Von der Wertschätzung zur Wertschöpfung. Ein Expertenbericht von Melanie Vogel, Initiatorin der women&work.
Grüne Wirtschaft

Von der Wertschätzung zur Wertschöpfung. Ein Expertenbericht von Melanie Vogel, Initiatorin der women&work.

Der Dreiklang von Diversity, ethischem Handeln und Unternehmenserfolg.

Der Dreiklang von Diversity, ethischem Handeln und Unternehmenserfolg.

17.03.2014 - Bild: Melanie Vogel / women&work

Epochale Finanzkrisen, rasante Börsenstürze und spektakuläre Unternehmenspleiten lassen schnell vergessen: In der Wirtschaft geht es nicht nur um Zahlen. Gewinne und Verluste werden von Menschen erwirtschaftet, Männern und Frauen verschiedenen Alters, aus unterschiedlichen Herkunftsregionen mit unterschiedlichen biografischen Hintergründen und ihren ganz individuellen Stärken und Talenten. Je bunter die Belegschaft eines Unternehmens ist und je besser Führungskräfte diese Vielfalt zielgerichtet führen und wertschätzen, umso erfolgreicher und krisensicherer ist das Unternehmen. Doch warum ist das so?

Im letzten Jahr fragten wir in unserem „Student Survey“ knapp 400 Studierende und Absolventen bundesweit, welche Handlungen sie seitens des Arbeitgebers als besonders wertschätzend empfinden. „Lob“ war mit 66 Prozent neben dem „Einbeziehen in Entscheidungen“ die zweit wichtigste wertschätzende Handlung, die ein Arbeitgeber den Mitarbeitenden zukommen lassen sollte. Die Ergebnisse einer aktuellen Studie von Stepstone zeigen in die gleiche Richtung. 18.500 Fach- und Führungskräfte antworteten auf die Frage was sie am meisten motiviere, an erster Stelle mit einem kollegialen Arbeitsumfeld. Ein guter Vorgesetzter, der seine MitarbeiterInnen fördert und fair behandelt, wurde ebenfalls als ein starker Antreiber identifiziert.

Viele neurowissenschaftliche Studien bestätigen das: Sprechen Führungskräfte Lob und Anerkennung aus und zeigen sie den Mitarbeitern gegenüber Wertschätzung und Loyalität, so setzen sie in den Gehirnen der Mitarbeitenden die glücklich machenden Stoffe Dopamin, Oxytozin und Opioide frei und tragen so automatisch dazu bei, eine motivations- und leistungsfördernde Umgebung herzustellen, in der Arbeiten Spaß macht und eine hohe Identifikation mit dem Arbeitgeber möglich ist.

In einer anerkennenden Haltung Menschen gegenüber, spiegelt sich ethisches Verhalten, das im Wirtschaftskontext Rückschlüsse auf eine gelebte Wertehaltung in den jeweiligen Unternehmen zulässt. In dem Wort „Wertschätzung“ steckt die Achtung vor dem Wert eines Menschen, wobei der Wert hier nicht nur in der Arbeitskraft eines Menschen gesehen werden darf. Die Wertschätzung der Arbeitsergebnisse alleine sorgt nämlich nicht dauerhaft für Motivation und Loyalität. Zusätzlich bedarf es der Akzeptanz der individuellen Charakterstärken und der biografischen Vielfalt, um echte und wahrhaftige Wertschätzung auszusprechen, die vom Gegenüber erst dann auch als authentische und echte Anerkennung empfunden werden kann.  

Verhaltensweisen und Haltungen sind immer eine Sache der Mehrheit. Während eine einzelne Führungskraft extrem positiven Einfluss auf die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausüben kann, so kann man erst dann von einer ethisch geprägten Unternehmenskultur sprechen, wenn das wertschätzende Verhalten auch von allen anderen Führungskräften und der Geschäftsführung selbst vorgelebt wird. Die Unternehmensleitung nimmt damit – ob gewollt oder nicht – eine prägende Rolle ein, was die Ausübung (oder Ignoranz) ethischer Werte in einem Unternehmen angeht, denn sie lebt die Auslegung impliziter Spielregeln und Verhaltensmaßstäbe vor, die in diesem besonderen Mikrokosmos gelten.  

