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Plastik ohne Plastik - Weidengras macht Kunststoff endlich umweltfreundlich

INTERVIEW | Man findet es direkt vor dem Haus: Wiesengras. Aber wusstest du, dass man damit auch Ökostrom und innovative Materialien herstellen kann?

Weidengras - die Lösung für das Plastikproblem
Designelement

INTERVIEW | Man findet es direkt vor dem Haus: Wiesengras. Aber wusstest du, dass man damit auch Ökostrom und innovative Materialien herstellen kann?

Mehr zu den Themen:   Ökostrom plastik innovation tabea dammann
17.09.2020 | Ein Interview von Tabea Dammann

Aus Wiesengras Ökostom zu machen, klingt erstmal ziemlich kompliziert und abgefahren. Wie kommt man überhaupt auf so eine Idee? Mit viel Mut und Kreativität hat Michael Gass die weltweit erste und einzige Bioraffinerie gegründet. Dabei dreht sich alles um nachhaltige Kunststoffe, Dämmstoffe und Düngemittel. Wer hätte gedacht, was man alles aus Wiesengras herstellen kann. Dabei sind Alternativen zu konventionellen Produkten längst überfällig gewesen. Wie setzt man eine solche Idee um? Und was muss man alles beachten, wenn man aus Wiesengras grünen Kunststoff herstellen will? Die Antworten findest du in unserem heutigen Interview mit Biowert.

 

LifeVERDE: Welche Philosophie verfolgen Sie und wie lautet Ihre Mission? 

Vera Schwinn: Biowert strebt eine vollständige Kreislaufwirtschaft an. Schon jetzt kommt unsere Grasfabrik ohne Wasser und Strom aus den öffentlichen Netzen aus – wir erzeugen mit unserer Biogasanlage sogar einen Energieüberschuss, den wir als Ökostrom ins Netz einspeisen. 
Was macht BIOWERT als Unternehmen besonders? 
In unserer Bioraffinerie im hessischen Odenwald werden in einem weltweit einzigartigen Verfahren die Zellulosefasern aus Gras ausgewaschen und zu verschiedenen Materialien weiterverarbeitet. Unser wichtigstes Produkt ist AgriPlast, eine Art Kunststoff mit bis zu 75 Prozent Grasanteil. Aus diesem Verbundwerkstoff werden unter anderem Kleiderbügel hergestellt. 

Wie sind Sie auf die Geschäftsidee gekommen? 

Dr. Michael Gass, der Gründer der Biowert Industrie GmbH, hat früher in der Papierindustrie gearbeitet. Dort wurden aus Kostengründen Verfahren eingesetzt, die sehr umweltschädlich sind, zum Beispiel das chemische Separieren des Lignins aus Holz und das energieaufwendige Trocknen. Deshalb hat er als Chemiker nach einem System gesucht, das ohne den chemischen Aufschluss auskommt. Das Ergebnis dieser Überlegungen war überraschend naheliegend: Aus Wiesengras lässt sich die Zellulose auch ohne große Mengen von Chemikalien herauslösen. Man muss das Gras nur silieren, also ähnlich wie Sauerkraut vergären, und dann in warmem Wasser waschen. 

Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft spielt bei BIOWERT eine große Rolle. Können Sie etwas genauer darauf eingehen?

Unser Rohstoff ist Wiesengras, das wir von Landwirten in der Nachbarschaft geliefert bekommen. Das Gras wird von uns vollständig genutzt: Die Zellulose verarbeiten wir zu nachhaltigen Materialien, die im Gras enthaltene Energie nutzen wir für die Produktion von Ökostrom, und am Ende werden die Reststoffe als Dünger zurück auf das Feld gebracht. Da im Gras sehr viel Feuchtigkeit enthalten ist, brauchen wir nicht einmal Wasser aus dem öffentlichen Netz.

Was waren und was sind die größten Herausforderungen auf dem bisherigen Weg?

Von der ersten Idee bis zur fertigen Bioraffinerie war es ein langer Weg. Am Anfang war die Finanzierung die größte Herausforderung. Für die Banken war ein Start-up ohne Umsätze uninteressant, und zu Förderungen hatte Biowert auch keinen Zugang. Es blieb also nur die Möglichkeit, einen privaten Investor zu finden. Der Durchbruch auf dem Markt gelang dann auch dank der Anerkennung durch wichtige Institutionen, erst durch den VDI in Deutschland, dann durch die Patenterteilung in den USA und in China.

Inwieweit spielt das Thema Nachhaltigkeit für Sie eine Rolle?

Das nachhaltige Wirtschaften wird uns zwingen, mit noch mehr Disziplin und mit noch mehr Tiefe zu diskutieren und zu sagen: Wir können nicht einfach ein Produkt herstellen, wenn wir nicht wissen, wo der Rohstoff herkommt und wie die Entsorgung sein muss. Wenn wir das aber tun, dann gibt uns das wieder Hoffnung, dass wir Probleme auch lösen können. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft? 

Kunststoff ist an sich ein tolles, vielseitiges Material. Wir verbrauchen nur viel zu viel davon. Wir müssen deshalb versuchen, das Plastik möglichst schnell durch eine nachhaltige Alternative zu ersetzen. Dazu möchten wir mit Biowert einen Beitrag leisten. Wir hoffen, dass in Zukunft überall auf der Welt neue Bioraffinerien entstehen, in denen nachhaltige Rohstoffe aus Gras gewonnen werden. 

Wenn du mehr über nachhaltige Alternativen lesen möchtest, lies auch diesen Beitrag: Die App, die dir in Sachen CO2-Verbrauch zur Seite steht

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Bildquellen: Biowert und Unsplash



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