Im Interview: Thomas Gutberlet, Geschäftsführer von tegut
Grüne Wirtschaft

Im Interview: Thomas Gutberlet, Geschäftsführer von tegut…

tegut... ist ein Handelsunternehmen mit dem Ziel, den Menschen gute Lebensmittel anzubieten. Mit rund 280 Lebensmittelmärkten ist tegut... in Hessen, Thüringen, Nordbayern sowie Göttingen und Mainz vertreten. Umwelthauptstadt.de stellt das Nachhaltigkeitskonzept von tegut... vor.

tegut... ist ein Handelsunternehmen mit dem Ziel, den Menschen gute Lebensmittel anzubieten. Mit rund 280 Lebensmittelmärkten ist tegut... in Hessen, Thüringen, Nordbayern sowie Göttingen und Mainz vertreten. Umwelthauptstadt.de stellt das Nachhaltigkeitskonzept von tegut... vor.

UMWELTHAUPTSTADT.DE: Nachhaltigkeit zeigt sich in vielen Aspekten wie beispielsweise Verzicht auf Gentechnik, Handel mit fairen sowie regionalen Produkten und der Schonung von natürlichen Ressourcen. Herr Gutberlet, wie sehen die Maßnahmen zur Umsetzung dieser Nachhaltigkeitsziele bei tegut… aus?

Thomas Gutberlet: Für tegut… ist es wichtig, Produkte anzubieten, die eine Alternative sind. Wir präsentieren in unseren Märkten die verschiedenen Produkte so, dass sie der Kunde wahrnimmt und sie als Mehrwert erkennt. tegut…möchte das Gute fördern und voranstellen. So können wir eine Entwicklung anstoßen und weniger auf Verbote setzen. Auf der anderen Seite fördern wir durch das Angebot an Produkten ohne Gentechnik und schädliche Zusatzstoffe, die Eigenständigkeit und freie Entscheidung unserer Kunden. tegut… zählt damit auf ein breites Sortiment aus konventionellen und Bio-Produkten. Wir setzen zudem im Bereich der Nachhaltigkeit auf die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen und Verbänden, die gleiche Ziele haben. Daneben brauchen wir Leuchtturmprojekte, wie beispielsweise unsere Saisongärten, die Menschen wieder ein Bewusstsein für gesundes Essen geben sollen.

Ein anderes Bewusstsein für Ernährung muss beim Kunden entstehen. Gerade in Großstädten wächst das Interesse an urbaner Landwirtschaft. tegut…bietet ebenfalls so genannte Saisongärten an. Was steckt hinter diesem Konzept?

Auch wenn viele unserer Kunden keinen eigenen Garten haben, können trotzdem Wege gefunden werden, wie der Kunde zu frischem Gemüse kommt. Dazu muss man allerdings Zeit mitbringen. Die Kunden sollen erkennen, dass man beim Gemüse- und Obstanbau auch mal dreckige Finger bekommt und das Ergebnis krumm und schief sein kann. Dadurch entsteht allerdings erst ein anderes Bewusstsein für Lebensmittelqualität. Denn Lebensmittel sind nicht immer so normiert, wie sie im Supermarkt gekauft werden. Eine Möhre ist ja auch dann noch schmackhaft, wenn sie krumm um eine andere herumgewachsen ist. Wenn sich allerdings viel mehr Menschen beim Gärtnern mit Lebensmitteln auseinandersetzen, sind sie auch bereit, im Supermarkt solche Möhren zu kaufen.

Das Projekt mit unseren Saisongärten ist insgesamt sehr erfolgreich und hat dazu geführt, dass weitere Initiativen entstanden sind. In Fulda gibt es einen von tegut… initiierten Saisongarten, der auch weiterläuft. Zusätzlich ist nun ein weiterer tegut… unabhängiger Garten, durch Beratung der Initiatoren entstanden. Das ist also eine Idee, die weiter wächst und unsere Unternehmensphilosophie weiterträgt.

