Fast 100 Jahre Unternehmensgeschichte, tief verwurzelt in Tirol und getragen von der Überzeugung, dass echtes Handwerk Verantwortung braucht: GOTTSTEIN steht seit 1926 für Qualität, Beständigkeit und einen respektvollen Umgang mit Natur und Ressourcen. Was einst als Bandweberei begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem modernen Unternehmen entwickelt, das Tradition und Innovation konsequent miteinander verbindet. Im Interview spricht GOTTSTEIN über nachhaltige Materialwahl, regionale Wertschöpfung, Klimaschutz und die Frage, wie sich handwerkliche Prozesse auch in Zukunft verantwortungsvoll weiterdenken lassen – ohne die eigenen Werte aus den Augen zu verlieren.
LifeVERDE: GOTTSTEIN blickt auf eine fast hundertjährige Geschichte zurück. Wie hat sich das Unternehmen über die Jahrzehnte verändert – und welche Werte sind seit 1926 unverändert geblieben?
GOTTSTEIN: GOTTSTEIN blickt auf eine hundertjährige Geschichte zurück, die von kontinuierlichem Wandel geprägt ist. Gegründet wurde das Unternehmen 1926 als Bandweberei, später kamen Strick- und Walkwaren hinzu. In den 1950er-Jahren lag der Fokus auf Sport- und Skipullovern, mit dem Wachstum folgten mehrere Standortwechsel – immer mit dem Ziel, Produktion und Know-how weiterzuentwickeln. Heute sind Verwaltung, Entwicklung und Fertigung an einem Standort in Ötztal-Bahnhof in Tirol gebündelt. Das ermöglicht kurze Wege und eine enge Zusammenarbeit – etwas, das für unsere Art zu arbeiten zentral ist. Was sich über all die Jahrzehnte nicht verändert hat, sind unsere Werte: die tiefe Überzeugung, dass man nur im Einklang mit der Natur langfristig erfolgreich sein kann, die starke Verwurzelung in der Region und der Respekt vor echtem Handwerk. Diese Haltung begleitet GOTTSTEIN seit 1926 – und sie prägt auch unseren Blick nach vorne.
LifeVERDE: Nachhaltigkeit ist ein zentrales Unternehmensversprechen – können Sie konkrete Beispiele nennen, wie GOTTSTEIN seine Umweltbilanz kontinuierlich verbessert hat und wo noch Potenzial für Verbesserungen besteht?
Nachhaltigkeit ist für uns bei GOTTSTEIN nicht nur ein Schlagwort, sondern gelebte Praxis – vom Material bis zur Produktion. Wir setzen auf regionale Beschaffung: Wolle, Leder und Latex stammen bevorzugt aus der Nähe, Garne für Walkstoffe beziehen wir von europäischen Lieferanten. In der Produktion nutzen wir Rückgewinnung von Energie, achten auf Abwassermanagement und haben Photovoltaik auf dem Dach, um unseren Energiebedarf zu reduzieren. Auch unsere Büros wurden in passiver Holzbauweise errichtet, und unsere Firmenfahrzeuge sind elektrisch. Zusätzlich treiben wir die Digitalisierung voran, um Abläufe effizienter zu gestalten. Natürlich gibt es noch Potenzial: Wir prüfen kontinuierlich neue Materialien, effizientere Prozesse und Möglichkeiten, unseren CO₂-Fußabdruck weiter zu senken. Nachhaltigkeit ist ein fortlaufender Prozess – und wir wollen uns ständig verbessern.

