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Naturmatratzen: Worauf es bei Material, Komfort und Qualität ankommt

100 Prozent Naturkautschuk, Bio-Baumwolle und die richtige Matratzenwahl: Im Interview geht es darum, was eine hochwertige Naturmatratze auszeichnet und worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.

100 Prozent Naturkautschuk, Bio-Baumwolle und die richtige Matratzenwahl: Im Interview geht es darum, was eine hochwertige Naturmatratze auszeichnet und worauf Verbraucher beim Kauf achten sollten.

01.10.2026

Naturmatratzen versprechen natürlichen Schlafkomfort und eine langlebige Alternative zu konventionellen Matratzen. Doch nicht jede Matratze, die mit natürlichen Materialien wirbt, besteht tatsächlich vollständig aus ihnen. Entscheidend sind unter anderem der Matratzenkern, die verwendeten Bezugsmaterialien, Zertifizierungen und die passende Abstimmung auf Körperbau und Schlafposition. Im Interview erfahren wir, woran sich eine echte Naturmatratze erkennen lässt, welche Rolle Naturkautschuk, Bio-Baumwolle und Schurwolle spielen und warum auch Härtegrad und Matratzenhöhe für einen erholsamen Schlaf wichtig sind.

INTERVIEW

LifeVERDE: Was ist eine Naturmatratze eigentlich und woran erkennt man eine wirklich hochwertige Naturmatratze?

Thomas Winkler Geschäftsführer geborgenschlafen GmbH: Als Naturmatratze sollte nur eine Matratze bezeichnet werden, bei der alle Bestandteile zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs sind. Es gibt Anbieter, die lediglich ein oder zwei Bestandteile ihrer Matratze aus natürlichen Materialien fertigen. Hier sollte man genauer hinschauen, was man tatsächlich kauft. Bei einer echten Naturmatratze sollten vom Kern, also dem federnden Element, bis zum Bezug und der Versteppung alle Bestandteile natürlichen Ursprungs sein. Sind diese Materialien zusätzlich schadstoffgeprüft und stammen aus biologischem Anbau, ist bereits viel für eine möglichst unbelastete Schlafumgebung getan. Als federndes, metallfreies Element kommt bei uns ausschließlich 100 Prozent Naturkautschuk (Hevea brasiliensis) zum Einsatz. Wir verwenden bewusst den Begriff Naturkautschuk statt Naturlatex, da Naturkautschuk immer zu 100 Prozent natürlich ist. Bei Latex gibt es beispielsweise auch Mischlatex, also eine Mischung aus Naturlatex und synthetischem Latex. Solche Matratzen sind unserer Meinung nach eine günstige „Mogelpackung“ und suggerieren lediglich den nachhaltigen Gedanken einer Naturmatratze. Der Anteil an Naturkautschuk kann dabei nur etwa zehn Prozent betragen, während der Rest aus synthetischem Latex, also einem Erdölprodukt, besteht. Bei den Bezügen ist es wichtig, dass es sich um Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) handelt, da hier keine chemisch-synthetischen Pestizide eingesetzt werden. Dazu zählen insbesondere viele herkömmliche Insektizide, Herbizide und Fungizide. Materialien wie Schafschurwolle, Wildseide, Flachs, Hanf und Baumwolle eignen sich sehr gut zum Versteppen des Bezugs und schaffen ein angenehmes Schlafklima. Früher wurde auch gerne Rosshaar eingesetzt. Dieses diente allerdings eher zum Abpolstern, da seine Fähigkeit zur Feuchtigkeitsaufnahme geringer ist als die von Schafschurwolle oder Wildseide. Kokos ist bei vielen Menschen positiv besetzt, obwohl es sich dabei im Vergleich zu Naturlatex um das günstigere Produkt handelt. Kokos macht eine Matratze im Wesentlichen härter. Das lässt sich allerdings auch durch eine festere Mischung des Naturlatex erreichen. Beim Einsatz von Kokos sollte man deshalb auf eine Herstellerbestätigung achten, dass keine formaldehydhaltigen Bindemittel verwendet wurden.

