Die Flut an neuen EU-Richtlinien und regulatorischen Vorgaben sorgt in der Wirtschaft zunehmend für Verunsicherung: Zwischen Compliance Druck und der Angst vor Greenwashing Vorwürfen droht der eigentliche Kern der Transformation, das zukunftsfähige Handeln, in den Hintergrund zu rücken. Wie Unternehmen diese Herausforderung meistern und den Fokus vom reinen Verwalten wieder auf das mutige Gestalten lenken können, zeigt GRUBENGOLD. Das Beratungsunternehmen aus dem Ruhrgebiet versteht sich selbst als "Unberatung" für zukunftsorientierte Transformation. Statt theoretischer Konzepte setzt es auf ganzheitliche, pragmatische Begleitung, um zukunftsfähiges Wirtschaften als Innovationsmotor im Kerngeschäft zu verankern. Im Interview spricht Gründer MATTHIAS HOFFMANN über die Auswirkungen neuer Gesetze, Grenzen der Beraterverantwortung und den Weg zu einer krisenfesten Wirtschaft innerhalb der planetaren Grenzen.
LifeVERDE: GRUBENGOLD beschreibt sich als (Un)Beratung für nachhaltige Transformation. Was genau verstehen Sie darunter – was macht Ihr Unternehmen?
MATTHIAS HOFFMANN, Gründer und Geschäftsführer von GRUBENGOLD: Wir nennen uns "Unberatung", weil klassische, oft zu theoretische Beratungsansätze nicht mehr in die Zeit passen. Wir kommen aus dem Ruhrgebiet, da wird angepackt. Unser Team aus inzwischen fast 30 Expert*innen begleitet Unternehmen aktiv dabei, Nachhaltigkeit nicht als lästige Pflicht, sondern als Innovationsmotor zu begreifen. Dabei begleiten wir Unternehmen ganzheitlich – von der Strategie über die CO₂-Bilanzierung bis hin zur Umsetzung neuer, zirkulärer Geschäftsmodelle.
Kurz gesagt: Wir graben nach dem "Gold" in der Transformation, damit unsere Kund*innen in einer regenerativen Wirtschaft erfolgreich bleiben.

Bild: Grubengold GmbH
Die EmpCo-Richtlinie verlangt künftig deutlich konkretere und belegbare Nachhaltigkeitsaussagen. Wie stellen Sie bei GRUBENGOLD sicher, dass sowohl Ihre eigenen Aussagen als auch die Ihrer Kund*innen diesen Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Belegbarkeit entsprechen?
Die EmpCo-Richtlinie ist für uns eine Medaille mit zwei sehr unterschiedlichen Seiten. Die gute Seite: Sie ist eine wirksame Waffe gegen Greenwashing. "Schwarze Schafe", die mit schwammigen Begriffen hantieren, müssen endlich mit Konsequenzen rechnen. Die Kehrseite ist jedoch die extrem hohe bürokratische Messlatte. Wenn eine wirkungsvolle Kommunikation zu Klimazielen fast nur noch mit einem detaillierten und extern geprüften Transformationsplan möglich ist, riskieren wir, dass ehrliche Unternehmen aus Angst vor Fehlern verstummen.
Wir unterstützen unsere Kund*innen dabei, genau diesen Spagat zu meistern. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass gute, ehrliche Arbeit nicht unsichtbar wird, nur weil die regulatorischen Hürden steigen. Wir prüfen Aussagen auf ihre Belegbarkeit und helfen dabei, Transformationspläne so aufzubauen, dass sie sowohl rechtssicher sind als auch die echte Substanz des Unternehmens transportieren. Wer es ehrlich meint, soll und wird auch weiterhin laut und wirkungsvoll darüber sprechen können.
Sie begleiten Unternehmen bei ihrer Nachhaltigkeitsarbeit und -kommunikation. Wo endet aus Ihrer Sicht die Verantwortung einer Nachhaltigkeitsberatung und wo beginnt die Verantwortung der Unternehmen selbst?
Unsere Verantwortung ist es, Impulse zu geben, Wissen zu transferieren und die besten Werkzeuge mitzubringen. Aber: Wir können die Transformation nicht für das Unternehmen durchführen.
Die Verantwortung der Unternehmen beginnt bei der Entscheidung, Nachhaltigkeit zur Chef*innen-Sache zu machen und sie in die Kernstrategie zu integrieren. Ein*e Berater*in kann z. B. eine exzellente Wesentlichkeitsanalyse erstellen, aber die kulturelle Veränderung und das tägliche Handeln können nur gemeinsam mit dem Team des Unternehmens entstehen. Wir befähigen sie dazu, aber laufen müssen sie selbst.

