STEFAN LUEGMAYR kennt die Lebensmittelbranche von innen: Zwölf Jahre lang entwickelte er bei TSC Food Products Snacks für große europäische Marken. Doch irgendwann führte ihn sein Weg weg von klassischen Rezepturen und hin zu einer überraschend einfachen Frage: Wie viel braucht ein guter Riegel eigentlich wirklich? Die Antwort darauf wurde HiNUtS – ein Riegel mit mehr als 50 Prozent Erdnussmus, Honig statt Industriezucker und nur wenigen Zutaten. Bis daraus ein Produkt wurde, das heute mehr als 100.000 Mal im Monat hergestellt wird, brauchte es allerdings einige Umwege: eine prägende Auszeit, eine amerikanische Erdnussmus-Honig-Mischung, monatelange Rezepturarbeit in Italien und sogar eine alte Brotmaschine aus den 1960er-Jahren. Im Interview erzählt der Gründer wie all das zusammenkam, warum gerade die ungewöhnliche Herstellung den Unterschied macht und was der Leitsatz „Wieder du.“ für ihn persönlich bedeutet.

Bild: HiNUtS/Stefan Wolfsteiner - Gründer STEFAN LUEGMAYR
LifeVERDE: Zehn Kaffees am Tag, fast täglicher Alkohol, volles Arbeitspensum – und dann verordnet Ihnen Ihre Frau eine Ayurveda-Kur. War das eher eine Kapitulation vor sich selbst oder der erste bewusste Schritt zu etwas Neuem?
Gründer von HiNUtS STEFAN LUEGMAYR: Kapitulation war es nicht, dafür war ich damals viel zu überzeugt, dass alles gut läuft. Mein Job war voll, sehr voll, voller Verantwortung, Termine, Tempo. Und ich habe irgendwann nicht mehr geschafft, die Rolle abzulegen, wenn ich abends nach Hause kam. Der Business-Mensch ist mit hineingegangen, der Familienvater ist im Auto sitzen geblieben.
Meine Frau hat das deutlicher gesehen als ich. Sie hat nicht lange diskutiert, sie hat mir eine Ayurveda-Kur verordnet. Ich habe sie widerwillig gemacht, zwei Wochen lang, gehorsam aber leicht genervt, mit dem Gefühl, ich vergeude gerade zwei Wochen, die ich anders gebraucht hätte. Was dann passierte, hat mich ziemlich umgehauen: In dieser Ruhe kam Klarheit zurück, die ich jahrelang nicht mehr gespürt hatte. Es war also der erste bewusste Schritt. Nur war er nicht meine Idee.

Bild: HiNUtS
Zwölf Jahre lang haben Sie bei TSC Food Products Snacks für die großen Marken Europas mitentwickelt. Was aus dieser Zeit hat Ihnen am meisten geholfen, als Sie anfingen, HiNUtS zu entwickeln?
Dass ich weiß, wie ein Produkt wirklich entsteht. Warum es so schmeckt, wie es schmeckt. Und womit man ersetzt, was auf dem Weg verloren geht. Das ist keine böse Absicht, das ist die Logik eines Marktes: Süße ist günstig, Aromen sind verlässlich, und ein Regal belohnt das, was sich schnell verkauft. Ich habe diese Arbeit mit voller Hingabe gemacht und bin auf vieles davon bis heute stolz.
Am konkretesten geholfen hat mir aber das handwerkliche Wissen: Ich konnte einschätzen, was eine Anlage kann und was nicht. Deshalb war mir sehr früh klar, dass eine Masse mit mehr als der Hälfte Erdnussmus industriell überhaupt nicht herstellbar ist. Ich habe also nicht gegen die Industrie entwickelt, sondern mit dem, was ich dort gelernt habe.
Der Auslöser für HiNUtS war ausgerechnet eine amerikanische Erdnussmus-Honig-Riegelmischung. Was hat da bei Ihnen sofort Klick gemacht?
Die Zutatenliste. Da standen im Wesentlichen zwei Dinge: Erdnussmus und Honig. Kein Aroma, kein Sirup, kein Mehl, das den Riegel billig zusammenhält. Ich kannte bis dahin vor allem den umgekehrten Weg: erst süß und stark verarbeitet, dann das Aroma, das den Geschmack ersetzt, der die Produktion nicht überlebt hat.
Hier trug die Zutat sich selbst. Das war der Klick. In diesem Moment stand die Frage im Raum, die dann Jahre gebraucht hat: Wie weit lässt sich das treiben? Was passiert, wenn man nicht ein Viertel Erdnussmus nimmt, sondern mehr als die Hälfte? Der Riegel, den ich damals in der Hand hatte, war nicht mein Ziel. Der Beweis, dass es prinzipiell geht, war es.

