Neumarkter Lammsbräu, eine ÖkoBierbrauerei
Grüne Wirtschaft

Neumarkter Lammsbräu, eine Öko-Bierbrauerei

Wir befragten Dr. Ehrnsperger, den Inhaber der Öko-Bierbrauerei Neumarkter Lammsbräu zum Unterschied von Bio-Bier zu herkömmlichen Bieren.

Bio Bier
Designelement

Wir befragten Dr. Ehrnsperger, den Inhaber der Öko-Bierbrauerei Neumarkter Lammsbräu zum Unterschied von Bio-Bier zu herkömmlichen Bieren.

Mehr zu den Themen:   bio bier neumarkter lammsbräu bier
Das Interview führte Marcus Noack

LifeVERDE: Herr Dr. Ehrnsperger, Sie sind der Inhaber der Neumarkter Lammsbräu, einer Öko-Bierbrauerei. Worin unterscheidet sich Ihr Bier von herkömmlichen Bieren?

DR. EHRNSPERGER: Wir halten den Produktionskreislauf vom ökologisch angebauten Rohstoff über die eigene Bio-Mälzerei bis zur verkaufsfertigen Flasche in den eigenen Händen. Dieses Prinzip gilt für unsere 18 Bio-Bierspezialitäten, unsere Bio-Limonaden now und unser Biomineralwasser BioKristall. Wir pflegen dabei einen ursprünglichen Umgang mit unseren Bio-Rohstoffen und verwenden als einzige Brauerei nur Naturdoldenhopfen. Ganzheitlich, nachhaltig – das garantieren neben den Bio-Rohstoffen auch unser eigenes hochwertiges, naturbelassenes Mineralwasser, die ausschließliche Verwendung von Glas-Mehrwegflaschen und die von uns definierten 10 ökologischen Braugebote. Diese gehen über das berühmte, von Herzog Wilhelm IV. von Bayern erlassene Reinheitsgebot von 1516 hinaus, wonach nur Wasser, Gerste und Hopfen zum Brauen von Bieren zugelassen sind. Aber damals gab es noch keine Pestizide, gentechnisch veränderte Pflanzen, chemisch-synthetische Dünger oder künstliche Hilfsstoffe. Damals wusste man auch noch nichts über Boden- und Grundwasserbelastungen. Heute muss man weiter denken. So fängt bei der Neumarkter Lammsbräu das Reinheitsgebot bereits auf dem Acker an.

 

Nachhaltigkeit und Bio-Produkte spielen bei der Neumarkter Lammsbräu nicht erst seit gestern eine wichtige Rolle, sondern seit circa 30 Jahren. Was ist Ihr Antrieb nachhaltig zu wirtschaften?

„Wir sind der grundlegenden Überzeugung, dass sinnvolles und langfristig gesundes Wirtschaften nur im Einklang mit Natur und Schöpfung geschehen kann. Oberstes Gebot ist die Nachhaltigkeit in allen Dingen, die man tut – immer mit dem Ziel, dass auch noch unsere Nachkommen eine lebenswerte Umwelt vorfinden.“ Mit dieser Philosophie habe ich mich bereits 1980 für eine umweltorientierte Unternehmensführung und die Herstellung von ökologisch gebrautem Bier entschieden.

Verantwortung und Nachhaltigkeit sind bei uns keine Worthülsen, sondern werden seit Jahrzehnten konsequent gelebt und weiter optimiert. Dazu gehören:

Ursprünglicher Umgang mit unseren Bio-Rohstoffen - dabei verwenden wir als einzige Brauerei nur Naturdoldenhopfen und unterstützen unsere Bio-Bauern z.B. mit der Initiative „Fair zum Bauern“

Konsequenter, prinzipientreuer Umgang mit unseren Ressourcen – dazu veröffentlichen wir jedes Jahr unseren Nachhaltigkeitsbericht mit einer ausführlichen Öko-Bilanz

Ganzheitlich, nachhaltig – das garantieren Bio-Rohstoffe, unser eigenes hochwertiges, naturbelassenes Mineralwasser, die ausschließliche Verwendung von Glas-Mehrwegflaschen und die von uns definierten 10 ökologischen Braugebote

Nachhaltiger, persönlicher Umgang mit Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Kunden

Nachhaltigkeit richtungsweisend fördern – mit unserem Lammsbräu Nachhaltigkeitspreis

Aktives Engagement im Sinne der Ökologie, z.B. gegen Agrogentechnik

Und natürlich: Hochwertige, genussvolle Bio-Getränke herstellen und vermarkten.



Wie charakterisieren Sie den typischen Bio-Biertrinker? Inwieweit haben sich die Wünsche der Konsumenten in den letzten Jahren verändert, was die Qualität, den Herstellungsprozess sowie den Geschmack betrifft.

Inzwischen gibt es keinen „typischen Bio-Biertrinker“ mehr. Das Thema Regionalität, Umweltschutz und Bio hat sich in den letzten Jahren fest etabliert und ist für viele Menschen, wie auch für uns, zur Lebensphilosophie geworden. Dabei sind Authentizität, Qualität und Genuss ganz entscheidende Faktoren. Ein genussvoller Biertrinker schmeckt genau das in unseren 18 unterschiedlichen Bio-Bierspezialitäten und wählt, je nach Anlass, unter den verschiedenen Geschmacksrichtungen von edel-herb über fruchtig bis zu karamellig-malzig aus. Für uns als leidenschaftliche Bierbrauer ist es immer wieder eine Herausforderung, aus dem eigenen Bio-Malz, dem selbst hergestellten Biersud mit Bio-Naturdoldenhopfen und der selbst gezüchteten Bio-Hefe einzigartige Geschmacksbilder zu zaubern. Auch für die steigende Nachfrage nach alkoholfreien Bieren haben wir unser eigenes Herstellungsverfahren entwickelt, bei dem im Gärprozess erst gar kein Alkohol entsteht, so dass dieser nicht nachträglich entzogen werden muss. So bleiben alle Geschmacks- und Inhaltsstoffe in unseren alkoholfreien Bio-Bieren enthalten, die dadurch nachweislich gesund sind.



