Matcha ist längst mehr als ein Nischenprodukt für Teekenner. Ob als klassischer Tee, Matcha Latte oder Zutat in Smoothies – das grüne Pulver hat sich zu einem globalen Trend entwickelt. Doch mit der steigenden Nachfrage wachsen auch die Fragen nach Qualität, Nachhaltigkeit und kultureller Authentizität. KEIKO gehört zu den Pionieren im Bio-Matcha-Segment und setzt auf eigenen Anbau in Japan sowie eine besonders schonende Frischvermahlung in Deutschland. Im Gespräch erklärt das Unternehmen, warum echter Matcha weit mehr ist als ein Lifestyle-Produkt und welche Verantwortung Produzenten heute tragen.

Bild: KEIKO
LifeVERDE: KEIKO beschreibt sich als Bio-Pionier mit eigener Biofarm in Kagoshima und frischer Vermahlung in Deutschland. Wie gelingt es Ihnen, traditionelle japanische Teekultur mit den Anforderungen eines modernen, nachhaltigen europäischen Marktes zu verbinden?
KEIKO: Matcha ist ja im Grunde ein „traditionelles Superfood“ und passt mit seinen gesundheitlichen und geschmacklichen Eigenschaften, sowie den vielfältigen Verwendungs und Zubereitungsoptionen wunderbar in die europäische neue Tee- und Cafékultur. Zugleich versuchen wir bei KEIKO zu vermitteln, dass ein guter Matcha nicht vom Himmel fällt, sondern dass es sehr viel Knowhow vieler engagierter Menschen bedarf, bis wir einen guten Matcha genießen können. Das beginnt mit dem Anbau: selbst ein hervorragender Sencha-Bauer, also Erzeuger von Blatt-Tee, muss sich viele Kenntnisse aneignen und viele Jahre Erfahrung sammeln, bis er einen ebenso guten Tencha erzeugen kann, aus dem der Matcha vermahlen wird. Die Auswahl der Kultivare, die Düngung, die Beschattung und noch vieles mehr sind zu beachten. Die Verarbeitung der geernteten Teeblätter zu Tencha, also die verschiedenen Trocknungsschritte und das Entfernen der Blattstängelchen und Blattrippen, erfordern viel Erfahrung. Und damit dann all diese Anstrengungen nicht umsonst sind, muss der Tencha vor Oxidation geschützt luftdicht verpackt werden, bevor er bei uns in Diepholz auf original japanischen Granitsteinmühlen frisch vermahlen werden kann.

