Nachhaltigkeit in der Tech-Welt ist oft ein Schlagwort – doch RECABLE geht einen konkreten, praxisnahen Weg. Mit einem klaren Fokus auf regionale Produktion, reparierbare Produkte und eine enge Einbindung der Community entwickelt das Unternehmen Ladekabel, die nicht nur funktional sind, sondern auch eine Geschichte erzählen. Im Interview gibt RECABLE Einblicke in Motivation, Produktentwicklung und Vision.

Bild: RECABLE
LifeVERDE: Wie ist die Idee zu RECABLE entstanden und was war eure Motivation, ein nachhaltiges Tech-Produkt zu entwickeln?
HERMANN HETZER, Geschäftsführer der YOUMAIN GMBH: Die Idee zu RECABLE entstand aus einem konkreten Kundenbedürfnis heraus. Mit unserem Vorgängerunternehmen Vireo.de betrieben wir einen Online-Handel für nachhaltige Elektronik – vom Fairphone bis zur Bambus-Tastatur. Immer wieder fragten uns Fairphone- und Shiftphone-Nutzer*innen: „Warum gibt es eigentlich kein faires, nachhaltiges, gutes Ladekabel?" Dieser Bedarf war real und ungedeckt.
Also machten wir uns auf den Weg zu recherchieren, ob darin eine echte Chance steckt. Der Zufall brachte uns mit einem jungen Produktdesigner zusammen, und gemeinsam entwickelten wir das, was heute RECABLE ist. Dass wir auf dem richtigen Weg waren, zeigte sich früh: Als wir auf einer kleinen Messe nur mit einem Prototyp präsent waren, war das Interesse der Menschen überwältigend.
Unsere Vision war von Beginn an klar: Ladekabeln eine Identität geben. Kabel, die man sich selbst konfiguriert, mit individuellen Farbkombinationen und optionaler Namensgravur – und die man reparieren kann, statt sie wegzuwerfen. Unser Slogan „Charge your Life" bringt das auf den Punkt: Lebendigkeit verbunden mit Reparierbarkeit, als Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität.

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LifeVERDE: Was unterscheidet eure USB-Kabel von herkömmlichen Ladekabeln – technisch und funktional?
RECABLE-Kabel bieten Ladeleistungen von bis zu 100 Watt auf USB-2.0-Basis mit einer Datenübertragungsrate von 480 Mbit/s. Diese bewusste Entscheidung für einen minimierten, aber praxistauglichen Leistungsstandard ermöglicht es uns, einfacher, kostengünstiger und damit auch reparaturfreundlicher zu produzieren – denn für mehr als 90 % unserer Kund*innen steht das Laden im Vordergrund, nicht die maximale Datenrate.
Was uns wirklich unterscheidet, sind drei Dinge:
Materialien: Über 90 % unserer Materialien stammen aus Deutschland – produziert unter deutschen Arbeitsbedingungen, konfliktfrei, teilweise recycelt und ohne Weichmacher. Das ist im Kabelmarkt eine Ausnahmeerscheinung.
Langlebigkeit: Unsere Kabel verfügen über einen speziellen Knickschutz und halten nach eigenen Tests rund 30.000 Knicke aus – ein Vielfaches herkömmlicher Kabel, die meist direkt hinter dem Stecker brechen.
Reparierbarkeit: Genau an dieser Schwachstelle setzt RECABLE an. Durch den modularen Aufbau können defekte Bauteile einzeln ersetzt werden. Ein kaputtes RECABLE-Kabel ist damit kein komplexer Elektroschrott – sondern ein reparierbares Produkt, das wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden kann.

