Im Interview: Frank Henke, Global Director SEA adidas Group
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Im Interview: Frank Henke, Global Director SEA adidas Group

2010 hat adidas eine ganzheitliche Umweltstrategie entwickelt mit der sportlichen Zielvorgabe, bis zum Jahr 2015 die Umweltauswirkungen des gesamten adidas Konzerns relativ zum Umsatz um 15 % zu reduzieren.

2010 hat adidas eine ganzheitliche Umweltstrategie entwickelt mit der sportlichen Zielvorgabe, bis zum Jahr 2015 die Umweltauswirkungen des gesamten adidas Konzerns relativ zum Umsatz um 15 % zu reduzieren.

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Veröffentlicht am: 06.11.2012

2010 hat adidas eine ganzheitliche Umweltstrategie entwickelt mit der sportlichen Zielvorgabe, bis zum Jahr 2015 die Umweltauswirkungen des gesamten adidas Konzerns relativ zum Umsatz um 15 % zu reduzieren. Können Sie ein paar Beispiele geben, wie Sie diese Zielvorgaben messen und konkret umsetzen wollen?

Aufbauend auf verschiedenen Umweltinitiativen der vergangenen Jahre haben wir 2010 eine Umweltstrategie 2015 für den gesamten adidas Konzern entwickelt, die dazu beitragen soll, unsere Umweltauswirkungen bis zum Jahr 2015 relativ zum Umsatz um 15% zu reduzieren. Die Zielvorgaben betreffen unsere gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung bis hin zu Beschaffung und Fertigung sowie unsere eigenen Standorte, Geschäfte und alle anderen Verkaufsstellen.

Unser Ansatz besteht darin, Umweltaspekte als integralen Bestandteil unserer täglichen Geschäftsabläufe zu betrachten und zu steuern, um dadurch die Geschäftsentwicklung des adidas Konzerns insgesamt positiv zu beeinflussen. Auf diese Weise sind die Ziele der Umweltstrategie mit den Geschäftszielen verknüpft und müssen, um erreicht zu werden, von mehreren Geschäftsfunktionen unterstützt werden.

Um unser ausgegebenes Ziel zu erreichen, verfolgen wir eine Reihe verschiedener Initiativen, wie etwa:

- Ausbau der Zertifizierung der Umweltmanagementsysteme verschiedener Standorte nach ISO 14001

- Verwendung eines webbasierten Systems zur Datenerfassung (u.a. Energie-, Wasser-, Papierverbrauch), das mindestens 80% der Emissionen und des Ressourceneinsatzes unserer eigenen Standorte erfasst.

- Reduzierung der Umweltauswirkungen der IT-Infrastruktur bis 2015 um 20% insbesondere durch die Umstellung der PCs auf umweltfreundliche Stromversorgung sowie die Virtualisierung von Servern/Konsolidierung von Rechenzentren.

- Entwicklung von Richtlinien zur Umsetzung von Energie-Audits für unsere Zulieferer und Durchführung von Schulungen zu den Themen Energieverbrauch sowie anderweitige Einsparungsmöglichkeiten. Zudem erfassen und analysieren wir die Umweltdaten unserer wichtigsten Zulieferer und stellen jährliche Einsparungsziele auf.

- Reduzierung der Transportauswirkungen, indem wir versuchen, die Anzahl von Luftfrachtsendungen so gering wie möglich zu halten. Außerdem haben wir Umweltanforderungen für Transportunternehmen und Speditionen aufgestellt, zu denen ein zertifiziertes Umweltmanagementsystem gehört.

- Die systematische Berücksichtigung ökologischer und gesundheitsbezogener Aspekte während der Produktdesignphase. Dadurch können wesentliche Umweltauswirkungen vermieden bzw. minimiert und der effiziente Einsatz von Ressourcen in allen Etappen des Lebenszyklus eines Produkts erhöht werden – von der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung über Innovation, Design, Entwicklung, Fertigung, Verpackung und Vertrieb bis hin zu Produktgebrauch und Entsorgung.

Gibt es auch eine Nachhaltigkeits-Vision für die nächsten 20 Jahre?

