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Vom Fischernetz zum Accessoire: Rette die Meere mit Bracenet

INTERVIEW | Du willst dabei helfen, die Meere von Fischernetzen zu befreien? Hier erfährst du, wie du deinen Beitrag leisten kannst.

INTERVIEW | Du willst dabei helfen, die Meere von Fischernetzen zu befreien? Hier erfährst du, wie du deinen Beitrag leisten kannst.

17.06.2021 - Ein Interview geführt von Deborah Iber - Bild: Bracenet

Jedes Jahr treiben viele verlorengegangene oder versenkte Fischernetze in den Ozeanen weltweit ihr Unwesen. Die Folge: zahlreiche Meerestiere werden getötet. Bracenet will das stoppen, indem es die Fischernetze aus dem Wasser holt – und diese nicht einfach woanders entsorgt, sondern zu handgefertigten Armbändern verarbeitet. Klingt interessant, oder? Mehr dazu liest du im Interview mit Gründerin Madeleine.

Nachhaltige-Mode.de: Madeleine, die Erkenntnis über die große Anzahl an Geisternetzen, die in den Ozeanen umherschwimmen, hat euch zur Gründung von Bracenet veranlasst. Schilder uns zu Anfang einmal die Situation mit den Fischernetzen und für welche Probleme sie sorgen.

Madeleine: Wir alle wissen, dass die Meere von der Plastikflut bedroht sind. Allein im Nordpazifik treibt ein Plastikstrudel, der Great Pacific Garbage Patch, der viereinhalbmal so groß wie Deutschland ist.  Aber was kaum jemand weiß: 46% davon besteht aus alten, verloren gegangenen oder absichtlich versenkten Fischernetzen. Dies ist nur ein Strudel, doch jedes Jahr landen bis zu einer Million Tonnen mehr dieser sogenannten “Geisternetze” in unseren Meeren und mittlerweile treiben sie durch alle Weltmeere. Da tun sie, was sie am besten können: Immer weiter fischen. Das ist also eines der zentralen Probleme durch Geisternetze, dass unzählige Tiere dadurch einen qualvollen Tod erleiden. Ein zweites Problem ist, dass sich die Geisternetze über die nächsten 600-800 Jahre in gefährliches Mikroplastik zersetzen und damit über die Nahrungskette auch die Menschen gefährden können.

Bild: Bracenet - Gründerin Madeleine

Etliche Tonnen dieser Fischernetze konnte Bracenet zusammen mit verschiedenen Partner*innen aus dem Meer fischen. Wie holt ihr die Netze aus den Ozeanen und wie werdet ihr auf sie aufmerksam?

Für die Bergung arbeiten wir eng mit Healthy Seas, Ghost Diving und Nofir zusammen. Healthy Seas navigiert Bergungsmissionen mit den weltweit 200 ehrenamtlichen, speziell geschulten Taucher*innen von Ghost Diving. Sie lösen die Geisternetze von Wracks und Riffen in bis zu 50 Metern Tiefe und bringen sie an Land.  Anschließend kommen die Netze zu Nofir, wo sie sortiert und umweltschonend nur mit Wasser gereinigt werden. Nofir sammelt ausgediente Netze außerdem direkt von Fischereien ein, damit sie gar nicht erst im Meer landen. Von Nofir kommen die Geisternetze schließlich zu uns. Tatsächlich haben Healthy Seas und Ghost Diving seit 2013 schon 585 Tonnen geborgen. Davon haben wir bisher 5 Tonnen verarbeitet, aber planen in Zukunft noch viel mehr zu verarbeiten. 

Mittlerweile erhalten wir auch von vielen anderen Quellen Netze, zum Beispiel von NGOs wie dem Ocean Voyages Institute, der Mare Foundation und dem WWF, die aktiv Geisternetze bergen. Einige Fischereien schicken uns ihre ausgedienten Netze auch direkt zu, damit sie gar nicht erst im Meer landen. Auch wer am Strand Netzteile findet, kann sie uns immer zusenden, denn wir freuen uns, so viele Netze wie möglich zu verarbeiten!

Bild: Bracenet

Aus den geborgenen Fischernetzen stellt Bracenet Upcycling Accessoires her: Schmuck, Taschen, Anhänger, Hundeleinen und Kamerabänder. Woher nehmt ihr die Ideen für die Produkte und sieht jedes Produkt anders aus?

Erstmal sind wir immer wieder erstaunt, in wie vielen leuchtenden Farben die Netze aus dem Meer kommen, sobald wir oder unsere Partner sie gereinigt haben. Unter Wasser sind Geisternetze noch eine Gefahr, an Land sind sie bunt und schön. Dies befeuert auch die Kreativität unseres Teams. Bei Bracenet kommen viele Berufe und Ausbildungswege zusammen und die Ideen für Produkte entstehen eben durch diese Diversität im Team, weil alle ihre Ideen kommunizieren können. Gemeinsam entwickeln wir dann die Produkte weiter. Ökologisches und zukunftsweisendes Design steht dabei an oberster Stelle. Neben den Ideen, die intern im Team entstehen, bekommen wir auch von unserer wachsenden Community immer wieder Ideen und wir versuchen auch möglichst viele davon zu realisieren.

All unsere Upcycling-Produkte zeichnen sich durch ihre originale Netz-Optik aus, sind Unikate und erinnern an ihr früheres Leben im Meer, deswegen ist das Aussehen der einzelnen Produkte am Ende immer vom Netz abhängig. Die Geisternetze werden abgesehen von einer Reinigung mit Wasser nicht behandelt und wir verarbeiten sie nur durchs Upcycling. Somit sind die Struktur, die Farbgebung und die Knoten allesamt original und auch einzigartig. Durch Sonneneinstrahlung, Wellengang und Reibungen an Riffen, Klippen und alten Schiffwracks gleicht kein Stück Netz zu 100% einem anderen.

Das gesamte Interview mit Maja von Bracenet findest du auf Nachhaltige-Mode.de: Vom Fischernetz zum Accessoire: Rette die Meere mit Bracenet

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