Die richtigen Hebel bewegen
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Die richtigen Hebel bewegen

Herr Dr. Kleyboldt, Geschäftsführer des NWB Verlags erläutert, wie Nachhaltigkeit über eine innovative Software in Unternehmen umgesetzt werden kann.

Herr Dr. Kleyboldt, Geschäftsführer des NWB Verlags erläutert, wie Nachhaltigkeit über eine innovative Software in Unternehmen umgesetzt werden kann.

UMWELTHAUPTSTADT.de: Herr Dr. Kleyboldt, Sie sind Geschäftsführer des NWB Verlags, ein Medienhaus, das eigentlich bekannt ist für Steuerrecht. Seit wann ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit wichtig?

DR. KLEYBOLDT: Der NWB Verlag ist schon seit Jahren, in sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht wahrscheinlich schon seit der Gründung, nachhaltig ausgerichtet. Wie die meisten Familienunternehmen versuchen wir, über den Horizont des kurzfristigen Erfolgs hinaus zu denken. Wir wollen das Unternehmen, das die Großeltern- und Elterngeneration aufgebaut hat, auch für die nachfolgenden Generationen erhalten. Das geht nur durch nachhaltiges Wirtschaften. Wir definieren Nachhaltigkeit so, dass wir „heute nicht auf Kosten von Morgen, hier nicht auf Kosten von Anderswo und nie auf Kosten von Anderen“ handeln möchten.

Sie haben mit dem N-Kompass eine innovative Software für den Mittelstand konzipiert. Diese soll Unternehmen dabei helfen, ein Nachhaltigkeits-Management zu implementieren.
Woher kam dieser Anstoß?

Vor einigen Jahren wollten wir unser Unternehmen gezielter nachhaltig ausrichten und haben dabei gemerkt, wie schwierig das ist. Wir hatten sofort mehr „nachhaltige“ Ideen, als wir umsetzen konnten, aber wir wussten nicht, welche Maßnahmen tatsächlich eine große Wirkung haben und welche nicht so viel bringen. Und wir mussten bei jeder Maßnahme das Rad selbst neu erfinden. Damals hatten wir den Eindruck, dass man ohne einen Unternehmensberater nur schwer vorankommt, weil es kein praktisches Hilfsmittel für die nachhaltige Unternehmensführung gab. Da haben wir uns gedacht: Dafür müsste man doch eigentlich mal eine softwarebasierte Lösung entwickeln!

Wer im Unternehmen sollte mit einem solchen Projekt betraut werden? Benötigt man Spezialkenntnisse?

Der N-Kompass ist so einfach strukturiert, dass auch Mitarbeiter ohne detaillierte Vorkenntnisse Schritt-für-Schritt an die Hand genommen werden. Hilfreiche und praxistaugliche Informationen stehen ihm jederzeit zur Verfügung und helfen bei der Umsetzung. Anhand von Kennzahlen kann der eigene Projektstand jederzeit ermittelt werden. Wer letztlich im Unternehmen mit dem Thema Nachhaltigkeit betraut, wenn es bisher noch keine Verantwortlichkeit gibt, hängt von der Branche und dem Unternehmen selbst ab. Ist es das Ziel, einen engagierten Mitarbeiter zum „Nachhaltigkeitsmanager“ auszubauen? Oder ist es vielleicht sinnvoll die Funktion im Bereich Einkauf, Controlling oder Personal anzusiedeln oder möchte man ein abteilungsübergreifendes Team dafür einsetzen. Das hängt immer etwas von der Zielsetzung des Unternehmens ab.

Wir sind davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit eine dauernde Aufgabe ist, die Teil der Unternehmensstrategie sein muss. Es gibt nicht den Zustand des perfekt nachhaltigen Unternehmens, man ist also niemals „fertig“ mit dieser Aufgabe. Entscheidend ist, dass man sich überhaupt auf den Weg macht und die richtigen Hebel bewegt, um sich nicht zu verzetteln.

Für die CSR-Themen wurde bei uns in der Organisation inzwischen ein Fachbereich Nachhaltigkeit eingerichtet, um das Thema auch konkret im Unternehmen zu verankern.

Die wesentlichen Kennzahlen und der aktuelle Zielerreichungsgrad werden dort systematisch erfasst und an die verschiedenen Interessengruppen berichtet.

Viele KMU haben bereits erkannt, welche Vorteile sich aus einem disziplinierten und kontinuierlichen Nachhaltigkeitsmanagement ergeben. Sie scheuen jedoch oft vermeintlich hohe Anfangs-Investitionen in teure Analysen und Beraterteams.
Ist das ein zentraler Punkt, an dem Sie ansetzten, da die Software vergleichsweise günstig ist?

Grundsätzlich spricht auch auf dem Gebiet des Nachhaltigkeitsmanagements nichts gegen den Einsatz von Beratern. Denn diese können kurzfristig Know-how und die notwendigen Management- und Projektressourcen einbringen. Auf der anderen Seite gibt es gerade im Mittelstand oft die Überzeugung, dass insbesondere Kernaufgaben direkt aus dem Unternehmen heraus übernommen werden sollten. Wenn also das Nachhaltigkeitsmanagement als eine solch zentrale Aufgabe verstanden wird, ist es absolut sinnvoll, dieses auch mit internen Ressourcen umzusetzen.

Dafür ist natürlich ein Online-Werkzeug wie unser N-Kompass sehr hilfreich, weil durch die klare Struktur eine schnelle Standortbestimmung und Definition der nächsten Maßnahmen ermöglicht wird. Im zweiten Schritt, nach der Analyse mit dem N-Kompass, kann es dann im Einzelfall durchaus sinnvoll sein, einen externen Berater zu Rate zu ziehen. Beispielsweise wenn es darum geht, besonders komplexe Nachhaltigkeitsmaßnahmen im Unternehmen umzusetzen.

