Grüne Wirtschaft

Outdoor-Ausrüstung und Nachhaltigkeit

Beim Outdoor-Ausrüster VAUDE stehen derzeit im Vordergrund Themen wie Schadstoffmanagement, Ausstieg aus PFC, Nachverfolgbarkeit von Materialien und Sozialstandards in Asien.

Beim Outdoor-Ausrüster VAUDE stehen derzeit im Vordergrund Themen wie Schadstoffmanagement, Ausstieg aus PFC, Nachverfolgbarkeit von Materialien und Sozialstandards in Asien.

09.07.2014

UMWELTHAUPTSTADT.de: Frau Patzwall, Sie sind die Umweltbeauftragte beim Outdoor-Ausrüster VAUDE. Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?

HILKE PATZWALL: Im Vordergrund stehen momentan Themen wie Schadstoffmanagement, Ausstieg aus PFC, Nachverfolgbarkeit von Materialien und Sozialstandards in Asien.

Sie werden dieses Jahr als erstes Unternehmen der Branche einen Bericht nach GRI G4 vorlegen (ein globaler Standard der Nachhaltigkeits-Berichte). Was bedeutet das für Ihr Unternehmen und was erhoffen Sie sich von dieser für Sie neuen Art eines Nachhaltigkeitsberichts?

Mit dem GRI-Bericht verfolgen wir unsere Nachhaltigkeitsstrategie konsequent weiter. Seit 2008 berichtet VAUDE als erste Outdoor-Marke jährlich über seine Umweltleistung nach dem europäischen Umwelt-Standard EMAS. Seit 2011 legt VAUDE zudem einen Sozialbericht nach den Kriterien der unabhängigen Fair Wear Foundation (FWF) vor, die sich für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie weltweit einsetzt. Auf Basis dieses Datenmaterials haben wir bisher einen umfassenden, jährlich erscheinenden Nachhaltigkeitsbericht veröffentlicht. Nun machen wir den nächsten großen Schritt und legen den ersten GRI-Bericht nach dem neuesten Standard G4 vor, der unsere ökonomische, ökologische und soziale Leistung anhand vergleichbarer Kennzahlen offen legt. Dieser internationale Standard schafft einen Rahmen für transparente, standardisierte und vergleichbare Nachhaltigkeits-Berichterstattung – innerhalb und außerhalb der Organisation. So vermitteln wir ein komplettes Bild des Unternehmens. Dies entspricht unserer ganzheitlichen Nachhaltigkeitsstrategie, die schon bisher alle Bereiche im Unternehmen umfasste.

Der GRI-Bericht ist für uns ein großer Meilenstein in punkto Transparenz. Die wichtigsten Inhalten des Berichts veröffentlichen wir auf einer eigens dafür eingerichteten Website (Achtung, ab 10. Juli 2014 verfügbar: http://www.vaude-nachhaltigkeitsbericht.com) - verständlich und ansprechend. Damit stellen wir auch unser Ziel, bis 2015 Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster zu werden, auf eine objektive und messbare Grundlage. Zudem liefert der GRI-Bericht einen wichtigen Leitfaden für weitere Verbesserungen. So kommen wir unserer Vision, ein durch und durch nachhaltiges Unternehmen zu werden, wieder ein Stück näher.

"Made in Germany" bedeutet für Ihre Kunden was genau?

Made in Germany bedeutet: Konzeption, Entwicklung und Fertigung aus einer Hand, und das am Standort Deutschland. Vor allem aber bedeutet Made in Germany bei VAUDE, dass es sich um nachhaltig hergestellte Produkte handelt. Seit 2012 sind wir am Standort Tettnang komplett klimaneutral, einschließlich der Produktion. Wir sparen außerdem Transportwegeund sichern Arbeitsplätze in Deutschland bzw. bauen diese aus. Des Weiteren bedeutet Made in Germany für uns eine hohe Produkt- und Prozesssicherheit.

VAUDE ist Mitglied in der Fair Wear Foundation. Eine Initiative aus Stakeholdern, die die Arbeitsbedingungen in den ausländischen Produktionsbetrieben überwacht. Nennen Sie doch bitte einmal ein paar Beispiele aus der Praxis, bei denen die Stakeholder ihren Einfluss genutzt haben.

