Kreislaufwirtschaft braucht Cirular Thinking
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Kreislaufwirtschaft braucht Cirular Thinking

GASTBEITRAG | „Wir bewegen uns weg von der Idee geschlossener KreislĂ€ufe, hin zu einem Endloskreislauf.“ (James Carnes)

GASTBEITRAG | „Wir bewegen uns weg von der Idee geschlossener KreislĂ€ufe, hin zu einem Endloskreislauf.“ (James Carnes)

09.08.2017 - Gastbeitrag von Dr. Alexandra Hildebrandt

Zum Grundsatz der Nachhaltigkeit gehört, kluge Entscheidungen zu treffen, die unsere LebensumstĂ€nde verbessern, ohne unsere Zukunftschancen und die der nachfolgenden Generationen zu beeintrĂ€chtigen. Nachhaltigkeit ist mit KreislĂ€ufen verbunden und beginnt zuerst im Kopf. Aber nur denken und wissen reicht nicht – wir mĂŒssen das Große und Kleine, das Ganze und die Teile auch verstehen und verantwortungsbewusst handeln. Wissen und Gewissen sind dabei untrennbar miteinander verbunden. „In der Symbolik des Kreises sind diese Gedanken und AnsĂ€tze zum inneren Sinnbezirk der Nachhaltigkeit verbunden: Wenn der Haushalt der Natur genutzt werden soll, mĂŒssen ihre  Eigenzeiten,  Rhythmen und Zyklen beachtet werden“, sagt Claudia Silber, die bei der memo AG In Greußenheim die Unternehmenskommunikation leitet. All dies umfasst der Begriff „Ökologie“. Allerdings sollte ökologisches Handeln nicht immer am Absoluten gemessen werden. Georg Schweisfurth, Unternehmer und Autor im Bereich Biofood, sagt zu Recht: „Wenn wir 20 Prozent, vielleicht eines Tages 50 Prozent unseres Lebens verĂ€ndern, ist das gut.“

Nachhaltige KreislĂ€ufe messen sich an Vernunft, Klugheit und gesellschaftlichen Fundamenten, die sich als tragfĂ€hig erweisen. Dieser Gedankenansatz findet sich bereits in Joachim Heinrich Campes Deutschem Wörterbuch von 1809, wo Nachhaltigkeit als Gegenbegriff zu „Kollaps“ erscheint: „Nachhalt… ist das, woran man sich hĂ€lt, wenn alles andere nicht mehr hĂ€lt“. Dies liegt dem modernen Nachhaltigkeitsbegriff zugrunde.

Die Circular Economy gilt als Wirtschaftsmodell der Zukunft, weil sie die Umwelt schont, die eingesetzten Rohstoffe lĂ€nger und hĂ€ufiger nutzt als dies bislang der Fall ist sowie neue GeschĂ€ftsmodelle und Einkommensquellen erschließt. Deutschland hat das Potenzial, Vorreiter der Kreislaufwirtschaft und als TechnologiefĂŒhrer in vielen Umwelttechnologien bis 2020 die ressourceneffizienteste Volkswirtschaft zu werden. Allerdings stellen gesetzliche Regelungen und Initiativen in den Bereichen Circular Economy (Kreislaufwirtschaft), Corporate Social Responsibility (CSR), REACH sowie weitere Anforderungen an die Nachhaltigkeit von Produkten und Lieferketten Unternehmen vor herausfordernde Aufgaben und Pflichten.

Leider wird das Potenzial der Kreislaufwirtschaft derzeit auch noch nicht voll ausgeschöpft: „Eingesetzte Rohstoffe gelangen ĂŒber den Lebenszyklus eines Produktes hinaus nicht wieder in den Produktionsprozess zurĂŒck. Im Wesentlichen haben wir immer noch eine Linearwirtschaft, keine Kreislaufwirtschaft“, schreiben GĂŒnther Bachmann, GeneralsekretĂ€r des RNE, und Alexander Holst, Managing Director bei Accenture Strategy Sustainability im Vorwort der Studie des Rates fĂŒr Nachhaltige Entwicklung (RNE), die Ende Juni 2017 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Accenture Strategy hat unter Mitwirkung der Ökopol GmbH fĂŒr den RNE die Studie „Chancen der Kreislaufwirtschaft fĂŒr Deutschland – Analyse von Potenzialen und Ansatzpunkten fĂŒr die IKT-, Automobil- und Baustoffindustrie“ zu diesem Thema erarbeitet. Das Festhalten an der Linearwirtschaft sei „ökologisch fatal, ökonomisch leichtfertig und sozial wenig intelligent“.

Am Beispiel von drei Stoffströmen wird gezeigt, dass eine ambitionierte Kreislaufwirtschaft auch unter den heutigen Rahmenbedingungen möglich ist. Exemplarisch  werden die Internet- und Kommunikationsbranche (IKT-Branche), die Automobilindustrie und die Baubranche an den Produkt-Beispielen Internet-Router, Traktionsbatterie und Gips betrachtet.

KĂŒnftig geht es nicht um einfaches Recycling, sondern auch um völlig neue GeschĂ€ftsmodelle, die auch hier stark von der Digitalisierung getrieben sein werden. Denn es bedarf vor allem der intelligenten Vernetzung von Stoffströmen, um nachhaltig Wert zu schaffen.

