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STROHTEKTUR: Klimapositives Bauen mit Stroh - rückbaubar und zukunftsfähig

INTERVIEW I STROHTEKTUR zeigt, wie Bauen ohne Beton, mit regionalem Stroh und natürlichen Materialien nicht nur CO₂ speichert, sondern auch gesundes, behagliches Wohnen schafft. Das Berliner Architekturbüro entwickelt Gebäude mit klarer Ästhetik, cleverer Vorfertigung und minimaler Technik – neue Maßstäbe für die Bauweise der Zukunft.

INTERVIEW I STROHTEKTUR zeigt, wie Bauen ohne Beton, mit regionalem Stroh und natürlichen Materialien nicht nur CO₂ speichert, sondern auch gesundes, behagliches Wohnen schafft. Das Berliner Architekturbüro entwickelt Gebäude mit klarer Ästhetik, cleverer Vorfertigung und minimaler Technik – neue Maßstäbe für die Bauweise der Zukunft.

20.02.2026, ein Beitrag von: Eileen Hube - Bild: strohtektur

STROHTEKTUR beweist, dass Gebäude mehr sein können als funktionale Hüllen: Sie speichern CO₂, atmen mit der Umgebung und hinterlassen keine Spuren im natürlichen Kreislauf. Das Architekturbüro experimentiert mit Stroh als Baustoff und entwickelt Häuser, die minimalistische Ästhetik mit ökologischer Verantwortung verbinden. Von vorgefertigten Modulen über Schraubfundamente bis zu passiver Belüftung folgt jedes Detail dem Leitgedanken: Bauen für die Zukunft, ohne die Ressourcen von morgen zu belasten.

Obwohl der Wohnungsbau weiterhin stark auf energie- und materialintensive Materialien setzt und das trotz ambitionierter Klimaziele, zeigt das Strohhaus NOW Lindow, wie ein Gebäude vollständig rückgebaut und wiederverwendet werden kann. Das Ende 2024 fertiggestellte Einfamilienhaus NOW Lindow – dessen Name für Nachhaltig, Ökologisch und Wiederverwendbar steht – speichert dauerhaft CO₂ und verbindet ästhetische Klarheit mit gesundem Raumklima. Begleitet von Berichterstattung u. a. durch NDR, NTV und das Cradle Magazine, vermittelt NOW Lindow anschaulich die Prinzipien von STROHTEKTUR. Im Interview erklärt das Berliner Architekturbüro, warum Strohhäuser wie NOW Lindow den Bau der Zukunft markieren.

Konzept & Mission
 

LifeVERDE: Was ist die Idee hinter strohtektur.de und warum habt ihr euch auf Stroh als Baustoff spezialisiert?

STROHTEKTUR: Die Idee von strohtektur ist es, Gebäude zu entwickeln, die auf Nachhaltigkeit, Ökologie und Wiederverwendung ausgelegt sind – kurz gesagt: NOW für die Zukunft zu bauen. Ziel ist eine gebaute Umwelt, die zukünftigen Generationen einen Mehrwert bietet und im Kreislauf der Materialien funktioniert.

Stroh spielt dabei eine zentrale Rolle, weil es ein regional verfügbarer, schnell nachwachsender und biologischer Rohstoff ist, der CO₂ speichert und am Ende seines Lebenszyklus wieder in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Im Projekt NOW Lindow wurden 80 Kubikmeter Stroh verbaut, die rund zehn Tonnen CO₂ speichern und später wiederverwendet oder sogar kompostiert werden können.

Materialien sollen regenerativ sein, Gebäuden als Materialbank funktionieren, und Architektur soll zeigen, dass ökologisches Bauen gleichzeitig klar, ästhetisch und bezahlbar sein kann.


Bild: strohtektur

Nachhaltigkeit & Klimabilanz
 

LifeVERDE: Welche Vorteile hat Strohbau in Bezug auf CO₂-Bilanz, Energieeffizienz und Ressourcenschonung im Vergleich zu konventionellen Baustoffen?

Strohbau bietet deutliche Vorteile gegenüber konventionellen Baustoffen. In der Gebäudehülle von NOW Lindow wurden rund 18 Tonnen CO₂ eingespart, und insgesamt speichert das Haus mehr als 22 Tonnen CO₂. Die Kombination aus Stroh, Holz, Lehm und Kalk schafft eine Hülle, die den Passivhaus‑Standard erreicht und U‑Werte von 0,15 W/m²K in der Wand und 0,13 W/m²K im Dach ermöglicht.

Durch diese Effizienz kann auf komplexe Haustechnik verzichtet werden. Die Räume werden mit einfachen Infrarotpaneelen beheizt und die Lüftung funktioniert über natürliche Wege dank des passiven Designansatzes. Das gesamte Gebäude steht auf Schraubfundamenten, wodurch kein Beton benötigt wurde und der Boden unverdichtet bleibt.

So entsteht ein ressourcenschonendes, kreislauffähiges Gebäude, das Rohstoffe aus natürlichen Kreisläufen entnimmt, effizient nutzt und später wieder zurückführt.


Bild: strohtektur

Vorurteile & Realität
 

LifeVERDE: Viele Menschen verbinden Stroh mit Brandgefahr oder mangelnder Stabilität – welche Mythen begegnen euch am häufigsten und was sagt die Praxis dazu?

Die häufigsten Vorurteile betreffen Brandgefahr, Mäuse und Feuchtigkeit. Die Praxis zeigt jedoch ein anderes Bild. Verdichtetes Stroh erfüllt die Brandschutzanforderungen, weil es durch Lehm und Kalk geschützt ist und kaum Sauerstoff enthält. Die Bauweise ist seit über zehn Jahren baurechtlich anerkannt und erfordert keine Sondergenehmigungen, was sie planerisch verlässlich macht.

