Grüne Wirtschaft

STOCUBO: Warum nachhaltige Möbel mehr sein müssen als ein grünes Versprechen

Nachhaltigkeit ist in der Möbelbranche längst zum Verkaufsargument geworden – doch STOCUBO denkt das Thema weiter. Im Interview erklärt das Berliner Unternehmen, warum Modularität, lokale Produktion und langlebiges Design für sie wichtiger sind als kurzfristige Trends.

Nachhaltigkeit ist in der Möbelbranche längst zum Verkaufsargument geworden – doch STOCUBO denkt das Thema weiter. Im Interview erklärt das Berliner Unternehmen, warum Modularität, lokale Produktion und langlebiges Design für sie wichtiger sind als kurzfristige Trends.

23.06.2026, das Interview führte: Louisa Becker - Bild: STOCUBO

Nachhaltige Möbel sind längst kein Nischenthema mehr. Viele Hersteller werben mit regionaler Produktion, umweltfreundlichen Materialien und verantwortungsbewusstem Design. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit im Möbelbereich tatsächlich – jenseits von Labels, Marketingversprechen und grün klingenden Schlagworten? STOCUBO, bekannt für sein modulares Regalsystem aus Berlin, verfolgt einen Ansatz, der Nachhaltigkeit nicht nur über Materialien oder Produktionsstandorte definiert, sondern vor allem über Langlebigkeit, Anpassungsfähigkeit und die Idee, Möbel als Begleiter durch unterschiedliche Lebensphasen zu denken. Im Interview spricht STOCUBO darüber, warum modulare Möbel ein Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität sind, weshalb Nähe zur Produktion entscheidend bleibt und wo selbst vermeintlich „grüne“ Lösungen in der Praxis nicht immer die nachhaltigste Wahl sind.

LifeVERDE: Nachhaltigkeit wird bei vielen Möbelherstellern mittlerweile großgeschrieben – zumindest im Marketing. Was macht ihr konkret anders, wenn es um ökologisch und sozial verantwortliches Design geht?

STOCUBO: Wir verstehen Nachhaltigkeit nicht als nicht als Marketing-Tool, mit dem sich unsere Möbel gut oder noch besser verkaufen lassen, sondern als Kernelement unseres modularen Regalsystems. Denn unsere Möbel sind nicht nur nachhaltig im Sinne einer umweltverträglichen und ressourcenschonenden Produktion, sondern weil sie sich mit ihrer Flexibilität und Modularität einfach ein Leben lang umbauen und an alle neuen Situationen oder Herausforderungen anpassen lassen.

Mit STOCUBO kauft man daher nicht ein Möbelstück für einen bestimmten Zweck oder ein Regal für eine bestimmte Wand, sondern ein System, das sich dem Leben und allen Moden anpasst und vom Kinderzimmer bis zum Altersheim mitwachsen kann.


Bild: STOCUBO

Viele eurer Kund:innen schätzen die Möglichkeit, Möbel mit dem eigenen Leben wachsen zu lassen, statt sie zu ersetzen. Wie verändert dieses modulare Denken auch euren Blick auf Konsum und Produktverantwortung?

Wir denken weniger in Verkäufen, als vielmehr in Lebensabschnitten. Jedes Produkt muss also für möglichst viele verschiedene Lebensabschnitte einsetzbar sein. Das gilt vom Kindermöbel bis zum Schrankmodul.

Ein junges Paar kauft heute ein kleines Regal und baut es in den nächsten zehn Jahren vom Sideboard zum Raumteiler zum Kinderzimmerregal um. Und je nach Bedarf kann es einfach noch ein paar passende Module dazukaufen und aus einem Regal zwei oder drei neue Möbel bauen. Unsere Cubes begleiten Menschen durch Umzüge, Familiengründungen, neue Lebensphasen.

Und das verpflichtet uns natürlich: zu gleichbleibender Qualität über Jahre, zu Materialien, die langfristig verfügbar bleiben, und zu einem Design, das nicht in drei Jahren out ist, sondern sich immer wieder neu anpassen und kombinieren lässt.

STOCUBO verzichtet bewusst auf kurzlebige Trends und produziert in der eigenen Berliner Werkstatt. Warum ist euch diese Nähe zur Produktion wichtig – auch über ökologische Aspekte hinaus?

