Fair eingekauft Kaffee individuell komponiert
Grüne Wirtschaft

Fair eingekauft - Kaffee individuell komponiert

Die besten Bohnen aus aller Welt, fair eingekauft, schonend geröstet und nach meinen Wünschen komponiert. Kurz: Kaffee, genau für mich gemacht! So beschreiben die Gründer Till Achinger und Tamer El-Hawari ihr Kaffee-Startup "sonntagmorgen.com". Wir baten Till Achinger um ein Interview und befragten ihn zu seiner Plattform, seinen Einschätzungen zur Branche und zum Umweltschutz.

Die besten Bohnen aus aller Welt, fair eingekauft, schonend geröstet und nach meinen Wünschen komponiert. Kurz: Kaffee, genau für mich gemacht! So beschreiben die Gründer Till Achinger und Tamer El-Hawari ihr Kaffee-Startup "sonntagmorgen.com". Wir baten Till Achinger um ein Interview und befragten ihn zu seiner Plattform, seinen Einschätzungen zur Branche und zum Umweltschutz.

Sonntagmorgen Kaffee / Till Achinger

Wie kam es zu Ihrer Geschäftsidee "sonntagmorgen.com" und was genau ist das Besondere an Ihrem Internet-Portal?

Sonntagmorgen ist der erste Onlineshop für individuelle Kaffeemischungen. Unsere Kunden können aus derzeit zwölf verschiedenen Sorten und optional auch 13 Zusatzaromen wählen und damit ihren individuellen "Blend" kreieren. Der schmeckt dann nicht nur genau so, wie sie es mögen - und Kaffee kann sehr vielfältigen Geschmack haben, wenn man einmal den Supermarkt-Einheitsbrei beiseitelässt - sondern es steht auch eine individuelle Beschriftung darauf. Auf die Idee bin ich 2007 mit einem Freund natürlich beim Kaffeetrinken gekommen, aus dem Wunsch heraus, berufliches Können und die private Leidenschaft für Kaffee zu verbinden.

Sie beschreiben Ihre Geschäftsidee auf sonntagmorgen.com kurz und bündig mit einem Satz, nämlich: "Die besten Bohnen aus aller Welt, fair eingekauft, schonend geröstet und nach meinen Wünschen komponiert. Kurz: Kaffee, genau für mich gemacht!" Was bedeutet "fair eingekauft" im Detail?

Fair eingekauft bedeutet für uns mehr als ein buntes Siegel. Die standardisierten Gütesiegel decken immer nur einen Teilbereich von dem ab, was wir unter nachhaltigem Wirtschaften verstehen, etwa würdige Arbeitsbedingungen oder biologischen Anbau. Beides ist wichtig, genauso aber auch, was mit dem so verdienten Geld finanziert wird. Wir weisen für jeden Kaffee, für den das möglich ist, die Herkunft im Detail aus, bei vielen Sorten bis zur einzelnen Plantage. Wir kaufen zwar über Importeure ein, nehmen aber direkt Kontakt mit der Plantage, aber auch mit vertrauenswürdigen Hilfsorganisationen vor Ort auf, um uns über die dort herrschenden Umstände zu informieren. DIese Informationen geben wir an unsere Kunden weiter. Damit sind wir noch längst nicht am Ziel, aber, wie wir denken, auf dem richtigen Weg weit vorn.

Was ist die Vision von sonntagmorgen.com für einen nachhaltigen Umweltschutz?

Am liebsten möchten wir Genuss bieten, ohne Fußabdrücke zu hinterlassen. Das ist bei Kaffee ein hoher Anspruch: Allein für eine Tasse Kaffee werden 140 Liter "virtuelles Wasser" verbraucht. Der Rohkaffee wird um die halbe Welt verschifft und die Röstung verbraucht Energie. Wir achten zum einen beim Einkauf um einen bewussten Umgang mit der Natur, fangen aber vor allem vor unserer Haustür an. Ein Großteil unseres CO2-Fußabdruckes entsteht zum Beispiel beim Versand zum Endkunden. Das kompensieren wir zusammen mit unserem Versandpartner DHL mit dem "Go Green"-Programm, in dem wir für jedes versendete Paket einen Betrag in Aufforstungsprojekte und andere CO2-Kompensationsmaßnahmen investieren.

Verraten Sie uns ein ein bisschen mehr über Ihre Branche, wo wird die Reise in den nächsten 3 Jahren hingehen und was können Sie als Portalbetreiber für einen nachhaltigeren Kaffeekonsum tun?