Bild: HiNUtS
Monatelang haben Sie in Italien an der Rezeptur gefeilt, mit einer alten Brotmaschine aus den 1960er Jahren, die Ihnen ein Freund einfach überlassen hat. Was war der Moment, an dem Sie wussten: Jetzt stimmt der Riegel?
Es war kein Geschmacksmoment, sondern ein Textur-Moment. Wir hatten eine Masse, die sich nicht backen, nicht pressen und nicht extrudieren lässt. Bei mehr als der Hälfte Erdnussmus funktioniert nichts von dem, was in einer Fabrik normal ist. Was funktioniert, ist kneten. Kalt, langsam, wie Teig. Und genau die eine Sache kann diese Maschine.
Dann lag da dieser Riegel, den man zweimal beißt und der den Rest allein macht. Er wird im Mund nicht immer mehr, wie man das von Riegeln kennt, er zergeht auf der Zunge. In diesem Moment gibt das Fett den Geschmack frei, und mir war klar, dass wir gar kein Aroma brauchen. Dass dieser Schmelz der eigentliche Punkt ist, haben uns übrigens erst unsere Kunden geschrieben.
Der Name „Hi nuts!“ ist Ihrem Bekannten Jürgen über Nacht eingefallen. Wie kam es dazu, und war für Sie sofort klar: Das ist er?
Wie er darauf gekommen ist, kann Jürgen besser erzählen als ich. Ihm ist der Name über Nacht eingefallen, am nächsten Tag stand er da. Sofort klar war er mir nicht, ich habe ein paar Tage gebraucht.
Dann hat er mich nicht mehr losgelassen, weil er zwei Dinge gleichzeitig macht: Er grüßt, und er nimmt sich selbst nicht zu ernst. Das passt zu einem Produkt aus sechs bis sieben Zutaten, das keine Wissenschaft aus sich macht. Und ein Gruß passt besser zu unserem „Wieder du.“ als ein Versprechen. Man begrüßt jemanden, den man schon kennt. Genau darum geht es: nicht jemand anderes werden, sondern wieder der, der man ist.

