Mit grünen Investments Gutes bewirken
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Mit grünen Investments Gutes bewirken

Oliver Patzsch von der Umweltbank ist überzeugt davon, dass sich die Mehrheit seiner Kunden bewusst für eine nachhaltige Zukunft einsetzen möchte. Im Interview erzählt er, wie man mit nachhaltigen Investments die Energiewende vorantreiben oder nachhaltige Bauvorhaben unterstützen kann.

Oliver Patzsch von der Umweltbank ist überzeugt davon, dass sich die Mehrheit seiner Kunden bewusst für eine nachhaltige Zukunft einsetzen möchte. Im Interview erzählt er, wie man mit nachhaltigen Investments die Energiewende vorantreiben oder nachhaltige Bauvorhaben unterstützen kann.

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21.12.2016 - Bild © UmweltBank AG

LifeVERDE: Herr Patzsch, was glauben Sie, welche Motivation steht bei grünen Investments bei der Mehrheit der Anleger im Vordergrund, Ethik & Moral oder eine ordentliche Rendite?

OLIVER PATZSCH: Durch einen offenen Dialog bestätigt sich immer wieder, dass unsere Kunden aus Überzeugung grün investieren und sich ein Großteil auch weit über die Finanzen hinaus für den Umweltschutz und soziale Themen engagiert.

Das bestätigt auch eine Studie von Novethic aus dem Jahr 2010. Die französische Organisation untersuchte die Motivation von Anlegern, den ESG-Ansatz (Ökologie, Soziales und gute Unternehmensführung) in die persönliche Anlagestrategie zu integrieren. Fast 70 Prozent der Studienteilnehmer waren überzeugt, damit einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Entwicklung von Unternehmen zu leisten. Nur bei elf Prozent stand dabei die Renditeerwartung im Vordergrund.

Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland ist und welche Wachstumsraten wir in diesem Bereich erfahren?

Laut dem Marktbericht 2016 des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG) wächst der Markt für nachhaltige Investmentprodukte seit 2005 im Durchschnitt um 30 Prozent pro Jahr. Bisher haben diese Investments jedoch nur einen Anteil von 2,7 Prozent am Gesamtmarkt.

Wo stehen wir im internationalen Vergleich? Gibt es andere Länder, deren Investitionsverhalten und -landschaft deutlich nachhaltiger sind?

Während in skandinavischen Ländern fast 75 Prozent der professionellen Anleger grüne Anlagemöglichkeiten wählen, liegt Deutschland mit 60 Prozent eher im europäischen Mittelfeld (Nachhaltigkeitsstudie 2016 von Union Investment). Hier sehen wir noch Aufholpotenzial. Der Bereich der Erneuerbaren Energien ist in Deutschland als zweitgrößter Markt Europas jedoch bereits gut entwickelt.

Welches sind die größten Vorteile nachhaltigen Investierens?

Die Gewissheit, dass das angelegte Geld Gutes bewirkt. Bei der UmweltBank geben wir die Umweltgarantie. Das bedeutet, dass mit den Einlagen der Kunden ausschließlich Kredite für ökologisch förderliche Projekte vergeben werden. Erst nach Abgleich mit unseren Positiv- und Ausschlusskriterien wird ein Projekt finanziert. So unterstützen unsere Kunden zum Beispiel die Umsetzung von umweltfreundlichen Bauvorhaben oder das Gelingen der Energiewende. Die Erhaltung einer gesunden Umwelt ist bei uns sogar in der Satzung verankert.   

Auch mit Blick auf die Zukunft sollten sich Anleger überlegen, welche Branchen und Unternehmen sie unterstützen wollen. Endliche Ressourcen zu schonen und stattdessen Erneuerbare Energien intensiver zu nutzen, um damit auch kommenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu garantieren, sollte schließlich im Interesse von Jedem liegen.

Kann man im Durchschnitt mit grünen Investments genauso viel Rendite erzielen wie mit herkömmlichen Geldanlagen?

Nachhaltig zu investieren muss nicht automatisch eine niedrigere Rendite zur Folge haben. Die Rating-Agentur oekom research untersuchte über einen Zeitraum von neun Jahren nachhaltige sowie konventionelle Portfolios. Nach Abschluss des Studienzeitraums im Jahr 2012 hatte das nachhaltige Portfolio eine um sechs Prozent bessere Rendite erzielt, als das Konventionelle.