Welche Vorteile hat eine Naturmatratze gegenüber einer klassischen Matratze aus Kaltschaum, Federkern oder synthetischem Latex?

Bei einer Naturmatratze kommen keine synthetischen Stoffe wie Polyurethan (PU) zum Einsatz. PU entsteht durch die Reaktion von Isocyanaten. Ein Federkern kann rein mechanisch gut funktionieren. Durch den hohen Anteil an Metall und Federn können sich jedoch beispielsweise elektromagnetische Felder im Schlafbereich verstärken. Häufig kommt bei Federkernmatratzen als obere Komfortschicht zusätzlich PU-Schaum oder Memoryschaum zum Einsatz. Beim synthetischen Latex, beispielsweise Styrol-Butadien-Latex, reagieren Styrol und Butadien miteinander. Es entsteht ein Polymer, das Restbestandteile der Ausgangskomponenten enthalten kann. Aber auch in puncto Liegekomfort, Haltbarkeit und Schlafklima sehen wir Vorteile bei Naturmatratzen. Durch die hohe Punktelastizität können gerade bei Menschen mit Druckempfindlichkeiten im Schulter- und Beckenbereich, insbesondere in Seitenlage, gute Ergebnisse erreicht werden. Die Nutzungsdauer einer Naturkautschukmatratze liegt bei 10 bis 15 Jahren und teilweise darüber – bei nahezu gleichbleibenden Liegeeigenschaften. Bei vielen Kaltschaummatratzen können dagegen schon früher sichtbare Liegekuhlen entstehen. Durch den konsequenten Einsatz natürlicher Bezugsmaterialien kann sich außerdem das Schlafklima verbessern. Wer zusätzlich auf eine passende Zudecke achtet, kann den Schlafkomfort weiter optimieren.


Bild: geborgenschlafen GmbH

Ist eine Naturmatratze tatsächlich gesünder und schadstoffärmer? Worauf sollten Verbraucher beim Kauf achten?

Man sollte beim Kauf genau auf die Beschreibung der Inhaltsstoffe und verwendeten Materialien achten. Wurde Bio-Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau verwendet? Besteht der Kern zu 100 Prozent aus Naturkautschuk beziehungsweise Naturlatex? Darüber hinaus können regelmäßige Prüfungen und Zertifizierungen wichtige Orientierung bieten, beispielsweise durch das ECO Institut sowie Zertifikate wie QUL, GOLS oder GOTS. Natürlich kann und sollte man sich auch ein Bild von dem Unternehmen und den Menschen machen, die die Matratze herstellen. Unter welchen Bedingungen wurde der Kautschuk geerntet und verarbeitet? Wie wurde die Matratze gefertigt? Bei extrem günstigen „Naturmatratzen“ großer internationaler Möbelhäuser wäre ich vorsichtig. Hier findet man häufig Mischlatex, der als Naturlatexmatratze angeboten wird. Der Umstieg lohnt sich für Menschen, die eine Matratze suchen, die Komfort und Stützkraft miteinander verbindet. Ebenso für alle, die Wert auf ein langlebiges Produkt legen und synthetische Ausgangs- oder Inhaltsstoffe im Schlafzimmer vermeiden möchten. Wir haben beispielsweise zunehmend Menschen mit einer „Multiplen Chemikalien-Sensitivität“ (MCS), die auf viele chemische Bestandteile konventioneller Matratzen und Möbel reagieren. Hier freuen wir uns besonders, wenn unsere Produkte bei entsprechenden individuellen Tests gut vertragen werden.

Naturlatex gilt als besonders hochwertiges Material für Naturmatratzen. Was macht eine Naturlatexmatratze so besonders und wo liegen die Unterschiede zu synthetischem oder gemischtem Latex?