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LifeVERDE: Ihr bietet die Kabel in verschiedenen Designs und Varianten an – wie trefft ihr Entscheidungen über Sortiment und Individualisierung?
Unsere Designsprache orientiert sich an der Vogelwelt. Im Standardsortiment findet man bis zu 16 Vogelarten, deren Farbkombinationen jeweils vom Gefieder der entsprechenden Art inspiriert sind – vom Weißrückenspecht bis zum Königspinguin. Das ist kein Zufall: Vögel stehen für Artenvielfalt, ökologisches Gleichgewicht und eine Verbindung zur Natur, die wir bewusst in ein Technikprodukt hineintragen wollen.
Gleichzeitig bietet unser Online-Konfigurator die Möglichkeit, das eigene Kabel frei zu gestalten – Farbkombinationen nach Wahl, dazu optional eine persönliche Namensgravur. Der Gedanke dahinter: Wer sein Kabel selbst konfiguriert und es dann liebevoll in Handarbeit gefertigt bekommt, entwickelt eine andere Beziehung dazu. Es entsteht Wertschätzung – und damit auch weniger Wegwerfmentalität.
Die Kabelwelt ist oft schwarz, weiß, grau. Wir wollten Lebendigkeit in dieses Thema bringen – bunt, offen, mit einer Prise Humor und Naturverbundenheit. Das ist unsere Design-Philosophie.

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LifeVERDE: Was macht euer Produkt besonders ökologisch – Materialien, CO₂-Bilanz, Reparierbarkeit?
Wir haben von Anfang an versucht, ökologische Anforderungen direkt ins Produkt zu bauen – nicht als Nachgedanke, sondern als Konstruktionsprinzip.
Recycelter Kabelmantel: Unser Kabelmantel ist ein Abfallprodukt aus der Kabelindustrie. Ein Hersteller verwertet auf unsere Initiative hin altes Kabelmaterial und gießt daraus den Mantel, der unsere Litzen umschließt. Dieses Engagement wäre ohne unsere Zusammenarbeit nicht entstanden.
CO₂-Fußabdruck: Unsere Kabel erzeugen ungefähr nur die Hälfte des CO₂-Abdrucks im Vergleich zu herkömmlichen Produkten. Geht man davon aus, dass unsere Kabel drei- bis viermal länger halten, sinkt dieser Wert auf ein Viertel. Und mit der Möglichkeit zur Reparatur noch einmal weiter.
Natürliche Materialien: Mit den Varianten Weißrückenspecht (Baumwollüberzug) und Wasserralle (Hanfüberzug) bieten wir Kabel mit nachwachsenden Rohstoffen an. Für die Zukunft prüfen wir zudem den Einsatz von Ozeanplastik – etwa für den Königspinguin, der aktuell aus Recyclingkunststoff besteht.
Reparierbarkeit: In der EU entstehen jährlich rund 11.000 Tonnen Elektroschrott allein durch Kabel. RECABLE setzt dem einen modularen Aufbau entgegen, bei dem jedes Bauteil einzeln ersetzt werden kann. Reparatur bleibt so immer günstiger als Neukauf.

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LifeVERDE: Wie setzt ihr die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDGs) der UN konkret in eurem Unternehmen um?
Auch wenn wir als kleines Unternehmen kein formales SDG-Reporting erstellen, lassen sich unsere Aktivitäten klar den globalen Nachhaltigkeitszielen zuordnen:
SDG 12 – Verantwortungsvoller Konsum und Produktion ist unser Kernthema: Durch Reparierbarkeit, Langlebigkeit und recycelte Materialien schaffen wir ein Gegenmodell zur Wegwerfkultur in der Tech-Branche.
SDG 9 – Industrie, Innovation und Infrastruktur: Wir zeigen, dass nachhaltig produzierte Elektronik in Deutschland wirtschaftlich möglich ist – und setzen damit einen Impuls für eine fairere Produktionskultur in der EU.
SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz: Durch den reduzierten CO₂-Fußabdruck unserer Kabel, die regionale Materialversorgung und den Verzicht auf unnötige Langstreckenlogistik leisten wir einen messbaren Beitrag.
SDG 10 & 8 – Weniger Ungleichheiten / Menschenwürdige Arbeit: Faire Löhne, deutsche Arbeitsbedingungen und unser Vorhaben, die Produktion an einen Inklusionsbetrieb auszulagern, stehen für soziale Verantwortung, die über das Produkt hinausgeht.
SDG 15 – Leben an Land: Unsere Designsprache rund um heimische Vogelarten ist ein bewusster Beitrag zur Artenvielfalt-Kommunikation – Technik als Brücke zur Natur.