1995 haben Sie Ihr gesamtes Sortiment auf Bio umgestellt. Was bedeutete eine solche Entscheidung wirtschaftlich, müssen Sie gegenüber herkömmlichen Brauern mit einem spitzeren Bleistift rechnen?

Natürlich gibt es immer die beiden Seiten einer Münze. Wir bezahlen im Schnitt 3-4mal so viel für unsere ökologischen Rohstoffe wie konventionelle Brauereien. Wir könnten (und wollten) also gar nicht an den Preisschlachten des konventionellen Marktes teilnehmen. Unsere Prämisse ist ein nachhaltiges Wirtschaften für unsere Lieferanten, unser Unternehmen und unsere Kunden mit dem Ziel, eine lebenswerte Zukunft zu erhalten. Wir sind sehr froh darüber, dass es viele Menschen gibt, die dies zu schätzen wissen und bereit sind, dafür einen angemessenen Preis zu zahlen.

 

Sie haben die 10 ökologischen Gebote für die Bierproduktion entwickelt. Könnten andere Brauereien diese schnell und einfach adaptieren oder bedarf es hierzu elementarer Änderungen in der Produktion?

Inzwischen versuchen ja auch einige konventionelle Brauereien, parallel zu ihrem konventionellen Sortiment, Bio-Bier herzustellen. Bio-Bier brauen heißt aber nicht nur, ökologische Rohstoffe zu verwenden, sondern Bio ist ein ganzheitliches Unternehmenskonzept. So hat keiner das jahrelang erprobte Netzwerk, das wir uns über die Jahrzehnte aufgebaut haben. Wir sichern unseren Bio-Bauern einen sicheren und wirtschaftlichen Ertrag zu und geben Abnahmegarantien. So gelingt es uns, die Bio-Rohstoffe aus der Region zu beziehen und diese in der eigenen Mälzerei, auch hier sind wir die einzigen, zu Bio-Malz zu verarbeiten. Außerdem gibt es nur wenige Hersteller, die wie wir das Thema Nachhaltigkeit als Unternehmensaufgabe sehen und nicht in erster Linie als Vermarktungsstrategie. Daher unterscheiden wir uns inhaltlich deutlich.


Sie werben damit, dass Ihre Produktion von Beginn an ökologisch korrekt ist, also beispielsweise keine chemischen Pestizide und Kunstdünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Wie gelingt Ihnen der Drahtseilakt zwischen wirtschaftlichem Erfolg und ökologischer und sozialer Verantwortung?

Eine große Gefährdung der Grundwasserqualität geht von der intensiven, konventionellen Landwirtschaft aus, die auf maximale Erträge ausgerichtet ist. Herbizide, Fungizide und Insektizide, die großflächig zur Düngung oder als Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden, landen durch das Erdreich im globalen Wasserkreislauf und so in unseren Trinkwasserstellen und Mineralbrunnen. Biolandwirtschaft, wie bei den über 100 Bio-Bauern der Neumarkter Lammsbräu, ist das größte und sinnvollste Trinkwasserschutzprojekt. Biobauern verwenden auf ihren Äckern ausschließlich natürliche Hilfsmittel. Sie setzen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel sowie keinen Kunstdünger ein und lassen Beikräuter stehen, die für eine bessere Durchwurzelung des Bodens sorgen, der dadurch mehr gesundes Wasser speichern kann. Wirtschaftlicher Erfolg ist also nur relativ zu sehen – wenn wir die Ressourcen unserer Erde nachhaltig schonen, werden wir auch davon profitieren. Je mehr sich diese Denk- und Verhaltensweise bei den Menschen durchsetzt, desto adäquater wird wieder die Wertschätzung von guten und gesunden Lebensmitteln sein.



Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Mitarbeiter aus und welche Incentives bietet Neumarkter Lammsbräu seinen Mitarbeitern?

Uns finden meist die Menschen, die selbst etwas zu einer intakten Umwelt beitragen wollen. Dieses Engagement fördern wir in verschiedenen Aktivitäten, dem Lammsbräu Miteinander. Außerdem legen wir viel Wert auf die Nachwuchsförderung. Mit der AG Zukunft unterstützt die Neumarkter Lammsbräu eine aktive Einbindung junger Mitarbeiter in die nachhaltige Unternehmensphilosophie und das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Brauerei. Dabei entwickeln und gestalten die Auszubildenden ihre Projekte selbst. Ein Beispiel ist die Initiative „Streuobstwiese“, bei der die Auszubildenden in Kooperation mit dem Landschaftspflegeverband Neumarkt, dem Bioland Anbauverband und den Bio-Landwirten der EZÖB viele unterschiedliche Aspekte rund um das Anlegen, die Bewirtschaftung und die Pflege einer Streuobstwiese erlernen. Auch unser internes Vorschlagwesen „Bingo“ ist ein Ansporn, sich über Optimierungen bei internen Abläufen oder auch unserer Öko-Bilanz Gedanken zu machen. Der beste Vorschlag im Sinne der Nachhaltigkeit wird dann jährlich mit dem Mitarbeiterpreis bei der Neumarkter Lammsbräu Nachhaltigkeitspreisverleihung geehrt.



Kommentar erstellen

Name *
E-Mail *
URL
Kommentar *


Grüne Unternehmen