Unsere Vision eines nachhaltigen Unternehmens bedeutet, das Gleichgewicht zwischen den Interessen unserer Aktionäre auf der einen Seite sowie den Bedürfnissen und Anliegen unserer Mitarbeiter, der Beschäftigten in unserer Beschaffungskette und der Umwelt auf der anderen Seite aufrechtzuerhalten. Die aus unserer Vision abgeleitete Nachhaltigkeitsstrategie des adidas Konzerns baut auf den Leistungen und gesammelten Erfahrungen der Vorjahre auf. Gleichzeitig berücksichtigt sie gesellschaftliche Veränderungen, globale Trends und ist zudem mit unserer Geschäftsentwicklung verknüpft. Die Strategie spiegelt das Feedback unserer Stakeholder wider und legt darüber hinaus eindeutige Ziele für die Zukunft fest.

Unsere Strategie definiert Kernbereiche unserer Geschäftstätigkeit, denen wir unsere ganze Aufmerksamkeit, Anstrengung und all unsere Ressourcen widmen:

- Integration ökologischer Nachhaltigkeitsaspekte in all unsere Produkte, Prozesse und Services, um die Umweltauswirkungen innerhalb unserer gesamten Wertschöpfungskette entscheidend zu reduzieren, und um unsere Geschäftsentwicklung positiv zu beeinflussen.

- Effektives Management von Geschäftsrisiken und Einhaltung sozialer Standards in unserer Beschaffungskette.

- Fortsetzung unserer Dialoge mit Stakeholder-Gruppen und Aufbau von Partnerschaften mit anderen Akteuren, um neue Denkansätze und bessere Möglichkeiten der Zusammenarbeit innerhalb unseres Unternehmens und entlang der Beschaffungskette umzusetzen. Um gemeinsam etwas zu bewirken.

- Schaffung der besten und produktivsten Arbeitsplätze in der Branche.

- Einen Beitrag leisten und Veränderungen herbeiführen, in den Gemeinden, in denen wir tätig sind – durch Programme, die voll und ganz auf die lokalen Bedürfnisse zugeschnitten sind.


Wer ist der Treiber für Verbesserungen bei adidas in Sachen Nachhaltigkeit – Ihre Konsumenten oder Ihr Unternehmen?

Aufgrund unseres integrativen Ansatzes entstehen Entwicklungen bzw. Optimierungen vorwiegend aus den Geschäftsprozessen heraus. Zudem tauschen wir uns regelmäßig mit unseren Stakeholdern über verschiedene Themen aus, um ihre Ansichten, Anliegen und Erwartungen besser zu verstehen. Deren Feedback fließt in unsere Entscheidungen ein.

Welche Rolle messen Sie grundsätzlich dem Konsumenten bei - sollte dieser Nachhaltigkeit stärker nachfragen? Können Sie beurteilen, inwieweit Konsumenten bereit sind, für Werte wie Umwelt- und Klimaschutz sowie faire Arbeitsbedingungen, einen Zuschlag zu bezahlen?

Der adidas Konzern ist bestrebt, ein nachhaltiges Unternehmen zu sein, das seine Verantwortung gegenüber der Umwelt, den eigenen Mitarbeitern und den Beschäftigten in den Fabriken erkennt und wahrnimmt. Wir setzen uns bereits seit vielen Jahren für eine nachhaltige Unternehmensführung, Umwelt- und Klimaschutz sowie faire Arbeitsbedingungen in den Fabriken unserer externen Zulieferkette ein. Die umfassenden Aktivitäten des adidas Konzerns auf dem Gebiet der Unternehmensverantwortung finden nachhaltige Anerkennung nicht nur bei internationalen Nichtregierungs- und Hilfsorganisationen, mit denen wir bei der Umsetzung von Projekten und Initiativen in Verbindung stehen, sondern insbesondere auch bei Analysten und Investoren, die die Sozial- und Umweltleistung des Unternehmens laufend analysieren und bewerten. Internationale Rating-Agenturen und Nachhaltigkeitsanalysten bestätigen dem adidas Konzern eine führende Rolle im Bereich Nachhaltigkeit.

