GRÜNE FINANZEN: Grüne Investments erzielen langfristig eine bessere Rendite
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GRÜNE FINANZEN: Grüne Investments erzielen langfristig eine bessere Rendite

„Viele Anleger interessieren sich aufgrund von nachhaltiger Lebensorientierung erstmals für grüne Geldanlagen“, berichtet Anette Rehm von der Beratungsgesellschaft UDI. Sie erläutert, wie man ethische Investments findet und warum diese langfristig oft eine höhere Rendite erzielen.

„Viele Anleger interessieren sich aufgrund von nachhaltiger Lebensorientierung erstmals für grüne Geldanlagen“, berichtet Anette Rehm von der Beratungsgesellschaft UDI. Sie erläutert, wie man ethische Investments findet und warum diese langfristig oft eine höhere Rendite erzielen.

30.08.2016 aus der Themenreihe GRÜNE FINANZEN & SOZIALE BANKEN

LifeVERDE.de: Frau Rehm, was glauben Sie, welche Motivation steht bei grünen Investments bei der Mehrheit der Anleger im Vordergrund, Ethik & Moral oder eine ordentliche Rendite?

ANETTE REHM: Das lässt sich nicht so einfach beantworten ... sprich es gibt keine eindeutige Mehrheit für Rendite oder für Ethik & Moral. Beides muss passen. Viele Anleger interessieren sich aufgrund von nachhaltiger Lebensorientierung erstmals für grüne Geldanlagen. Wenn dann aber die Rendite nicht passt, wird doch wieder das "klassische" Finanzprodukt genommen. Umgekehrt werden viele Anleger erst über die höhere Rendite bei z.B. Direktinvestitionen oder Zinsanlagen in Erneuerbare Energien-Projekte darauf aufmerksam, dass es auch "grüne" Geldanlagen gibt.

Können Sie einschätzen, wie hoch der Anteil nachhaltiger Investments in Deutschland ist und welche Wachstumsraten wir in diesem Bereich erfahren?

Laut Forum Nachhaltige Geldanlagen wurden 2015 insgesamt 137,2 Mrd. Euro nachhaltig angelegt. Gegenüber dem Gesamtmarkt sind das rund 2 % Marktanteil. Und wenn man dann noch weiß, dass 85 % der Grünen Investments von institutionellen Anlegern getätigt werden, und nur 15 % von Privatpersonen, so schlummert hier ein riesiges Potenzial. Realistisch gehe ich von Wachstumsraten zwischen 5 und 10 % p.a. aus.

Wo stehen wir im internationalen Vergleich? Gibt es andere Länder, deren Investitionsverhalten und -landschaft deutlich nachhaltiger sind?

Ja, z.B. in der Schweiz. Auch in den USA und Norwegen beispielsweise wird immer mehr Geld nachhaltig angelegt, bzw. aus Branchen, deren Geschäftsmodelle auf fossilen Energieträgern beruhen, abgezogen. Dieses "Divestment" setzt sich weltweit, vor allem von institutionellen Anlegern getrieben, immer mehr durch. Und findet auch unter Privatanlegern immer mehr Nachahmer. Denn solche "nicht grünen" Geschäftsmodelle verlieren mittel- und langfristig ihre Grundlage, Verluste sind zu erwarten. Wer dort investiert, ist  zweifach gestraft: er riskiert sein eingesetztes Kapital, und er schadet der Umwelt.

Welches sind die größten Vorteile nachhaltigen Investierens?

Es werden nur solche Projekte und Vorhaben mit dem eingesetzten Geld finanziert, die den Menschen, der Flora und Fauna, der Umwelt und dem Klima nutzen. Also im Prinzip unsere Zukunft lebenswert machen.

Kann man im Durchschnitt mit grünen Investments genauso viel Rendite erzielen wie mit herkömmlichen Geldanlagen?

Ja, das kann man natürlich. Studien haben sogar gezeigt, dass grüne Investments langfristig eine bessere Rendite erzielten. Wie immer heißt es: vergleichen und nicht gleich das erste Angebot nehmen. Wenn das zum Schluss des Vergleichs immer noch das Beste ist - dann können Sie anlegen!

Welches sind aktuell die größten Hemmnisse der Menschen in grüne Geldanlagen zu investieren? Wie könnte beispielsweise die Politik bessere Rahmenbedingungen für ethische Investments schaffen?

