Grüne Wirtschaft

Vom Schulprojekt zum Startup: Die Mehrwegprodukte von Faircup

INTERVIEW | Mehrwegbecher und -boxen können das Müllaufkommen erheblich verkleinern. Im Interview lernst du das Unternehmen FairCup kennen, das sich mit seinen Pfandbechern dafür einsetzt.

INTERVIEW | Mehrwegbecher und -boxen können das Müllaufkommen erheblich verkleinern. Im Interview lernst du das Unternehmen FairCup kennen, das sich mit seinen Pfandbechern dafür einsetzt.

18.01.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bilder: Faircup


Einwegbecher sind ein großes Problem für unsere Umwelt: Es gibt viel zu viele davon und sie landen nach einmaliger Nutzung im Müll oder werden achtlos irgendwo hingeworfen. Diesem Problem nehmen sich mittlerweile viele Unternehmen an und wirken dem mit Mehrwegprodukten und Pfandsystemen entgegen.

Ende letzten Jahres haben wir dir schon die Mehrwegbecher von Cupforcup vorgestellt, heute geht es um ein weiteres Startup aus diesem Bereich: FairCup. Die Geschichte hinter FairCup, die Funktionsweise des Pfandsystems, interessante Infos zu den Mehrwegbechern und Mehrwegboxen und wieviel Müll bisher eingespart werden konnte, erfährst du im Interview mit Patrick Pfeiffer, Assistent der Geschäftsführung.

 

LifeVERDE: Der Entstehungsort von FairCup war eine Schule in Göttingen. Kannst uns die Geschichte einmal kurz erläutern?

PATRICK PFEIFFER: Alles begann 2016 als einfaches Schulprojekt, da die Schüler und Schülerinnen des beruflichen Gymnasiums Projektmanagement als Schulfach haben. Die Schule wollte im Rahmen des Projektes etwas mit längerfristiger Wirkung schaffen. Es wurden Interessenten dafür gesucht und 2017 dann ein eigener Mehrwegbecher designt. Dieser wurde gleich so konstruiert, dass er auch ohne Barcodeaufdruck Leergutautomaten-tauglich ist. Nach dem ersten Schuljahr im Juli 2017 wurde aus dem Schulprojekt schließlich ein Startup.


 

Wie funktioniert das Pfandsystem? Wo kann ich den Becher kaufen und abgeben?

Die Funktionsweise ist einfach: Ich bestelle einen Kaffee meiner Wahl und zahle den Kaffee plus den Pfandwert für den FairCup. Nach Genuss des Getränks gebe ich den FairCup bei teilnehmenden Partnern wieder ab und erhalte das Pfand zurück, sodass ich im Endeffekt nur den Kaffee gezahlt habe. Bei einigen Partnern bekomme ich sogar Rabatt, wenn ich mich für einen Pfand-Mehrwegbecher entscheide. Alle FairCups können bei unseren Partnern zurück gegeben werden.

Der Pfandwert für unsere FairCups liegt bei 1,00€ für den Mehrwegbecher und 0,50€ für den Mehrwegdeckel; egal welcher Mehrwegdeckel und welche Füllmenge des Bechers.
 

Produziert werden die Becher in Deutschland und können recycelt werden. Woraus werden sie hergestellt und wie funktioniert der Recyclingprozess?

Wir produzieren alle Produkte in Deutschland. Da wir stoffreines Polypropylen (PP/Primärkunststoff) verwenden, sind unsere Produkte zu 100% recycelbar. Unsere Produkte bestehen zu 100% aus hochwertigem Polypropylen. Sie sind 100% stoffrein, lebensmittelecht, sowie geschmacks- und geruchsneutral. Des Weiteren sind unsere Mehrwegprodukte für alle Speisen und Getränke jeglicher Art zertifiziert. 

Der Recylingprozess funktioniert wie folgt: Die defekten Mehrwegprodukte von FairCup kommen zu uns, werden nach Farben sortiert und an unseren Hersteller weitergegeben. Hier werden unsere FairCup-Produkte dem Recyclingprozess zugeführt, das heißt aus einem Becher entsteht das Ausgangsgranulat (Cradle-to-Cradle). Anschließend werden daraus wieder neue Mehrwegprodukte oder andere Dinge (z.B. Beamerhüllen) produziert.


 

Wie viele der Becher kommen wieder zu euch zurück und können dann recycelt werden?

Die Anzahl der FairCup-Mehrwegprodukte, die zu uns zurückkommen, ist noch sehr gering – was gut ist! Wir haben gerade mal einen Karton 30x30x30 voll mit beschädigten oder kaputten Mehrwegprodukten.