Die 2010 gegrĂŒndete Ellen MacArthur-Stiftung versucht gemeinsam mit Unternehmen, Wissenschaft und Politik ein Rahmenwerk fĂŒr eine regenerative Art der Wirtschaft zu entwickeln. Der Chemiekonzern BASF hat sich im FrĂŒhjahr 2017 an zwei Programmen der Stiftung beteiligt: Das Programm „Circular Economy 100 (CE100)“ widmet sich nicht nur dem Konzept der Kreislaufwirtschaft innerhalb der eigenen AblĂ€ufe, sondern auch dessen Umsetzung mit anderen Innovatoren und Organisationen. Das Denken im Sinne der Kreislaufwirtschaft darf sich dabei nicht nur auf unternehmenseigene GeschĂ€ftstĂ€tigkeiten konzentrieren. Vielmehr soll die gesamte Wertschöpfungskette einbezogen werden. BASF wird auch Mitglied der Stiftungsinitiative „New Plastics Economy“, die Interessensvertreter zusammenbringt, die zunĂ€chst am Beispiel Verpackung die Zukunft von Kunststoff neu denken und gestalten.

Um das Leitziel der Bundesregierung zu erreichen, Vorreiter der Kreislaufwirtschaft zu werden, sollen knappe oder umweltbelastende Ressourcen durch besser verfĂŒgbare ersetzt und der Wiederverwertung und dem Recycling Vorrang gegeben werden vor dem Abbau neuer Rohstoffe: reduce – reuse – recycle. Damit werden dem Immer-Mehr, Immer-Schneller und der Überschreitung der ökologischen Grenzen zahlreiche Möglichkeiten sinnvollen Tuns entgegengesetzt.

Umweltministerin Barbara Hendricks plĂ€dierte auf dem EuropĂ€ischen Forum fĂŒr Öko-Innovation 2016 in Hannover dafĂŒr, dass sich Europa aktiv dafĂŒr einsetzen muss, Reparieren als Alternative zum Wegwerfen und Neukaufen zu fördern. Sie verwies dabei auf die besondere Rolle von Repair CafĂ©s. Es brauche vor allem solche Paradebeispiele, um eine Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Dies ist aber auch von Bedeutung, weil eine Welt ohne Abfall, in der alle Stoffe vollstĂ€ndig einem ewigen Kreislauf zugefĂŒhrt werden – auch wenn in diesem Buch immer wieder auf den Cradle to Cradle-Ansatz verwiesen wird - nicht möglich ist.

Der Hype um die textile Kreislaufwirtschaft hĂ€lt beispielsweise nicht, was er verspricht, ist Eileen Fisher, GrĂŒnderin der gleichnamigen US-Modefirma, ĂŒberzeugt. Sie bezeichnet die Kleidungsindustrie als „zweitdreckigste Industrie der Welt nach der Ölindustrie“. Auch John Mowbray, Autor des Reports „Closing the Loop“, kritisiert, dass jĂ€hrlich weltweit von ca. 62 Millionen Tonnen aussortierter Kleidung noch immer 80 Prozent auf dem MĂŒll landen - lediglich 20 Prozent werden recycelt (und nicht im Kreislauf gefĂŒhrt). Recycling bedeutet hier lediglich ein zweites Leben – danach kommt: nichts! FĂŒr Texil- und Nachhaltigkeitsexperten ist das Recycling nur die drittbeste Lösung (reduce – reuse – recycle). Am besten ist es, weniger, aber dafĂŒr haltbarere und zeitlose Produkte zu kaufen oder einfach zu teilen, zu leihen und zu tauschen.

Voraussetzung fĂŒr alles, was wir heute tun, ist allerdings ein „neues Denken“, fĂŒr das der österreichische Business- und Sportexperte Stefan Gatt in seinem „Survival-Handbuch FĂŒhrung“ (Hanser Verlag) plĂ€diert:  „Raus aus der WegwerfmentalitĂ€t hin zu einem Kreislaufdenken. Wie es uns die Natur vormacht: Das Laub, das der Baum im FrĂŒhjahr produziert, hilft dem Baum im Laufe des Jahres, sich zu versorgen, und wird im Herbst zum NĂ€hrstoff fĂŒr die Organismen im Boden und in weiterer Folge wieder zum DĂŒnger fĂŒr den Baum.“ Eine der grĂ¶ĂŸten Entwicklungschancen fĂŒr Unternehmen liegt auch fĂŒr ihn kĂŒnftig in der Umwandlung der heutigen Wegwerfsysteme hin zu Kreislaufsystemen.

Kreislaufwirtschaft verlangt klares Denken und einen kritisches Blick fĂŒr das wirklich Nachhaltige und Machbare. Je grĂ¶ĂŸer und komplexer die Projekte und Initiativen, je lauter der Hype, desto schwieriger der Durchblick. Wer sich im Kleinen einen Überblick verschaffen und selbst handeln möchte, dem sei die hier ausgewĂ€hlte Publikation empfohlen. Der Erlös des Buches kommt HORIZONT e.V. zugute. Der gemeinnĂŒtzige Verein wurde 1997 von der Schauspielerin Jutta Speidel gegrĂŒndet und hilft wohnungslosen MĂŒttern und deren Kindern schnell und unbĂŒrokratisch.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen von Amazon Media EU  S.Ă  r.l.

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