Grüne Wirtschaft

Nachhaltige Gesundheitsversorgung

Wir interviewten Norbert Pasternack, Vorstand der Krankenkasse BKK advita, zum Thema nachhaltige Gesundheitsversorgung.

Wir interviewten Norbert Pasternack, Vorstand der Krankenkasse BKK advita, zum Thema nachhaltige Gesundheitsversorgung.

BKK advita Website

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Pasternack, die BKK advita orientiert sich als Krankenversicherungsträger an den Prinzipien nachhaltigen Wirtschaftens. Was unterscheidet Sie von anderen Krankenkassen?

NORBERT PASTERNACK: Zunächst verfolgen wir natürlich denselben gesetzlichen Auftrag wie alle anderen Krankenkassen auch. Allerdings tun wir dies durch unsere ökologische Ausrichtung in einer weitergehenden Form. Nicht nur durch die Akzeptanz ganzheitlicher, alternativer Behandlungsmethoden in unserem Leistungskatalog sondern auch durch unser gelebtes Selbstverständnis einer nachhaltig ausgerichteten Organisation. Nicht ohne Grund sind wir die erste umweltzertifzierte Krankenkasse in Deutschland – und das seit 2011.

Sie werben mit einer konsequenten ökologischen Ausrichtung? Was versprechen Sie sich davon?

Die Menschen erkennen zunehmend den Wandel, der sich auf vielen Ebenen zeigt.

Umweltfragen, Ernährungsgewohnheiten, zunehmende Bewegungsarmut und vieles mehr wurden früher im Störfall „zur Reparatur“ gegeben.

Heute erkennen wir mehr und mehr, dass Menschen kritischer werden und danach fragen wie sich dies alles auf die Zukunft auswirkt. Hierzu gehört ein sich verstärkt zeigender Trend des eigenverantwortlichen Umgangs, z.B. gerade zu Fragen der Gesundheit. Mit unseren Leistungsprodukten und unserem Service begleiten wir nicht nur unsere Versicherten in diesem Prozess, sondern wenden uns natürlich auch an alle, die sich dafür und in der Folge auch für uns interessieren und Mitglied der BKK advita werden.

Wie grün und nachhaltig ausgerichtet ist unser Gesundheitssektor in Deutschland und wo stehen wir im europäischen und internationalen Vergleich? Welches sind die größten Unterschiede?

Die Beantwortung dieser Frage fällt mir schwer, denn so unterschiedlich die Definition des Begriffs Nachhaltigkeit gehandhabt wird, so unterschiedlich ist wohl auch die jeweilige Umsetzung.

Einen unmittelbaren europäischen Vergleich haben wir hierzu noch nicht angestellt. Allgemein erkennen wir jedoch gerade in Deutschland eine zunehmende Hinwendung der Menschen zu alternativen Heilmethoden und eine Verknüpfung persönlicher Lebensphilosophie mit konkreten Vorstellungen zu vorhandenen Gesundheitsangeboten.

Für jedes neue Mitglied pflanzen Sie einen Baum. Wie gut kommt Ihre alternative Ausrichtung bei den Menschen an, entstehen bereits grüne Wälder?

Nun, unser Bekanntheitsgrad hat in den letzten beiden Jahren deutlich zugenommen und wir spüren insoweit ein deutliches Interesse an uns allgemein und an unseren Leistungen. Man ist teilweise nicht nur überrascht, dass es so etwas auch „als Krankenkasse“ gibt sondern findet unsere Baumpflanzungsaktion wirklich gut.

Von grünen Wäldern wollen wir noch nicht reden, aber von Wäldchen schon. Noch in diesem Herbst werden finden in Rheinland-Pfalz die nächsten Pflanzungen mit unserer Hilfe statt.

Wie setzt sich Ihre Mitgliederschaft zusammen, gibt es bestimmte Gruppen, die besonders affin sind für Ihre Angebote?

Unsere Mitglieder rekrutieren sich aus allen gesellschaftlichen Schichten. Mit unserer nachhaltigen Ausrichtung, ist es uns selbstverständlich gelungen, auch Menschen für uns zu gewinnen, die sich noch intensiver mit Fragen zu Ökologie oder zu Alternativen zur Schulmedizin befassen, oder wie Sie es nennen – affin für unsere Angebote sind. Grundsätzlich verspüren wir bei Frauen und jungen Familien eine höhere Sensibilität für natürliche Heilverfahren und für unsere Ausrichtung.