Den Unterschied machen die Ausgangsprodukte, die Inhaltsstoffe und die daraus resultierenden Produkteigenschaften. Ein sortenreiner Naturkautschukkern, der direkt nach der Ernte der Kautschukmilch im Ursprungsland hergestellt wurde, hat andere Liegeeigenschaften und Inhaltsstoffe als ein synthetischer Mischlatex. Bei geborgenschlafen haben wir fünf Härtegrade im Naturkautschukbereich. So können wir für unterschiedliche Menschen und Bedürfnisse das passende Liegegefühl anbieten.

Woran erkennen Verbraucher, ob tatsächlich 100 Prozent Naturlatex beziehungsweise Naturkautschuk im Matratzenkern steckt?

Als Verbraucher erkennt man den Unterschied nicht ohne Weiteres. Deshalb sollte man auf entsprechende Prägungen und Kennzeichnungen am Matratzenkern achten und beim Lieferanten nach entsprechenden Zertifikaten fragen. Sinnvolle Orientierung können beispielsweise eine Prüfung durch das ECO Institut sowie Zertifikate wie GOLS oder QUL bieten.

Welche Naturmatratze passt zu welchem Menschen: Seiten-, Rücken- oder Bauchschläfer – und welche Rolle spielen Körpergewicht, Körperbau und der richtige Härtegrad?

Die richtige Matratze findet man anhand genau dieser Parameter. Um ergonomisch passend zu liegen, sollten Gewicht, Körperform und Hauptschlaflage sowie gegebenenfalls bestehende Beschwerden berücksichtigt werden. Häufig gibt es bereits Liegegewohnheiten und Fehlhaltungen, die aus früheren Lebensphasen stammen und möglicherweise auch mit einer nicht passenden Matratze zusammenhängen. Den Wunsch nach einer möglichst harten Matratze hören wir sehr häufig. Meist geht es dabei jedoch eher um den Wunsch nach mehr Stützkraft. Härteres Liegen funktioniert beispielsweise dann gut, wenn man konsequent auf dem Rücken schläft. Sobald eine Seitenlage mit ausgeprägten Schultern oder einem ausgeprägten Becken und gleichzeitig relativ wenig Körpergewicht hinzukommt, wird die Auswahl anspruchsvoller. Hier kann beispielsweise ein 7-Zonen-Kern bessere Ergebnisse ermöglichen. Durch unsere jahrelange Erfahrung in den Geschäften und aus zahlreichen Online-Beratungen haben wir eine Naturmatratze entwickelt, die über sieben austauschbare Zonen verfügt und sich in bis zu fünf Härtegrade einstellen lässt – auch nachträglich.

Sind Naturmatratzen auch für Allergiker und Menschen geeignet, die nachts stark schwitzen?

Genau dafür können Naturmatratzen sehr gut geeignet sein. Durch den Einsatz natürlicher Materialien, die Feuchtigkeit aufnehmen können, lässt sich ein angenehmes Bettklima schaffen. Der Naturkautschukkern verhält sich als Material weitgehend neutral und hat keine wärmende Funktion wie beispielsweise Kaltschaum oder Memoryschaum. Dadurch kann das Thema Schwitzen besser reguliert werden. Wichtig ist außerdem, beim Matratzenbezug auf eine Versteppung aus natürlichen Materialien wie Baumwolle, Leinen, Schafschurwolle oder Wildseide zu achten. Empfehlenswert sind aus unserer Sicht mindestens 300 g/m². Ist ein Bezug beispielsweise unversteppt aus reiner Baumwolle gefertigt, sollte man auf eine geeignete Matratzenauflage beziehungsweise ein Unterbett mit passender Füllung achten. Wenn zusätzlich die Zudecke aus einem natürlichen und feuchtigkeitsregulierenden Material besteht, kann dies das Schlafklima weiter verbessern. Natürlich können auch andere körperliche Faktoren eine Rolle spielen. Durch ein verbessertes Schlafklima haben Hausstaubmilben zudem weniger günstige Bedingungen. Nach dem Aufstehen sollte man die Zudecke aufschlagen, damit die Matratze die während der Nacht aufgenommene Feuchtigkeit wieder abgeben kann. Bei Allergien wird häufig nach dem Thema Latex gefragt. Bei einer Latexallergie sollte individuell geprüft werden, worauf die betroffene Person reagiert. Durch die Vulkanisierung des Kautschukkerns werden bestimmte allergieauslösende Eiweiße verändert beziehungsweise reduziert. Gerade für Menschen mit MCS können Naturmaterialien deshalb eine interessante Option sein.

