Nicht jeder ist zum Aktivist geboren, aber Geld wechseln kann jeder
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Nicht jeder ist zum Aktivist geboren, aber Geld wechseln kann jeder

Gerd Junker, Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH, glaubt, dass man mit seiner Geldanlage viel Gutes tun kann – für die Natur, für den Menschen und auch für den eigenen Geldbeutel.

Gerd Junker, Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH, glaubt, dass man mit seiner Geldanlage viel Gutes tun kann – für die Natur, für den Menschen und auch für den eigenen Geldbeutel.

16.06.2015

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Junker, Sie nennen sich "Deutschlands Experte für nachhaltige Geldanlage". Was ist Ihr Kerngeschäft und an wen richtet sich Ihr Angebot konkret?

GERD JUNKER: Wir glauben, dass man mit seiner Geldanlage viel Gutes tun kann – für die Natur, für den Menschen und auch für den eigenen Geldbeutel. Damit sprechen wir Privatanleger an, die sich der Wirkung Ihrer Geldanlage bewusst sind. Das in der Regel Menschen mit einer hohen Bildung im mittleren Lebensalter.

UHS: Welches sind aktuell die größten Themen und Herausforderungen Ihrer Branche?

GERD JUNKER: Es gibt 2 große Herausforderungen. Die erste ist die Abkehr der Politik von einer raschen Energiewende. Nach Fukushima im Jahre 2011 wurde zwar der Atomausstieg rasch beschlossen, doch was in der Folge in Deutschland passierte, kann man nur als kräftiges Zurückrudern bezeichnen. So wurde die deutsche Solarindustrie, einst Weltmarktführer und Aushängeschild Deutschland‘s, praktisch über Nacht eliminiert. Der bayerische Ministerpräsident Seehofer lies sich einst als Vorreiter für Erneuerbare Energien feiern, bremst aber jetzt den Bau dringend benötigter Stromtrassen aus oder erlässt Regelungen wie die 10H-Bestimmung, die neue Windräder durch die Hintertür verhindert.

Zum anderen kämpft natürlich auch die nachhaltige Geldanlage mit den Herausforderungen der Finanzbranche in unserer Zeit. Die Exzesse der herkömmlichen Banken, die zum Beinahe-Zusammenbruch des Finanzwesens 2008 führten, habe viel Bürokratie und Regulierung nach sich gezogen. Da wird häufig übertrieben. Das geht zu Lasten der Auswahl, denn so manches interessante nachhaltige Angebot ist mittlerweile nicht mehr verfügbar. Aber die Auswahl ist zum Glück weiterhin groß, nur die Vielfalt nimmt ab.

Und wie geht Ihr Unternehmen damit um?

Wir sind ein unabhängiger Beratungsunternehmen, so dass wir uns sehr flexibel auf sich ändernde Marktsituationen einstellen können. Wir haben uns nie auf einzelne Anbieter, Branchen oder Produkte fokusiert. Wir möchten unseren Anlegern weiterhin eine für sie passende Geldanlage bieten. Diese soll passen in Richtung Rendite, Sicherheit, Verfügbarkeit und Nachhaltigkeit. Das ist weiterhin gut möglich.

Aus welcher Motivation heraus wurde das Thema Nachhaltigkeit in das wirtschaftliche Handeln Ihres Unternehmens implementiert?

Der allererste Auslöser war eine Genmais-Protestaktion die wir zusammen mit unseren Kindern durchgeführt haben. Im Rahmen dieser Aktion sind uns die Machenschaften des Agrarmultis Monsanto ganz deutlich vor Augen geführt worden. Dieser hat genmanipulierten Samen verkauft, der zwar gute Erträge für die Bauern verspricht, sich aber nicht mehr nachzüchten lässt. Die Bauern geraten in eine Abhängigkeit und konnten die Preiserhöhungen in den Folgejahren nicht mehr tragen. Besonders in Indien hat das viele in den Selbstmord getrieben.

