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Vom Berliner Stadtbaum zum handwerklich gefertigten Möbelstück

INTERVIEW | Aus beschädigten und brüchigen Stadtbäumen entstehen in Berlin individuelle und mit Leidenschaft hergestellte Möbelstücke. 

INTERVIEW | Aus beschädigten und brüchigen Stadtbäumen entstehen in Berlin individuelle und mit Leidenschaft hergestellte Möbelstücke. 

31.08.2020 | Ein Interview geführt von Deborah Iber


Hinter diesem Handwerk steckt Christian Friedrich. Er zeigt, dass aus „kaputten“ Bäumen eine Menge herausgeholt werden kann und fertigt einzigartige Möbelstücke mit hoher Qualität und Nachhaltigkeitscharakter. Erfahre im Interview mehr über die Hintergründe von Christian Friedrich und die Arbeit seines Teams.
 

LifeVERDE: Herr Friedrich, bitte stellen Sie uns CF Friedrich einmal kurz vor.

CHRISTIAN FRIEDRICH: Berliner Stadtbäume – sie haben blaublütigen Schönheiten Schatten gespendet und Kaisern Spalier gestanden. Durch ihre Kronen bliesen der Swing und die süße Sünde, der dunkelste Sturm und der märchenhafte Wind der Selbstbefreiung. Und als sich die einstige Frontstadt aufmachte, zu einer der pulsierendsten Metropolen der Welt aufzusteigen, nickten die alten Riesen wohlwollend im Luftzug der Zeit. Könnten all die Linden, Platanen und Eichen sprechen; keine Geschichte wäre spannender. 

Diese Geschichten entlocke ich, Christian Friedrich, den Bäumen. Bereits seit 30 Jahren stelle ich als gebürtiger Berliner individuelle Möbelstücke aus Vollholz für den Wohn- und Geschäftsbereich her. Aus dem vollen Stamm ausgewachsener Bäume fertigen ich und mein Team in ebenso mühevoller wie leidenschaftlicher Handarbeitet einzigartige Möbel – nach Kundenwunsch und mit viel Liebe zum Detail.

Danke für den kleinen Ausflug in die Vergangenheit. Wofür steht Ihr Unternehmen?

Bildhauerisches Design | Formgebung | Der Baum

Der Baum verbirgt exklusive, edle und qualitativ sehr hochwertige Objekte mit hochemotionalem Wert. Durch die Arbeiten mit Vollholz kommt die naturgegebene Maserung auf außergewöhnliche Art und Weise zum Tragen und wird durch eine atemberaubende Oberflächenqualität unterstützt.
 

Wie kamen Sie dazu, Möbel aus Berliner Stadtbäumen herzustellen und was ist das Besondere an dem von Ihnen verwendeten Stadtholz?

Der Baum-Bändiger von Berlin: Seit 1997 fertige ich Möbelunikate an der Grenze zur Kunst für Privatkunden, Großraumbüros, Konferenzräume, Galerien, Clubs und öffentliche Räume für Kunden weltweit.

Als ich mit Mitte 20 in Amsterdam erlebte, wie aus alten Grachtenhäusern Balken aus dem 16. Jahrhundert rausgerissen und weggeworfen wurden, erwachte meine Leidenschaft für altes Holz, und zurück in Berlin eröffnete ich meine eigene Werkstatt.

Mein Werkstoff ist das „Stadtholz“: hartes, brüchiges oder gar Wurmstichiges Holz der großen Bäume aus Berliner Parks oder vom Straßenrand, die durch Stürme beschädigt wurden oder neuen Bauvorhaben im Weg standen. Dabei arbeite ich eng mit den Behörden zusammen, die mich anrufen, wenn es etwas abzuholen gibt. Dann bearbeite, hoble und veredle ich das Holz per Hand über Wochen und Monate und verwandle den speziellen Charakter ganzer Bäume in einzigartige Möbel und Objekte aus einem Stück.

Alle Techniken habe ich mir selbst angeeignet, dabei zeichnet mich mein Verständnis für die Eigenheiten des einzelnen Baumes aus: Ich sehe einen Baum und will die innere Schönheit entdecken. Strukturen und Maserungen kennenzulernen, zu erfahren, wie sich das Holz wellt, wenn es trocknet, wie mit Astlöchern umzugehen sei, das ist heute maßgeblich für meinen Erfolg.

Welche Rolle spielt bei Ihnen das Thema Nachhaltigkeit? 

Aus Berlin. Für Berlin. Durch Berlin.

Nachhaltigkeit ist bei CF Friedrich der eigentliche Unternehmenszweck!

Die verwendeten Berliner Stadtbäume sind grundsätzlich aus Notfällungen. Das Holz würde ansonsten geschreddert und verheizt werden. Ebenfalls grundsätzlich finden alle Produktionsschritte in Berlin statt, von der Bearbeitung am Ort der Fällung bis zu Veredelung und Untergestellen, um eine hohe Regionalität zu gewährleisten. Der Co2-Abdruck von Christian Friedrich ist verschwindend gering im Vergleich zu Teak Holz Möbeln aus Indonesien!


Wie läuft die Produktion vom Stadtbaum bis zum fertigen Möbelstück bei Ihnen ab?

Dazu zwei Beispiele, die wir bereits hergestellt haben. Die dazugehörigen Bilder sind auf der Website zu finden.

1. Vom Baum zum Sideboard:

Dazu wurde zum Beispiel ein ca. 80-jährige Spitzahorn verwendet. Dieser stand ursprünglich in der schönen Wuhlheide von Köpenick und musste wegen Hohlfrass von Käfern und Ameisen gefällt werden. Glücklicherweise wollte ein Kunde ein Sideboard genau mit diesem Merkmal. Das Möbel bekommt im Produktionsverlauf seine letzte, veredelnde, versiegelnde Hartwachsölung in Bioqualität. Das fertige Sideboard bereichert nun zusammen mit drei Hockern aus dem gleichen Baum die Wohnung eines Architekten.

2. Wir fällen und fertigen ein Möbel aus ihrem Baum

Eine wunderschöne, über 200 Jahre alte Kernbuche aus dem Grunewald ereilte der Pilzbefall und musste weichen. Zuerst wird er von oben runtergeschnitten und dann schließlich gefällt. Das fertige Produkt war ein acht Zentimeter dicker und drei Meter langer Konferenztisch aus einem einzigen Stück - standesgemäßes für eine Anwaltskanzlei. Während der Trocknung entstand ein spannender Riss, der mit Epoxidharz ausgegossen und versiegelt wurde. 

In welchem Preissegment sind Ihre Produkte angesiedelt und welche Rolle nimmt das Thema Preis bei Ihnen ein?

Die Preise sind sicherlich im Premiun Bereich und individuell.
 

Wo soll die Reise mit CF-Friedrich hingehen?

In der nahen Zukunft werde ich mich verstärkt Massivholz Projekten im Outdoor Bereich, im öffentlichen Raum und in Parkanlagen widmen. Erste Projekte entstehen schon zur Zeit.

 

Lies auch: Nachhaltige Möbelhäuser – Möbel für´s Leben 

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Bilder: CF Christian Friedrich



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