Viele Großunternehmen sind wie Tanker
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Viele Großunternehmen sind wie Tanker

Jacob Hörisch ist neuer Juniorprofessor für Sustainable Innovation & Entrepreneurship im Fachbereich Wirtschaft.

Jacob Hörisch ist neuer Juniorprofessor für Sustainable Innovation & Entrepreneurship im Fachbereich Wirtschaft.

14.10.2015 - Bild: Jacob Hörisch

ALANUS: Herr Hörisch, Sie sind Juniorprofessor für Sustainable Innovation & Entrepreneurship. Was verbirgt sich hinter dieser Bezeichnung?

JACOB HÖRISCH: Sustainable Entrepreneurship meint Unternehmensgründungen, die nicht nur das Ziel haben, im Unternehmen nachhaltig zu wirtschaften, sondern einen Beitrag dazu leisten, dass sich die gesamte Gesellschaft nachhaltiger entwickelt.

Innovationen spielen hierbei natürlich eine wichtige Rolle, zum Beispiel, wenn Unternehmen darauf abzielen, ein neues Produkt oder im weiteren Sinne eine neue Lösung für ein bestehendes Nachhaltigkeitsproblem auf den Markt zu bringen. In diesen Bereichen forsche und lehre ich.

Können Sie Beispiele für ‘Sustainable Entrepreneurship‘ nennen?

Ein gutes Beispiel für Sustainable Entrepreneurship ist sicherlich Bam Larsson, ein Mode-Label, das von einem BWL-Studenten der Alanus Hochschule gegründet wurde. Die T-Shirts von BAM Larsson sind alle nach Umwelt- und Sozialstandards zertifiziert und helfen so, ökologische und soziale Missstände in den Produktionsländern zu beheben. Außerdem sehen die Shirts richtig gut aus. Bekannte Beispiel wären auch LemonAid, ein Erfrischungsgetränke-Hersteller, oder die GLS-Bank.

Wie kann man sich ein Seminar aus dem Bereich ‘Sustainable Innovation & Entrepreneurship‘ vorstellen?

Ich habe bereits an der Leuphana Universität Lüneburg ‘Sustainable Entrepreneurship‘ unterrichtet. Gemeinsam mit den Studierenden wurden dort Konzepte entwickelt, die Potenziale aus dem Bereich nachhaltiges Wirtschaften aufgreifen. Viele Großunternehmen haben bereits damit begonnen, Nachhaltigkeitsaspekte zu berücksichtigen, aber Großunternehmen sind meistens wie Tanker, die ihre Richtung nur sehr langsam ändern können. Es gibt allerdings viele Nachhaltigkeitsprobleme, für die schon heute dringender Handlungsbedarf besteht. Aus unternehmerischer Perspektive heißt das nichts anderes, als dass es jemanden braucht, der diese Probleme adressiert und hierbei können nachhaltige Gründungen eine wichtige gesellschaftliche Funktion übernehmen. Genau das versuche ich in meinen Seminaren aufzugreifen: Gemeinsam Konzepte zu entwickeln, wie man Nachhaltigkeitsprobleme unternehmerisch umsetzen kann. Ich freue mich, diese Arbeit hier an der Alanus Hochschule fortzusetzen und auszubauen.

Was reizt sie an dem Thema "Sustainable Entrepreneurship"?

Ich hatte schon immer eine intrinsische Motivation für das Thema Nachhaltigkeit. Zunächst habe ich mir immer mehr Wissen angeeignet, mit dem ich Menschen, die vorher schon vom Leitbild der Nachhaltigkeit überzeugt waren, noch stärker überzeugen konnte – ‚convincing the convinced, wie man im Englischen so schön sagt. Das Spannende finde ich aber, Argumentationen zu lernen und umzusetzen, mit denen man Akteure überzeugen kann, die sich vorher nicht für Nachhaltigkeit interessiert haben. Das ist die eigentliche Kernherausforderung und dabei hilft die unternehmerische Perspektive ungemein.

Welche Forschungsaspekte werden Sie an der Alanus Hochschule konkret weiterverfolgen?

Im Moment setze ich mich mit der Frage auseinander, wie umweltorientierte Unternehmensgründungen finanziert werden können. Kann beispielsweise Crowdfunding eine Möglichkeit sein, das nötige Startkapital zu generieren?

Eine andere Frage ist: Was führt überhaupt zur Gründung nachhaltigkeitsorientierter Unternehmen? Sind das individuelle Eigenschaften oder Erfahrungen der Gründer oder nationale Rahmenbedingungen? Das gesellschaftliche Ziel kann ja nicht sein, einfach nur mehr Gründungen zu erreichen, egal welcher Art, sondern bestimmte Arten von Gründungen, die zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen können.

Ein dritter Forschungsaspekt ist das Stakeholdermanagment im Kontext von Nachhaltigkeit. Wie kann ein Unternehmen unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeit Wert für seine Stakeholder schaffen? Und wie können Unternehmen von Verbesserungen ihrer Nachhaltigkeitsperformance profitieren? Im Moment stellen wir nämlich fest, dass viele Unternehmen zwar eine bessere Nachhaltigkeitsperformance haben als noch vor einigen Jahren, dies jedoch bei den Stakeholdern nicht ankommt. Wenn Fortschritte aber nicht honoriert werden, besteht für Unternehmen auch kein Anreiz, sich stärker für Nachhaltigkeit zu engagieren.

Warum haben Sie die Alanus Hochschule als Forschungsort gewählt?

Ich finde den Ansatz des Fachbereichs mit dem Ziel ‚Wirtschaft neu denken‘ unglaublich spannend und daran möchte ich gerne mitwirken. Wirtschaft in einem neuen Kontext, mit neuen Zieldimensionen, wie zum Beispiel Nachhaltigkeit, zu denken, ergänzt sich sehr gut mit dem, was ich bisher gemacht habe.

Die gesamte Alanus Hochschule nimmt Nachhaltigkeit als Thema sehr ernst. Das gibt es so nur an wenigen Hochschulen in Deutschland. Nachhaltigkeit ist hier kein Add-On, sondern im Kerngeschäft verankert und genau das ist meines Erachtens wichtig. Ein schönes Beispiel dafür sind die Kooperationen mit unseren Partnerunternehmen, die zeigen, dass und wie nachhaltiges Wirtschaften erfolgreich sein kann.

Sie sind Gründungsmitglied des Arbeitskreises ‘Sustainable Entrepreneurship‘, der im März zur konstituierenden Sitzung zusammenkommt. Wie ist es zu der Gründung gekommen und was sind die Aufgaben und Ziele dieses Arbeitskreises?

Die Initiative ist auf der Jahreskonferenz Gründungsforschung entstanden. Das ist die größte Entrepreneurship-Konferenz im deutschsprachigen Raum. Auf der diesjährigen Konferenz gab es viele Teilnehmende, die sich für das Thema ‘Sustainable Entrepreneurship‘ interessieren. Die Idee des Arbeitskreises ist es, Vertreter aus Wissenschaft und Praxis, Politik und Gesellschaft zusammen zu bringen, und den Austausch, zum Beispiel über Fördermöglichkeiten für nachhaltigkeitsorientierte Gründungen, zu stärken oder Forschungskooperationen zu ermöglichen.

Zum Interview auf alanus.edu



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