Welches sind aktuell die größten Hemmnisse der Menschen in grüne Geldanlagen zu investieren? Wie könnte beispielsweise die Politik bessere Rahmenbedingungen für ethische Investments schaffen?

Wie der momentan noch geringe Anteil von grünen Geldanlagen am Gesamtmarkt in Deutschland zeigt, sind alternative Investments noch nicht bekannt genug. Vielen ist diese Möglichkeit der nachhaltigen Geldanlage gar nicht bewusst. Umfassendere Information und Aufklärung ist hier der Schlüssel, die verschiedenen Möglichkeiten rund um grüne Finanzen sollten mehr in den Fokus gerückt werden.

Eine bessere Einbindung der finanziellen Bildung an Schulen kann dabei helfen, bereits frühzeitig das Bewusstsein für nachhaltige Anlageentscheidungen zu schärfen.

Welche Formen der nachhaltigen Geldanlage werden aktuell am meisten nachgefragt und welche werden in Zukunft eine größere Rolle spielen als derzeit?

Bei unseren jugendlichen Kunden sind Sparprodukte mit langen Laufzeiten am beliebtesten. Viele Eltern schließen zum Beispiel grüne Sparverträge ab, um mit einer monatlichen Einzahlung für die Zukunft ihrer Kinder vorzusorgen. Erwachsenen ist es wichtiger, dass das angelegte Geld auch kurzfristig verfügbar ist. Sie entscheiden sich daher aktuell oft für Produkte mit festem Zinssatz und kurzer bis mittlerer Laufzeit. Auch bei ökologischen und sozialen Wohnprojekten sehen wir eine steigende Nachfrage.

Gibt es objektive Kriterien und Siegel, an denen Verbraucher relativ leicht erkennen können, ob es sich um ein wirklich nachhaltiges Investment handelt, das nicht nur grün verpackt ist? Oder muss jeder Anleger selbst entscheiden in welche Branche er investieren und worauf er vertrauen möchte?

Es gibt verschiedene nationale sowie internationale Organisationen, die sich mit der Kategorisierung nachhaltiger Investments beschäftigen. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen beispielsweise vergibt jährlich ein Siegel für nachhaltige Publikumsfonds, die international anerkannte Normen erfüllen.

Zahlreiche Vereine vernetzen Investoren mit der Finanzdienstleistungsbranche, informieren über nachhaltige Geldanlagen und fördern den ökologischen Finanzmarkt.

Organisationen wie Urgewald und Facing Finance ermutigen darüber hinaus mit verschiedenen Aktionen zum Hinterfragen der eigenen Geldanlage. Denn ein Siegel bedeutet nicht unbedingt die Erfüllung der eigenen Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Anleger sollten erst nach gründlicher Prüfung des Investments eine Entscheidung treffen und sich nicht nur auf ein Logo verlassen.

Wo bekomme ich als Anleger nachhaltige Geldanlagen?

Nachhaltige Geldanlagen erhalten Sie vor allem bei grünen Banken, wie der UmweltBank. Darüber hinaus bieten auch die kirchlichen Finanzinstitute und ökologisch ausgerichtete Finanzdienstleister grüne Anlagemöglichkeiten an. Orientierung erhalten Anleger beispielsweise beim unabhängigen Finanzportal ecoreporter.de oder dem Internetmagazin utopia.

Was glauben Sie, wird in 20 Jahren nur noch nachhaltig investiert werden?

Das wünschen wir uns natürlich, es hängt jedoch von sehr vielen Faktoren ab: welchen Kurs die Politik einschlagen wird, welche technischen Innovationen im Bereich der Erneuerbaren Energien oder welche neuen Erkenntnisse aus der Forschung kommen werden.

Für den Moment können wir jedoch festhalten, dass nachhaltige Anlagestrategien, wie zum Beispiel Impact Investing, laut Eurosif im Vergleich zu den konventionellen das größte Wachstum erfahren. Deshalb gehen wir davon aus, dass der momentan noch geringe Anteil ökologischer Geldanlagen immer mehr vom Gesamtmarkt ausmachen wird.

Vielen Dank



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