Im Interview: Dr. Pietsch von dropko Kooperationsberatung Natur und Umweltschutz
Grüne Wirtschaft

Im Interview: Dr. Pietsch von dropko - Kooperationsberatung Natur- und Umweltschutz

dropko unterstützt sowohl Unternehmen, als auch Investoren, Behörden, politische Gremien und Verbände. Die Bandbreite der Aufgaben ist dabei sehr groß.

dropko unterstützt sowohl Unternehmen, als auch Investoren, Behörden, politische Gremien und Verbände. Die Bandbreite der Aufgaben ist dabei sehr groß.

Herr Dr. Pietsch, Sie betreiben die Kooperationsberatung \"dropko\" - Natur- und Umweltschutz und unterstützen Unternehmen in Umweltbelangen. Wie sieht Ihre Arbeit konkret aus?

dropko unterstützt sowohl Unternehmen, als auch Investoren, Behörden, politische Gremien und Verbände. Die Bandbreite der Aufgaben ist dabei sehr groß. Aktuelle Beispiele daraus sind z.B.:

die Identifikation, Sicherung und Überplanung von Kompensationsflächen für Eingriffe in Natur und Landschaft z.B. durch Infrastrukturgroßprojekte, die Ausweisung von Gewerbegebieten oder Windkraftanlagen,

die  fachliche Vorbereitung und Lobbyarbeit für den Erwerb und die Konversion einer Bundes-Liegenschaft für ein Konsortium mehrerer kleiner und mittelständischer landwirtschaftlicher und gewerblicher Betriebe,

die Unterstützung bei der Formulierung und Umsetzung eines Naturschutzkonzeptes einer Bezirksregierung.

 

Zum Tagesgeschäft gehören u.a. aber auch die Beratung in oder die Begleitung der Kommunikation mit dem amtlichen und nichtamtlichen Natur- und Umweltschutz wie z.B. den Genehmigungsbehörden, der Politik, den Vereinen und Verbänden, in Belangen des kommunalen oder betrieblichen Natur- und Umweltschutzes sowie des Umweltmarketings und PR (CSR). Und auch eine Dozentur ‚Communication & Consulting gehört dazu.


Haben Ihrer Einschätzung nach die meisten Unternehmen erkannt, dass Sie die Umwelt in Ihre Unternehmensstrategie aktiv mit einbeziehen müssen, um langfristigen Erfolg am Markt zu haben? Können Sie ein paar Praxis-Beispiele nennen?

Viele Unternehmen haben erkannt, dass ein ernsthaftes, über gesetzliche Vorgaben hinausgehendes Engagement im Natur- und Umweltschutz einen langfristigen Unternehmenserfolg unterstützen kann, wenn dieses die Zielgruppen auch wirklich überzeugend anspricht. Und darin liegt die Kunst, die das \"klassische\" Marketing ohne den notwendigen emotionalen, ideologischen und fachlichen Zugang oft gar nicht zu leisten vermag.

Die Mehrheit der Unternehmen wird das nach meiner Einschätzung aber nicht sein, die das ernsthaft betreibt. Da gibt es nach wie vor einen großen Nachholbedarf und oft noch eine gewisse, auch öffentlich wahrnehmbare Arroganz.

Ich möchte hier keine Namen nennen, es gibt jedoch bereits viele Unternehmen, die den Natur- und Umweltschutz inzwischen aktiv und als selbstverständlichen Teil ihrer Unternehmenspolitik betreiben.

Viele Unternehmen nutzen den Natur- und Umweltschutz jedoch auch nur als Feigenblatt oder versuchen, gesetzliche Vorgaben als freiwillige Umweltleistungen \"zu verkaufen\". Das kann informierte Konsumenten und damit einen großen Teil der Gesellschaft auf Dauer aber nicht überzeugen. Misstrauen ist die Folge.


Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, denen sich die Unternehmen in Deutschland in den nächsten zehn Jahren stellen müssen?