Als Mitglied sind wir als auch unsere Zulieferer verpflichtet, den strengen Code of Labour Practice der Fair Wear Foundation (FWF) einzuhalten. Dies wird durch die Fair Wair Foundation regelmäßig mittels Fabrik-Inspektionen und Interviews mit Arbeiter/-innen innerhalb und außerhalb des Fabrikgeländes unter Einbeziehung lokaler Organisationen wie Gewerkschaften, Unternehmensverbänden und Menschenrechtsgruppen überprüft.

Stakeholder üben beispielsweise beim Thema existenzsichernde Löhne einen starken Einfluss aus, der allerdings nicht immer umsetzbar ist.

Ein wichtiger Grundsatz der FWF ist die gemeinsame Verantwortung für die Sozialstandards von uns als Auftraggeber und vom Management des Produktionsbetriebs. So haben wir, gemeinsam mit dem Management des Produktionsbetriebes und der FWF, für alle auditierten Betriebe Maßnahmenpläne für die notwendigen Verbesserungen erstellt. Dabei ging es um die Optimierung der Arbeitsabläufe, Zeitschienen und Verantwortlichkeiten, um bspw. Überstunden schon im Vorfeld zu vermeiden. Ziel ist es, die Bedingungen langfristig zu verbessern, statt kurzfristig den Produzenten zu wechseln, wenn etwas nicht so gut klappt.

Wie definieren Sie "Grüne" Produktentwicklung?

„Grüne“ Produktentwicklung heißt für uns: Minimierung des ökologischen Fußabdrucks entlang des Produktlebenszyklus. Da es keinen einheitlichen Maßstab bzw. ein Zertifikat für umweltfreundliche textile Produkte gibt, hat VAUDE 2010 beschlossen, ein eigenes Bewertungssystem namens „Green Shape“ einzuführen. Dafür haben wir gemeinsam mit externen Experten strenge, transparente und messbare Kriterien erarbeitet. So muss ein Produkt bspw. zu 90Prozent aus umweltfreundlichen Materialien (recycelte Materialien, Bio-Baumwolle oder bluesign® approved fabric) bestehen. Green Shape ist unser Garantieversprechen für umweltfreundliche Produkte – für Produkte aus nachhaltigen Materialien und Ressourcen-schonender Herstellung. In der Sommer-Kollektion 2013 waren es schon 69 Prozent der Bekleidung, die das VAUDE Green Shape Logo tragen, das ein umweltfreundliches Produkt aus nachhaltigen Materialien und ressourcenschonender Herstellung garantiert. Im Sommer 2014 ist dieser Anteil weiter auf 79 Prozent gestiegen.

Nähere Infos zu Green Shape: http://www.vaude.com/de-DE/Verantwortung/Green-Shape/

Unser Ziel ist, den ökologischen Fußabdruck unserer Produkte zu gering wie möglich zu halten. Das bedeutet langfristig 100 % Green Shape Produkte. Das ist eine große Herausforderung, insbesondere bei Rucksäcken, Schuhen, Schlafsäcken und Zelten wegen der vielen unterschiedlichen Komponenten, die in den Produkten verarbeitet werden.

Die jüngsten Skandale um schädliche Chemikalien in Kleidung werfen die Frage auf, ob nachhaltige Mode in diesem Punkt besser und eben nicht schädlich für die Gesundheit der Konsumenten ist.

Wichtiger Bestandteil der VAUDE Nachhaltigkeitsstrategie ist ein ganzheitliches und systematisches Umwelt- und Qualitätsmanagement. Das VAUDE Qualitätsmanagement beinhaltet ein strenges Schadstoffmanagement. VAUDE arbeitet seit über 10 Jahren intensiv mit bluesign® technologies zusammen. Der bluesign® Standard ist der strengste textile Standard für Umweltschutz, Verbraucherschutz und Arbeitssicherheit. Die VAUDE Restricted Substance List* entspricht den bluesign® Vorgaben, die wiederum die jeweils weltweit strengste Gesetzgebung zu kritischen chemischen Substanzen als Mindestanforderung hat. Wo keine gesetzlichen Grenzwerte existieren, legt bluesign® nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und Best Available Technology eigene Grenzwerte fest. In weiten Teilen geht die VAUDE RSL daher über gesetzliche Anforderungen hinaus. So ist unsere RSL beispielsweise strenger als es die Europäische Chemikalien-Gesetzgebung REACH vorschreibt - auch was PFC betrifft.