Einen großen Schwerpunkt legen Sie auf die Förderung einer gesunden Lebensweise und honorieren dies mit verschiedenen Boni - sollte ein solches Anreiz- und Präventionssystem als Schlüssel zum Erfolg ausgebaut und politisch stärker vorangetrieben werden?

Die Förderung einer gesunden Lebensweise sollte zunächst einmal in der Eigenverantwortung jedes Einzelnen liegen und nicht davon abhängig sein, ob dies von Dritten belohnt wird. Der Lohn dafür ist nämlich das eigene Wohlergehen, die eigene Gesundheit. Wir würden uns wünschen, dass diesem gedanklichen Ansatz gerade in der Politik eine höhere Aufmerksamkeit zukommt, als in wiederholten Aufforderungen an die Kassen, Prämien an ihre Versicherten auszuzahlen.

Die Gestaltung der Bonusprogramme ist flexibel genug. Während andere Kassen Geldleistungen oder Sachgeschenke ausschütten, honorieren wir die Vorsorge bewusst mit Gutscheinen für den Bio-Lebensmitteleinkauf.

Gibt es aussagekräftige Statistiken über den nachhaltigen Erfolg natürlicher Behandlungsmethoden? Sind diese eventuell sogar günstiger als „schulmedizinische Leistungen“?

Nein, solche Statistiken sind mir nicht bekannt. Wir leisten allerdings unter Beteiligung der Universität Marburg gerade mit unserem Modellprojekt Biofeedback, einer Behandlungsmethode für Kopfschmerz- und Migränepatienten, einen eigenen Beitrag zur wissenschaftlichen Untersuchung dieser Fragestellung.

Einen weiteren Fokus legen Sie auf ein ökologisch ausgerichtetes betriebliches Gesundheitsmanagement und verleihen sogar einen Preis – worum geht es hierbei?

Es geht uns im Wesentlichen um zwei Dinge: Erstens wollen wir auch kleine und mittlere Unternehmen ermutigen, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren und zweitens geht es um eine Verknüpfung der entsprechenden Maßnahmen mit ökologischen Begleitwirkungen.

Ein kleines Beispiel: Ein kleines Unternehmen stellt seinen Mitarbeitern kostenlos Fahrräder für die Fahrt von und zur Arbeit zur Verfügung und schafft eine Verbindlichkeit zu deren Nutzung. Das bedeutet einerseits gesundheitsförderliche Bewegung für den Mitarbeiter und andererseits eine Schonung der Umwelt durch den Verzicht auf das Auto.

Inwieweit ist betriebliches Gesundheitsmanagement in der deutschen Unternehmenskultur verankert? Rechnen sich die Ausgaben im Schnitt und würden Sie sagen, dass jedes Unternehmen davon profitiert?

Es gab bei der betrieblichen Gesundheitsförderung in den letzten Jahren einen deutlichen Schub in den Unternehmen. Zunehmend wird der Wert gesunder Mitarbeiter von den Unternehmen erkannt und es werden viele Angebote für die Beschäftigten gemacht.

Das ist umso erfreulicher, weil sich die Kosten der Unternehmen für das betriebliche Gesundheitsmanagement eben nicht, wie bei anderen Investitionen üblich, innerhalb kurzer Zeit amortisieren sondern in der Regel eher langfristige Effekte zu erwarten sind.

Das sich solche Investitionen lohnen, ist zwischenzeitlich wiederholt berechnet und bestätigt worden.

Zur Verfolgung von Missbrauchsskandalen haben Sie eine eigene Korruptionsbekämpfungsstelle eingerichtet. In welchen Bereichen entsteht der größte Betrug, bzw. Schaden und was könnte dagegen unternommen werden?

Der größte Schaden entsteht nach wie vor im Bereich der Abrechnungsmanipulation von Leistungserbringern, d. h. Abrechnung von Leistungen die entweder nicht erbracht wurden, oder aber Abrechnung von höherwertigen Leistungen an Stelle der eigentlich abgegebenen Leistung.

Weiterhin gibt es aber auch die missbräuchliche Verwendung der KV-Karte / eGK und den Bereich des Rezeptdiebstahls. Diese sind allerdings wesentlich seltener und finanziell auch nicht annähernd von gleicher Bedeutung.

Die Erweiterung der Funktionen der – zugegeben datenschutzrechtlich umstrittenen -elektronischen Gesundheitskarte könnte hier Abhilfe schaffen, z.B. durch eine Sperrmöglichkeit und dem sogenannten elektronischen Rezept.



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