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass das Thema Nachhaltigkeit von den Konsumenten bewusster zur Kenntnis genommen wird. Allerdings ist festzustellen, dass bei vielen Verbrauchern der Preis, Funktionalität und die Qualität nach wie vor im Vordergrund stehen. Selbstverständlich ist der adidas Konzern stetig auf der Suche nach neuen und nachhaltigeren Lösungen für die Herstellung seiner Produkte. In Bezug auf Produktqualität und –sicherheit gehen wir jedoch keine Kompromisse ein. Nachhaltigere Materialien müssen in Bezug auf Leistung und Qualität die gleichen Ergebnisse erzielen wie weniger nachhaltige Materialien. Innerhalb der Sportartikelindustrie besteht eine sehr hohe Preissensibilität, d.h. Kostensteigerungen z.B. infolge des Einsatzes innovativer Materialien müssen durch entsprechende Effizienzsteigerungen in den Prozessen kompensiert werden.

Im Frühjahr 2008 haben Sie die Kollektion „adidas Grün“ eingeführt. Bei welcher Zielgruppe wird diese Kollektion am stärksten nachgefragt?

adidas Grün wurde im Jahr 2008 als Initiative der Marke adidas mit dem Ziel eingeführt, nachhaltigere Produkte zu entwickeln, ohne Kompromisse hinsichtlich Funktionalität, Qualität oder Leistungsfähigkeit einzugehen. Zielgruppe der adidas Grün Kollektion waren junge Menschen im Alten von etwa 19-25 Jahren, deren Fokus auf Fashion liegt.

Viele Prozesse entlang Ihrer Wertschöpfungskette lassen sich nur schwer kontrollieren, da Sie ausgelagert sind - welche Möglichkeiten haben Sie hier, zu überprüfen und zu steuern?

Unternehmensverantwortung ist beim adidas Konzern ein Kernelement der Konzernstrategie, mit Schwerpunkten in den Bereichen Zulieferkette, produktions- bzw. produktorientierter Umweltschutz sowie vorbildliche Programme für die Beschäftigten innerhalb des Unternehmens. Der größte Teil der Produkte, die vom Konzern entwickelt und vertrieben werden, wird von unabhängigen Lieferanten hergestellt. Dazu schließt das Unternehmen mit den Lieferanten entsprechende Herstellerverträge ab. Mit der Auslagerung der Produktion ins Ausland und dem Aufbau von internationalen Zuliefernetzwerken entziehen wir uns jedoch keineswegs der Verantwortung, wie und unter welchen Bedingungen unsere Produkte hergestellt werden. Das Wohl der Beschäftigten in unseren Zulieferbetrieben ist uns ein zentrales Anliegen.

Die Entwicklung von Unternehmensleitlinien bezüglich sozialer Mindeststandards, der

Arbeitssicherheit sowie des Gesundheits- und Umweltschutzes und deren Überwachung in den Produktionsstätten des adidas Konzerns und seiner Geschäftspartner ist fester Bestandteil unserer globalen Unternehmenspolitik. Der adidas Konzern hat sich einen eigenen Verhaltenskodex, die „Workplace Standards” auferlegt. Ein Team von Fachleuten verfolgt durch Fabrikinspektionen die Einhaltung der Standards und berät unsere Geschäftspartner aktiv bei ihrer Umsetzung. Unsere Experten sind in Asien, Europa sowie in Amerika in lokaler Nähe zu den Zulieferbetrieben vertreten. Unsere „Workplace Standards“ sind wesentlicher Bestandteil der Lieferverträge, die der Konzern mit seinen Geschäftspartnern schließt.

Die „Workplace Standards” orientieren sich an den Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und folgen dem Verhaltenskodex des Weltverbandes der Sportartikelindustrie (WFSGI). Die „Workplace Standards“ enthalten klare Verhaltensregeln hinsichtlich umwelt- und gesundheitsverträglicher Arbeitsbedingungen, einer angemessenen Entlohnung und Koalitionsfreiheit, der Unterbindung extremer Überstunden und Zwangs- und Kinderarbeit sowie dem Schutz vor Diskriminierung. Sie helfen uns, Geschäftspartner auszuwählen, die mit unseren Werten übereinstimmende Arbeitsplatzstandards und Geschäftspraktiken erfüllen und solche abzulehnen, die dies nicht tun. Als Leitsätze helfen sie uns darüber hinaus, potentielle Probleme zu erkennen und diese dann gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern zu lösen. Zusammen mit unseren Lieferanten arbeiten wir aktiv an positiven Veränderungen, anstatt nur die Standards zu überprüfen.

