Im ExpertenInterview: Dr. Martin Baumert, Geschäftsführer der NaturWatt GmbH zum Thema Energiewende
Grüne Wirtschaft

Im Experten-Interview: Dr. Martin Baumert, Geschäftsführer der NaturWatt GmbH zum Thema Energiewende

"Das Problem sind nicht die Erneuerbaren, sondern die Förderpolitik."

"Das Problem sind nicht die Erneuerbaren, sondern die Förderpolitik."

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Dr. Baumert, die NaturWatt GmbH mit Sitz in Oldenburg wurde 1998 als erster norddeutscher Ökostromanbieter gegründet. Auf welche Erfolge in der zurückliegenden Zeit sind Sie als Geschäftsführer besonders stolz?

DR. MARTIN BAUMERT: Wir sind als Pionier gestartet in einem Markt, in dem das Thema „Ökostrom“  exotisch war. Die Versorgung durch erneuerbare Energien wurde entweder belächelt oder destruktiv angegriffen. Unsere ersten Schritte waren Aufklärung gepaart mit Beharrlichkeit. Heute sind wir ein Team von  24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und agieren erfolgreich in einem Markt, der sehr viel selbstverständlicher und fortschrittlicher mit dem Thema Ökostrom umgeht. Als Verfechter einer nachhaltigen Energieversorgung freut mich diese Entwicklung. Als Geschäftsführer der NaturWatt GmbH und als Einer in einem tollen Team, blicke ich auf eine schöne Entwicklung zurück.

Der Ausstieg Deutschlands aus der Kernenergie zum Jahr 2022 ist gesetzt. Ist der Zeitraum Ihrer Meinung nach gut gewählt und ist das Land für diesen Umstieg gerüstet?

Das Ausstiegsdatum ist politisch gewählt und damit gesetzt. Für die Branche ist das Datum ambitioniert, aber machbar.

Im Juni 2012 haben Bundestag und Bundesrat die Reform der Photovoltaik-Förderung verabschiedet. Ein Jahr später zieht Bundesumweltminister Peter Altmaier eine positive Bilanz. "Die Reform wirkt. Der Ausbau der Photovoltaik ist jetzt auf einem nachhaltigen Kurs". Im Juli dieses Jahres muss der einstige Star der deutschen Solarbranche Conergy Insolvenz anmelden. Wie nachhaltig sind also die Erneuerbaren Energien?

Das Problem sind nicht die Erneuerbaren, sondern die Förderpolitik.  Wir haben im Bereich der PV eine deutliche Überhitzung beim Zubau erlebt. Infolgedessen sind die Förderkosten explodiert, die nun berechtigterweise wieder eingefangen werden müssen. Zugleich wurden in China Überkapazitäten in der PV-Anlagenproduktion aufgebaut. Dies hat zu einem Zusammenbruch der Preise im Modulmarkt geführt. Diejenigen PV-Unternehmen, die sich nicht breit aufgestellt und/oder sich zu lange auf das Fortschreiten der Boomphase verlassen haben, zahlen nun die Zeche dafür. Das Beispiel zeigt, dass sowohl die Förderpolitik, als auch die davon profitierenden Branchen in Zukunft mehr mit Augenmaß miteinander agieren müssen.

Was kostet uns die Energiewende und wie müsste die Bundesregierung sie wirtschaftlich sinnvoll angehen? Welche Möglichkeiten haben Unternehmen wie das Ihrige, kostenmäßig einzugreifen und unterstützend mitzuwirken?

