Nachhaltigkeit endet nicht bei regionalen Lebensmitteln oder einem energieeffizienten Hotelbetrieb. Im LANDHAUS BECKMANN gehört verantwortungsvolles Handeln seit Jahren zum Selbstverständnis – ohne dabei den Komfort oder Genuss für die Gäste einzuschränken. Im Interview spricht das Familienunternehmen über den Spagat zwischen Tradition und Innovation, pflanzenbetonte Küche ohne erhobenen Zeigefinger und darüber, warum Nachhaltigkeit für sie kein Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess ist.

Bild: LANDHAUS BECKMANN
LifeVERDE: Hotel, Tagungsservice, Wellness, pflanzenbetonte Küche: Das LANDHAUS BECKMANN lässt sich schwer in eine Schublade stecken. Wie würdest du beschreiben, was euch heute ausmacht?
LEA GARISCH, Nachhaltgkeitsbeauftragte des LANDHAUSES BECKMANN: Ich würde sagen: Wir sind ein Ort, an dem Menschen zur Ruhe kommen und sich willkommen fühlen. Natürlich bieten wir Hotelzimmer, Wellness, Tagungen und gutes Essen an, aber im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Gleichzeitig möchten wir zeigen, dass Gastfreundschaft und Nachhaltigkeit kein Widerspruch sind. Wir versuchen, verantwortungsvoll zu handeln, ohne dass unsere Gäste das Gefühl haben, auf etwas verzichten zu müssen.
Ihr seid seit 1850 in Familienhand, also seit fünf Generationen. Wie entscheidet ihr, was von dieser Geschichte bewahrt wird und was man loslässt, wenn man ein Haus in Richtung Nachhaltigkeit weiterentwickeln will?
Unsere Geschichte gibt uns ein starkes Fundament, aber sie verpflichtet uns nicht dazu, alles genauso weiterzumachen wie früher. Was wir bewahren möchten, ist die persönliche Gastfreundschaft und die enge Verbindung zur Region. Gleichzeitig hinterfragen wir unsere Abläufe ständig: Was können wir ressourcenschonender machen? Wo können wir regionale Partner stärken oder neue Konzepte ausprobieren? Nachhaltigkeit bedeutet für uns, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen, ohne unsere Wurzeln zu verlieren.

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Eure Speisekarte umfasst überwiegend pflanzliche Gerichte, aber ihr wollt mit eurem Angebot nicht belehren. Wie schafft ihr es, Gäste für pflanzliche Küche zu begeistern, die gar nicht aus diesem Grund zu euch kommen?
Wir möchten niemanden überzeugen oder belehren. Unser Ziel ist vielmehr, Gerichte zu servieren, die einfach gut schmecken. Viele Gäste bestellen ein pflanzliches Gericht, weil es sie neugierig macht oder weil es auf der Karte besonders interessant klingt – nicht, weil es vegan oder vegetarisch ist. Wenn Qualität, Kreativität und Geschmack stimmen, spielt die Ernährungsform oft gar nicht mehr die entscheidende Rolle.

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Ihr seid mit den GreenSign Level 5 zertifiziert, einem der höchsten Zertifizierungsstufen für nachhaltige Hotels in Deutschland. Was hat euch auf dem Weg dorthin am meisten gefordert und warum?
Die größte Herausforderung war wahrscheinlich, Nachhaltigkeit als ganzheitliches Thema zu verstehen. Es reicht nicht, einzelne Maßnahmen umzusetzen – sie muss in allen Bereichen gelebt werden, vom Einkauf über den Energieverbrauch bis hin zur Mitarbeitendenkultur. Am meisten bewirkt hat, dass wir Nachhaltigkeit nicht als Projekt betrachten, sondern als kontinuierlichen Prozess. Jeder kleine Schritt trägt dazu bei, und gemeinsam entsteht daraus eine langfristige Veränderung.

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Ihr unterstützt Höfe und Tierschutzprojekte wie den Erdlingshof oder Hof Butenland und veranstaltet einmal im Jahr ein Charity-Event. Wie ist diese Verbindung entstanden und was bedeutet sie für euer Team im Alltag?
Für uns endet Verantwortung nicht an der Hoteltür. Die Unterstützung solcher Projekte passt zu unseren Werten und zu unserer Vorstellung von nachhaltigem Handeln. Das Charity-Event ist eine schöne Möglichkeit, gemeinsam mit Gästen und unserem Team etwas zu bewegen. Gleichzeitig stärkt dieses Engagement auch intern das Bewusstsein dafür, warum wir bestimmte Entscheidungen treffen und welchen Beitrag wir als Unternehmen leisten möchten.

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Wenn du auf all die unterschiedlichen Gäste schaust, von Urlaub über Business bis Feier: Was verbindet diese Aufenthalte bei euch, auch wenn die Anlässe ganz verschieden sind?
Am schönsten ist es, wenn Gäste das Gefühl haben, wirklich angekommen gewesen zu sein. Dass sie sich gut erholt, gut gegessen und persönlich willkommen gefühlt haben. Vielleicht nehmen sie auch die eine oder andere Inspiration mit – sei es für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln oder einfach die Erkenntnis, dass Nachhaltigkeit und Genuss wunderbar zusammenpassen. Vor allem aber wünschen wir uns, dass sie gerne wiederkommen.
Fazit: Nachhaltigkeit entsteht durch Haltung – nicht durch Marketing
Das Gespräch mit dem LANDHAUS BECKMANN zeigt, dass nachhaltiges Wirtschaften weit über einzelne Umweltmaßnahmen hinausgeht. Statt kurzfristigen Trends folgt das Familienunternehmen einer langfristigen Philosophie, die regionale Partnerschaften, bewussten Genuss und verantwortungsvolles Unternehmertum miteinander verbindet. Gerade diese Kombination aus Tradition, Offenheit für Veränderungen und echter Gastfreundschaft macht deutlich, dass Nachhaltigkeit dann besonders glaubwürdig wird, wenn sie täglich gelebt wird – und Gäste sie ganz selbstverständlich erleben.
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