können. Natürlich gibt es dafür keine Zahl, die auf jeden Menschen und jede Matratze passt. Jemand mit 60 Kilogramm belastet eine Matratze anders als jemand mit 120 Kilogramm. Dazu kommen Unterfederung, Feuchtigkeit, Nutzung und Pflege. Trotzdem sollte eine gute Matratze über Jahre ihre wesentlichen Eigenschaften behalten. Der Kern sollte formstabil bleiben, es sollten sich nicht frühzeitig starke Kuhlen bilden und der Bezug sollte vernünftig gepflegt werden können. Und da haben wir als Hersteller selbst einiges gelernt. Ein Produkt kann technisch auf dem Papier hervorragend aussehen und trotzdem im Alltag nicht für die Kundengruppe funktionieren, für die man es entwickelt hat. Diese Erfahrungen fließen bei uns inzwischen viel stärker in die Produktentwicklung ein.


Bild: verapur

Welche Bedeutung haben Herkunft und Produktionsbedingungen? Was bedeutet „Made in Germany" konkret?

„Made in Germany" bedeutet für mich in erster Linie Wertschöpfung und die Menschen, die dahinterstehen. Wir entwickeln unsere Produkte hier und produzieren gemeinsam mit spezialisierten Betrieben in Deutschland. Wenn man selbst regelmäßig in der Produktion steht, bekommt der Begriff auch eine andere Bedeutung. Dort arbeiten Menschen, die seit vielen Jahren Schäume verarbeiten, Federkerne konfektionieren, Bezüge nähen oder Matratzen bauen. Man sollte mit dem Begriff trotzdem ehrlich umgehen. Eine Matratze besteht aus vielen verschiedenen Komponenten und Rohstoffen. Eine Produktion in Deutschland bedeutet nicht automatisch, dass jeder einzelne Rohstoff aus Deutschland stammt. Bei uns kommen beispielsweise Schäume, Federkerne und Kleber aus Deutschland und auch die Verarbeitung findet hier statt. Unsere Stoffe kommen derzeit überwiegend aus Polen, wobei wir auch hier gerade Veränderungen prüfen. Ich finde es besser, das konkret zu benennen, als einfach nur ein Deutschland-Label auf das Produkt zu kleben. Für uns haben kurze Lieferketten außerdem einen sehr praktischen Vorteil: Wenn etwas nicht funktioniert, können wir direkt mit den Menschen sprechen, die das Produkt herstellen. Dann kann man einen Aufbau verändern, Materialien austauschen und relativ schnell aus Fehlern lernen.

Welche Zertifizierungen und Prüfzeichen können Orientierung geben?

Prüfzeichen können eine gute Orientierung sein. Man sollte aber genau darauf achten, was tatsächlich geprüft wurde. Bei unseren Produkten beziehungsweise Komponenten spielt zum Beispiel OEKO-TEX Standard 100 eine Rolle. Hier geht es um die Prüfung auf bestimmte Schadstoffe. Ein solches Prüfzeichen beantwortet aber nicht automatisch andere Fragen. Es sagt zum Beispiel nicht, ob eine Matratze nach vielen Jahren noch formstabil ist, ob sie ergonomisch zu einem bestimmten Menschen passt oder wie nachhaltig die gesamte Lieferkette ist. Ich finde, genau das muss man als Hersteller sauber auseinanderhalten. Aus einem Zertifikat wird im Marketing schnell eine viel größere Aussage gemacht, als die eigentliche Prüfung hergibt. Als Verbraucher würde ich deshalb immer schauen: Wer hat eigentlich was geprüft, nach welchem Standard wurde geprüft und was sagt dieses Ergebnis konkret aus?

Was sollten Verbraucher über den Produktlebenszyklus einer Matratze wissen?

Der Lebenszyklus beginnt natürlich schon lange vor der Lieferung. Rohstoffe werden hergestellt, Schäume produziert, Federkerne gefertigt, Stoffe gestrickt oder gewebt. Danach kommen Verarbeitung, Verpackung und Transport. Der längste Teil des Lebenszyklus ist aber die Nutzung beim Kunden. Deshalb finde ich es zu kurz gedacht, Nachhaltigkeit hauptsächlich an der Verpackung oder dem Transport festzumachen. Wenn eine Matratze lange genutzt werden kann, der Bezug gepflegt oder ersetzt werden kann und das Produkt nicht nach kurzer Zeit retourniert oder komplett ausgetauscht werden muss, macht das einen erheblichen Unterschied. Schwieriger wird es am Ende der Nutzung. Matratzen bestehen aus mehreren Materialien und deren Trennung ist nicht immer einfach. Ich glaube, dass wir als Branche bei der Produktentwicklung künftig stärker darüber nachdenken müssen, wie sich die einzelnen Bestandteile später wieder sauber voneinander trennen lassen.