Dan Popov, Mitbegründer des von den Vereinten Nationen und vom Dalai Lama geehrten VirtuesProject®, hat in seiner Doktorarbeit in den 80-er Jahren sieben Hauptreligionen untersucht und dabei 325 Tugenden identifiziert, die in all diesen Religionen eine Rolle spielten. Menschen weltweit verstehen und deuten diese Tugenden ähnlich – unabhängig vom kulturellen Kontext, in dem sie leben und aufgewachsen sind. Diese Tugenden bilden gewissermaßen eine gemeinsame ethische Wertebasis aller Menschen weltweit. Das bedeutet, dass selbst in einem sozialen Kontext mit erheblichem Konformitätsdruck – zum Beispiel einer Diktatur oder aber einem Unternehmen, das durch die Führungskräfte eine sehr starke Kontrollfunktion auf die Belegschaft ausübt – der innere Kompass  für „richtig“ und „falsch“, für „gut“oder „böse“ nicht außer Kraft gesetzt wird.  

Wird also die Arbeitsleistung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertgeschätzt und sind sie als Menschen in einem Unternehmen anerkannt und geachtet, sind sie loyal, wenig wechselwillig und hoch motiviert. Ein gutes Unternehmensklima hat einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf den Gewinn, den ein Unternehmen erwirtschaftet. Je nach Klima kann dieser um 30 Prozent nach oben oder unten schwanken, ergab eine Studie der Hay Group im Mai 2013.  

Entscheidende Fragen sowohl für Unternehmen als auch für Bewerberinnen und Bewerber lauten daher:

- In welchem Handlungssystem bewegt sich das Unternehmen?
- Wie werden die Werte in diesem Mikrokosmos aus- und vorgelebt und interpretiert?
- Wie werden Wertekonflikte gelöst? 

Je klarer die ethischen (Führungs-)Richtlinien in einem Unternehmen gelebt und kommuniziert werden, umso geringer ist das Risiko unethischen Verhaltens innerhalb des Unternehmens und umso eher kann es geahndet werden, sollte es dennoch auftreten. Unklare Signale der Geschäftsleitung lähmen und (Werte-)Konflikte im Unternehmen verunsichern. Eine klare und für alle Stakeholder, die mit dem Unternehmen arbeiten, gleichermaßen geltende ethische Wertehaltung reduziert die Komplexität und beschleunigt Geschäftsprozesse.  

women&work am 24. Mai 2014 in Bonn 

Auf der women&work, Deutschlands größter Messe-Kongress für Frauen, wird das Thema “Ethik im Business” aufgeriffen und der Dreiklang von Diversity, ethischem Handeln und Unternehmenserfolg in vielen Podiumsdiskussionen und Vorträgen diskutiert, die eigene persönliche ethische Haltung reflektiert und die Fragen gestellt: Ist Ethik im Business möglich? Wenn ja, wie? Was muss sich zukünftig ändern? Und: Würden mehr Frauen in Top-Positionen eine veränderte ethische Haltung in der Wirtschaft unterstützen? 

Dr. Irina Kummert, Präsidentin des Ethikverbands und Kooperationspartner der women&work 2014, sieht die Messe “als ausgezeichnete Möglichkeit, sich mit den Mechanismen von Ethik zu befassen, die maßgeblichen Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen haben. Im Hinblick darauf, werden wir in unserer Podiumsdiskussion hinterfragen, ob weibliche Führungskräfte andere moralische Maßstäbe ansetzen als männliche und ob wir durch mehr Frauen im Top Management künftige Krisen vermeiden könnten.”

Hochkarätige Expertinnen und Experten aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft versuchen am 24. Mai in Bonn, Antworten zu finden. Zusätzlich stehen den Messebesucherinnen knapp 100 Top-Arbeitgeber zum Thema “Frauen und Karriere” Rede und Antwort. Wer sich gezielt auf die Gespräche mit den Unternehmen auf der women&work vorbereiten möchte, kann sich bis zum 16. Mai für vorterminierte Vier-Augen-Gespräche bei den ausstellenden Unternehmen anmelden.  Weitere Informationen zur women&work gibt es unter www.womenandwork.de.

ZUR PERSON

Melanie Vogel ist Initiatorin der women&work, Deutschlands größtem Messe-Kongress für Frauen, der 2012 mit dem Innovationspreis „Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde. Sie ist ausgebildeter Innovation-Coach, Mitglied im Innovations-Netzwerk der Stanford University, zertifizierte Trainerin für "Situatives Führen" nach Ken Blanchard sowie zertifizierte DISG® -Trainerin. Sie hält Vorträge und gibt Seminare zu den Themen Diversity und Innovation, Vereinbarkeit und Führung und strategische Karriereplanung für Frauen.

http://www.melanie-vogel.com



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