Gr├╝ne Wirtschaft

Im Interview: Andreas Meyer, Gesch├Ąftsf├╝hrer des Vivani Produzenten EcoFinia GmbH

Unter dem Namen „KIDS for KIDS“ engagiert sich VIVANI seit einiger Zeit f├╝r Stra├čenkinder in Haiti. Herr Meyer erz├Ąhlt, wie es zu diesem Projekt kam.

Unter dem Namen „KIDS for KIDS“ engagiert sich VIVANI seit einiger Zeit f├╝r Stra├čenkinder in Haiti. Herr Meyer erz├Ąhlt, wie es zu diesem Projekt kam.

Das Interview f├╝hrte Marcus Noack - Bildquelle: EcoFinia GmbH/VIVANI

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Meyer, bereits im letzten Jahr interviewten wir Sie zu Ihrem Unternehmen VIVANI, einem Hersteller von Bioschokolade. Was hat sich seitdem in Ihrem Unternehmen getan?


ANDREAS MEYER: Eine ganze Menge. Mit Kasachstan, ├ägypten und der Ukraine haben wir neue L├Ąnder erschlossen, in denen VIVANI bislang nicht erh├Ąltlich war. Neben einigen Neuprodukten – unter anderem einer Wei├čen Kuvert├╝re in Bioqualit├Ąt – haben wir zudem viel im sozialen Bereich unternommen. Beispielsweise engagieren wir uns seit dem letzten Jahr in einem Kinderhilfsprojekt in Haiti. Als gewissenhafter Hersteller sehen wir uns in der Pflicht, Pr├Ąventionsarbeit zum Schutz vor Kinderversklavung zu leisten.

 

Der Begriff "Bio" steht, bedingt durch die letzten Lebensmittelskandale, nicht mehr im besten Licht. Wie schaut Ihr Pl├Ądoyer f├╝r Bioschokolade aus?

Vielleicht waren diese Skandale n├Âtig, um das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. „Bio“ ist in den letzten Jahren immer popul├Ąrer geworden – da wundert es nicht, dass sich ein paar schwarze Schafe unter die ansonsten integre Bio-Community mischen. Wo man Geld verdienen kann, versuchen leider immer einige wenige, sich betr├╝gerisch zu bereichern und verraten die eigenen Ideale. Es ist an den Herstellern, das Vertrauen der Kunden wieder zur├╝ckzugewinnen. Der Kunde von heute ist m├╝ndiger denn je, das sehe ich absolut positiv. Mein Pl├Ądoyer lautet deshalb: Informiert euch ├╝ber die Produkte, die ihr konsumiert, und stellt kritische Fragen. Dann wird sich schnell die Spreu vom Weizen trennen. F├╝r die Unternehmen gilt: Transparenz auf allen Ebenen ist absolute Voraussetzung.

 

Wie beurteilen Sie insgesamt den S├╝├čigkeitsmarkt in Deutschland? Findet hier ein Wandel statt hin zu ges├╝nderen oder sogar nachhaltigen Naschereien anstatt des Konsums von reinen „Zuckerbomben“?

Nachhaltige Lebensmittel werden immer gefragter. Das ist seit einigen Jahren zu beobachten. Grund hierf├╝r ist unter anderem das investigative Engagement von Bund und Medien. Verbraucherportale und kritische Reportagen decken Missst├Ąnde auf und alarmieren den Konsumenten. Hierdurch verlieren viele B├╝rger das Vertrauen in die Prinzipien des konventionellen Handels. Dies f├╝hrt sie hin zu Alternativen aus dem Bio- und Fairtrade-Bereich. Hier unterliegen die Produkte st├Ąrkeren Auflagen und Kontrollen, das gibt dem Kunden Sicherheit. F├╝r viele z├Ąhlt schon l├Ąngst nicht mehr „Hauptsache billig“. Lebensmittel d├╝rfen 2013 wieder etwas kosten und der Verbraucher profitiert, wenn er f├╝r den h├Âheren Preis qualitativ hochwertige und ethisch vertretbare Nahrungsmittel bekommt. Das gilt nat├╝rlich auch f├╝r den S├╝├čwarenmarkt. Gesundheitsaspekte spielen bei dieser Umorientierung selbstverst├Ąndlich auch eine Rolle. So sind gesunde S├╝├čungsmethoden – wie beispielsweise durch Kokosbl├╝tenzucker – oder vegane Angebote wichtige Themen, denen sich die Hersteller stellen m├╝ssen.

 

Unter dem Namen „KIDS for KIDS“ engagiert sich VIVANI seit einiger Zeit f├╝r Stra├čenkinder in Haiti. Wie kam es zu diesem Projekt?

Wir wollten schon seit l├Ąngerer Zeit ein Kinderhilfsprojekt in der Dritten Welt starten – also dort, wo unser Hauptrohstoff Kakao herstammt. Im letzten Jahr war es dann endlich soweit. Wir haben mit der Kindernothilfe Deutschland den richtigen Partner gefunden, der die Kompetenz, das Engagement und die Kontakte besitzt, ein solches Vorhaben erfolgreich durchzuf├╝hren. Zusammen unterst├╝tzen wir nun den Bau von Schulen, der helfen soll, sogenannten „Restavek-Kindern“ (Stra├čenkindern) eine Perspektive zu bieten, um sie vor den Gefahren von Verschleppung und Zwangsarbeit zu sch├╝tzen. Die Kinder erhalten warme Malzeiten, bekommen M├Âglichkeiten der Hygiene und haben eine feste Anlaufstelle – die Basis eines strukturierten Lebens. F├╝r viele dieser Kinder w├Ąre es sonst zu sp├Ąt. Man kann sich nicht vorstellen, wie elend die Zust├Ąnde in Haiti wirklich sind – und wie skrupellos die Machenschaften mancher Menschen, die aus der eigenen Not heraus anderen, wehrlosen Menschen unendliches Leid antun.