Wie können Verbraucher Matratzen sinnvoll miteinander vergleichen?

Das ist leider ziemlich schwierig. In unserer Branche wird sehr viel mit Begriffen wie „Premium", „7-Zonen", „Luxus" oder besonderen Namen für Schäume gearbeitet. Solche Begriffe helfen beim direkten Vergleich aber kaum. Auch Begriffe mit gesundheitlichem Bezug sind ein Thema. Beim Begriff „orthopädisch" gibt es beispielsweise rechtliche Grenzen für gesundheitsbezogene Werbeaussagen. Trotzdem begegnet einem der Begriff im Matratzenmarkt weiterhin regelmäßig. Ich würde eine Matratze deshalb beim Vergleich gedanklich auseinanderbauen: Wie hoch ist der eigentliche Kern? Welche Materialien stecken darin? Welche Raumgewichte haben die Schäume? Wie ist der Federkern konstruiert? Ist der Bezug abnehmbar? Was lässt sich austauschen? Wo findet die Produktion statt? Welche Prüfungen gibt es tatsächlich? Und ich würde mir auch den Service ansehen. Was passiert, wenn die Matratze nicht passt? Wie funktioniert das Probeschlafen wirklich? Wie werden Rückgaben abgewickelt und wie reagiert das Unternehmen, wenn ein Problem auftritt? Auch der Preis allein sagt relativ wenig über die Qualität aus. Zwischen Herstellung und Verkauf liegen gerade im Onlinehandel Marketing, Logistik, Retouren, Zahlungsgebühren und andere Kosten. Gleichzeitig gibt es Produkte, bei denen der Verkaufspreis wenig darüber verrät, was tatsächlich im Kern steckt. Deshalb würde ich beim Kauf eher fragen: Warum kostet diese Matratze das, was sie kostet – und was bekomme ich dafür konkret?


Bild: verapur

Welche Angaben und Nachweise sollten Hersteller transparent zur Verfügung stellen?

Ich würde mir wünschen, dass unsere Branche bei technischen Produktinformationen etwas langweiliger wird. Weniger Superlative, mehr konkrete Daten. Welche Materialien werden eingesetzt? Wie ist der Kern aufgebaut? Welche Raumgewichte haben die Schäume? Wie hoch sind die einzelnen Schichten? Wo findet die Produktion statt? Welche Prüfungen gibt es? Dazu gehören für mich aber auch die weniger angenehmen Informationen. Was bedeutet ein Härtegrad beim jeweiligen Hersteller tatsächlich? Welche Toleranzen gibt es? Welche Lebensdauer ist unter normalen Bedingungen realistisch? Was lässt sich ersetzen? Wie funktioniert eine Rückgabe? Und welche Bestandteile kommen tatsächlich aus Deutschland? Nach sieben Jahren als Unternehmer ist für mich ein Punkt besonders wichtig geworden: Glaubwürdig wird ein Unternehmen nicht dadurch, dass es behauptet, keine Fehler zu machen. Produkte funktionieren manchmal anders als erwartet. Lieferketten funktionieren nicht immer. Auch wir haben Produkte verändert, weil wir festgestellt haben, dass eine Konstruktion in der Praxis nicht so funktioniert hat, wie wir uns das ursprünglich vorgestellt hatten. Entscheidend ist für mich, dass man versteht, warum etwas nicht funktioniert hat, daraus lernt und das Produkt anschließend besser macht. Denn beim Matratzenkauf kauft ein Kunde letztlich nicht nur Schaum, Federn und einen Bezug. Er muss einem Hersteller vertrauen, dass das, was er über sein Produkt erzählt, auch tatsächlich stimmt. Matratzen-Kauf ist nämlich Vertrauens-Kauf.

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Redaktioneller Hinweis: Aussagen zu Nachhaltigkeit, Umweltwirkungen sowie Produkten oder Unternehmensmaßnahmen beziehen sich auf die im Beitrag genannten Informationen und Quellen und stellen keine pauschale Nachhaltigkeitsbewertung eines Unternehmens oder seines gesamten Angebots dar. Mehr zur redaktionellen Einordnung →



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