Unser modulares System wirkt auf den ersten Blick sehr minimalistisch und simpel. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich jedoch zu einem ziemlich komplexen Produkt, bei dem es wirklich auf Feinheiten ankommt und die Qualität der Materialien und der Verarbeitung entscheidend dafür sind, dass das System so flexibel und langlebig ist, wie wir das versprechen. Daher ist die Nähe zur Produktion und auch das Wissen, das wir dadurch bei uns sammeln und bewahren, wirklich entscheidend. Außerdem können wir so auch immer wieder auf Kundenfeedback oder Sonderwünsche reagieren.

Ich bin jede Woche in der Produktion, stimme mich ab, treffe mit meinem Team Entscheidungen und entwickle mit unserem Produktdesigner das System weiter. Das ist mit der spannendste und

kreativste Teil meiner Arbeit. Und die Nähe zu meinen Mitarbeiter:innen ist mit Sicherheit auch eines der Geheimnisse hinter der hohen Qualität und Langlebigkeit unserer Möbel.

Nicht jedes nachhaltige Material ist automatisch die beste Wahl. Wo habt ihr euch in der Vergangenheit bewusst gegen einen „grünen Standard" entschieden, weil es langfristig sinnvoller war?

Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht, das grünste Label zu wählen, sondern die beste Entscheidung zu treffen.

Ein konkretes Beispiel: nachhaltige Verpackungsmaterialien aus organischen Materialien klingen auf dem Papier nachhaltig, schützen die Module aber leider auf dem Transportweg nicht so gut wie Styroporecken und robustes Klebeband. Das führt letztlich zu mehr Transportschäden und damit dazu, dass wir mehr Module produzieren und versenden müssen. Hier ist es aus unserer Sicht also tatsächlich nachhaltiger, unsere Module so stoßsicher wie möglich zu verpacken und überflüssige Produktion zu vermeiden.

Das heißt aber natürlich nicht, dass wir uns nachhaltigen Verpackungsmaterialien verschließen. Ich hoffe sehr, dass wir irgendwann gleichwertige Alternativen zu Styropor und Plastikbändern finden und einsetzen werden!

Für mich gilt grundsätzlich: form follows function. D.h. dass jedes neue Design oder Produkt so lange gedreht und gewendet wird, bis wir den Spagat zwischen schönem, schlichtem Design und maximaler Funktionalität und Flexibilität geschafft haben. Natürlich führt das mitunter dazu, dass wir diverse Schleifen in der Produktentwicklung drehen und manchmal Ideen auch wieder ganz verwerfen, obwohl sie eigentlich schon fertig waren. Aber wenn sich ein neues Produkt oder Accessoire letztlich doch nicht modular ergänzen lässt, son

Design und Nachhaltigkeit werden oft getrennt gedacht – als entweder schön oder sinnvoll. Wie gelingt es euch, beides miteinander zu verbinden?

dern bedeuten würde, dass die Kund:innen ganz neue Module kaufen müssten, anstatt beispielsweise nur einen Türgriff an die bestehende Tür zu schrauben, dann erfüllt es einfach nicht unseren Anspruch.


Bild: STOCUBO

Reparierbarkeit, Erweiterbarkeit, langlebige Materialien: STOCUBO verkörpert viele Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Wo wollt ihr hier in Zukunft noch konsequenter werden?

Wir haben bislang die Situation, dass bei der Produktion unserer Einzelteile jeden Tag viele Streifen MDF anfallen, die wir nicht richtig nutzen können. Zwar werden daraus kleinere Module, Schubladen usw. gefertigt. Diese werden aber nicht in ausreichend hoher Stückzahl bestellt. Deshalb müssen wir leider doch immer wieder hochwertige Reste entsorgen. Für eine Tischlerei haben wir sicherlich einen sehr niedrigen Anteil an Verschnitt, aber es schmerzt trotzdem, hochwertiges MDF buchstäblich in die Tonne zu treten.

Deshalb haben wir gerade ein ganz neues Produkt entwickelt, das aus einem Stecksystem besteht und damit diese MDF-Abschnitte komplett zu neuen Regalen verarbeiten lässt. Damit hoffen wir, unsere Holzabfälle noch einmal deutlich zu reduzieren.