VAUDE beschäftigt sich seit langem proaktiv mit dem vollständigen Verzicht auf gewisse Chemikalien wie zum Beispiel Fluorcarbone. Seit 2010 verarbeitet VAUDE ausschließlich PTFE-freie Membranen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, weiter funktionierende Alternativen zu finden und schrittweise die gesamte Kollektion umzustellen. Aber Outdoorprodukte sind gerade wegen ihrer wasser- und schmutzabweisenden Funktionalität so beliebt. Diese Funktionalität lässt sich bisher größtenteils nur mit Hilfe von chemischen Substanzen erreichen. Die Erwartungshaltung unserer Kunden an die Funktionalität der Produkte ist insbesondere beim Abperl-Verhalten besonders hoch. Die Herausforderung für uns als Hersteller ist, die richtige Balance zu finden zwischen „Performance“ und „Ecology“. Unser Ziel ist es, bis spätestens 2020 komplett aus der PFC-Technologie auszusteigen. Wir arbeiten mit Hochdruck und in enger Abstimmung mit unseren Lieferanten und den Herstellern der Textilchemikalien an entsprechenden Alternativen und haben bereits einige Erfolge erzielt. In der nächsten Sommerkollektion werden wir bereits viele komplett PFC-freie Wasser abweisende Bekleidungsartikel anbieten - mehr dazu siehe zweitletzte Antwort.

Generell kommen Textilien kaum ohne Chemikalien aus, das gilt auch für Naturmaterialien, die nicht automatisch nachhaltig sind. Auch Materialien wie Baumwolle oder Wolle sind oft problematisch hinsichtlich Anbau, Bewässerung, Aufbereitung, Färben etc. Hier gilt es genau zu prüfen, wie die Produkte entstanden sind, welche Ressourcen dabei verbraucht wurden etc.

Was raten Sie dem Otto-Normalverbraucher bei der Suche nach wirklich nachhaltiger Kleidung, wie finden sich die Verbraucher schnell und sicher durch den „Bekleidungsdschungel“?

Labels der Textilindustrie und der Hersteller bieten eine Orientierung. Da es allerdings kein einheitliches Bewertungssystem in der Textilindustrie gibt, ist der Kunde gefordert, selbst über das Engagement des Herstellers zu recherchieren und dies zu beurteilen. Nachhaltigkeitsberichte und externe Zertifizierungen der Hersteller untermauern die Glaubwürdigkeit und sind von entscheidender Bedeutung.

Welche neuen Produkte werden Sie auf der Outdoor-Messe den Besuchern vorstellen?

Vier Jahrzehnte Innovationen und Leidenschaft für den Bergsport zeigen sich in jedem einzelnen Produkt. Highlights sind neben den neuen Alpin-Rucksäcken die vielseitig einsetzbaren Hybridjacken Simony und Croz. Speziell im Fokus für nächsten Sommer steht auch die Wandersfrau, mit neuen, passgenauen Wanderrucksäcken für SIE, und einer eigenen, sehr modisch orientierten Bekleidungsserie. Mit einem Green Shape Anteil von 87% in der Bekleidungskollektion Sommer 2015 setzt VAUDE erneut Maßstäbe für die Herstellung umweltfreundlicher Produkte.

Bis spätestens 2020 sollen poly- und perfluorierte Chemikalien (PFC) komplett aus unserem textilen Produktionsprozess verschwinden. Schon jetzt bieten wir wasserdichte Outdoor-Jacken mit PFC-freier Sympatex Membrane und DWR-Ausrüstung an. Unsere Bekleidungs-Kollektion Sommer 2015 wird vollständig ohne das besonders umstrittene PFOA ausgerüstet. Außerdem sind sämtliche wasserabweisenden Styles ab in der Bekleidungskollektion ab Sommer 2015 komplett PFC-frei (insgesamt 79 Softshells, Trekking-Hosen usw.). Ein spezielles Eco Finish-Icon als Hang-Tag und im Orderbuch erleichtert die Orientierung für umweltbewusste Händler und Kunden.

Sie planen eine neue Internetpräsenz. Wie wird sich Ihr Web-Auftritt verändern?

Wir werden eine neues, moderneres Design bieten und die nachhaltigen Informationen bei jedem Produkt noch klarer darstellen. Außerdem wird unser Webauftritt responsive, d.h. das Design wird sich dem Endgerät des Besuchers (Smartphone, Tablet, Desktop) anpassen. 

Zum VAUDE-Unternehmensprofil auf Umwelthauptstadt.de



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