Themenreihe Elektromobilität in der Praxis Im Interview Dr. Alexander Kotouc, Leiter Produktmanagement BMW i
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Themenreihe „Elektromobilität in der Praxis“ - Im Interview Dr. Alexander Kotouc, Leiter Produktmanagement BMW i

"Es ist unstrittig, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch ist. Die Beispiele von Olympia Schreibmaschinen und Kodak Filmen, die die Zeichen des digitalen Zeitalters zu spät erkannten und deshalb komplett vom Markt verschwanden, sollten uns eine Mahnung sein", so Kotouc.

"Es ist unstrittig, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch ist. Die Beispiele von Olympia Schreibmaschinen und Kodak Filmen, die die Zeichen des digitalen Zeitalters zu spät erkannten und deshalb komplett vom Markt verschwanden, sollten uns eine Mahnung sein", so Kotouc.

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19.09.2016 - Bildquelle: BMW AG

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Dr. Kotouc, wie würden Sie den Status quo bei der Elektro-Mobilität in Deutschland beschreiben?

DR. ALEXANDER KOTOUC: Es geht voran. Das jüngst in Deutschland geschnürte Paket zur Förderung der Elektromobilität folgt den Beispielen aus Norwegen, Kalifornien, Niederlande und England. Die zeigen, wie wichtig Incentivierung sind, um den Markt für Elektromobilität in Gang zu bringen. Essentiell ist dabei immer die gemeinsame Anstrengung von Politik, Fahrzeugherstellern und Infrastrukturbetreibern. Und die Balance zwischen finanziellen Anreizen, Ausbau der Ladeinfrastruktur und Weiterentwicklung der Autos. All diese Erfolgsfaktoren sind nunmehr auf den Weg gebracht. Gleichwohl sollten wir nicht schon heute, 3 Monate nach dem Inkrafttreten, abschließend über deren Wirkung urteilen.

Die Bundesregierung hält noch immer an Ihrer Prognose von einer Million E-Autos in 2020 fest. Was sagen Sie, realistisch oder unrealistisch und weshalb?

Das jüngst verabschiedete Programm zur Förderung der Elektromobilität in Deutschland wird uns dem Ziel auf jeden Fall näher bringen. Anspruchsvolle Ziele, Planungssicherheit und konzertierte Zusammenarbeit von Politik, Fahrzeugherstellern und Infrastrukturbetreibern sind ein guter Nährboden, um die Dekarbonisierung auch auf dem Verkehrssektor voran zu bringen. Das übergeordnete, globale Ziel der CO2 Reduzierung, und die Erkenntnis, dass Elektromobilität dazu signifikant beitragen kann, sind ja unstrittig.

Die E-Mobilität hat es paradoxerweise besonders schwer unter den Autobauern, viele Anhänger der Old-Economy wollen sie schlichtweg nicht. Was entgegnen Sie Ihren Kollegen?

Diese Kollegen sind inzwischen schon in der Minderheit. Es ist unstrittig, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch ist.  Das hatten nur nicht alle zum gleichen Zeitpunkt erkannt und bisweilen auch die Geschwindigkeit, mit der diese tektonische Verschiebung Realität wird, anders eingeschätzt. Es ist für jedes Unternehmen nicht ganz einfach, seine aktuell noch gut laufenden, traditionellen Geschäftsmodelle in Frage zu stellen. Die Beispiele von Olympia Schreibmaschinen und Kodak Filmen, die die Zeichen des digitalen Zeitalters zu spät erkannten und deshalb komplett vom Markt verschwanden, sollten uns eine Mahnung sein.
Wir sind der Überzeugung, dass wir bei BMW i in der Hinsicht einiges richtig gemacht haben. Schon 2006 erkannten wir Elektromobilität und eine generell nachhaltige Produktausrichtung als große Chance für die Zukunft unseres Unternehmens.  Und wir sind heute über das Stadium der Ankündigung bereits weit hinaus: Der BMW i3 ist seit 2 ½ Jahren im Markt und bereits das erfolgreichste Elektrofahrzeug weltweit in seinem Segment.

Käufer eines Hybrid- oder Elektro-Fahrzeuges erhalten inzwischen einen sogenannten Umweltbonus, eine Art Kaufprämie,  die sich der Bund und die Autoindustrie teilen. Welche weiteren Kauf-Argumenten nennen Sie Ihren Kunden, wenn Sie ein Hybrid oder E-Auto verkaufen möchten?