Ich empfinde im Zusammenhang mit der Energiewende den Terminus „Investitionen“ angemessener als das Wort „Kosten“. Denn wir wollen mit der Energiewende ja bestimmte Ziele erreichen. Diese umfassen neben dem Klimaschutz insbesondere auch eine Modernisierung unserer Energieinfrastruktur sowie die Chance auf Erträge aus dem Verkauf unseres know-hows  und unserer im Zuge der Energiewende neu entwickelten Technologien, wenn sich künftig die Welt fragen wird, wie sie jeweils ihre eigene – unzweifelhaft notwendige - Energiewende umsetzen will.   Die Bundesregierung kann dieses Vorhaben in meiner Sicht am besten dadurch umsetzen, dass es die Unternehmen und Konsumenten zunächst dazu anreizt sich in möglichst breiter Vielfalt an dieser Entwicklung zu beteiligen. Dabei kommt es im meiner Überzeugung weniger auf die Höhe der Anreize, sondern auf deren Konsistenz an. Sprich, dass die vielen Akteure der Energiewende am Ende auch gut miteinander zusammenwirken. Zum weiteren muss es aber zugleich gelingen, dass die daraus entstehende Komplexität der Energiewende auch beherrschbar bleibt. Schließlich können wir zu keinem Zeitpunkt auf eine sichere Energieversorgung verzichten. Ich glaube, dass die Marktkräfte hier gute Dienste leisten können. Allerdings brauchen Märkte immer auch klare Regeln. Diese so vorzuschlagen, dass sie die Funktionalität des Energiesystems gewährleisten, dass ist die Aufgabe der Energiewirtschaft. Die Politik muss dann entscheiden, wie die daran anknüpfenden Gerechtigkeits- und Verteilungsfragen gelöst werden sollen.

Welche Argumente sind es, die einen privaten Stromkonsumenten zu Ökostrom und konkret zu Ihrem Unternehmen wechseln lassen?

Wir wollen und können unseren Kunden auch weiterhin ein hilfreicher Partner sein bei der Bewältigung der Frage „Wie kann ich meine Energienachfrage nachhaltig erfüllen“. Dafür bieten wir zum Teil selbst Lösungen an. Zum Teil arbeiten wir aber auch mit Partnerunternehmen zusammen. Wichtig ist, dass Kunden Grund genug haben Vertrauen zu uns haben zu können. Das beweisen auf der einen Seite die guten Auszeichnungen, die wir als Ökostrompionier der ersten Stunde seit Jahren von Dritten wegen unserer Produkt- und Serviceleistungen erhalten haben. Das zeigt sich in der Kontinuität unseres Engagements für eine nachhaltige Energieversorgung sowie unser, wie ich und offensichtlich auf viele andere empfinden, sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Insbesondere zeigt sich dies aber auch in unserem Ansatz, unseren Kunden stets möglichst einfache Angebote zu unterbreiten.  

Welche Vorteile hat der Wechsel zu Ökostrom für ein Unternehmen?

Corporate Social Responsibilty, die Verantwortung  von Unternehmen auf ökonomischer sowie auf ökologischer und sozialer Ebene zu handeln wird notwendiger und ist inzwischen für das Gros der Unternehmenslenker auch zu einem wichtigen Thema geworden. Gründe dafür sind zum Beispiel, das Investoren wie z.B. Fonds zunehmend auf die Einhaltung der der Nachhaltigkeitskriterien achten, um so auch die Langfristrisiken ihres Engagements im Blick zu halten. Oder nehmen Sie das öffentliche Beschaffungswesen. Hier spielen Nachhaltigkeitskriterien eine zunehmend wichtige Rolle. Zum Beispiel im Rahmen von Ausschreibungen. Der Bezug von Ökostrom ist in diesem Zusammenhang eine gute und zudem recht einfach umsetzbare Art, seinen eigenen ökologischen Rucksack zu entlasten – sprich eines der entscheidenden Kriterien der Nachhaltigkeit zu erfüllen. Ich finde es gut, dass Unternehmen inzwischen auch auf diese Art Wettbewerbsvorteile erwirtschaften können.

Den Löwenanteil des Strompreises macht nicht etwa der Strom selbst aus, sondern Steuern, Abgaben und Umlagen, nämlich 51 Prozent. Was könnte die Politik ändern, um den Strompreis günstiger werden zu lassen?

Sie sollte einen guten Teil der Abgaben dazu benutzen, dass Verbraucher einen Gutteil ihrer heutigen Stromkosten durch Investitionen in Energieeinsparmaßnahmen künftig wegsparen können.

Für welchen Haushalt lohnt sich ein Stromspeicher für zu Hause?

Heute für denjenigen, der es sich aus persönlichen oder Klimaschutzgründen leisten will. Künftig hoffentlich für immer Menschen, die sich am Gelingen der Energiewende beteiligen wollen.

In 2015 hat sich NaturWatt wie weiter entwickelt?

Wir sind unseren Wurzeln treu geblieben und haben unseren Teil zum Gelingen der Energiewende beigetragen. Und wir haben unseren Kunden und Partnern auf diesem Wege gute Dienste leisten können.



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