Die Entscheidung für nachhaltige Möbel ist oft auch eine bewusste Konsumentscheidung. Wie unterstützt ihr eure Kund:innen dabei, diesen Weg mitzugehen – auch in puncto Transparenz und Aufklärung?

Es ist meistens eine sehr bewusste Entscheidung, denn natürlich sind Möbel, die nachhaltig, lokal und mit fair bezahlten Mitarbeitenden produziert werden, oft teurer, als trendige Möbel von großen Ketten.

Deshalb versuchen wir unsere Kund:innen davon zu überzeugen, dass unsere Regalmodule viel mehr sind, als ein schicker neuer Trend, sondern eben wirklich eine Investition in die Zukunft: weil die Module immer wieder neu aufgebaut und genutzt werden können und weil sie dadurch eben die Ressourcen schonen und langfristigen Wert stiften.

Das tun wir über unsere Webseite und auf unseren Social Media Profilen, wo wir möglichst viele Einblicke in unsere Arbeit und unsere Produktion geben und vor allem aber auch über unseren sehr engagierten Kund:innenservice. Denn wir verzichten ganz bewusst auf anonyme Chatbots oder KI-Agenten, sondern kümmern uns persönlich um jede Anfrage und sind immer in engem Austausch mit den Kund:innen. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Kontakt und die Erreichbarkeit deutlich machen, dass es sich bei Regalen von stocubo nicht um ein anonymes Produkt, sondern um ein wirklich langlebiges System mit echtem Kund:innenservice handelt.

Was bedeutet „nachhaltiges Wohnen" für euch persönlich? Gibt es einen Gedanken, der euch im Alltag besonders leitet?

Ein Gedanke, der mich immer begleitet, ist: Besitzen wir Dinge, oder besitzen Dinge uns?

Wer bewusst wohnt, kauft weniger, aber durchdachter. Die Frage lautet also nicht „Was ist gerade schön?", sondern „Was will ich in zehn Jahren noch haben?". Und natürlich, was brauche ich wirklich neu und was kann ich vielleicht auch gebraucht finden oder umnutzen. Denn das nachhaltigste Möbelstück ist natürlich das, das nicht mehr produziert werden muss.

Da merkt man natürlich, dass modulare Möbel einfach einen unfassbaren Vorteil haben. Denn dann kann aus der Regalwand bei Bedarf doch lieber ein Kinderregal und ein Wohnzimmersideboard gebaut werden oder der Kinderschrank mit den Kindern mitwachsen.


Bild: STOCUBO

Fazit: STOCUBO versteht Nachhaltigkeit als System, nicht als Stilmittel

Das Interview mit STOCUBO zeigt sehr klar, dass nachhaltiges Möbeldesign weit über zertifizierte Materialien oder regionale Fertigung hinausgeht. Entscheidend ist hier vor allem der systemische Gedanke: Möbel sollen nicht nur ressourcenschonend produziert, sondern so entworfen werden, dass sie sich über Jahre hinweg an veränderte Wohnsituationen, Lebensphasen und Bedürfnisse anpassen lassen. Genau darin liegt die eigentliche Stärke des modularen Ansatzes von STOCUBO. Statt kurzfristige Trends zu bedienen, setzt das Unternehmen auf ein langlebiges Regalsystem, das mit seinen Nutzerinnen und Nutzern mitwächst und dadurch Konsum reduziert, Ressourcen schont und langfristigen Wert schafft.

Spannend ist außerdem, wie offen STOCUBO über Zielkonflikte spricht. Das Unternehmen zeigt, dass Nachhaltigkeit nicht immer bedeutet, reflexhaft zur vermeintlich „grünsten“ Lösung zu greifen, sondern sorgfältig abzuwägen, welche Entscheidung ökologisch und funktional langfristig wirklich sinnvoll ist. So entsteht ein Bild von Nachhaltigkeit, das nicht dogmatisch, sondern praxisnah und verantwortungsbewusst gedacht wird. Gerade diese Haltung macht STOCUBO zu einem interessanten Beispiel dafür, wie modernes Möbeldesign, Produktverantwortung und Kreislaufgedanken sinnvoll zusammenfinden können.

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