Naturkosmetik wird immer beliebter
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Naturkosmetik wird immer beliebter

Das Angebot an Naturkosmetikprodukten wächst stetig, so dass die Anbieter schauen müssen, wie sie sich am Markt behaupten können. Wir unterhielten uns mit Anke Boy über die Zukunft des Marktes. Sie ist Produktmanagerin bei SPEICK.

Das Angebot an Naturkosmetikprodukten wächst stetig, so dass die Anbieter schauen müssen, wie sie sich am Markt behaupten können. Wir unterhielten uns mit Anke Boy über die Zukunft des Marktes. Sie ist Produktmanagerin bei SPEICK.

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23.12.2016 - Bild: SPEICK / rechts: Anke Boy

LifeVERDE: Der Naturkosmetik-Markt entwickelt sich weiterhin gut und gesund. Wie blicken Sie in das Jahr 2017?

ANKE BOY: Wir blicken durchweg positiv und hochmotiviert ins Jahr 2017. Es läuft sehr gut bei uns und wir haben viele Produkt-Ideen und schöne Aktionen geplant.

Das Angebot an Naturkosmetikprodukten ist mittlerweile so groß, dass der Verbraucher beim Einkaufen schon gar nicht mehr weiß, zu welchem Produkt er greifen soll. Welche Möglichkeiten gibt es, selbst auch Naturkosmetik für den Eigenbedarf herzustellen?

Mit unserem Speick Natural Aktiv Körperöl kann man in Verbindung mit Salz oder Zucker z.B. ein Körperpeeling zum Sofort-Gebrauch kreieren. Frisch hergestellter, direkt aufs Gesicht aufgetragener Gurkenquark ist sicher auch kein Fehler. Grundsätzlich sind selbst hergestellte Kosmetika aber eher kritisch zu betrachten. Das Problem liegt in der Haltbarmachung. Keime sieht man nicht, dennoch können verkeimte Produkte unter Umständen viel Schaden anrichten. Daher empfehlen wir nicht, Naturkosmetik für den Eigenbedarf herzustellen.

2016 haben Sie die Sustainable Beauty Awards mit Ihrem Produkt ORGANIC 3.0 gewonnen. Was ist das Besondere an diesem Produkt?

Das Besondere: Palmölfreie Rezeptur, leichte Bioabbaubarkeit, kreislauffähige Textur und Verpackung aus nachwachsenden Rohstoffen. Das ist wirklich besonders! Ein ganzheitlich nachhaltiges Detox-Duschgel mit – zudem – energetisiertem Wasser. Wichtig war uns außerdem, ein minimalistisches, umweltfreundliches Konzept konsequent durchzuziehen, bei gleichzeitig höchster Qualität. Für die Verpackung wurden wir Ende Oktober in Paris als Runner-Up bei den Sustainable Beauty Awards ausgezeichnet. Die Flasche – inklusive Verschluss und Etikett – ist komplett aus „Green Polyethylene“ (Bio-PE). Das Zuckerrohr, also die Basis für das Bio-PE, stammt aus Brasilien. Es wird dort kontrolliert angebaut und geerntet im Rahmen des nachhaltigen Ressourcen- und Sozial-Managements von ProForest. Weiterverarbeitet zu Ethanol und folglich zu Bio-PE wird das Zuckerrohr vor Ort in Brasilien. Der dabei anfallende Zuckerrohr-Pressrückstand wird direkt zur Erzeugung von Öko-Strom genutzt, welcher wiederum für die PE-Produktion verwendet wird. Laut Herstellerangaben bindet jede hergestellte Tonne Bio PE durch die natürliche Ressource Zuckerrohr 2,5 Tonnen CO2.

Wie schaut es mit Ihren Verpackungen aus, ist nur Ihr Inhalt ökologisch produziert oder sind die Verpackungen ebenfalls nachhaltig?

Unser Ansatz ist ganzheitlich und umfasst damit auch unsere Verpackungen. Gerade im Verpackungsbereich gibt es – branchenüberblickend gesehen – noch viele Stellhebel. Konkreter was uns angeht: siehe vorige Frage.