Wie lange hält eine hochwertige Naturmatratze und wie pflegt man sie richtig?

An einer Naturmatratze kann man 10 bis 15 Jahre Freude haben. Wir haben auch häufig von längeren Nutzungszeiten gehört. Dennoch sollte man nach etwa 10 bis 15 Jahren über einen Austausch nachdenken, da man rund ein Drittel seines Lebens auf der Matratze verbringt und sowohl Bezug als auch Kern mit der Zeit entsprechend beansprucht werden. Um über viele Jahre gute Liegeeigenschaften zu erhalten, ist es wichtig, die Matratze regelmäßig zu lüften. Grundsätzlich sollte man einen Lattenrost verwenden und nach dem Aufstehen die Decke aufschlagen. Das häufige Drehen, wie man es von vielen konventionellen Matratzen kennt, ist bei Naturkautschuk nicht zwingend erforderlich, kann aber selbstverständlich trotzdem gemacht werden. Beim Austausch einer Matratze sollte man außerdem immer den Lattenrost mit überprüfen. Häufig sind Gelenke oder Aufnahmen beschädigt. Dadurch kann auch eine neue Matratze ihre Stützwirkung nicht optimal entfalten.

Was kostet eine gute Naturmatratze – und woran erkennt man, ob ein höherer Preis wirklich gerechtfertigt ist?

Um eine Naturmatratze beurteilen zu können, muss man zunächst prüfen, ob es sich tatsächlich um 100 Prozent Naturkautschuk handelt und welche weiteren Materialien eingesetzt wurden. Entscheidend ist außerdem die Höhe des Naturkautschukkerns. Sie hat einen wesentlichen Einfluss auf den zu erwartenden Komfort. Bei uns beginnt beispielsweise ein Modell mit einem 10 Zentimeter hohen Kern und einer Matratzenendhöhe von 13 Zentimetern. Für einen Menschen mit 90 Kilogramm wäre dieses Modell aufgrund der begrenzten Dämpfung beispielsweise nicht optimal geeignet. Für Kinder oder leichtere Menschen, die gerne auf dem Rücken schlafen, kann es dagegen gut geeignet sein. Genau nach diesen Kriterien sollte man bei der Auswahl einer Matratze vorgehen. Je höher der Kern und damit der Kautschukanteil, desto höher sind in der Regel auch die Anschaffungskosten. Wir haben deshalb verschiedene Modelle und Kategorien entwickelt. Unser Ziel war es beispielsweise mit unserer AURA-Serie, eine Naturmatratze anzubieten, bei der wir keine Abstriche bei den Materialien machen und trotzdem einen fairen Einstieg in die „Naturmatratzen-Liga“ ermöglichen. Für eine regional gefertigte Naturkautschukmatratze AURA 13 in der Größe 90 × 200 cm sind 599 Euro aus unserer Sicht ein fairer Wert. Im Vergleich ist der Wareneinsatz bei Naturmatratzen deutlich höher als bei vielen konventionellen Matratzen. Betrachtet man Material und Herstellung gemeinsam mit der langen Nutzungsdauer, kann sich der höhere Anschaffungspreis entsprechend relativieren.

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