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LifeVERDE: Ihr produziert ausschließlich in Deutschland und setzt auf faire Bedingungen – wie stellt ihr Transparenz und faire Lieferketten sicher?
Als kleines Unternehmen mit wenigen Mitarbeitenden können wir kein umfassendes Lieferkettenreporting wie ein Konzern leisten – aber genau das ist auch unser Vorteil: Wir kennen jeden Schritt unserer Wertschöpfungskette persönlich.
Über 90 % unserer Materialien stammen aus Deutschland oder aus einem Umkreis von maximal 500 km. Der Rest – hauptsächlich die Stecker – wird in Fernost eingekauft, weil es hierfür schlicht keine europäische Produktion gibt. Wir versuchen dabei, bevorzugt von Lieferanten zu kaufen, die faire Standards einhalten, auch wenn das für kleinere Abnehmer wie uns eine Herausforderung bleibt.
Ein wichtiger nächster Schritt ist die Verlagerung unserer Fertigung an einen Inklusionsbetrieb – eine Behindertenwerkstatt, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam produzieren. Bunte Kabel von bunten Menschen – dieser soziale Gedanke geht Hand in Hand mit unserer gesamten Mission. Wir arbeiten daran, diesen Schritt zeitnah umzusetzen.
Transparenz ist für uns kein Marketingversprechen, sondern Haltung: Wir machen unsere Prozesse so nachvollziehbar wie möglich und investieren mit wachsendem Erfolg zunehmend in ihre Weiterentwicklung.

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LifeVERDE: Welche Rolle spielt die Community bzw. eure Kund*innen für eure nachhaltige Entwicklung und zukünftige Produktideen?
Eine ganz zentrale Rolle. RECABLE ist nicht trotz, sondern wegen seiner Kund*innen so geworden, wie es heute ist. Wir hören stetig auf Feedback, entwickeln Produkte weiter und suchen aktiv nach Kooperationen, die mit unserer Mission übereinstimmen.
Ein schönes aktuelles Beispiel ist unsere Partnerschaft mit dem Jane Goodall Institute: Über das Roots & Shoots-Programm unterstützen wir junge Menschen dabei, eigene klimafreundliche Projekte umzusetzen und ihr Wirkungspotenzial zu entfalten – mit beeindruckenden Ergebnissen weltweit.
Für die Zukunft prüfen wir weitere Produktideen, die unsere Nachhaltigkeitsmission konsequent fortschreiben: ein Ladegerät, das ausschließlich in Deutschland gefertigt wird, oder eine Powerbank aus deutschen Materialien. Das sind keine leeren Versprechen, sondern Vorhaben, an denen wir aktiv arbeiten – Schritt für Schritt, mit der Unterstützung einer Community, die versteht, dass echte Nachhaltigkeit Zeit braucht.

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Fazit: RECABLE setzt neue Maßstäbe für Ladekabel aus Deutschland
RECABLE beweist, dass Innovation, Design und Verantwortung keine Gegensätze sind. Mit langlebigen, reparierbaren und individuell gestaltbaren Ladekabeln setzt das Unternehmen neue Maßstäbe in der Tech-Branche. Der Ansatz, Produktion regional zu denken und gleichzeitig die Community aktiv einzubinden, macht RECABLE zu einem spannenden Vorreiter für moderne Elektronik „Made in Germany“.
Auch interessant: Klimaschutz: Möglichkeiten, die globalen CO₂-Emissionen zu reduzieren


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