Der technische Umweltschutz mit den Bereichen Wasser, Boden, Emissionen, Abfall, Gesundheit und Sicherheit ist schon stark in gesetzlichen Normen berücksichtigt und vorangetrieben worden. Was aber mangels öffentlicher Wahrnehmung der bereits gravierenden Probleme in diesem Bereich im Wesentlichen unberücksichtigt geblieben ist, ist der Landschafts-, Natur- und Artenschutz. Hier geht bereits ein für das menschliche und damit auch das unternehmerische Überleben langfristig unverzichtbares Erbe still, schleichend und oft unwiederbringlich verloren. Diesbezüglich stehen uns die großen \"Naturkatastrophen\" erst noch bevor. Man denke dabei nur an die schon jetzt dramatisch sinkenden Versorgungsoptionen großer Teile der ärmeren Weltbevölkerung mit marinen Nahrungsmittel wie Fisch durch Verschmutzung und massive Übernutzung oder die Zerstörung großer Teile der tropischen Naturwaldareale mit teils gravierenden genetischen und auch wirtschaftlichen Uniformierungs-, Erosions- und Verwüstungsfolgen. Hier besteht ein ganz dringender Handlungsbedarf für Gesellschaft, Politik sowie die Unternehmen.

Die größte Herausforderung für Unternehmen dürfte dabei die Erstellung und Umsetzung diesbezüglich überzeugender (Kooperations-)Konzepte durch  Integration von Natur- und Umweltschutzbelangen sein, die dann auch einen Marketingerfolg durch eine Aufwertung des Unternehmensimages und damit eine langfristige Aufmerksamkeit, Glaubwürdigkeit und gesellsch. Akzeptanz nach sich zu ziehen vermögen.


Kann sich jedes Unternehmen in Sachen Umweltschutz engagieren oder sehen Sie eher die großen und finanzstarken Unternehmen in der Pflicht?

Ja, jedes Unternehmen jeder Größe kann sich hier überzeugend engagieren. Hierzu bedarf es gar nicht aufwändiger Umwelt- oder Nachhaltigkeitsberichte oder teurer Werbekampagnen. Jedes, auch noch so kleine Unternehmen kann z.B. passende, seinem Anliegen und seiner Ausrichtung entsprechende Partner finden, mit denen es konkrete Maßnahmen des Natur- und Umweltschutzes effizient, weil fachgerecht, den regionalen Bedürfnissen angepasst, werbe- und imagewirksam umsetzen kann, durch Vorgaben veranlasst oder freiwillig.

Diese zielgerichtete Identifikation  von passenden Partnern und Projekten durch  den erforderlichen Zugang ist ein Schlüssel des Erfolgs von dropko, für große, mittlere, kleine, internationale und regionale Unternehmen.

 

Hat der Standort Deutschland gute Chancen, sich als „Umweltstandort“ fest zu etablieren? Auf welchen Gebieten können wir es zum Spitzenreiter schaffen?

Im Bereich des technischen Umweltschutzes gehört Deutschaland ohne Zweifel bereits zu den Spitzenreitern. Die gesellschaftliche und auch volkswirtschaftliche Notwendigkeit dafür ergibt sich alleine schon aus dem hohen Industriealisierungsgrad und der hohen Bevölkerungsdichte unseres Landes. Beim Natur- und Arten-schutz bedarf es aus den selben Gründen jedoch noch erheblicher Anstrengungen, zumal in einem  flächig vergleichsweise kleinen Land wie Deutschland mit relativ geringem technischen und finanziellen Aufwand effiziente Maßnahmen des Natur- und Artenschutzes wie z.B. die Verbesserung, Erweiterung und Vernetzung von Biotopen im Rahmen bereits bestehender Optionen und Infrastruktur möglich sind. Hier fehlt es meines Erachtens vor allem an Kooperation und Fantasie. Und da besteht ganz erhebliches Potential, um auch hier im eigenen Interesse der langfristigen Daseinsvorsorge international mit gutem Beispiel voran gehen zu können.


Wo würden Sie eher ansetzen, um den grünen Wandel voranzutreiben - beim Verbraucher und seinem Kaufverhalten oder beim Angebot der Unternehmen?

Das ist ja ein stetiges Wechselspiel zwischen beiden Seiten, wobei ja auch jeder Unternehmer und jedes Unternehmen Verbraucher ist. Zuerst ist hier aber der Verbraucher durch sein umweltkritischeres und

verantwortungsvolleres Konsumverhalten gefragt, auf welches die Unternehmen mit einer entsprechenden Angebotsanpassung reagieren würden. Da Produkte, Produktionsverfahren, Vertreib und Vertriebswege aber für den durchschnittlichen Verbraucher alleine schon aus zeitlichen Gründen oder mangelnden Fachkenntnissen gar nicht vollständig erfass- und in seinen Umwelt- sowie auch sozialen Auswirkungen bewertbar bar sind, bedarf es hier auch mehr aktiver Information und gesetzlicher Rahmenbedingungen.

Dr.Roland Pietsch, drop ko Kooperationsberatung Natur- und Umweltschutz, www.dropko.net



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