Grüne Wirtschaft

Wärmewende zu Ende gedacht: Warum die Wärmepumpe ohne Durchlauferhitzer nur die halbe Lösung ist

INTERVIEW I Die Wärmepumpe gilt als Schlüsseltechnologie der Energiewende im Gebäudesektor. Doch wie effizient ist sie wirklich im Alltag? Das Unternehmen CLAGE sieht enormes Potenzial – vor allem, wenn Heizung und Warmwasser konsequent getrennt werden. 

INTERVIEW I Die Wärmepumpe gilt als Schlüsseltechnologie der Energiewende im Gebäudesektor. Doch wie effizient ist sie wirklich im Alltag? Das Unternehmen CLAGE sieht enormes Potenzial – vor allem, wenn Heizung und Warmwasser konsequent getrennt werden. 

23.04.2026, ein Beitrag von: Louisa Becker - Bild: CLAGE

Die Transformation hin zu klimaneutralem Heizen nimmt Fahrt auf – insbesondere durch den Einsatz moderner Wärmepumpensysteme. Doch während viele Konzepte noch auf zentrale Strukturen setzen, plädiert CLAGE für ein Umdenken: weg von komplexen Gesamtsystemen, hin zu einer klaren Trennung von Raumheizung und Warmwasserbereitung. Im Interview erläutert das Unternehmen, warum gerade die Warmwasserversorgung zum Effizienzfaktor wird und welche Vorteile dezentrale E-Durchlauferhitzer bieten.


Bild: CLAGE

LifeVERDE: Wie bewerten Sie bei CLAGE die aktuelle Entwicklung hin zu Wärmepumpensystemen im Gebäudesektor?

ALEXANDER GERDES, CEO von CLAGE: Wir begrüßen den Trend zur Wärmepumpe ausdrücklich, da sie das Herzstück einer klimaneutralen Wärmeversorgung ist. Allerdings beobachten wir, dass viele Systeme noch zu „zentral“ gedacht werden. Die Wärmepumpe wird oft als 1:1-Ersatz für den alten Öl- oder Gaskessel gesehen.

Das Problem: Die Wärmepumpe ist unschlagbar effizient beim Heizen mit niedrigen Temperaturen (z. B. Fußbodenheizung), stößt aber an physikalische Grenzen, wenn sie gleichzeitig das Trinkwasser auf hohe Temperaturen für nur kurz genutzte und üblicherweise weit entfernte Zapfstellen in Bad und Küche erhitzen muss.

Die Lösung: Heizung und Warmwasser sollten konsequent getrennt werden. Die Wärmepumpe kann so ihre Stärken voll ausspielen und die Raumheizung effizient im Niedertemperaturbereich betreiben. Für warmes Wasser sorgen „dezentrale“ E-Durchlauferhitzer, die das Wasser direkt im Durchfluss und ohne zentrale Speicherung erhitzen. Dank kurzer Leitungswege und moderner Technik reduziert das die Systemkomplexität und schafft die Grundlage für einen insgesamt effizienteren Anlagenbetrieb.

LifeVERDE: Warum ist gerade die Warmwasserversorgung ein kritischer Hebel, wenn es um die Effizienz von Wärmepumpen geht?

Die Effizienz einer Wärmepumpe – ausgedrückt durch die Jahresarbeitszahl – sinkt drastisch, je größer der Temperaturunterschied zwischen der Umweltquelle und der Zieltemperatur ist. Während 35 °C für die Heizung ideal sind, verlangt ein zentrales, speicherbasiertes Warmwassersystem 60 °C. Dieser „Temperatursprung“ zwingt die Wärmepumpe in einen ineffizienten Betriebsbereich.

LifeVERDE: Und warum muss die Wärmepumpe das Wasser so hoch erhitzen?

Um das Legionellenwachstum im Trinkwasser zu verhindern, schreiben Normen in zentralen Speichersystemen oft Temperaturen von mindestens 60 °C vor. Für eine Wärmepumpe ist das „Dauerstress“. Bei einer dezentralen Lösung mit E-Durchlauferhitzern entfällt dieses Problem komplett: Bei Durchlauferhitzern wird kein warmes Wasser gespeichert, sondern nur im Durchfluss bei Bedarf erhitzt. Wo kein stehendes Warmwasser ist, gibt es kein Legionellenrisiko.

LifeVERDE: Inwiefern kann die dezentrale Warmwasserbereitung durch E-Durchlauferhitzer die Wärmepumpe konkret entlasten?

Die Trennung von Heizung und Warmwasser bringt mehrere konkrete Vorteile: Die Wärmepumpe kann sich vollständig auf die Raumheizung konzentrieren und dauerhaft im effizienten Niedertemperaturbereich arbeiten. Dadurch lässt sie sich kleiner und kostengünstiger auslegen.

Da E-Durchlauferhitzer kein Wasser bevorraten, sind die Geräte sehr kompakt und benötigen nur wenig Platz. Warmwasserspeicher, Zirkulationsleitungen und Pumpen sind nicht mehr nötig. Das reduziert die Investitionskosten deutlich. Auch im Betrieb wird die Warmwasserversorgung mindestens 40 % effizienter. Und in den Sommermonaten kann die Wärmepumpe komplett abgeschaltet werden.

