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Im Experten-Interview: Robert Gosling, Senior Design Ingenieur bei Dyson, zum EU-Energielabel für Staubsauger

Das Einsparpotenzial ist wirklich immens. Eine Einsparung von 19 Terawattstunden Strom würde zum Beispiel ausreichen, um die Londoner U-Bahn 19 Jahre lang zu betreiben!

Das Einsparpotenzial ist wirklich immens. Eine Einsparung von 19 Terawattstunden Strom würde zum Beispiel ausreichen, um die Londoner U-Bahn 19 Jahre lang zu betreiben!

UMWELTHAUPTSTADT.de Herr Gosling, seit 2011 wird schrittweise das EU-Energielabel für elektrische Geräte eingeführt. Die Kennzeichnung des Energieverbrauchs dient zur Unterstützung der Kaufentscheidung, indem sie Auskunft über die Energieeffizienz bei der Nutzung gibt. Wie beurteilen Sie die Ausweitung eines solchen Labels auf Staubsauger ab September 2014? Welche Bedeutung haben Staubsauger im Bezug auf sinnvolle Maßnahmen für mehr Umwelt- und Klimaschutz?

ROBERT GOSLING: Dyson unterstützt die Forderung nach einer Begrenzung der Motorleistung von Staubsaugern. Wir sind die einzigen Hersteller, die eine Begrenzung der Motorleistung unterstützen. Wir glauben, dass die Kappung der Motorleistung sogar noch weiter gehen sollte. Die Begrenzung auf weniger als 1.600 Watt ab September 2014 und auf 900 Watt ab 2017 geht nicht weit genug. Die Kappung liegt immer noch um 500 Watt höher als wir anstreben.

Der aktuelle Gesetzesentwurf schreibt vor, dass das Leistungsvermögen von Staubsaugern unter Laborbedingungen zu prüfen ist: leer und ohne Staub. Das Betriebsverhalten zu Hause unterscheidet sich jedoch von dem im Labor. Zum Abbilden der realen Erfahrung eines Verbrauchers muss die aufgenommene Staubmenge unter realen Bedingungen erfolgen – durch den Einsatz eines mit Staub gefüllten Staubsaugers. Geschieht dies nicht, besteht das Risiko, dass die Glaubwürdigkeit des Energieetikettensystems in Frage gestellt wird.

Das Energie-Label berücksichtigt auch nicht die zum Führen eines Staubsaugers benötigte Kraft. Manche Staubsauger mögen zwar technisch eine gute Bewertung beim Energie-Label  erreichen. Wenn es aber zu schwer ist, die Staubsauger im Haus hin und her zu bewegen, funktioniert das vielleicht gut im Labor, aber nicht im praktischen Einsatz zu Hause. Das EU-Label sollte deshalb einen Grenzwert festsetzen, der dem entspricht, der bei normaler Nutzung zu Hause benötigt wird.

Man sollte nicht unterschätzen, welche Rolle das Staubsaugen für den Umwelt und Klimaschutz spielt. Immerhin stehen heute etwa 39 Millionen Staubsauger allein in den Haushalten in Deutschland. Diese Staubsauger verbrauchen etwa 2,6 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. Wenn die Begrenzung der Wattzahlen effektiv umgesetzt wird, sind erhebliche Einsparungen möglich.

Wo liegen Ihrer Einschätzung nach noch Knackpunkte bei der aktuellen Ausgestaltung der Richtlinie?

So wie das Energie-Label derzeit ausgestaltet ist, könnte es schnell seine Glaubwürdigkeit verlieren. Es wurde auf der Basis veralteter Technologien, die auf den Einsatz von Beuteln beruhen, entwickelt. Staubsauger benötigen aber keine Beutel. Einige Hersteller bestehen jedoch auf, Staubsauger herzustellen, die teures und umweltschädliches Verbrauchsmaterial benötigen. Damit das Energie-Label seinen Zweck erfüllt, sollte angegeben werden, wie viele Ersatzbeutel oder Filter pro Jahr benötigt werden – ebenso wie viel sie kosten und welche ökologischen Kosten sie verursachen! Ohne diese Informationen führt das Energie-Label nur zur Verwirrung der Verbraucher.