Und dieser Konzern Monsanto machte in einem unserer privat gehaltenen Investmentfonds, wie wir bei einer Recherche feststellten, den größten Posten aus! Das konnte so nicht sein, und außer dem baldigen Austausch des Fonds löst das eine ganze Lawine aus, die letztlich zur Gründung der Grünes Geld GmbH führte.

Auf welche betrieblichen Bereiche hat sich Ihre nachhaltige Ausrichtung besonders niedergeschlagen?

Unser Unternehmen ist von a bis z auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Unsere Dienstleistung beschäftigt sich ausschließlich mit nachhaltigen Anlagelösungen, das ist der Kern. Aber auch bei Details achten wir auf Nachhaltigkeit. So haben wir einen elektrisch angetriebenen Roller als Dienstfahrzeug, nutzen Ökostrom, verwenden Briefumschläge aus ehemaligen Bundeswehrkarten, sind im Wirtschaftsbeirat der Deutschen Umweltstiftung tätig und unterstützen soziale Projekte. Jeder Online-Anleger bei uns sammelt automatisch unsere Green Hearts, mit denen wir am Ende des Jahres ein Projekt unterstützen. Das ist einzigartig in der Branche.

Welche Themen, Informationen und Netzwerke waren nötig, um sich nachhaltiger auszurichten?

Ein erster wichtiger Schritt war die Ausbildung als Eco-Anlageberater. Aber auch die jahrelange Mitarbeit im Netzwerk Ökofinanz-21 oder die Tätigkeit im Wirtschaftsbeirat der Deutschen Umweltstiftung sind wichtig. Dazu kommen die nachhaltigen Medien, über die wir uns informieren. Regional sind wir im Bund Naturschutz und auf Ökomärkten aktiv.

Inwiefern wird Ihre nachhaltige Ausrichtung von den Kunden honoriert und lässt sich das messen?

Unsere Kunden kommen sehr bewusst zu uns – man kann wirklich sagen, dass sie nach nachhaltigen Alternativen im Finanzbereich aktiv suchen. Nicht zuletzt deshalb ist es möglich, dass wir sehr viele Kunden im Internet gewinnen – obwohl Anlageberatung per se ein Geschäft ist, das normalerweise regional betrieben wird. Es wird also sehr gut honoriert.

Wie messen oder überprüfen Sie Ihre nachhaltige Ausrichtung insgesamt?

Nachhaltigkeit zu messen ist so, als ob sie die Liebe von Eltern zu Kindern messen wollen. Das geht nicht wirklich, das ist eine Frage der Philosophie und der Lebenseinstellung. Wenn man von messen sprechen will, dann ist das das Feedback unserer Mandanten. Das messen wir durch elektronische Fragebögen, und die bestätigen uns eine konstant gute Nachhaltigkeit.

Verraten Sie uns, welche Innovationen wir in der nächsten Zeit von Ihrem Unternehmen erwarten dürfen?

Wir planen unseren Internetauftritt deutlich zu erweitern und werden mit einer zweiten Marke neben www.gruenesgeld24.de am Markt auftreten. Das solle ein jüngeres Publikum für nachhaltige Geldanlagen begeistern. Details dazu werden wir jedoch erst später veröffentlichen.

Stichwort Unternehmensstandort Deutschland: An welchen Stellschrauben würden Sie gerne drehen, um die Rahmenbedingungen für Ihre Branche zu verbessern?

Nun, am wichtigsten wäre die Rückkehr in der Bundes- und Landespolitik zu einer engagierten Energiewende. Was seit 2012 unter Kanzlerin Merkel und Kohleminister Gabriel falsch gemacht worden ist, müsste korrigiert werden.

Ihr Nachhaltigkeitsleitspruch lautet?

Nicht jeder ist zum Aktivist geboren, aber Geld wechseln kann jeder.



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