Warum schaffen Sie es Palmölfrei zu produzieren und andere Unternehmen nicht? Welche Alternativen gibt es zum Palmöleinsatz?

Es ist richtig, auch in Naturkosmetik ist Palmöl weit verbreitet und schwer zu ersetzen. Hier besteht großer Aufklärungsbedarf gegenüber den Konsumenten. Entscheidend für den Umgang mit dem Thema Palmöl ist ja der nachhaltige Anbau und nicht der komplette Verzicht. Denn: Nicht das Palmöl an sich stellt das Problem dar, sondern die kurzsichtige Art des Anbaus, die für die fortschreitende Rodung immer weiterer Regenwaldflächen verantwortlich ist.

Ausschließlich unsere Pflanzenöl-Seifen beinhalten– neben anderen Pflanzenölen – reines Palmöl (aufgrund seiner idealen Zusammensetzung für die Formulierung von Seifen). Seit 2013 ausschließlich RSPO-zertifiziertes Palmöl aus nachhaltigem Anbau.

Die Verwendung 100% RSPO-zertifizierten Palmöls genügt uns jedoch nicht. Seit 2016 sind wir Mitglied bei FONAP und engagieren uns damit für den nachhaltigen Anbau von Ölpalmen. (www.forumpalmoel.org/de)

Was unser Nicht-Seifen-Sortiment angeht, kann ich mit Verweis auf Frage 3 sagen, dass wir glücklicherweise eine sehr engagierte und sehr gute eigene Forschung und Entwicklung haben.

Ihre Produkte sind vegan, darüber hinaus aber auch noch dermatologisch allergologisch getestet. Können Allergiker also sorgenfrei Ihre Produkte nutzen?

Leider können Menschen auf alles allergisch reagieren, auch auf Naturkosmetik-Produkte und auch auf dermatologisch, allergologisch getestete Produkte. Zudem entwickeln sich Allergien immer häufiger, mitunter auch weil unsere Umweltbelastungen immer mehr zunehmen und den Körper sensibilisieren.

Seit Bestehen der Allergiedatenbank haben wir keinen einzigen, durch einen Allergologen bestätigten Allergiefall in Bezug auf unsere Produkte. Auf allen Produktverpackungen weisen wir grundsätzlich die 26 laut Gesetz deklarationsrelevanten, in der INCI enthaltenen Parfümölinhaltstoffe aus. Ein wichtiger Hinweis für alle möglichen Allergiker. Grundsätzlich empfehlen wir immer, ein Produkt zunächst auf der Handgelenkinnenseite zu testen.

Ökologie, Regionalität und Menschlichkeit spielen bei SPEICK eine große Rolle. Wie gewährleisten Sie die Regionalität konkret?

Indem wir bevorzugt mit regionalen Lieferanten und Dienstleistern arbeiten. Das ist uns ein ganz wichtiger Aspekt. Um Beispiele zu nennen: unsere Verpackungen beziehen wir zum ganz großen Teil von sehr regionalen Druckereien, unsere Full-Service-Agentur sitzt bei uns ums Eck und und und.

Das Markenbild von SPEICK hat sich in den letzten Jahren etwas gewandelt. Es scheint so, als würden Sie auch gerne jüngere Menschen ansprechen wollen, stimmt das?

Ja, das stimmt. Wir fokussieren uns jetzt aber nicht ausschließlich in Richtung „jung“, was angesichts der demographischen Entwicklung sicher auch nicht schlau wäre. Wir haben ganz einfach in den letzten Jahren ein einheitliches, modernes, serienübergreifendes Packaging Design geschaffen, welches zugleich auch jüngere Konsumenten anspricht. Damit ansprechen wollen wir aber alle, die ihren Konsum bewusst und in Richtung ganzheitlich nachhaltiger Produkte ausrichten.



Kommentare
Kommentare
Carla
24.02.2017
Ein interessanter Artikel! Ich selbst kaufe fast nur noch Nautrkosmetik Produkte. Nur wenn ich keine Alternative finde greife ich auf konventionelle Produkte zurück. Auf der Seite unter meinem Namen könnt ihr übrigens Links zur Gratisproben verschiedener Hersteller finden. Da ist zB auch interessante vegane Kosmetik dabei.

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