Auch beim Thema Feuchtigkeit zeigt sich die Stärke der Materialien: Lehm, Kalk und unbehandeltes Holz nehmen Feuchtigkeit auf, speichern sie und geben sie zeitverzögert wieder ab. Dadurch entsteht eine diffusionsoffene Gebäudehülle, die Temperaturschwankungen abpuffert und Schimmelrisiken minimiert.

Die Mythen stammen aus dem Vergleich mit losen Stroh, die Realität sind verdichtete Strohballen mit eine Rohdichte von 100kg/m3 und technisch geprüft, sicher und langlebig. Auch gegen Mäuse.

Alltagstauglichkeit & Wohngefühl
 

LifeVERDE: Wie verändert ein Haus aus Stroh das Raumklima und das Wohngefühl – und was berichten Kund:innen nach dem Einzug?

Ein Strohhaus schafft ein sehr angenehmes, ausgeglichenes Raumklima. Die naturbelassenen Oberflächen aus Holz, Lehm und Kork sorgen für ein feuchteregulierendes Innenraumklima, das ohne technische Lüftungssysteme funktioniert. Die Masse von Lehm speichert Wärme, oder Kühle, und gibt diese wieder langsam zurück, was für angenehme Temperaturen und Wohnkomfort sorgt. Die sichtbaren Materialien vermitteln Ruhe und Klarheit, und viele Besucherinnen und Bewohner beschreiben ein natürliches Gefühl von Behaglichkeit.

Die Architektur unterstützt dieses Wohngefühl: große Fenster mit Sitznischen, viel natürliches Licht, kompakte Grundrisse und eine klare, minimalistische Ästhetik. Die Räume wirken warm, ruhig und unmittelbar verbunden mit den Materialien, aus denen sie bestehen.


Bild: strohtektur

Umsetzung & Herausforderungen
 

LifeVERDE: Was sind die größten Herausforderungen beim Planen und Bauen mit Stroh – etwa bei Genehmigungen, Handwerker:innen oder Materialbeschaffung?

Die größte Herausforderung liegt oft in der Koordination und der Vorfertigung. Bei NOW Lindow wurden Bodenplatte, Wände und Dach im Werk vorgefertigt, inklusive Strohdämmung und Fenstern, und in nur drei Tagen vor Ort montiert. Das erfordert eine präzise Planung und eine gute Abstimmung zwischen allen Gewerken.

Die weiteren Materialien wie Lehm, Kalk, Holz und Kork liegen im Handel bereits vor. Ihre regionale Verfügbarkeit und der richtige Einsatz sind dann eine Aufgabe für den Planer und die Ausführenden. Das führt zum nächsten Punkt: der Verfügbarkeit von Handwerkerinnen und Handwerkern, die Erfahrung mit Strohbau haben und ein Gefühl für ökologisches und nachhaltiges Arbeiten mitbringen. Die Zahl der Betriebe wächst zwar stetig, aber die Bauweise ist noch nicht flächendeckend etabliert.

Genehmigungsrechtlich ist Strohbau dagegen unkompliziert, da die Bauweise seit mehr als zwölf Jahren als Bauteil zugelassen ist.


Bild: strohtektur


Bild: strohtektur

Zukunft des Bauens
 

LifeVERDE: Wie seht ihr die Zukunft des nachhaltigen Bauens in Deutschland – und welche Rolle kann Strohbau dabei in den nächsten Jahren spielen?

Die Zukunft des nachhaltigen Bauens wird stark von kreislauffähigen Materialien geprägt sein. Strohbau kann dabei eine wichtige Rolle spielen, weil er CO₂ speichert, regional verfügbar ist, geringe graue Energie benötigt und durch Vorfertigung hohe Qualität ermöglicht.

Dass Strohbau skalierbar ist, zeigen große Projekte wie das Logistic Center West mit 42.000 Quadratmetern Strohwänden oder mehrgeschossige Wohnbauten mit bis zu zwölf Geschossen in Malmö. Damit ist klar: Strohbau ist längst nicht mehr auf Einfamilienhäuser beschränkt, sondern kann auch im urbanen Maßstab eingesetzt werden.

Stroh bietet eine realistische, sofort verfügbare Lösung für klimapositives Bauen – wirtschaftlich, elegant und gesund.

STROHTEKTUR macht Strohbau zum Leitbild für klimapositives Wohnen

Das Interview verdeutlicht: Nachhaltiges Bauen ist praxisnah, wirtschaftlich und erlebbar. Projekte wie NOW Lindow kombinieren ökologische Materialien, Vorfertigung und minimalistische Architektur zu Gebäuden, die CO₂ speichern, wiederverwendbar sind und ein gesundes Raumklima schaffen. Vorurteile über Brandgefahr oder Stabilität werden durch technisch geprüfte Lösungen entkräftet, während Holz, Lehm und Kork das Wohlbefinden der Bewohner:innen fördern. STROHTEKTUR demonstriert, dass Strohbau nicht nur für Einfamilienhäuser funktioniert, sondern auch im urbanen Maßstab skalierbar ist – von Logistikzentren bis zu mehrgeschossigen Wohnbauten. Damit liefert das Berliner Architekturbüro ein greifbares Modell für eine Bauwirtschaft, die ökologisch, kreislauffähig und ästhetisch zugleich funktioniert – ein Impuls für klimapositives Bauen der Zukunft.

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