Wie schon gesagt, wir haben drei zentrale Kritikpunkte: Erstens: Die zum Führen eines Staubsaugers benötigte Kraft wird im aktuellen Gesetzesentwurf nicht berücksichtigt. Außerdem müssen die Kosten für den Einsatz von Beuteln  berücksichtigt werden und schließlich sollen das Leistungsvermögen von Staubsaugern unter Alltagsbedingungen getestet werden, also mit einem mit Staub gefüllten Beutel.

Inwieweit werden sich die gesetzliche Vorgaben in Bezug auf die Drosselung der Motorleistung sowie eine gesteigerte Energieeffizienz auf die Innovationsfähigkeit der Staubsauger-Hersteller auswirken? Diese sind dazu gezwungen, Geräte mit deutlich höherer Leistung bei weniger Einsatz von Ressourcen und Energie zu entwickeln.

Genauso ist es! Und das ist ein sehr nützlicher Zwang, der viel Gutes bewirkt. Wir bei Dyson investieren pro Woche 1,75 Millionen Euro in die Erforschung und Entwicklung neuer Technologien - wie etwa den Dyson Digital Motor. Wir haben in den letzten fünfzehn Jahren leichtere, schlankere und effizientere Motoren entwickelt. Die in den Motoren eingebauten Magneten rotieren mit 104.000 Umdrehungen pro Minute. Diese Motoren sind dreimal schneller als die unserer Wettbewerber. Deshalb konnten wir Technologien entwickeln, die sonst nicht möglich wären, etwa den Dyson Airblade Händetrockner und unsere Akkusauger.

Bis 2020 können laut EU-Kommission durch die Umsetzung dieser Richtlinie jährlich ca. 19 Terawattstunden eingespart werden. Womit lässt sich dieser Einsparungseffekt vergleichen und wie realistisch ist diese Zielvorgabe?

Das Einsparpotenzial ist wirklich immens. Eine Einsparung von 19 Terawattstunden Strom würde zum Beispiel ausreichen, um die Londoner U-Bahn 19 Jahre lang zu betreiben! Wenn die Richtlinie effektiv umgesetzt wird, ist dies durchaus realistisch. Aber dies ist kein Grund, die Fehler bei der Umsetzung des Energielabels zu ignorieren.

Viele Siegel setzen auf Einfachheit, damit Verbraucher schnell aufgeklärt werden und eine Kaufentscheidung treffen können. Dadurch steigt jedoch die Gefahr, dass wichtige Informationen auf der Strecke bleiben. Ist ein solches Siegel nach dem „Ampelprinzip“ daher sinnvoll oder sollten Verbraucher mehr in die Pflicht genommen und angeleitet werden, sich über die Umweltverträglichkeit von Produkten intensiver zu informieren?

Einfache Lösungen sind immer besser als komplizierte Lösungen. Aber wir müssen sicherstellen, dass die Kriterien, die der Einstufung beim Energielabel zugrunde gelegt werden, korrekt sind. Ansonsten spiegelt das Label dem Verbraucher falsche

Was ist die Vision eines zukunftsfähigen Staubsaugers von Dyson?

Das ist eine interessante Frage. Während sich unsere Konkurrenten auf ihren Lorbeeren ausruhen, investieren wir in Forschung und Entwicklung. Wir entwickeln neue Technologien mit einer Perspektive von 25 Jahren und geben 1,5 Millionen Pfund pro Woche aus, um Ideen in greifbare Technologie zu überführen, wie etwa den Dyson Digital Motor. Während der letzten fünfzehn Jahre haben wir leichtere, schlankere und effizientere Motoren entwickelt. Aufgrund des Einsatzes von Software – anstelle von  Kohlebürsten – sind unsere Motoren nicht in ihrer Beschleunigung eingeschränkt. Sie drehen sich mit bis zu 104.000 Umdrehungen pro Minute – drei Mal schneller als die unserer Wettbewerber. Aus diesem Grund konnten wir Technologien entwickeln, die sonst nicht möglich wären - wie den Dyson Airblade Händetrockner und unsere Akkusauger. Der Dyson Digital Motor ist sogar in die Wasserstoff-Brennstoffzellen von Taxis integriert. Ein großer Teil unserer Zukunftstechnologien wird auf Basis dieser Motoren entwickelt unter der Prämisse der Effizienz: Weniger ist mehr.



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