Grüne Wirtschaft

Regionale Lebensmittel & Co. direkt vom Erzeuger

INTERVIEW | Regional einzukaufen unterstützt die Erzeuger*innen aus der Heimat, schont die Umwelt und bringt uns zur Achtsamkeit zurück.

INTERVIEW | Regional einzukaufen unterstützt die Erzeuger*innen aus der Heimat, schont die Umwelt und bringt uns zur Achtsamkeit zurück.

28.09.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bild: Loma.eco

Regional und direkt, nur so konnten Lebensmittel und andere Produkte in früheren Zeiten eingekauft werden. Heutzutage haben wir die Möglichkeit, Produkte aus der ganzen Welt zu uns nach Hause zu bestellen – die Hintergründe wie Herkunft und Herstellung geraten dabei oft in Vergessenheit. Mit steigendem Nachhaltigkeitsbewusstsein werden diese Themen glücklicherweise aber wieder relevanter und die von Übersee importierte Ware eines unbekannten Produzenten ist nicht immer die erste Wahl. Die beiden Gründer von Loma.eco möchten einen regionalen Einkauf für jede*n leichter machen: Über ihren Online-Marktplatz können Lebensmittel, Kosmetikprodukte und Wohnaccessoires von regionalen Anbieter*innen gekauft werden.

Wie das System funktioniert, wer hinter Loma.eco steckt und was sie antreibt, erfährst du im folgenden Interview.

 

LifeVERDE: Oliver, mit deinem Schulfreund hast du den Online-Marktplatz Loma.eco gegründet. Welche Mission steckt dahinter?

Oliver: Eigentlich geht unsere Bekanntschaft sogar noch weiter zurück: Wir wurden im selben Krankenhaus an zwei aufeinanderfolgenden Tagen geboren.

Mit Loma.eco bieten wir Erzeuger*innen einen direkten und einfachen Absatzkanal. Den Endkund*innen bieten wir Transparenz, Zeitersparnis und ein gutes Gewissen: nicht jede*r hat die Zeit, die einzelnen Internetauftritte regionaler kleiner Erzeuger*innen zu suchen und zu durchforsten. Fördern und bedienen wollen wir das erwachende Bewusstsein der Verbraucher*innen für den Ursprung ihrer Produkte. Diese Achtsamkeit sorgt für hervorragende Erzeugnisse die nachhaltig erschaffen wurden. Verkauft wird nicht mehr nur das reine Produkt, sondern auch das gute Gewissen was entsteht, wenn man weiß wie der Entstehungsprozess abläuft.


Oliver und Max, die Gründer von Loma.eco (Bild: Loma.eco).

Euch zeichnen Regionalität und direkter Handel aus. Was bedeuten diese Werte konkret für euch und eure Arbeit?

Wir sammeln auf unserer Seite die Angebote der einzelnen Produzent*innen, ohne die Ware in unser Lager zu bringen (wir haben auch gar keines) und reichern diese mit Hintergrundinformationen zu den Erzeuger*innen an. Am Ende wird das gekaufte Produkt direkt und ohne Umwege vom Erzeugerstandort zum*r Endkunden*in gesendet, um so wenig CO2 wie möglich zu emittieren.

Das wenige CO2 was trotzdem freigesetzt wird, wollen wir in Zukunft noch mehr mit einem Partner kompensieren, der Bäume pflanzt und den Regenwald schützt.

Wie genau definiert ihr regional und ab wann würdet ihr Produkte nicht mehr als solches bezeichnen?

Unsere Kund*innen kommen aus ganz Deutschland. Wir glauben daran, dass die Menschen selbst entscheiden sollen was für sie „regional“ ist. Ist es ihre Stadt, ihr Bundesland, ganz Deutschland, oder gar Europa? Wenn sich Kund*innen Ware aus anderen Regionen Europas wünschen, müssen sie diese derzeit woanders suchen als auf Loma.eco.

Bei uns sieht man auf einer eingebundenen Karte ganz genau, wo jedes einzelne Produkt herkommt. Ob dies dem Kundenwunsch entspricht, kann er/sie selbst entscheiden. Unser Grundsatz ist es nur Produkte auf Loma.eco anzubieten, die in Deutschland erzeugt wurden, alles andere überlassen wir den Kund*innen bei größtmöglicher Transparenz.

Wieso ist es so wichtig und nachhaltig, beim Einkaufen auf Regionalität zu achten?

Regional ist der Trend, der dem der Globalisierung seit einiger Zeit entgegenwirkt. Früher und auch noch heute ist es schön, Waren aus fernen Ländern zu konsumieren die es bei uns nicht gibt. Allerdings gewinnt der Erzeugungshintergrund immer mehr an Wert und Regionalität wird wichtiger.