LifeVERDE: Sie sprechen von möglichen Energieeinsparungen von 40 Prozent durch die Trennung von Heizung und Warmwasser – wie kommt dieser Wert zustande?

Bei alten Gebäuden mit sehr hohem Heizwärmebedarf kann eine zentrale Versorgung sinnvoll sein. Aber bei Renovierungen und gut gedämmten Neubauten ist das Bereitstellen, Speichern und Weiterleiten von 60 °C heißem Wasser mit hohen Energieverlusten verbunden. Die »Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft« (FFE) unterteilt die Energieverluste bei der zentralen Warmwasserbereitung in Zirkulations-, Verteil-, Anlauf- und Speicherverluste. Im Einfamilienhaus summieren sich diese Verluste laut FFE auf über 40 % des gesamten Energiebedarfs. Im Mehrfamilienhaus liegen die Verluste sogar noch höher. Mit Durchlauferhitzern werden diese Energieverluste konsequent vermieden.

LifeVERDE: Ihre Firma bietet verschiedene Durchlauferhitzer-Typen an. Wie unterscheiden sich diese in der praktischen Anwendung im Haushalt?

CLAGE hat sich seit 75 Jahren auf effiziente Durchlauferhitzer-Technik „Made in Germany“ spezialisiert. Unsere Spezial-Geräte werden nahe an der Entnahmestelle montiert und erwärmen das Wasser absolut bedarfsgerecht ohne Energie zu verschwenden.

Im Badezimmer ist der Komfort-Durchlauferhitzer »DSX TOUCH« mit 18 – 27 kW zu empfehlen. Das Gerät wurde auch Testsieger bei Stiftung Warentest und kann mehrere Entnahmestellen im Bad gleichzeitig versorgen.

Für die Küche sollte man den Kompakt-Durchlauferhitzer »CEX-U« (11 – 13,5 kW) einplanen, der direkt unter der Spüle montiert wird. Unter dem Waschbecken reicht ein Klein-Durchlauferhitzer »MCX« mit Stecker (3,5 kW) völlig aus.

Wenn die Leitungswege kurz sind, kann der Durchlauferhitzer auch direkt im Hauswirtschaftsraum oder Keller installiert werden und das ganze Haus oder eine ganze Wohnung mit Warmwasser versorgen. Für den versteckten Einbau und eine smarte Steuerung empfehle ich den Modul-Durchlauferhitzer »ISX« (18 – 27 kW). Dieser kann als erster Durchlauferhitzer auf dem Markt sogar per Modbus-RTU-Schnittstelle ins Energiemanagement eines Hauses eingebunden werden. Interessierte Personen können die neuesten E-Durchlauferhitzer-Modelle in unserer Ausstellung in Lüneburg auch gern in Funktion testen.


Bild: CLAGE

LifeVERDE: Welche Vorteile ergeben sich für Endverbraucher neben der Energieeinsparung, etwa beim Komfort oder der Temperatursteuerung?

Der größte Pluspunkt ist: CLAGE Durchlauferhitzer liefern das Wasser jederzeit genau in der eingestellten Temperatur. Kein Warten, kein nerviges Mischen mit Kaltwasser bis die Temperatur endlich stimmt. Zudem ist das warme Wasser „unendlich lange“ verfügbar. Ein leerer Speicher, wenn das dritte Familienmitglied duschen möchte, gehört der Vergangenheit an.

Auch mitten in der Nacht, wenn ein herkömmlicher Speicher eventuell im Energiesparmodus ruhen würde, kann mit unseren Durchlauferhitzern sofort in Wunschtemperatur geduscht werden.

LifeVERDE: Was würden Sie Hausbesitzern oder Planern raten, die gerade auf Wärmepumpe umstellen: Ab wann lohnt sich die zusätzliche Integration von E-Durchlauferhitzern wirklich?

Im Neubau lohnt es sich fast immer, da man die Kosten für teure Warmwasserleitungen, Zirkulationspumpen und große Speicher spart.

Bei der Sanierung lohnt es sich, wenn eine kleine Wärmepumpe nachgerüstet wird, die im Niedertemperaturbereich arbeitet.

Generell lohnt sich der Einsatz von Durchlauferhitzern besonders dann, wenn der Weg von der zentralen Wärmequelle (egal ob Wärmepumpe, Fernwärme, Öl- oder Gasheizung) zur Zapfstelle länger als 10 Meter ist.

Fazit: Wärmepumpe und Durchlauferhitzer kombinieren – maximale Effizienz durch dezentrale Warmwasserlösungen

Die Kombination aus Wärmepumpe und dezentralen Durchlauferhitzern bietet enormes Potenzial für mehr Energieeffizienz im Gebäudesektor. CLAGE zeigt, dass insbesondere die Trennung von Heizung und Warmwasser ein entscheidender Hebel ist, um Betriebskosten zu senken, Systeme zu vereinfachen und die Klimabilanz zu verbessern. Für Neubauten und moderne Sanierungen könnte dieses Konzept schon bald zum neuen Standard werden.

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