Es fehlt m.E. immer noch an der grundlegenden Information. Denn grüne Geldanlagen werden oft als Synonym für Investitionen in Erneuerbare Energien-Projekte genutzt. Und hierbei handelt es sich in der Regel um unternehmerische Beteiligungen. Und damit Geldanlagen, die nicht ohne Risiko sind. Wenn dann ein Unternehmen wie Prokon jahrelang unbehelligt irreführende Werbung treiben kann, aus falscher Geschäftspolitik dann in die Insolvenz gerät und daraufhin ein sogenanntes Kleinanlegerschutzgesetzt aufgelegt wird - da frage ich mich schon: haben die Politiker oder auch die Verbraucherschützer da überhaupt etwas verstanden? Jahrelang haben Fachexperten und auch wir zu Vorsicht bei Prokon und ähnlichen Modellen geraten. UDI beispielsweise weist von Anfang an daraufhin, dass es sich eben nicht um ein "sicheres Sparbuch" handelt, sondern die höhere Rendite mit einem höheren Risiko einhergeht. Jetzt ist uns dies genau wie der ganzen Branche auch gesetzlich vorgeschrieben. Mit einem Wust an zusätzlichem Papier und zusätzlichen Informationen, die der Anleger - aber bitte schön mit voll ausgeschriebenem Vor- und Nachnamen - unterschreiben muss. Meinen Sie, dann hat er es besser verstanden? Statt in Aufklärung, in Finanzwissen wird in Verbote und in Diskreditierung viel Zeit und Geld investiert.

Welche Formen der nachhaltigen Geldanlage werden aktuell am meisten nachgefragt und welche werden in Zukunft eine größere Rolle spielen als derzeit?

Vor allem Zinspapiere (Nachrangdarlehen, Genussscheine, Anleihen) sind aktuell - wahrscheinlich wegen der Niedrigzinsphase - stark gefragt. Künftig wird es sich sicher auf alle Formen der Geldanlage verteilen, Hauptsache die Investitionsobjekte sind nachhaltig. Dieser Aspekt wird vom Tagesgeldkonto (an wen vergibt die jeweilige Bank denn dann ihre Darlehen?) über Aktien, Versicherungen bis hin zu den jetzt schon gängigen Zinspapieren und Direktbeteiligungen immer stärkeres Gewicht erhalten.

Gibt es objektive Kriterien und Siegel, an denen Verbraucher relativ leicht erkennen können, ob es sich um ein wirklich nachhaltiges Investment handelt, das nicht nur grün verpackt ist? Oder muss jeder Anleger selbst entscheiden in welche Branche er investieren und worauf er vertrauen möchte?

Vorweg: "grün" allein ist kein Bonitätskriterium. Der Anleger sollte sich auf jeden Fall die gesamte Geldanlage ansehen: ist das Geschäftsmodell, das Investitionskonzept schlüssig? Verstehe ich als Anleger es? Wie haben die bisherigen Geldanlageprodukte des Anbieters abgeschnitten?

Und dann erst kann im zweiten Schritt geprüft werden: sind meine ethischen und ökologischen Ansprüche und Wünsche erfüllt? Für den einen ist das schon allein mit einer Geldanlage erreicht, die z.B. in einen Solarpark investiert. Für den anderen muss noch ausgeschlossen sein, dass sich die Solaranlagen auf einem Betrieb der Massentierhaltung befinden. Und dass keine Module aus Ländern verwendet werden, in denen die Arbeiter nicht gerecht bezahlt werden. Hier heißt es für den Anleger genau hinschauen, bzw. hinterfragen. "Echte grüne" Anbieter nennen übrigens ihre Ausschlußkriterien von sich aus.

Wo bekomme ich als Anleger nachhaltige Geldanlagen?

Ich würde gern sagen: bei jeder Bank oder Sparkasse .. .Leider stimmt das (noch) nicht. Nachhaltige Geldanlagen erhalten Sie bei den klassischen Nachhaltigkeitsbanken wie GLS, Ethikbank, Triodos, Umweltbank, bei immer mehr kirchlichen Finanzinstituten, und natürlich bei streng ökologisch ausgerichteten Finanzdienstleistern wie UDI. Gute Übersichten und Orientierungshilfen bieten dazu Internetplattformen wie greenvalue.de oder ecoreporter.de.

Was glauben Sie, wird in 20 Jahren nur noch nachhaltig investiert werden?

Ob es schon in 20 Jahren der Fall sein wird, wage ich zu bezweifeln. In 40 oder 50 Jahren werden die Menschen aber zurückblicken und sagen: "Ja, wie konnten die damals nur so dumm sein, und aus Renditegier in Waffenhandel, Kinderarbeit, Braunkohle investieren." Genauso wie wir heute zurückschauen auf die 1970er Jahre, in denen Atomkraftwerke als absolut sicher und zukunftsweisend angesehen wurden. Oder die 1980 und 1990-Jahre, mit dem Zweit- oder gar Drittauto als Statussymbol. Die heutigen jungen Erwachsenen haben oft gar kein eigenes Auto mehr!  
 

KONTAKT

UDI Beratungsgesellschaft mbH
Frankenstr. 148
D - 90329 Nürnberg
Fon +49 (0) 911 - 92 90 55 17
Fax +49 (0) 911 - 92 90 55 5

E-Mail: rehm@udi.de
Internet: www.udi.de

 



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