Wichtig für den Erfolg der Elektromobilität ist, sie emotional begehrlich zu gestalten. Der Mensch entscheidet nicht nur mit dem Kopf; der Bauch redet massiv mit. Deshalb schauen unsere Elektrofahrzeuge ganz anders aus als unsere konventionellen Modelle. Wir wissen von unseren Kunden, dass sie ihre Offenheit für Zukunft und Wandel gerne auch nach außen dokumentieren wollen. Unsere Fahrzeuge sind deshalb kein halbherziger Umbau von bestehenden Modellen, sondern kommen auf einer komplett eigenständigen, zukunftssicheren Plattform daher. Und ganz wichtig: Sie fahren sich so sportlich wie man es von einem BMW erwarten darf. Elektromobilität muss Freude bereiten. Sie darf nicht als rollende Verzichtserklärung daherkommen.

Weitere wichtige, kaufentscheidende Aspekte sind: Man darf den Kunden nicht nur ein elektrisches Auto hinstellen, sondern wir müssen ihm darüber hinaus auch Lösungen anbieten für alle mit der Elektromobilität zusammen hängenden Themen. Das sind insbesondere Angebote für kundenfreundliches Laden und Langstreckenfahrten. 

Das beeindruckendste Argument für ein Elektrofahrzeug ist und bleibt jedoch das Fahrerlebnis. Mit noch so guten Broschüren und Bildern kann man nicht rüberbringen, wie sich katapultartige Beschleunigung in völliger Stille anfühlt oder welche Glücksgefühl der Entschleunigung ein lautloses Elektrofahrzeug in unseren hochverdichteten Alltag bringen kann. Es muss also darum gehen, vielen Menschen einen leichten Erstzugang zur Elektromobilität zu ermöglichen. Das haben wir mit DriveNow, unserem eigenen CarSharing Programm getan. Über 20% der Flotte von aktuell 4800 Fahrzeugen sind bereits elektrische BMW i3 und sie haben bislang bei über 160.000 Fahrten allein in Deutschland viele Passagiere zu Fans von Elektromobilität gemacht.

Wie sieht für BMW die Mobilität der Zukunft aus?

Wir gehen davon aus, dass sich unser Mobilitätsverhalten in den kommenden 10 Jahren schneller als in den 100 Jahren zuvor ändern wird. Die Art sich fort zu bewegen, insbesondere in den Metropolenregionen, wird digital vernetzter, intermodaler und immer elektrischer, also sauberer und lautloser werden. Auch Lieferverkehr und Taxis werden innerstädtisch bald komplett elektrisch funktionieren. CarSharing und autonom fahrende Autos, die jederzeit über das Smartphone verfügbar sind, ohne sie besitzen zu müssen, werden das Straßenbild beherrschen. Der Paradigmenwechsel von der autogerechten zur menschengechten Stadt wird immer sichtbarer. Fahrer von BMW Fahrzeugen werden bei aller Automatisierung aber immer auch die Wahl haben, selbst das Lenkrad in die Hand zu nehmen und die sprichwörtliche Freude am Selbstfahren zu genießen.

Mit welchen technologischen Highlights werden Sie in den nächsten Jahren aufwarten?

Die technologischen Weichenstellungen werden bei BMW, wie überall, durch Kundenwünsche, Gesetzgebung und  Profitabilitätserwartungen unserer Aktionäre getrieben. Erfolgreich werden die sein, die es verstehen, die Transformation harmonisch mit ihrer Markenidentität zu verknüpfen, ohne sie zu verbiegen. Mit der Ankündigung des BMW i NEXT haben wir bereits einen Ausblick gegeben, wie das bei BMW i ausschauen könnte.

Ihr persönlicher Appell an die deutsche Politik: Wie können die Rahmenbedingungen für die E-Mobilität in Deutschland noch verbessert werden?

Das jüngst beschlossene Förderungspaket ist ein wichtiger wenn auch später Impuls um die Elektromobilität auch in Deutschland anzuschieben.  Sie wird damit jedoch noch nicht zum Selbstläufer. Einen Marathon läuft und gewinnt man auch nicht nach nur einem Tag Training. Wir erwarten also von der Politik auf längere Zeit noch Ausdauer, Entschlossenheit und Planungssicherheit für Hersteller, Infrastrukturbetreiber, Kunden und auch die generelle Bevölkerung. Denn Elektromobilität ist eine großartige Chance für unsere gesamte Gesellschaft, nicht nur die autofahrende Hälfte.



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