Dr. Udo Hartmann, Leiter Konzern Umweltschutz der Daimler AG im Interview
Grüne Wirtschaft

Dr. Udo Hartmann, Leiter Konzern Umweltschutz der Daimler AG im Interview

Wir sind davon überzeugt, dass Wertegemeinschaften auch die besseren Wertschöpfungsgemeinschaften sind. Deshalb sind Integrität und Compliance von zentraler Bedeutung in unserem Unternehmen.

Wir sind davon überzeugt, dass Wertegemeinschaften auch die besseren Wertschöpfungsgemeinschaften sind. Deshalb sind Integrität und Compliance von zentraler Bedeutung in unserem Unternehmen.

13.04.2012

LifeVERDE.de: In den letzten Jahren erlebte die Automobil-Industrie einen regelrechten Alternative-Antriebe-Boom. Nach dem Automobilsalon in Genf ist die Stimmung bei den Autobauern allerdings ein wenig gedämpft. Wie wichtig ist Daimler das Thema Alternative Antriebe aktuell?

Dr. Udo Hartmann - Leiter Konzern Umweltschutz der Daimler AG: Auf dem Weg zum emissionsfreien Fahren spielen alternative Antriebe für uns auch weiterhin eine zentrale Rolle. Nachhaltigkeit ist für die Zukunftsfähigkeit eines Automobilunternehmens essentiell. Deshalb sind alternative Antriebe nach wie vor ein fester Bestandteil unserer Antriebsstrategie, die sich in drei Segmente gliedert: effiziente HighTech Verbrennungsmotoren, deren weitere Effizienzsteigerung durch Hybridisierung sowie emissionsfreies Fahren mit Elektrofahrzeugen mit Batterie oder Brennstoffzelle. Dank unserer langjährigen Erfahrung haben wir heute schon vier Elektromodelle bei Kunden im Einsatz – von den batterieelektrischen Elektro-smart, A-Klasse E-CELL und Vito E-CELL bis zur elektrischen B-Klasse F-CELL mit Brennstoffzelle. Damit haben wir das breiteste Portfolio an Elektrofahrzeugen weltweit auf der Straße. Auch auf der Komponentenseite haben wir mit unseren beiden Joint-Ventures zur Pro-duktion von Lithium-Ionen Batterien beziehungsweise Elektromotoren die richtigen Weichen gestellt. Das ist ein Beleg dafür, dass Elektromobilität und alternative Antriebe bei uns keine Fiktion mehr sind, sondern Realität. Diesen Vorsprung werden wir in den nächsten Jahren konsequent weiter ausbauen.

Thema Carsharing: Immer mehr Unternehmen werden im Carsharing Bereich gegründet beziehungsweise entstehen aus der Zusammenarbeit von Unternehmen. Wird es hier einen neuen Markt geben, der für Großunternehmen wie Daimler wirtschaftlich relevant sein kann oder ist Carsharing nur ein Zusatznutzen der Unternehmen für ihre Kunden, um beispielsweise die Kundenzufriedenheit hoch zu halten und selbige zu binden?

Carsharing ist ein wachsender Markt, der auch für ein Unternehmen wie Daimler wirtschaftlich relevant ist. Mit car2go haben wir als Innovationsführer im Bereich urbaner Mobilität in kürzester Zeit ein vollkommen neues und attraktives Geschäftsmodell entwickelt, das nicht nur weltweit für große Aufmerksamkeit sorgt, sondern auch eine mögliche Antwort für den Verkehr der Zukunft in den globalen Ballungszentren bietet. car2go ist somit eine perfekte Ergänzung des Daimler Produktportfolios. Der Wunsch nach dem Besitz eines Autos wird in weiten Bevölkerungskreisen rund um den Globus nach wie vor stark sein. Wir stellen aber fest, dass bestimmte Zielgruppen aus den unterschiedlichsten Gründen kein eigenes Auto fahren wollen. Für sie kommt ein innovatives Mobilitätskonzept wie car2go wie gerufen.

Integrität und Compliance sind „große“ Wörter. Sie sagen, dass sich eine nachhaltige Kultur der Integrität nur etablieren lässt, wenn jeder Einzelne Verantwortung übernimmt und verinnerlicht. Wie darf man sich das in der Praxis bei einem so großen Unternehmen wie Daimler vorstellen, haben Talente bei Ihnen wirklich die Chance sich frei zu entwickeln?

Wir sind davon überzeugt, dass Wertegemeinschaften auch die besseren Wertschöpfungsgemeinschaften sind. Deshalb sind Integrität und Compliance von zentraler Bedeutung in unserem Unternehmen. Wir legen Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter Verantwortung übernehmen und sich weiterentwickeln. Dazu bieten wir ihnen viele Möglichkeiten: fachlich, persönlich und auch akademisch.