Unsere Maßnahmen sind darauf ausgerichtet, Zulieferer auf lange Sicht zur Eigenverantwortung anzuregen. Im Rahmen von umfassenden Schulungen und in Zusammenarbeit mit lokalen Organisationen fördern wir den Aufbau von nachhaltigen Strukturen, die die Beschäftigten und Unternehmensleitung unserer Zulieferer, örtliche Arbeitnehmervereinigungen und regierungs-unabhängige Organisationen aktiv einbindet. Nur auf diese Weise werden akzeptable Arbeitsbedingungen zu einem selbstverständlichen Bestandteil geschäftlicher Aktivitäten.

Neben dem internen Experten-Team legt der adidas Konzern Wert auf eine unabhängige Prüfung durch Dritte. Zur Durchführung dieser unabhängigen Kontrollen in den Fabriken der Geschäftspartner nimmt das Unternehmen seit 1999 an dem Überwachungsprogramm der Fair Labor Association (FLA) in den Vereinigten Staaten teil. Die FLA ist eine Organisation ohne Erwerbscharakter, bestehend aus Privatunternehmen, regierungsunabhängigen Organisationen und Universitäten. Ziel der FLA ist es, eine unabhängige Kontrolle der Zulieferbetriebe ihrer Mitglieder bereitzustellen, und zwar unter Einsatz umfassender Verfahren, wie beispielsweise Konsultationen mit Nicht-Regierungs-organisationen. Die FLA kontrolliert zudem die Validität und Effizienz interner Prüfungen.

Laut der aktuellen Studie „Working in Fashion 2012“ der TextilWirtschaft (TW) unter jungen Nachwuchskräfte der Modebranche zählen Sie zu den Top Arbeitgebern. Kriterien waren unter anderem: „Gute Aufstiegs- und Karrierechancen“, „Möglichkeiten, international zu arbeiten“, „Soziale Verantwortung / Nachhaltigkeit“ sowie eine „gute Work-Life-Balance“. Geben Sie uns ein paar Beispiele, was Sie besonders auszeichnet und von anderen Arbeitgebern abhebt?

Die adidas Gruppe arbeitet kontinuierlich daran eine Arbeitsumgebung für alle Mitarbeiter zu schaffen, welche die Vereinbarkeit von Beruf – und Privatleben in den unterschiedlichen Lebenszyklen unterstützt. Zielgruppenübergreifende Programme beinhalten flexible Arbeitszeitprogramme wie flexible Vertrauensarbeitszeit, Zeitkonten, Teilzeit und Job Sharing sowie die Betriebsvereinbarung zur Alternierenden Telearbeit. Spezielle Programme für Mitarbeiter mit Kindern umfassen unter anderem das neu errichtete Eltern-Kind-Büro, die Sommerferienbetreuung im adidas Kids Camp, Krippenkontingente und nicht zuletzt der Bau einer eigenen Kindertagesstätte unmittelbar neben dem Betriebsgelände 2013. Als internationaler Arbeitgeber bietet die adidas Gruppe mit ihren verschiedenen Marken ein breites Spektrum an beruflichen Möglichkeiten. Bereits Trainees haben während ihrer Ausbildung einen 3 monatigen Auslandsaufenthalt.



Kommentare
Kommentare
Anne Bauer
24.02.2017
Hallo,

das klingt ja alles ganz spannend, heutzutage sinkt aber die Begeisterung wegen flexiblen Arbeitszeiten, da man seine Freiheit mit steigendem Leistungsdruck abkaufen muss.
Wie es auch gesetzlich verschrieben ist (Quelle: https://www.betriebsrat.de/arbeitszeit-und-entgelt/grundlagen-arbeitszeit/mitbestimmung-bei-vertrauensarbeitszeit.html ), sollte man eine Betriebsvereinbarung zur Vertrauensarbeitszeit in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat anfertigen, damit es tatsächlich eine Erleichterung für Arbeitnehmer bringt und alle offene Fragen richtig geklärt werden.

VG Anne

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