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Viele Konsument:innen erleben Matcha heute eher als Lifestyle-Drink auf Social Media. Was geht aus Ihrer Sicht verloren, wenn Matcha nur als Trendgetränk verstanden wird – und wie versucht KEIKO, die kulturelle Tiefe und Handwerkskunst dahinter sichtbar zu machen? Auch in der Community wird kritisch diskutiert, dass der „Matcha-Boom“ häufig Qualität und Tradition verdrängt.
Wir freuen uns sehr darüber, dass gerade auch immer mehr junge Menschen Matcha wertschätzen, und wir sehen den sogenannten „Matcha-Boom“ als eine großartige Ergänzung zur traditionellen japanischen Teekultur. Allen gemeinsam ist die Begeisterung für dieses einzigartige Getränk und seine wohltuende Wirkung, sei es als pur mit Wasser aufgeschäumter Ceremonial Matcha, als Matcha Latte oder als leuchtend grüne „Superfood“-Zutat in Smoothies oder angesagten Cocktails.
Wir stellen fest, dass, angeregt durch zahlreiche Berichte und Dokumentationen in der Presse und den sozialen Medien, aktuell immer mehr Menschen Kenntnisse zur Kultur, der Verwendung und den Zubereitungsmöglichkeiten von Matcha erlangt haben. Dabei werden unterschiedliche Qualitätsstufen für die Verwendung zum traditionell puren Genuss, als Zutat für Matcha Latte und Smoothies oder für die kreative Küche ausgewählt. Die Kriterien dabei sind der Geschmack, die Feinheit und die Farbe des Pulvers.
KEIKO setzt auf voll beschatteten Tencha und die langsame Vermahlung auf japanischen Granitsteinmühlen. Warum ist dieser aufwendige Herstellungsprozess entscheidend für Qualität, Geschmack und Wirkung – und wie unterscheiden sich hochwertige Matcha-Produkte dadurch von günstigem Massenmarkt-Matcha?
Trotz neuer technologischer Entwicklungen in der Vermahlung ist der Feinheitsgrad, den die traditionellen japanischen Granitsteinmühlen erzielen bisher unerreicht. Und es ist immer wieder beeindruckend, wie deutlich sich dies im Geschmack niederschlägt – ist das Pulver zu grob hat man nicht nur ein leicht sandiges Gefühl auf der Zunge, sondern es schmeckt auch schon bei geringfügiger Abweichung deutlich bitterer. Auch der Aufwand in Anbau und Verarbeitung sorgen dafür, dass durch die Beschattung mehr Aminosöuren entstehen, die dem Tee ein süßeres, volleres Aroma und ein kräftigeres grün verleihen und durch das Entfernen der Blattstängel nur der aromatischste Teil des Blattes verwendet wird. Dennoch haben auch die einfacheren, schneller vermahlenen und weniger stark beschatteten Tees ihre Daseinsberechtigung, denn für Latte und andere Mischgetränke oder kulinarische Anwendungen bieten diese ein kräftiges Teearoma, dass sich auch gegen andere Geschmäcker gut behaupten kann. Allerdings sollten diese unserer Meinung nach auch entsprechend gekennzeichnet sein.
Zu guter Letzt ist die Frische ein wichtiger Faktor bei Matcha, da grüner Tee allgemein, und das Pulver ganz besonders anfällig ist für Oxidation und bei Wärme und Sauerstoffkontakt schnell an Qualität und Aroma verliert und einen dumpfen, manchmal fast fischigen Geschmack entwickeln kann. Wir achten daher auf kühle Temperatur vom Import des Tencha bis hin zum Versand in Tüten mit Schutzatmosphäre und haben genau deshalb schon 2012 die Frischvermahlung des KEIKO Matchas hier in Deutschland gestartet.
Auch die Vermahlung ist ein aufwändiger Prozess, der die Matchamüllerinnen unserer kleinen Manufaktur jeden Tag vor Herausforderungen stellt. Jede der handgefertigten Mühlen – auch deren Herstellung ist eine beeindruckende Handwerkskunst – muss individuell mit Geduld und Fingerspitzengefühl behandelt werden, um ein optimales Mahlergebnis zu erzielen: feines, leuchtend grünes Pulver, das beim Streichtest mit den Fingern eine lückenlose Spur zieht, sich dabei wunderbar samtig anfühlt und beim Trinken auf der Zunge als fein-cremig wahrgenommen wird. Auch auf anderen Mühlentypen lassen sich akzeptable Mahlergebnisse für mittlere Qualitäten erzielen. Dies ist jedoch angesichts der aktuell hohen Nachfrage nicht immer gewährleistet.

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Nachhaltigkeit bedeutet bei KEIKO nicht nur Bio-Anbau, sondern auch Ökostrom, Photovoltaik und alternative Verpackungsmaterialien. Wo liegen heute die größten Herausforderungen, wenn man Genuss, Produktschutz und ökologische Verantwortung gleichzeitig ernst nimmt?
KEIKO Tee wird in temperaturgeführten Containern per Schiff aus Japan transportiert. Der Transport zu unseren Kunden und Kundinnen erfolgt möglichst klimaneutral über DHL GoGreen. Eine große Herausforderung für uns ist, den notwendigen Schutz der empfindlichen Aromen und Wirkstoffe in den Tees durch dafür geeignete und dennoch möglichst umweltfreundliche Verpackungen zu erzielen, da Matcha aufgrund seiner großen oxidierbaren Oberfläche extrem empfindlich auf Wärme, Licht und Sauerstoff reagiert. Zunehmend setzen wir recycelbare Monofolien ein, die dennoch einen sehr gute Produktschutz bieten, und auch in Japan entwickelt sich allmählich ein Angebot an umweltfreundlichen Verpackungen.

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Matcha gilt vielen als gesündere Alternative zu Kaffee – gleichzeitig wächst die Nachfrage weltweit enorm. Wie kann die Branche verhindern, dass steigender Konsum langfristig zu Qualitätsverlust, Monokulturen oder einem Ausverkauf traditioneller Anbauweisen führt?
Wir sehen für Japan diese Gefahren nicht und halten die steigende Nachfrage im Gegenteil für eine große Chance für viele Teebauern. Junge Teebauern sehen wieder Perspektiven und überlegen nun vielleicht eher, den elterlichen Betrieb weiterzuführen oder einen Betrieb zu übernehmen. Dies gilt für Bio-Betriebe um so mehr. Denn Matchakonsument:innen sind in der Regel sehr gesundheitsbewusst und legen Wert auf ökologisch erzeugten Matcha. Das gibt den Bio-Teeanbauern Aufwind.
Wichtig ist zu erwähnen, dass Japan ein Land mit ähnlicher Wirtschaftskraft und ähnlicher Preisstruktur wie Deutschland ist. Daher erfolgt die Zusammenarbeit zwischen Matchabauern in Japan und Importeuren in Europa auf Augenhöhe, was bei der derzeit erhöhten Nachfrage zu aktuell stark gestiegenen Erzeugerpreisen führt.