Auf welchen Ebenen und Feldern setzt der N-Kompass an? Können Sie zwei bis drei konkrete Beispiele geben, wie ein Unternehmen mithilfe des N-Kompass seine Ist-Situation erkennen und Verbesserungs-Maßnahmen einleiten kann?

Der N-Kompass ist ein neues Online-Werkzeug, das den Management-Regelkreis abbildet: Es begleitet bei der Auswahl, Planung und Umsetzung von Nachhaltigkeitsprojekten. Zunächst wird eine Analyse über die Ausrichtung und den Leistungsstand erstellt, dies geschieht durch einen Fragebogen, den der Nutzer ausfüllt. Anschließend bekommt der Nutzer eine Bewertung des individuellen Leistungsstands und eine Vorschlagsliste für die Maßnahmen Priorisierung, anhand derer die umzusetzenden Maßnahmen ausgewählt werden können. Zur Umsetzung dieser Maßnahmen enthält der N-Kompass umfangreiche Dossiers mit konkreten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Beispielen und weiterem praktisch anwendbarem Expertenwissen. Über ein schlankes Projektmanagementtool und mittels vorgeschlagener Kennzahlen kann der Umsetzungserfolg überwacht werden.

Woher beziehen Sie Ihr Wissen, arbeiten Sie mit Nachhaltigkeitsexperten zusammen?

Ja, wir haben in den vergangenen Jahren den Kontakt zu namhaften Experten und Institutionen auf diesem Gebiet gesucht und zusammen mit diesen und mittelständischen Pilotunternehmen den N-Kompass entwickelt. (vgl.: https://www.n-kompass.de/WerStecktDahinter.aspx)

Begleitend zur Software bringen Sie das N-Kompass Magazin heraus. Welche Themen behandeln Sie hier?

Zum Abonnement des Online-Tools gehört das N-Kompass Magazin.  Das vierteljährlich erscheinende Magazin gibt mit seinen konkreten Praxistipps und Beispielen zahlreicher mittelständischer Unternehmen Anregungen für die eigene nachhaltige Unternehmensführung. Denn manchmal hilft eine gute Idee oder die Bestätigung, dass in einem anderen Unternehmen einzelne Maßnahmen auch schon erfolgreich umgesetzt wurden. (vgl.: https://www.n-kompass.de/magazine/N-Kompass_Magazin_3_2014.pdf)

Wie setzen Sie selbst Nachhaltigkeit in Ihrem Unternehmen um? Haben Sie mithilfe Ihrer eigenen Software auch Ihr eigenes Unternehmen noch optimieren können?

Ja, natürlich. Wir haben ja am eigenen Leib den Bedarf für den N-Kompass gespürt, deshalb setzen wir ihn jetzt auch ein. Um Beispiele aus dem ökologischen Bereich zu nennen: Als Verlag setzen wir bei unseren Zeitschriften und Büchern, aber auch in der Organisation viel Papier ein. Dieses besteht zu über 95% aus Recyclingpapier. Und wir setzen zu 100% Ökostrom ein. Wir erheben den CO2-Ausstoß bei Dienstreisen und gleichen diesen aus. Bezogen auf den Energieverbrauch haben wir unsere Mitarbeiter bei verschiedenen Veranstaltungen sensibilisiert und auf energiesparende Maßnahmen hingewiesen. Der Fuhrpark enthält mittlerweile mehrere Elektroautos, die mit Ökostrom betankt werden. Die Mitarbeiter nutzen diese unter anderem für Boten- und Dienstfahrten. Zudem gibt es eine CO2-Obergrenze (140 g) für Dienstwagen. Wo früher PS-starke Limousinen parkten, stehen heute Kompakt- und Mittelklassefahrzeuge. Denn die NWB Parkplatzordnung sieht vor, dass CO2-sparsame Fahrzeuge näher am Eingang des Verlagsgebäudes parken dürfen. Ein großer Motor bedeutet deshalb auch meist einen längeren Fußweg.

Wie leben Sie insbesondere soziale Nachhaltigkeit? Inwieweit unterstützen Sie beispielsweise die Vereinbarkeit von persönlicher und beruflicher Lebensführung Ihrer Mitarbeiter?

Unser Ziel ist einfach und klar definiert: Wir möchten zufriedene und leistungsbereite Mitarbeiter haben. Und dafür sind die Arbeitsbedingungen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ganz entscheidend. Seit Jahren fördern wir dies durch eine flexible Vertrauensarbeitszeit und die Möglichkeit, auch  im Home-Office zu arbeiten.  Besonders wichtig ist uns auch die ständige Fort- und Weiterbildung, in regelmäßigen Gesprächen stimmen wir den jeweiligen Weiterbildungs- und – entwicklungsbedarf mit den einzelnen Mitarbeitern ab. Zudem gibt es gesundheitspräventive Angebote wie Betriebssport, Vorsorgeimpfungen und viele weitere Sozialleistungen. So drücken wir unsere Wertschätzung gegenüber unseren Mitarbeitern aus und fördern diese auch untereinander durch kleine und große Firmen-Events.

Welches sind Ihre nächsten Meilensteine?

Die Analyse des N-Kompass hat für uns die größten Hebel bei den Handlungsfeldern Kundennutzen, Ressourceneinsatz und Mitarbeiter identifiziert. Insofern möchten wir als nächste Schritte den Nutzen und die Einfachheit unserer Produkte für unsere Kunden erhöhen, den betrieblichen Ressourcenverbrauch weiter senken und unsere Ausrichtung als familienfreundlichen Arbeitgeber, der Chancengleichheit und Vielfalt bietet, weiter ausbauen.



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