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Welche konkreten Schritte sind Ihrer Erfahrung nach entscheidend, damit aus einer Nachhaltigkeitsstrategie tatsächlich Umsetzung im Unternehmensalltag wird, und wo scheitern Unternehmen dabei am häufigsten?
Entscheidend ist der Schritt von der "Compliance-Übung" zur "Innovations-Chance" bzw. dem Business Case. Unternehmen scheitern am häufigsten, wenn sich Nachhaltigkeit als reines Marketing- oder Silo-Thema in der CSR-Abteilung verkümmert. Umsetzung gelingt nur, wenn es eine klare Verbindung zwischen dem Thema Nachhaltigkeit und einem Nutzen für das tatsächliche Geschäft gibt. Das kann Zugang zu Märkten, Effizienz, Innovationskraft oder Resilienz sein. Für die erfolgreiche Umsetzung muss also die strategische Rationale klar sein, aber auch Mitarbeitende mitgenommen und Prozesse sowie Entscheidungs-/Anreizsysteme ausgerichtet werden.
Wie haben sich die Erwartungen Ihrer Kund*innen an eine Nachhaltigkeitsberatung in den letzten Jahren verändert?
Die Erwartungen sind deutlich komplexer geworden. Wir erleben gerade eine regelrechte Regulatorik-Flut: Von PPWR und CBAM bis hin zu EmpCo prasselt alles gleichzeitig auf die Unternehmen ein. Was uns Sorgen macht: Durch kurzfristige politische Verschiebungen, wie wir sie etwa bei der EUDR und CSRD (Stichwort: Omnibus) gesehen haben, entsteht oft das Gefühl, dass Abwarten "belohnt" und mutiges Vorangehen "bestraft" wird. Das sorgt für enorme Unsicherheit.
Unsere Kund*innen erwarten von uns heute deshalb vor allem Orientierung in diesem Chaos. Die große Gefahr ist, dass wertvolle Ressourcen fast ausschließlich in die reine Compliance fließen, z. B. um Berichte zu füllen. Unsere Aufgabe als Zukunftsberatung ist es genau hier gegenzusteuern: Wir helfen Unternehmen, die Compliance-Pflicht so effizient wie möglich zu erledigen, damit wieder Raum für das Wesentliche bleibt – nämlich echte, wirksame Maßnahmen zur Transformation zu identifizieren und auch wirklich anzugehen. Weg vom reinen Verwalten des Status Quo, hin zum mutigen Gestalten, trotz der unsicheren politischen Wetterlage.

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Wenn Sie auf die nächsten Jahre blicken: Welche Entwicklungen werden Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit und Regulierung Ihrer Meinung nach besonders stark verändern und worauf sollten sich Unternehmen jetzt vorbereiten?
Wir bewegen uns weg von einer Zeit, in der Nachhaltigkeit ein reiner "Reporting-Check" war. In den nächsten Jahren werden Resilienz und Innovation die zentralen Faktoren für zukunftsfähiges Wirtschaften. Verstärkt wird das durch Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz. Bestehende Unternehmen müssen sich heute radikal ehrlich fragen: Wie sieht unser Geschäftsmodell in 5, 10 oder sogar 50 Jahren aus? Was sind die tatsächlichen Bedürfnisse der Kund*innen in einer sich verändernden Welt und wie können wir aktiv zu einer glücklicheren Zukunft beitragen? Die Regulatorik ist dabei nur das Grundrauschen – die echte Herausforderung ist die strategische Anpassung. Unternehmen sollten sich jetzt darauf vorbereiten, ihre Kernprozesse krisenfest und regenerativ aufzustellen. Denn eines steht fest: Die Zukunft gehört denen, die heute schon verstehen, wie sie innerhalb der planetaren Grenzen erfolgreich wirtschaften können. Wer das verinnerlicht, braucht vor neuen Gesetzen keine Angst zu haben, sondern wird sie als Bestätigung des eigenen Weges sehen.
Fazit: Vom Reporting-Zwang zur Zukunftsfähigkeit
Das Interview mit Grubengold verdeutlicht ein zentrales Dilemma der aktuellen Wirtschaftsdebatte: Regulatorische Vorgaben wie die EmpCo-Richtlinie oder die CSRD sind zwar notwendige Hebel für mehr Transparenz, sie drohen Unternehmen jedoch durch bürokratische Hürden zu lähmen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, Compliance nicht als lästige Pflichtübung in einer isolierten Fachabteilung zu betrachten, sondern als strategisches Fundament für echte Innovation. Berater*innen können hierbei wertvolle Orientierung bieten und die nötigen Werkzeuge bereitstellen. Die kulturelle Veränderung und das tägliche Handeln müssen die Unternehmen jedoch selbst tragen. Am Ende zeigt sich: Wer es schafft, regulatorische Anforderungen nicht nur zu erfüllen, sondern als Ausgangspunkt für Innovation zu nutzen, kann nachhaltige Entwicklung in einen echten Wettbewerbsvorteil verwandeln.
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