Neben dem ungebrochenen Einzelportions-Boom, den man natürlich aus Umweltgesichtspunkten durchaus kritisch sehen kann, wird meiner Einschätzung und Hoffnung nach der Kaffeemarkt fragmentierter. Ich sehe allein in der Umgebung meiner Heimatstadt Münster eine kleine Rösterei nach der anderen aus dem Boden schießen und halte das für eine gute Entwicklung, weil ein einzelner Röster in einer engeren Beziehung zu seinen Kunden und seinem Produkt steht. Er steht mit seinem Namen dafür ein und muss im täglichen Gespräch rede und Antwort stehen. Das sorgt auch für eine sorgfältigere und kritischere Auseinandersetzung mit der Herkunft und den Produktionsbedingungen der eigenen Ware.

Was für positive Beispiele können Sie aus Ihrem Umfeld für den Umweltschutz nennen?

Von unseren Bemühungen, die Umweltfolgen des Onlineversands zu kompensieren, habe ich schon berichtet. Eindrucksvolles Beispiel aus der Kaffeebranche ist Java Republic aus Großbritannien, die erste vollständig CO2-neutrale Rösterei. Ein anderes, trivial anmutendes Beispiel, das aber gut zeigt, was man im Kleinen tun kann, ist unser neuer Papierkorb. Von Grünspar, einem ebenfalls in Münster ansässigen Versand für ressourcenschonende Produkte, haben wir einen Abfallkorb aus Pappe bekommen, auf dem eine kleine Ablage integriert ist. Papier wird nun erst dort abgelegt und als Notizpapier wiederverwendet. Mit solchen kleinen intelligenten Lösungen kann man in der Fläche viel erreichen.

Warum sollten die Menschen sich mehr mit dem Thema Umweltschutz beschäftigen und welche Vorteile hat jeder Einzelne durch mehr Umweltschutz?

Es ist ja gerade das fatale, dass die Vorteile des Einzelnen durch mehr Umweltschutz sich nicht einfach fassen lassen. Die Nachteile, sich mit dem Schutz der Umwelt NICHT zu befassen, stellen sich ja nicht kurzfristig ein. Hinzu kommt, dass Ursache und Wirkung oft räumlich und zeitlich weit auseinanderliegen. Was hat meine Autofahrt zum Bäcker damit zu tun, dass in der Südsee jemand sein Haus oder seine Lebensgrundlage verliert? Trägt meine Tasse Kaffee zum Artensterben bei? Das kann ich als Normalmensch nicht mehr beurteilen. Ich hoffe nur, dass Menschen, die im Überfluss leben, und das tun wir alle, sich den "Luxus" leisten, ihren Nachkommen noch etwas übrig zu lassen.

Ihr Unternehmenssitz ist Münster. Wie stark setzt sich die Stadt Münster Ihrer Meinung nach für den Umweltschutz ein und wie ist es um den Umweltschutz der Unternehmen in Münster bestellt?

Wie jeder weiß, ist Münster die Stadt der Fahrräder. Die Stadt setzt sich sehr dafür ein, dass das so bleibt. Nirgendwo kann man in der Stadt so angenehm, sicher und schnell mit dem Rad von A nach B kommen. Wenn es regnet (und das tut es oft), hilft ein sehr dichtes, kurz getaktetes Busnetz. Die stadteigenen Stadtwerke sind auch im Bereich Energie mit einem äußerst effizienten Gasheizkraftwerk vorn dabei. Münster war in den letzten beiden Jahren Klimahauptstadt. Daher denke ich, dass Münster recht gut aufgestellt ist, was den Umweltschutz angeht.

Hamburg ist 2011 europäische Umwelthauptstadt. Welchen Tipp möchten Sie stellvertretend für Ihr Unternehmen den Hamburgern, den Unternehmen und der Politik in Hamburg für ein ökologisch, nachhaltigeres Hamburg gebe

Ich denke, ich bin nicht in der Position, kluge Sprüche zum Thema Nachhaltigkeit zu verteilen. Allerdings bin ich davon überzeugt, dass Verbesserungen, bei denen die ganze Gesellschaft mitziehen muss, nicht durch markige Sprüche und "dicke Bretter" herbeigeführt werden, sondern durch das gute Beispiel vor der eigenen Haustür. Wenn ich also einen Tipp geben muss, ist es der: Nicht zu lange den großen Wurf planen, sondern einen ersten Schritt gehen. Der zweite kommt dann von allein.



Kommentar erstellen

Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *


Grüne Unternehmen