Vertikale Kleingärten für Städter
Grüne Wirtschaft

Vertikale Kleingärten für Städter

Das Startup Geco-Gardens bietet Städtern und Menschen in Metropolregionen eigene Gartenflächen für die ökologische Eigenproduktion von Lebensmitteln. Die Vision ist es, Konsumenten zu Produzenten zu machen und sie dadurch aktiv an einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung einzubeziehen.

Das Startup Geco-Gardens bietet Städtern und Menschen in Metropolregionen eigene Gartenflächen für die ökologische Eigenproduktion von Lebensmitteln. Die Vision ist es, Konsumenten zu Produzenten zu machen und sie dadurch aktiv an einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung einzubeziehen.

29.12.2016

Herr Winkler, stellen Sie doch bitte Ihr grünes Startup Geco-Gardens kurz vor.

Geco-Gardens plant und baut vertikale, automatisierte Kleingartensysteme für die ökologische Eigenproduktion von Gemüse, Obst, Früchten, Kräutern und Zierpflanzen vor der eigenen Türe mitten in der Stadt. Dadurch werden neue Gartenflächen auf Balkon, Terrasse, Innenhof oder Flachdach geschaffen.

Geco-Gardens wurde im Frühjahr 2016 (zunächst) als Kleinunternehmen in Stuttgart gegründet.

Die Geco-Gartensysteme nutzen das innovative, naturnahe Anbauverfahren der Terrabioponik:  Die Pflanzen wachsen neben Erde (terra) in einer organischen Nährlösung (ponik). Die Nährstoffe werden auf natürliche Weise durch Wurmkompostierung aus den eigenen Bioabfällen (bio) rückgewonnen.

Die modularen Geco-Gartensysteme bestehen aus mehreren Pflanzwannen und sind individuell an den jeweiligen Standort anpassbar. Dadurch kann die meist knappe Grundfläche auf Balkon oder Terrasse optimal genutzt werden. Durch die vertikale Anordnung der Wannen übereinander sowie die seitlichen Pflanzöffnungen ist die tatsächliche Pflanzfläche um ein Vielfaches größer als die benötigte Grundfläche.

Alle Pflanzwannen sind über einen automatisierten Wasser- und Nährstoffkreislauf verbunden. Angetrieben durch eine elektrische Tauchpumpe  werden die Pflanzen automatisch gegossen und organisch gedüngt. Der benötigte Strom liefert ein eingebautes Solarmodul mit Akku.

Das Herzstück des Gartensystems ist der integrierte Wurmkompost. Darin produzieren hunderte Kompostwürmer „heimlich, still und leise und ohne Geruch“ natürlichen Dünger – aus den eigenen Bioabfällen. Die Wurmlosung ist der beste, natürliche Dünger. Dieses organische Gold enthält neben allen essentiellen Pflanzennährstoffen zusätzlich Pflanzenwachstumshormone und eine Reihe günstiger Mikroorganismen, die das Pflanzenwachstum nachhaltig verbessern. Dadurch wird dem Gartensystem Leben eingehaucht und ein kleines Ökosystem geschaffen.

Welches „grüne“ Problem lösen Sie und welche Vision steckt hinter Ihrem Konzept?

Heute steht die Agrarproduktion vor der existenziellen Herausforderung für die wachsende Weltbevölkerung mehr Nahrungsmittel zu produzieren – und das angesichts der Verknappung fossiler und mineralischer Ressourcen, dem Verlust von Anbauflächen sowie den Auswirkungen des Klimawandels. Hinzu kommt der Trend der Urbanisierung, wodurch immer mehr Menschen in Städten und Metropolregionen wohnen und dort Nahrungsmittel konsumieren.

In Städten sind alle Ressourcen für den Nutz- und Zierpflanzenanbau im Überfluss vorhanden – diese werden heutzutage allerdings als Abfall und Abwasser bezeichnet. Eine Ressource fehlt den meisten Stadtbewohnern jedoch – fruchtbarer Boden bzw. der eigene Garten.

Die Vision von Geco-Gardens ist es neue Gartenflächen zu schaffen für die ökologische Eigenproduktion von Lebensmitteln in Städten: durch den sinnvollen Einsatz moderner Technologie kombiniert mit ökologischen Produktionsmethoden und dem eigenen Engagement können urbane Ressourcen ohne Umwege direkt in schmackhafte, diverse und lokale Bio-Lebensmittel verwandelt werden.