Das „KIDS for KIDS“-Projekt unterst├╝tzen wir mit dem Verkauf einer zugeh├Ârigen Tafel (VIVANI „KIDS“), von der 0,10 € pro verkaufter Einheit in das Projekt gespendet werden. Wir sind f├╝r jede zus├Ątzliche Unterst├╝tzung dankbar! Alle wichtigen Informationen findet man auf www.vivani.de/kidsforkids.

 

Weshalb haben Sie sich dazu entschieden Kinder in Haiti zu unterst├╝tzen und nicht etwa benachteiligte Kinder in Deutschland oder anderen L├Ąndern dieser Welt?

Die Armut in Haiti ist enorm – deshalb denken wir ist es richtig, dass man dort hilft, wo Hilfe am meisten ben├Âtigt wird. Haiti ist ein Nachbarland der Dominikanischen Republik, aus der wir den Gro├čteil unseres Kakaos beziehen. Allerdings geht es der Dom. Rep. dank Tourismus und Co. relativ gut. Haiti hingegen musste in der Vergangenheit viele schwerwiegende Katastrophen hinnehmen und kommt kaum dazu sich zu rekurrieren. Zerst├Ârung, Armut und Gewalt sind ein Teufelskreis, aus dem dieses Land ohne externe Hilfe schwer herauskommt.

 

Die Spendengelder f├╝r das Kinderhilfsprojekt sammelt VIVANI ├╝ber den Verkauf der „KIDS“ Schokolade. Optisch sticht die Tafel sehr aus dem k├╝nstlerischen Design des VIVANI-Sortiments heraus. Hierzu gibt es doch sicherlich eine Geschichte, oder?

Ja, die gibt es in der Tat. Das Design der „KIDS“ Schokolade hat ein 9-j├Ąhriger Junge aus Bayern entworfen. Er hat den gro├čen VIVANI „KIDS for KIDS“ Malwettbewerb gewonnen, den wir im letzten Jahr zur Kampagne gestartet hatten. Er konnte kaum fassen, dass sein Bild nun in ├╝ber 50 L├Ąndern weltweit zu sehen sein wird. Das hat ihm fast die Sprache verschlagen und er – und vor allem seine Familie – waren m├Ąchtig stolz. Zurecht! Es ist ein tolles, aussagekr├Ąftiges Bild – so farbenfroh, wie eine unbeschwerte Kindheit eigentlich sein sollte. Wir hoffen sehr, dass wir mit unserem Beitrag auch ein wenig Kindheitsfreude nach Haiti bringen k├Ânnen.

 

VIVANI begleitet noch ein weiteres Hilfsprojekt in Haiti. K├Ânnen Sie uns hierzu etwas erz├Ąhlen?

Gerne. Wir unterst├╝tzen in Haiti zudem den Bau eines ganz besonderen Waisendorfes, den die Nicht-Regierungsorganisation Ayitimoun Yo leitet. Dies ist das Projekt einer beneidenswert engagierten Spanierin, die f├╝r das Wohl ihrer Waisenkinder sogar ihre Gesundheit aufs Spiel setzt. Haiti ist durchzogen von Korruption und Gewalt. So wurde der Ayitimoun Yo k├╝rzlich ihr urspr├╝ngliches Waisenhaus unter Androhung einer gewaltsamen R├Ąumung entzogen. Die Kinder und Betreuer waren gezwungen ├╝ber Monate in einem provisorischen Zeltlager zu leben. In einem bewegenden Aufruf sammelten die Verantwortlichen im Folgenden Spenden f├╝r einen Bau eines eigenen Waisendorfes. Das Geld ist nun zusammen und das Bauprojekt in den Startl├Âchern. VIVANI wird in diesem Dorf ein eigenes Haus haben, in dem 6 bis 8 Kinder leben werden. Wir freuen uns schon sehr auf das, was in diesem Dorf passieren wird. Das Waisendorf befindet sich ├╝brigens in der Grenzregion zur Dominikanischen Republik. Gerade in den Grenzgebieten ist der Schutz von Stra├čen- und Waisenkindern besonders wichtig, da hier die Gefahr der Entf├╝hrung am gr├Â├čten ist.

 

K├Ânnen Sie einsch├Ątzen, wie hoch Ihre finanzielle Unterst├╝tzung in diesem Jahr ausfallen wird?

Wir rechnen mit einer Spendensumme von 15.000 bis 25.000 Euro. Geld, mit welchem man in einem der ├Ąrmsten L├Ąnder der Welt viel bewegen kann.

 

Wie k├Ânnen Ihre Kunden die Projektarbeit unterst├╝tzen?

Jeder Kunde, der die VIVANI „KIDS“-Schokolade kauft, unterst├╝tzt das Projekt automatisch, da wir pro verkaufter Tafel 0,10€ in unseren Spendenfond einzahlen. Die Schokolade erh├Ąlt man in jedem gut sortierten Bioladen und Reformhaus sowie im VIVANI Online-Shop www.bioschokolade.de. Nat├╝rlich ist jeder herzlich eingeladen, das „KIDS for KIDS“-Projekt mit einer zus├Ątzlichen Spende voranzutreiben. Interessierte k├Ânnen gerne jederzeit per Email an info@vivani.de Kontakt mit uns aufnehmen. Wir freuen uns ├╝ber jeden Cent, der unser Vorhaben unterst├╝tzt!




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