Bild: Franz Preschern
LifeVERDE: Klimaneutralität & CO₂-Fußabdruck Sie arbeiten mit der Organisation „Zukunftswerk“ am Corporate Carbon Footprint. Wie messen Sie Fortschritte und welche Maßnahmen haben Sie ergriffen, um klimaneutral zu werden?
Zwischen 2017 und 2023 haben wir gemeinsam mit „Zukunftswerk“ unseren Corporate Carbon Footprint analysiert. Dabei haben wir gemerkt, dass es für uns sinnvoller ist, jährlich selbst unseren Ressourcenverbrauch zu tracken und gleichzeitig weiter in unserer Region Verantwortung zu übernehmen. Einfach nur CO₂ auszugleichen, etwa durch das Pflanzen von Bäumen in weit entfernten Regionen, reicht uns nicht – wir wollen den Klimaschutz dort gestalten, wo wir selbst aktiv sind. Unser Ansatz ist daher, Emissionen zu vermeiden, Energie effizient zu nutzen und regionale Kreisläufe zu stärken – so bleibt Klimaschutz für uns greifbar und wirksam.
LifeVERDE: Wie wählen Sie Ihre Wolllieferanten aus – welche Rolle spielen regionale Schafzuchten gegenüber internationalen Quellen (z. B. Merinowolle)?
Wir setzen auf eine Mischung aus regionaler und internationaler Wolle. Die regionale Wolle aus Tirol ist gröber – für unsere Hausschuhe ideal, da sie robust ist und an den Füßen angenehm warm hält. Gemeinsam mit dem Schaf- und Ziegenverband Tirol sammeln wir die Wolle, die dann bei Regensburger im Ötztal gewaschen wird. Für feine Produkte, bei denen Konsument:innen Merinowolle bevorzugen, verwenden wir ausschließlich mulesing-freie Wolle, die sich gut filzen lässt und unseren ethischen Anforderungen entspricht. Bei allen Lieferanten achten wir auf faire und nachhaltige Bedingungen. So verbinden wir Qualität, Handwerk und Verantwortung – regional wie international.
LifeVERDE: Sie arbeiten mit Wolle bedrohter Schafrassen. Was bedeutet dieses Engagement konkret für die Züchter – und warum war es Ihnen wichtig, diesen Weg zu gehen?
Für uns bedeutet die Arbeit mit bedrohten Schafrassen, dass wir aktiv Züchter unterstützen, die diese Tiere pflegen und erhalten. Durch die Abnahme ihrer Wolle sichern wir ihnen eine faire Einnahmequelle und tragen gleichzeitig dazu bei, dass alte, seltene Rassen nicht verloren gehen. Dieses Engagement war uns wichtig, weil es Verantwortung für unsere Region, das Handwerk und die Artenvielfalt vereint. Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur CO₂-Reduktion, sondern auch, traditionelles Wissen und seltene Tierarten zu bewahren – für heute und für die kommenden Generationen.
LifeVERDE: Viele Arbeitsschritte erfolgen händisch – wie gelingt es Ihnen, traditionelle Handwerkskunst mit modernen Produktionsprozessen effizient zu verbinden?
Bei GOTTSTEIN ist Handarbeit nach wie vor zentral – viele Schritte, wie Walken, Zuschneiden oder Finishen, erfolgen noch händisch. Gleichzeitig setzen wir auf moderne Maschinen und digitale Prozesse, um Abläufe effizienter zu gestalten und höchste Qualität zu sichern. Die Kombination gelingt durch kurze Wege zwischen Produktion, Entwicklung und Verwaltung, klare Arbeitsabläufe und die Erfahrung unserer Mitarbeiter:innen. So verbinden wir traditionelles Handwerk mit zeitgemäßer Effizienz, ohne dass die Produkte ihre Authentizität verlieren.

Bild: Franz Preschern
LifeVERDE: GOTS-Zertifizierungen sind für viele Unternehmen ein großer Aufwand. Was war für Sie persönlich der ausschlaggebende Moment zu sagen: Diesen Weg gehen wir – auch wenn er anspruchsvoller ist?
Für uns war klar: Qualität und Nachhaltigkeit gehören zusammen. GOTS-Zertifizierung bedeutet zwar zusätzlichen Aufwand, aber sie gibt uns die Sicherheit, dass unsere Produkte streng geprüfte ökologische und soziale Standards erfüllen. Der ausschlaggebende Moment war einfach die Überzeugung, dass wir Handwerk, Materialien und Verantwortung konsequent verbinden wollen. Für mich persönlich war es nie nur ein Zertifikat – es ist ein klares Bekenntnis zu nachhaltiger Produktion, Transparenz und Respekt gegenüber Mensch und Natur.
LifeVERDE: Innovation & Zukunftsvision Innovation gehört zu Ihrer DNA – welche Nachhaltigkeits- oder Produkttrends sehen Sie für die Zukunft, und wie plant GOTTSTEIN, darauf zu reagieren?
Innovation ist bei GOTTSTEIN fest in unserer DNA verankert. Wir beobachten Trends wie nachhaltige Materialien, Kreislaufwirtschaft und ressourcenschonende Produktion, gleichzeitig rückt die Transparenz entlang der gesamten Lieferkette immer stärker in den Fokus. Unser Plan ist es, diese Entwicklungen proaktiv in Produkte und Prozesse zu integrieren: von regionalen und ethisch gewonnenen Materialien über effiziente Fertigung bis hin zu digitalen Lösungen, die Abläufe nachhaltiger machen. Dabei verlieren wir nie den Bezug zu unserer Region und unserem Handwerk – Innovation bedeutet für uns, Tradition, Qualität und Nachhaltigkeit zukunftsfähig zu verbinden.

Bild: Franz Preschern
GOTTSTEIN: Nachhaltige Tradition als zukunftsfähiges Unternehmensmodell
Seit 1926 zeigt GOTTSTEIN, dass echte Nachhaltigkeit nicht aus kurzfristigen Trends entsteht, sondern aus Haltung, Verantwortung und jahrzehntelanger Erfahrung. Traditionelles Handwerk wird dabei konsequent mit modernen Produktionsprozessen verbunden – und macht deutlich, dass regionale Wertschöpfung, Klimaschutz und wirtschaftlicher Erfolg kein Widerspruch sind. Der Einsatz regionaler Wolle, die Unterstützung bedrohter Schafrassen, transparente Lieferketten sowie die kontinuierliche Auseinandersetzung mit dem eigenen CO₂-Fußabdruck stehen für einen ganzheitlichen und praxisnahen Nachhaltigkeitsansatz. Tief verwurzelt in Tirol, richtet GOTTSTEIN den Blick dabei stets nach vorne. Das Interview zeigt: Hier entstehen langlebige Produkte aus ehrlichem Handwerk, getragen von einer Unternehmensphilosophie, die Natur, Mensch und Qualität gleichermaßen respektiert – und damit Orientierung für nachhaltiges Wirtschaften auch in Zukunft bietet.
Danke für das Interview!
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