Aus Konsumenten werden Produzenten – die Produktion dezentral, saisonal, regional, divers und dadurch nachhaltig(er). Die Geco-Gartensysteme ermöglichen es der wachsenden Zahl an Stadtbewohnern sich aktiv am gesellschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen, bio-basierten Wirtschaftsystem (Bioökonomie) zu beteiligen.

Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

Aktuell steckt die Branche des urbanen Gärtnerns noch in den Kinderschuhen, allerdings mit enormen Wachstumspotential im Blick.

Der Trend des urbanen Gärtnerns ist seit einigen Jahren auch in Deutschland und Europa angekommen. Immer mehr Menschen interessieren sich für die Lebensmittelproduktion und legen selbst Hand an. Die Lebensmittelproduktion beim Verbraucher und bei den Ressourcen (organischer Abfall und Abwasser) ist integraler Bestandteil des Konzepts für Städte der Zukunft, beispielsweise im SmartCity Konzept der Bundesregierung.

Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?

Geco-Gardens schafft neue Gartenflächen. Geco-Gardens plant, fertig und verkauft vertikale, automatisierte Kleingartensysteme an Privatpersonen und Familien im urbanen Raum, die durch einen eigenen Garten ihren Lebensstiel nachhaltiger gestalten wollen, eine Verbindung zur Natur suchen oder ihren Kindern zeigen wollen wie Lebensmittel produziert werden.

Neben Privatpersonen sind die Gartensysteme interessant für Firmen und Organisationen um ihr grünes Engagement zu zeigen sowie für Kitas, Kindergärten und Schulen um die Lebensmittelproduktion und natürliche Kreisläufe bereits den Kindern zu vermitteln.

Was waren und was sind die größten Herausforderungen für Ihre Unternehmung auf dem bisherigen Weg?

Das Interesse am urbanen Gärtnern war bislang eher gering. Die wenigen urbanen Gärten werden durch die Pioniere in Eigenregie und durch Eigenbau geschaffen – allerdings wächst mit der zunehmenden Popularität auch die Bereitschaft für Urbane Gartensysteme Geld auszugeben.

Die größte Herausforderung ist es allerdings, ein Unternehmen während der Promotion, die in meinem Falle mit längeren Auslandsaufenthalten verbunden ist, aufzubauen. Allerdings hätte ich ohne diese Auslandsaufenthalte nicht Luke Boshier aus Südafrika kennengelernt, einem Pionier auf dem Gebiet von nachhaltigen Kreislaufsysteme, wodurch die Idee für die Geco-Gartensysteme überhaupt erst entstand.

Wie ist Ihr Gründerteam aufgestellt? Welche fachlichen und sozialen Kompetenzen waren für den bisherigen Erfolg ausschlaggebend?

Derzeit promoviere ich an der Universität Hohenheim. Angetrieben von meinem Verlangen einen nachhaltigen Lebensstiel zu führen, der der Umwelt so wenig wie möglich schadet, bringe ich als Agrarwissenschaftler, mit Erfahrung im Garten- und Landschaftsbau, das nötige Fachwissen mit, um biologische Prozesse und technische Komponenten aufeinander abzustimmen.

Unterstützt werde ich aktuell von Christioph Mandl, der gerade seine Promotion am Fachgebiet für Unternehmensgründungen und Unternehmertum an der Uni Hohenheim abschließt und seine Expertise bei der Untergründung- und führung miteinbringt.

In den vergangenen zwei Jahren bekam ich Unterstützung von einem befreundeten Wirtschaftsinformatiker. Marco Kröger gestaltete die Homepage und erarbeitete mit mir zusammen den Businessplan und das aktuelle Design des Gartensystems.

Die Prototypen werden seit 2 Jahren auf mehreren Balkonen von Freunden und Verwandten getestet in Stuttgart, Karlsruhe und Freiburg getestet.

Ausschlaggebend für die Idee zu Geco-Gardens ist mein Interesse über den Tellerrand hinauszuschauen, Dinge kritisch zu hinterfragen und neue Wege zu gehen – ausschlaggebend für den Weg von der Idee bis zum vermarktbaren Produkt ist meine Begeisterung am Gärtnern, nach individuellen Lösungen zu suchen sowie die Bereitschaft nach der regulären Arbeit weiterzuarbeiten.

Das ganze Interview mit Geco Gardens lesen Sie auf Grüne-Startups.de.

Mehr Informationen über Grüne Startups finden Sie auch in unserer gleichnamigen Rubrik.



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