Trotzdem kann tegut… nicht alle Kunden über dieses Projekt erreichen. Wie können die Kunden dennoch von saisonalen und regionalen Produkten überzeugt werden? Wie gestaltet tegut… seine regionalen Kooperationen?

Das passiert zum einen über die klassischen Werbemedien, wie Flyer oder unser Kundenmagazin „marktplatz“. Hier informieren wir sehr ausführlich. Es gibt Informationsmaterial in den einzelnen Märkten, wo wir Partner wie landwirtschaftliche Betriebe, Höfe und Zulieferer vorstellen. Leider können wir nicht immer alle Kunden erreichen und erzielen nicht immer die Wahrnehmung, die wir uns wünschen. Daher fördert tegut… zudem den direkten Austausch der Anbieter mit unseren Kunden. Wenn die Produkte in den Läden vom Anbieter selbst präsentiert werden, wirkt das auf den Kunden oftmals klarer und ehrlicher.

In der Umwelt- und Naturschutzszene setzt sich immer mehr das Schwerpunktthema Müll und Müllvermeidung durch. Welche Maßnahmen ergreifen Sie zur Vermeidung von Verpackungsmüll und dem Bewusstsein für Recycling und Mülltrennung?

Wir versuchen natürlich so wenig wie möglich Müll zu erzeugen. Gerade im Austausch mit unseren Lieferanten suchen wir nach Möglichkeiten, Müll zu vermeiden. Aber auch im eigenen Prozess wird viel optimiert, damit so wenig wie möglich Lebensmittel weggeworfen werden. Unsere Kunden werden durch Infomaterial für das Thema sensibilisiert. Es geht tegut… darum aufzuzeigen, wie gerade in Bezug auf die Müllvermeidung, bewusst eingekauft werden und die Lebensmittel bewusst verwendet werden können.

Gab es in den tegut-Märkten auch Veränderungen in Bezug auf das Thema Energiemanagement? Wie bezieht tegut… seinen Strom?

Der Strom bei tegut… wird als Ökostrom bezogen. Wir versuchen insgesamt unseren Stromverbrauch so weit wie möglich zu reduzieren. Alle neuen Märkte verfügen über LED-Beleuchtung und jede Form der Kühlung hat in allen Märkten bei tegut… eine Tür. In den kommenden Jahren werden wir auch in älteren Filialen für Veränderungen, wie bspw. die Umstellung der Beleuchtung, sorgen. Zudem greifen wir auch auf viele andere Möglichkeiten wie bspw. die Wärmerückgewinnung zurück oder verwenden Kühlmittel aus CO2, damit diese später nicht als Ozongas schädlich wirken.

Wie sieht die Zukunft bei tegut… aus? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?

Der Schwerpunkt von tegut… wird weiter auf dem Bereich gute Lebensmittel und unseren Eigenmarken liegen. Das Sortiment von Produkte ohne Gentechnik und ohne schädliche Farb- sowie Geschmacksstoffe wollen wir ausweiten. Dort sehen wir eine gute Brücke zwischen konventionellen Lebensmitteln und den Bio-Lebensmitteln. tegut… möchte eine Zwischenqualität schaffen, um so den Kunden von nachhaltigen Lebensmitteln zu überzeugen. Im Energiemanagement stehen wir noch vor der Aufgaben, unseren Energieverbrauch bei den Lieferfahrzeugen zu verringern. Bei unserer Fahrzeugflotte sind wir gerade dabei, jedes Jahr den Verbrauch um 10g CO2 zu verringern. Das gilt für firmeneigene PKWs.



Kommentare
Matthias Eckerle
22.04.2017
2 Fragen fielen mir zu Thomas Gutberlet ein:

1. Was sind ihre Ansätze für sozialen Ausgleich?
2. Als Unternehmer tragen Sie Herr Gutberlet ja eine unwahrscheinlich hohe soziale Verantwortung, sind Sie sich dessen bewusst?

Kommentar erstellen

Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *


Grüne Unternehmen