Durch das erwachte Bewusstsein für die Herkunft der Produkte und dem daraus resultierenden Verbrauch regionaler Produkte können wir eine Trendwende schaffen, die sich vor allem durch zwei Aspekte auswirkt:

  1. Der Kauf von Produkten aus unserer Region unterstützt ansässige Erzeuger*innen und Unternehmen, die wiederum das erwirtschaftete Geld in die ortsansässige Wirtschaft zurückführen und noch nachhaltiger Produzieren.
  2. Weniger Transport von Waren führt zu entlasteten Straßen, weniger CO2-Ausstoß und Vertilgung von weniger mit Konservierungsstoffen behandelten Lebensmitteln.

Welche Probleme entstehen, wenn die Produkte nicht direkt von den Erzeuger*innen stammen, sondern über mehrere Ecken zu uns gelangen?

Unnötige Transportwege erzeugen unnötiges CO2 und fördern den Treibhauseffekt. Was dies im Rahmen der Klimakrise für Probleme verursachen kann, haben wir vor Kurzen bei der Flutkatastrophe in NRW gesehen.

Für die Kund*innen geht außerdem die Verbindung zum*r Erzeuger*in und zum Erzeugungsort verloren. Das vordergründige Entscheidungsmerkmal beim Kauf im Einzelhandel oder anderswo wird dann bei uns Deutschen schnell der Preis. Wie das Produkt von wem wo hergestellt wurde rückt eher in den Hintergrund.

Bei uns gibt es nach jedem Kauf eine E-Mail mit genauen Informationen zu Erzeuger*in und dem Erzeugungsort. Weiterhin erhalten die Erzeuger*innen bei uns mehr vom Kaufpreis des Produktes als im Einzelhandel.

Eure Produzent*innen kommen aus dem Lebensmittel-, Drogerie- und Accessoire-Bereich. Nach welchen Kriterien wählt ihr die Partner*innen aus?

Wie schon beschrieben, muss der*die Erzeuger*in die Produkte in Deutschland herstellen. Ob man ähnliche Werte vertritt die zu einer erfolgreichen Partnerschaft führen, erfährt man dann meist im ersten Telefonat mit dem*r Erzeuger*in.

Wir konzentrieren uns auf kleine und mittlere Erzeuger*innen mit einem relativ geringen aber qualitativ hochwertigen Sortiment. Als letztes haben wir beispielsweise die Nudelhersteller Pasta Saxonia mit ca. 100 BIO Nudelprodukten aufgenommen.

Wie schätzt du allgemein die Bereitschaft ein, nachhaltig und regional einzukaufen und woran scheitert es deiner Meinung nach vielleicht noch?

Ich denke die Bereitschaft nachhaltig einzukaufen steigt beständig in der Gesellschaft.

Es entwickelt sich ein Bewusstsein dafür, dass die Handlungen und der Konsum von jedem*r Einzelnen Einfluss auf unsere Welt haben. Das finde ich toll! Somit achtet man mehr auf das was man selbst und andere tun und redet viel mehr darüber. Wörter wie „Flugscharm“ gab es vor einigen Jahren noch gar nicht. Nun beeinflussen unsere gewissenhafteren Entscheidungen die Art, wie wir uns Fortbewegen und wie wir uns ernähren. Ich hoffe nicht, dass wir scheitern uns nachhaltiger zu ernähren, da die Konsequenzen zu schrecklich für uns und nachfolgende Generationen währen.

Politik und Unternehmen könnten meiner Meinung nach ein Umdenken noch stärker fördern, sind aber eher daran interessiert den profitablen Status Quo aufrecht zu erhalten. Außerdem müssen Menschen in Deutschland schnell ihren Worten Taten folgen lassen und wirklich mehr Geld für Lebensmittel ausgeben. Bisher tun sie es im internationalen Vergleich nicht. Das macht es unseren Erzeuger*innen sehr schwer nachhaltige Produkte zu erschaffen. Am Ende wählen wir alle jeden Tag mit unserem Portmonee im Supermarkt und entscheiden was gefördert wird und was nicht.

Hast du ein paar regionale Produkttipps passend zum anstehenden Herbst?

Meine Lieblingsfrage! Durch zahllose Testbestellungen habe ich schon sehr viele unserer 2500 Produkte testen können.

Ich bin ein großer Fan vom Rauchsalz aus dem Spreewald und dem bayrischen Chiliöl. Für die kalten Herbstabende empfehle ich den Elfentraum Tee aus dem Pommerland mit einem Löffel Honig aus Reihenland Pfalz.

 

Vielen Dank für das Interview, lieber Oliver!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an Loma.eco stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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