Daimler veröffentlicht sogar einen Sustainability Newsletter. Wie oft erscheint dieser und an wen richtet er sich?

Der Sustainability Newsletter erscheint vierteljährlich. Unsere Adressaten sind vor allem Internationale Institutionen, Nichtregierungsorganisationen, Ratingagenturen, Experten aus der Politik und Wirtschaft aber natürlich auch unsere internen Kollegen. Der Sustainability Quarterly ersetzt ab dem 4. April 2012 den seit 2008 publizierten Sustainability Newsletter. Es gibt ihn dann ebenfalls als interaktives Medium auf www.daimler.com und kann dort gelesen, heruntergeladen oder abonniert werden.

Wie überzeugen Sie gut ausgebildete Menschen von Ihrem Unternehmen? Durch was genau hebt sich Daimler als Arbeitgeber von der Konkurrenz ab?

Daimler ist so international und vielfältig aufgestellt, wie kaum ein anderes deutsches Unternehmen. Wir sind nicht nur in fast allen Ländern der Welt vertreten, sondern haben auch ein außergewöhnlich breites Produktportfolio – vom Kleinwagen smart bis zum schweren Lkw und darüber hinaus zu Servicedienstleistungen im automobilen Umfeld. Die Jobs und Entwicklungschancen bei Daimler sind entsprechend breit gefächert. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Für Berufseinsteiger bieten wir im Trainee-Programm CAReer beispielsweise vom ersten Tag an einen unbefristeten Arbeitsvertrag an. Darüber hinaus haben wir uns bereits vor rund sechs Jahren das Ziel gesetzt, den Anteil an Frauen in leitenden Führungspositionen bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter bestmöglich, um Beruf und Privatleben in Einklang zu bringen. Seit Herbst 2007 hat Daimler mehr als 450 Betreuungsplätze für Kleinkinder in den Sternchen-Krippen an elf Standorten in Deutschland eingerichtet.

Die Autobranche trägt maßgeblich zum CO2 Ausstoß bei. Die Weltbevölkerung nimmt Jahr für Jahr zu, in Ländern wie China wächst eine Mittelschicht heran, die ähnliche Bedürfnisse hat und haben wird, wie die Mittelschicht in Europa und der Bedarf der Reichen nach PS-Monstern ist weiterhin hoch. Ein Thema wie der Umweltschutz scheint im Angesicht dieser Tatsachen zu einer Farce zu werden, da die Autos zwar immer weniger verbrauchen aber dennoch immer mehr PKWs hergestellt werden. Was erwidern Sie diesem Argument?

Umweltschutz hat für uns oberste Priorität. Dazu gehört für uns auch, anspruchsvolle Umweltstandards zu erfüllen und schonend mit den natürlichen Ressourcen umzugehen. Unsere Maßnahmen zur umweltgerechten Produktgestaltung berücksichtigen daher den vollständigen Produktlebenszyklus: von der Entwicklung über die Produktion und Produktnutzung bis hin zur Entsorgung und Wiederverwertung.
Unser Ziel ist es daher, Verbrauch und Schadstoffausstoß unserer Fahrzeuge schon heute deutlich zu reduzieren und Emissionen - dort wo möglich - langfristig ganz zu vermeiden. Dafür entwickeln wir modernste Antriebstechnologien, die in allen Sparten des Straßenverkehrs die Mobilitätsanforderungen von heute und morgen erfüllen. So haben wir seit 1995 die durchschnittlichen CO2-Emissionen unserer Neufahrzeuge in Europa um 35% reduziert, mehr als jeder andere Hersteller. Die entsprechenden Technologien sind natürlich auch in den anderen Märkten der Welt Bestandteil des angebotenen Produktportfolios. Darüber hinaus ist das für den chinesischen Markt konzipierte batterieelektrische Fahrzeug Denza der jüngste Meilenstein der erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Daimler und BYD und wird die Elektromobilität auch in China weiter vorantreiben. Ergänzt wird unser Produktportfolio durch innovative Mobilitätskonzepte wie etwa car2go. Wir setzen also an allen Stellhebeln an, um eine nachhaltige Mobilität auch langfristig sicher zu stellen.

Informationen zu nachhaltigen Unternehmen lesen Sie auch auf unserem Portal B2BNachhaltigkeit.de.

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Kommentare
Kommentare
Wagner
01.02.2018
Wenn doch Alles so toll ist, warum ist er dann jetzt frei gestellt worden?

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