Themenreihe "Die Vorteile von Naturkosmetik" Im Interview Ramon Stroink, Geschäftsführer Markt DACH Weleda AG.
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Themenreihe "Die Vorteile von Naturkosmetik" - Im Interview Ramon Stroink, Geschäftsführer Markt DACH Weleda AG.

Über die letzten 10 Jahre hat Naturkosmetik als Markt häufig zweistellige oder hohe einstellige Wachstumsraten erreicht – 2016 wird nicht anders.

Über die letzten 10 Jahre hat Naturkosmetik als Markt häufig zweistellige oder hohe einstellige Wachstumsraten erreicht – 2016 wird nicht anders.

18.07.2016

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Stroink, legen Sie uns doch bitte einmal die großen Vorteile von Naturkosmetik für den Anwender dar.

RAMON STROINK: Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff – es wird viel Kosmetik angeboten, die aus unserer Sicht „Naturnah“ ist. Das ist meistens konventionelle Kosmetik mit einigen pflanzlichen Inhaltsstoffen, um den Eindruck von Pflanzenkosmetik zu vermitteln. Diese konventionelle Kosmetik hat aber auch oft als Basis Mineralöl oder weitere synthetische Bestandteile.

Dann gibt es zertifizierte Naturkosmetik (NKO) – diese ist kontrollierte Naturkosmetik mit einem Siegel. Am häufigsten wird in Europa das Natrue Siegel verwendet – unserer Schätzung nach bis zu 70%. Weleda hat dieses Siegel auch – wobei wir teilweise eine strengere interne Auslegung von Inhaltsstoffen haben als Natrue.

Bei Weleda sind alle Produkte frei von synthetischen Farb-, Duft- und Konservierungsstoffen, sowie auch frei von Rohstoffen auf Mineralölbasis. Das Problem mit den vielen künstlichen Inhaltsstoffen besteht darin, dass der Körper diese nicht abbauen kann und deshalb oft einfach einlagert. Manche dieser Stoffe stehen gar in Verdacht, den Körper auch zu schädigen. Bekannte Beispiele sind Silikon in Shampoos oder Aluminiumsalze in Deos. Die vielen Beurteilungen und Tests von Ökotest haben die Verbraucher auf diese Thematik aufmerksam gemacht.

Ein weiteres Thema ist der bewusste und nachhaltige Umgang mit der Natur und Umwelt. Viele zertifizierte Naturkosmetikanbieter leben diese Werte in ihren Unternehmen. Weleda tut das schon seit 1921 – unser Standort ist seit 1997 DIN ISO 14001 zertifiziert. Seit 2000 veröffentlichen wir jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht. Seitdem haben wir viele Auszeichnungen erhalten. Dieses Jahr wurde Weleda mit dem Swiss Ethics Award für die „Ethische Beschaffung natürlicher Rohstoffe“ ausgezeichnet. Neben über 22 Fairtrade Projekten (16 einsehbar auf unserer Website) mit Anbauern weltweit, unterstützen wir seit 2013 auch die Biodiversitätsinitiative „Biodiversity in Good Company“, um die Pflanzenvielfalt in der Welt zu erhalten.

Seit langem unternehmen wir viel, um unserem Motto: „Im Einklang mit Mensch und Natur“ gerecht zu werden. Für den Verbraucher heißt dies, etwas Gutes für sich, aber auch für die Welt zu tun.

Wie erklären Sie sich den Wachstumstrend von Naturkosmetik in den letzten Jahren?

1. Wachsende Verunsicherung der Verbraucher gegenüber konventioneller Kosmetik hinsichtlich der eigenen Gesundheit.
2. Trend zu nachhaltig bewusstem Einkaufen (ähnlich wie der Trend zu Biofood)
3. Zertifizierte Naturkosmetik bietet inzwischen die gleiche kosmetische Leistung wie konventionelle Kosmetik.

Wir erhalten zum Beispiel viele Auszeichnungen der Beauty Industrie im In-und Ausland.
Aktuelle Beispiele sind die Prix de Beaute von Cosmopolitan für Mandel Sensitiv Körperlotion und der Gala Spa Award für Skinfood – im ersten Halbjahr 2016. In England haben wir inzwischen über 22 Beauty Awards gewonnen. Dazu wird auch häufig in der Presse berichtet, dass Prominente bestimmte NKO Marken verwenden. Dazu muss man auch sagen, dass die Anzahl der NKO Marken in D deutlich zugenommen hat.
Auch wird NKO inzwischen in allen Handelskanälen angeboten – von der Apotheke über die Parfümerie, Naturkost-Fachhandel, Kaufhaus, Drogeriemarkt, bis zum Lebensmittelhändler oder teilweise sogar im Discount. Nicht nur in der Breite, sondern auch in der Tiefe bzw. Qualität hat das Angebot oder die Distribution sich verbessert – z.B. bei den Bioläden – vom Fundi-Laden bis zum Bio-Delikatessen-Supermarkt.
In Summe: der Konsument muss auf nichts verzichten und bekommt die meisten Marken im Handel, und dazu meist noch attraktiv präsentiert.

Im Jahr 2013 lag der Umsatz mit Naturkosmetik in Deutschland bei rund 920 Millionen Euro. Wird 2016 ein ähnlich erfolgreiches Jahr für die Branche und Ihr Unternehmen?

Über die letzten 10 Jahre hat NKO als Markt häufig zweistellige oder hohe einstellige Wachstumsraten erreicht – 2016 wird nicht anders. Mit Sicherheit wird dieses Segment wieder schneller wachsen als konventionelle Kosmetik.

Welche Naturkosmetikprodukte sind bei den Deutschen am beliebtesten?

Gesichtspflege aber auch Duschbäder.

Wie hoch sind die Ausgaben für Naturkosmetik nach Konsumentengruppen bei Weleda?

In einer Studie des Magazins „Absatzwirtschaft“ und der Defacto Digital Research Agentur 2016 sind wir von Verbrauchern zu Deutschlands nachhaltigster Marke gewählt worden (Online Befragung von 2.600 Verbrauchern). Diese Verbraucher sind auch bereit, deutlich mehr für ihr nachhaltiges Produkt auszugeben.

Angaben zu Ausgaben machen wir nicht – es hängt auch sehr vom Vertriebskanal ab. Unsere loyalsten Kunden finden wir im Biofachhandel. Von allen Wettbewerbsmarken haben wir nach eigene Studien den höchsten „Love Brand“ Score.

Die Naturkosmetik hat mittlerweile auch die Männerwelt erreicht. Wie attraktiv sind die Männer für Ihr Unternehmen und inwiefern unterscheidet sich hier die Art der Zielgruppen-Kommunikation?

Männerkosmetik wird überwiegend von Frauen eingekauft – dennoch haben Männer auch ein überraschend starkes Interesse an Naturkosmetik.

Was denken Sie, wie sich der Naturkosmetik-Markt in den nächsten Jahren aus Umsatz- und Produktgesichtspunkten entwickeln wird?

Der Naturkosmetikmarkt wird nach und nach alle Sortimente und Nischen der konventionellen Kosmetik spiegeln.

Geben Sie uns doch bitte einen kleinen Ausflug in Richtung Ihrer Produkt-Innovationen. Worauf dürfen sich Ihre Kunden in Zukunft freuen?

In 2016 wollen wir die 20 neuen Produkte, die wir in den letzten zwei Jahren eingeführt haben, weiter etablieren. Größere Neuigkeiten sind 2017 in Planung.



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