Bild: HiNUtS
Vom ersten handgeformten Riegel im oberösterreichischen Mühlviertel bis zur eigenen HiNUtS Factory mit über 100.000 Riegeln im Monat – das ist ein großer Sprung. Was hat sich dabei am meisten verändert: das Produkt oder Sie selbst als Unternehmer?
Das Produkt am wenigsten. Die Rezeptur ist im Kern dieselbe, und das Verfahren auch, es geht ja nicht anders: Unsere Maschine kann nur kneten. Wir sind nicht besser geworden, indem wir etwas verändert haben, sondern indem wir gelernt haben, dasselbe verlässlich zu machen. Über 100.000 Mal im Monat, mit derselben Sorgfalt wie beim ersten Riegel.
Verändert habe ich mich, und noch mehr hat sich verändert, dass es längst nicht mehr nur ich bin. Aus den ersten handgeformten Riegeln ist ein Team geworden, das jeden einzelnen Riegel so macht, wie ich damals die ersten Versuche in Italien gemacht habe. Das abzugeben und zu vertrauen war für mich der größere Schritt als jede Menge auf dem Papier. Wer mag, ist herzlich eingeladen, vorbeizukommen und sich das anzuschauen.
Honig statt Industriezucker klingt nach einer kleinen Zutat, ist aber offenbar eine Grundsatzentscheidung bei HiNUtS. Was verändert dieser Unterschied tatsächlich, geschmacklich und für die Wirkung im Körper?
Ich bleibe da lieber ehrlich, als groß zu tun: Honig ist Zucker. Wer bei uns nach zuckerfrei sucht, wird nicht fündig. Sein glykämischer Index liegt etwas niedriger als der von Haushaltszucker, und er bringt Spuren von Enzymen und Pflanzenstoffen mit, die raffinierter Zucker nicht hat. Ein realer, aber kleiner Unterschied.
Geschmacklich ist er groß. Industriezucker bringt nur Süße, Honig bringt eigenen Geschmack mit, und mit einer Prise Meersalz entsteht daraus der süß-salzige Kontrast, der den Riegel ausmacht. Wir nehmen Innviertler Blütenhonig, aus erster Hand von Imkern aus der Region.
Der eigentliche Unterschied liegt aber nicht in der Süße, sondern in dem, was daneben steht: Mehr als die Hälfte des Riegels ist Erdnussmus. Deshalb ist er satt statt süß. Unsere Kunden schreiben uns, dass sie damit bis zum Abendessen auskommen.

Bild: HiNUtS
Ihr Slogan lautet „Wieder du.“ Wenn Sie heute auf die letzten Jahre zurückblicken, sind Sie selbst eigentlich schon da angekommen, wo Sie mit HiNUtS hinwollten, oder ist das für Sie ein Ziel, das sich ständig weiterbewegt?
Angekommen wäre das falsche Wort, „Wieder du.“ ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann abhaken kann. Für mich persönlich ist ein Teil erledigt: Ich halte mein Wohlfühlgewicht seit 2019, ohne zu hungern und ohne auf Genuss zu verzichten. Das war die Grundlage für alles, was danach kam.
Als Unternehmen sind wir mitten drin. Wir wollten nie ein Riegel mehr sein, sondern eine kleine echte Mahlzeit für alle, die keine Zeit für eine ordentliche haben und trotzdem nicht bereit sind, dafür Aroma und Zucker zu essen. Davon sind wir erst am Anfang. Und ja, das Ziel bewegt sich, weil es nicht um Verbesserung geht, sondern um Rückkehr. Die hört nicht auf, bei mir nicht und bei anderen auch nicht.
Wieder du.
Fazit: Ein Riegel, der aus einem Umdenken entstand
Die Geschichte von HiNUtS zeigt, dass eine gute Produktidee manchmal dort beginnt, wo man selbst etwas grundlegend infrage stellt. STEFAN LUEGMAYR hat sein Wissen aus der Lebensmittelindustrie nicht hinter sich gelassen, sondern genutzt, um einen anderen Weg zu gehen: wenige Zutaten, ein ungewöhnliches Herstellungsverfahren und der Anspruch, Geschmack nicht erst durch Aromen erzeugen zu müssen. Dabei ist HiNUtS eng mit seiner eigenen Geschichte verbunden. Aus einer unfreiwilligen Auszeit wurde ein persönliches Umdenken, aus einer simplen Erdnussmus-Honig-Mischung eine Geschäftsidee und aus ersten Versuchen inzwischen eine eigene Produktion. „Wieder du.“ beschreibt deshalb nicht nur die Haltung hinter der Marke, sondern auch ziemlich treffend den Weg ihres Gründers.
Auch interessant: PURABYO: Nahrungsergänzung, wie die Natur sie meint – Bio, Clean Label & maximale Wirkung


Kommentar erstellen












































































































































































































































































































































































































































































































