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KEIKO vermahlt Matcha frisch in Deutschland, um Aroma und Inhaltsstoffe besser zu erhalten. Welche Rolle spielt Regionalität in der Weiterverarbeitung eines globalen Naturprodukts – und könnte dieses Modell ein Beispiel für nachhaltigere Lebensmittelketten insgesamt sein?
Aktuell können wir nicht auf importierte Rohware aus Japan verzichten, allerdings können wir durch die Verarbeitung vor Ort auf CO2 intensive Flugtransporte des fertigen Pulvers verzichten. Denn mit der Vermahlung beginnt der Wettlauf mit der Zeit – die Oberfläche der Teilchen vergrößert sich und die Oxidation schreitet schneller voran. Annährend frische Matcha-Qualität wäre sonst also nur mit Lieferungen per Flugzeug möglich. Zudem haben wir mehr Flexibilität und Kontrolle bei der Produktion und Abfüllung.
Wir sehen allerdings in Europa auch die langfristige Möglichkeit, Grüntee anzubauen, sei es für Pulver oder Blatttee. Insbesondere für Weinbauern kann das interessant sein, da Weinbau und Teeanbau als Dauerkulturen viele Gemeinsamkeiten haben und die Pflanzen ähnliche Ansprüche an das Klima stellen. Growing Karma in Brandenburg zum Beispiel ist ein sehr vielversprechendes Projekt.

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In Online-Communities sprechen viele Matcha-Fans davon, wie stark sich Geschmack, Textur und sogar die emotionale Wahrnehmung zwischen hochwertigem und industriellem Matcha unterscheiden. Was macht für Sie einen „wirklich guten Matcha“ aus – jenseits von Farbe und Marketing?
Ein wirklich guter Matcha ist Matcha, den Bauern und Bäuerinnen mit großer Fertigkeit nach Bio-Richtlinien anbauen, davon ein gutes Auskommen haben und den verarbeitende Betriebe mit höchster Sorgfalt vermahlen und verpacken. Wichtig ist es aber auch, den richtigen Matcha für die richtige Gelegenheit zu haben, denn der beste Matcha für die Teezeremonie ist nicht unbedingt der beste Matcha für eine Matcha Latte, da die feinen Aromen und Nuancen eines milden Ceremonial Matchas in der Mischung einfach untergehen.
Wenn Sie fünf oder zehn Jahre in die Zukunft schauen: Wie sollte sich die Matcha-Kultur idealerweise entwickeln, damit sie sowohl ökologisch tragfähig als auch kulturell authentisch bleibt – und welche Verantwortung tragen Marken wie KEIKO dabei?
Wir wünschen uns und arbeiten daran, dass Matcha ein fester Bestandteil der weltweiten Trinkkultur wird, dass sich in diesem Bereich der Bioanbau durchsetzt und dass dieses Produkt dazu beiträgt, den Zusammenhalt in der Welt zu verstärken. In unserer Kommunikation und unseren Verkaufsaktivitäten sind Qualität und Nachhaltigkeit daher immer die Grundlage, um langfristige und vertrauensvolle Kundenbeziehungen aufzubauen. Dabei ist es uns wichtig, sowohl die moderne als auch die traditionelle Seite des Matchas und des grünen Tees darzustellen, um unseren Kunden die Ruhe und Achtsamkeit der Teezeremonie auch im alltäglichen Teegenuss nahe zu bringen.

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Fazit: KEIKO zeigt, worauf es bei gutem Matcha ankommt
KEIKO zeigt, dass hochwertiger Matcha weit mehr ist als ein kurzlebiger Social-Media-Trend. Das Unternehmen verbindet traditionelle japanische Handwerkskunst mit modernen Nachhaltigkeitsstandards und setzt dabei konsequent auf Qualität, Transparenz und Frische. Das Interview macht deutlich: Die Zukunft der Matcha-Kultur liegt nicht in der Massenproduktion, sondern in einem bewussten Umgang mit Herkunft, Verarbeitung und Genuss – zum Vorteil von Produzenten, Konsumenten und Umwelt gleichermaßen.
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