Unsere Produkte sollen eine lange Lebensdauer haben, damit wir nachhaltig die Umwelt schonen können. Ein Mehrwegbecher FairCup ersetzt bis zu 1000 Einwegbecher und kann demnach ca. 1000 Mal wiederverwendet werden, bevor er sein Lebenszyklusende erreicht – und selbst dann hat er sein Ende nicht erreicht, weil wir das Material wiederverwenden können.
 

Abfall vermeiden und Ressourcen schonen ist das Hauptziel der FairCups. Gibt es konkrete Zahlen die zeigen, inwieweit bereits eingespart werden konnte?

Ja, dazu ein Beispiel: Früher hat unser Hausmeister der BBS II Göttingen pro Tag einen 120 Liter Sack mit Einwegbechern vollgehabt. Seid wir FairCup nutzen, ist es vielleicht noch ein 120 Liter Sack pro Monat. Das ist eine enorme Einsparung.

Wir wollen dies in naher Zukunft noch besser messbar machen, indem wir zukünftige Mehrwegprodukte mit einem Datamatrix Code versehen und sie somit für uns nachverfolgbar machen. Dadurch werden wir auch eine genauere Übersicht erhalten, wo und wie viele unserer Produkte aktiv genutzt werden.
 

Neuerdings gibt es bei euch nicht nur faire Cups, sondern auch die FairBox für Essen to-go. Ist das System dahinter dasselbe wie bei den Bechern?

Ja genau, die FairBoxen erfüllen exakt die gleichen Kriterien wie unsere FairCups und funktionieren nach demselben System/Prinzip. Der Pfandwert der FairBox liegt bei 4,00€ – 2,00€ für die Mehrwegschale und 2,00€ für Mehrwegdeckel und Trennwand. Die FairBox kann nur als Gebinde zurückgegeben werden.


 

Bei wie vielen Restaurants, Cafés, etc. werden die Boxen bereits angeboten?

Die Produktion der Schalen startete erst im Dezember. Deshalb sind diese bisher noch nicht erhältlich bzw. im Umlauf. Aktuell haben wir 819 Partner, davon pausieren ca. 300. Da Partner nicht gleich selber Standort bedeutet, machen die 819 Partner ca. 3234 Standorte aus, davon sind einige auch Saisonbetriebe, die im März oder Mai öffnen, wie der Fährbetrieb an der Weser oder einige Kaffeeräder bzw. mobile Kioske. Zuverlässige Partner sind zurzeit Bäcker, Kioske, kleine Gastronomien und Bistros, Feinkost- und Unverpacktläden, Bio-und Hofläden, sowie Gastronomiebetriebe, die außer Haus verkaufen.

In Weende/Göttingen haben wir beispielsweise 3 Automaten der Marke TOMRA. Ab diesem Jahr, so Corona will und es die Automaten-Firma Sielaff schafft, soll es einen Automaten im Rewe Markt in Ibbenbüren geben. Hier sollen als erster Markt die Schalen am Automaten zurückgegeben werden. Außerdem wollen wir mit EDEKA Südwest in einen Testlauf, doch dies wird wegen Corona ständig verschoben.

Aktuell haben wir einen Testlauf mit derzeit 10 Alnatura-Märkten bundesweit, der langsam erhöht werden soll. Hier testen wir im Unverpackt-Bereich. Es sollen 10 weitere in diesem Jahr folgen, wo und welche wissen wir noch nicht. Auch soll in diesem Jahr ein Convenience Markt in Fulda eröffnet werden, bei dessen Test unsere Produkte zum Einsatz kommen sollen. Die Eröffnung hängt hier ebenfalls von Corona ab. Es war Januar geplant, ich denke aber, dass es nicht vor März stattfinden wird. 
 

Wie ist es in der aktuellen Corona-Zeit – werden nun mehr to-go Behälter genutzt oder weniger?

Es werden definitiv mehr to-go Behälter benutzt als vorher, da viele nur noch außer Haus verkaufen können – allerdings nicht unbedingt auf Mehrwegbasis. Hier stellen wir einen Mangel in der Informationspolitik fest. Viele haben Angst Mehrweg einzusetzen, weil sie glauben, dass sie Probleme mit der Hygiene bekommen, der Virus darüber übertragen wird und Mehrweg nicht korrekt gereinigt wird. Diese Sorge ist natürlich nicht begründet, da Mehrweg genauso gut wie jede Keramiktasse oder Thermobecher ist. Unsere Produkte werden bzw. sollen bei 70 Grad gespült werden, dann werden pathogene Keime, zu denen auch Viren zählen, zerstört. Mehrweg ist absolut unbedenklich.

 

 

Setze dich ein für eine müllbefreite Welt und steige auf Mehrwegprodukte um! Noch mehr Infos gibt´s auf fair-cup.de.

 

Vielen Dank für das Interview, Patrick!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an FairCup stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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