Was bedeutet es, sein Geld ethisch anzulegen
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Was bedeutet es, sein Geld ethisch anzulegen?

Zahlreiche Banken werben mittlerweile mit Nachhaltigkeit und Verantwortung, aber nur wenige meinen es wirklich ernst. Im Geschäft um die Gunst nachhaltiger Anleger spielt auch das Thema Ethik eine wichtige Rolle.

Zahlreiche Banken werben mittlerweile mit Nachhaltigkeit und Verantwortung, aber nur wenige meinen es wirklich ernst. Im Geschäft um die Gunst nachhaltiger Anleger spielt auch das Thema Ethik eine wichtige Rolle.

02.02.2017

Was ist Ethik und was bedeutet der Begriff im Kontext mit Geld und Finanzen? Ethik ist die Lehre beziehungsweise die Theorie vom Handeln gemäß der Unterscheidung von Gut und Böse. Gegenstand der Ethik ist die Moral. Nun ist Moral nicht gleich Moral. Es lassen sich fünf Perspektiven der Ethik auf Moral unterscheiden. Eine Rolle spielen der Inhalt, die Begründung, die Legitimation, die Motivation und die Frage nach der Entstehung und Entwicklung moralischer Regeln.

Die Finanzkrise 2007, die zur Weltwirtschaftskrise 2008 führte, legte die Diskrepanz in der Moralfrage offen. Spekulanten weltweit und insbesondere in Amerika sorgten dafür, dass die Immobilienpreise über Jahre hinweg stiegen und schließlich im Jahr 2007 explodierten. Zahlreiche Kreditinstitute ließen die Menschen in den Jahren zuvor Schulden machen, damit sie ihren Lebensstandard halten und ausbauen konnten und damit letztlich das Wachstum weiter ging. Viele Schuldner waren aber nicht ausreichend abgesichert, um Kredite aufzunehmen, sie bekamen dennoch die Finanzierung für Immobilien, Autos und andere kostenintensive Anschaffungen. Wären sich die Gläubiger hier mehr ihrer Verantwortung bewusste gewesen, hätte sicherlich die ein oder andere Pleite verhindert werden können und hätte es moralische Leitlinien für Unternehmen seitens der Politik gegeben, hätte vielleicht auch die Weltwirtschaftskrise verhindert werden können.

Als Konsequenz auf die Wirtschaftskrisen der letzten Jahre, das immer größer werdende Arm-Reich-Gefälle und grundlegende Veränderungen innerhalb der Gesellschaften haben Banken Auftrieb, die die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen, so dass sich immer mehr Privatleute und Unternehmen für ein ethisches Bankkonto entscheiden. Die Verteilung der Anlegertypen nachhaltiger Geldanlagen in Deutschland ist jedoch noch klar institutionelle geprägt. Der Druck und die Motivation in nachhaltige Anlageprodukte zu investieren scheint hier bei den Unternehmen größer zu sein. Zur Erläuterung: Nachhaltige Geldanlagen ist die allgemeine Bezeichnung für nachhaltiges, verantwortliches, ethisches, soziales, ökologisches Investment und alle anderen Anlageprozesse, die in ihre Finanzanalyse den Einfluss von ESG (Umwelt, Soziales und Governance)-Kriterien einbeziehen.

Der SPIEGEL und das Manager Magazin befragten in 2013 4.973 Anleger, für wie wichtig sie das Investieren in nachhaltige bzw. ökologische Projekte hielten. 8,1 Prozent gaben an, dass es ihnen sehr wichtig sei, 28,4 Prozent sagten, dass es ihnen ziemlich wichtig ist und die große Mehrheit gab an, dass das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage eher weniger wichtig bis unwichtig ist.

Das Interesse an nachhaltigen Geldanlagen ist in der Gesellschaft in den letzten Jahren dennoch gestiegen. Im Jahr 2016 gaben bei einer Statista-Umfrage unter 1.081 Befragten 32 Prozent an, dass Immobilien bei nachhaltigen Geldanlagen für sie interessant wären. 26 Prozent nannten Sparprodukte und 23 Prozent Aktien. Sicherlich ist der Begriff Nachhaltigkeit in diesem Zusammenhang anders zu bewerten, dennoch können auch Anlageprodukte nur langfristig Gewinne abwerfen, wenn sie verantwortungsbewusst gemanagt werden.

Im Jahr 2015 konnte auf dem nachhaltigen Anlagemarkt in Deutschland ein Gesamtvolumen in Höhe von rund 136,6 Milliarden Euro verzeichnet werden. Das Anlagevolumen nachhaltiger Investmentfonds belief sich auf etwa 20,6 Milliarden Euro.

Es kann also festgehalten werden, dass nachhaltige Banken und Geldanlagen für gut ein Viertel der privaten Anleger eine Alternative darstellen und institutionelle Anleger mittlerweile fast gezwungen sind, ihre Anlagestrategie auf nachhaltige Kriterien hin zu überprüfen.



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