Grüne Wirtschaft

Fußball und Nachhaltigkeit, geht das?

Nachhaltigkeit im Deutschen Profifußball. Wir zeigen Beispiele auf und haben den Geschäftsführer des VfL Wolfsburg Thomas Röttgermann interviewt und gefragt, wie Nachhaltigkeit und Fußball zusammenpassen.

Nachhaltigkeit im Deutschen Profifußball. Wir zeigen Beispiele auf und haben den Geschäftsführer des VfL Wolfsburg Thomas Röttgermann interviewt und gefragt, wie Nachhaltigkeit und Fußball zusammenpassen.

Text: Marvin Lehnert |Fotos: Unsplash  

Nachhaltigkeit im Profifußball  

Fans vieler Fußballmannschaften erwarten inzwischen auch von ihrem Verein, sich für Umweltschutz und Nachhaltigkeit einzusetzen. Im Folgenden stellen wir euch beispielhaft vor, welche nachhaltigen Lösungen der FC Bayern, Borussia Dortmund und der SC Freiburg gefunden haben.  Ökonomische, ökologische und soziale Nachhaltigkeit wird Anhängern von Fußballclubs immer wichtiger. Sie erwarten, dass ihr Verein eine Vorbildfunktion erfüllt und sozusagen mit „gutem Beispiel vorangeht, wie man ihren Sport noch zukunftssicherer gestalten kann.  

E-Mobilität beim FC Bayern München  

Bei den Bayern dreht es sich abseits des Fußballplatzes rund um das Thema E-Mobilität. Teamsponsor Audi hat im vergangenen Jahr die gesamte Mannschaft mit dem Audi E-Tron ausgestattet. Es ist Der erste voll elektrische SUV des Ingolstädter Unternehmens. Eigens dafür hat Audi am Trainingszentrum in der Säbener Straße Ladesäulen installiert. So können die Autos während dem täglichen Training der Profis direkt wieder aufgeladen werden.  Auch an der Allianz-Arena, der Spielstätte der Münchener, stehen neuerdings Ladestationen, welche Fans und Besucher während den Spielen zum Aufladen ihrer Autos nutzen können. Laut dem Vorstand des größten deutschen Fußballvereins ist es der Anspruch, dass Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit nicht im Widerspruch stehen und der FC Bayern mit innovativen Konzepten zu einer umweltfreundlicheren Zukunft beitragen kann.  

Mehrwegbecher-System bei Borussia Dortmund    

Im Signal-Iduna-Park, dem größten Fußballstadion in Deutschland und die Heimat des BVB, setzt man seit der Saison 2019/2020 auf ein Mehrwegbecher-System. In normalen Zeiten strömen bis zu 80.000 Fans ins Stadion der Westfahlen und hinterlassen jede Woche eine Unmenge an leeren Getränkebechern und Verpackungsmüll. Um gegen diese Entwicklung vorzugehen, gibt es nun Mehrwegbecher aus Polyprophylen, die sich die Fans ganz einfach wieder auffüllen lassen können. Zwar sind der Gästefanbereich und die bekannte Südtribüne aus Sicherheitsgründen davon ausgenommen, aber auch hier wurde eine umweltfreundlichere Lösung gefunden – Zum Getränke-Ausschank werden lediglich Becher aus zu 100% recycelten PET-Flaschen verwendet.  

Tore schießen und Bäume pflanzen beim SC Freiburg  

Einen Weg der ganz anderen Art ist der Sportclub aus Freiburg gegangen. Bei den Breisgauern heißt es seit der Saison 2013/2014: „Tore schießen für die Umwelt“. So wird seitdem für jedes in einem Pflichtspiel erzielten Tor vom Energieversorgungsunternehmen badenova ein Baum in der Umgebung der Stadt gepflanzt. Inzwischen sind auf diesem Weg bereits über 250 Laub- und Obstbäume zusammengekommen. Zusätzlich trägt jeder Baum den Namen des Torschützen und die Aktion findet bei Fans und Anwohnern viele Sympathien.

Der Vfl Wolfsburg im LifeVERDE-Interview zum Thema Nachhaltigkeit im Fußball

LifeVERDEde: Herr Röttgermann, wie passen Nachhaltigkeit und Fußball zusammen?

THOMAS RÖTTGERMANN: Erfolgreicher Fußball braucht Nachhaltigkeit zuerst im übertragenen Sinne. Nur wer den Fußball ganzheitlich begreift und die Rahmenbedingungen langfristig anlegt, wird dauerhaft auf der Erfolgsspur landen. Nicht nachhaltig zu agieren bedeutet auf „quick wins“ zu setzen. Das kann nicht das Ziel sein. Im gesellschaftlichen und ökologischen Sinne haben wir uns zum nachhaltigen Wirtschaften verpflichtet, weil sich der Fußball und seine Vereine nicht im gesellschaftlichen Niemandsland befinden. Der VfL Wolfsburg ist eng verbunden mit der Stadt und der Region Wolfsburg; wir wollen auch hier vorangehen und gesellschaftliche Verpflichtungen ernst nehmen. Sowohl unser Gesellschafter Volkswagen als auch die Stadt Wolfsburg und der VfL Wolfsburg setzen auf Nachhaltigkeit in allen Bereichen.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit in der Bundesliga?

THOMAS RÖTTGERMANN: Ich bin davon überzeugt, dass sich immer weniger Vereine dieser Logik entziehen werden. Der VfL Wolfsburg ist hier sicher einer der Vorreiter, aber wir spüren auch ein immer größeres Interesse und natürlich eine große Akzeptanz innerhalb der Liga.


Die Nachhaltigkeits-Säule "Soziales" wird bei einem international ausgerichteten Fußballverein wie dem VfL Wolfsburg eine sehr große Rolle spielen. Können Sie uns daher Ihre Schwerpunktthemen aus dem Bereich Soziales nennen und ein paar Ihrer Tätigkeiten aufzählen?

THOMAS RÖTTGERMANN: Wir haben unsere Aktivitäten in der Initiative „Gemeinsam bewegen“ zusammengefasst, mit der wir uns vor allem an Kinder und Jugendliche richten und in den Bereichen Bildung, Integration, Gesundheit und Umwelt nachhaltige Impulse setzen wollen. Das Bewegungs- und Bildungsprogramm Muuvit, das auf spielerische Weise Spaß am Lernen und an der Bewegung vermittelt, oder die in Zusammenarbeit mit Medienpädagogen entwickelte Online-Plattform VfL-Wiki für den Schulunterreicht, mit dem wir Schülerinnen und Schüler über den Sport für Lerninhalte begeistern und motivieren, sind nur zwei Beispiele für Projekte, mit denen wir uns direkt an Schulen in Niedersachsen und Sachen-Anhalt wenden. Außerdem fördern wir die Integration von Menschen mit Behinderungen, unter anderem in Zusammenarbeit mit Special Olympics.


Können Sie durch Berücksichtigung bestimmter Nachhaltigkeitskriterien den Verein auch wirtschaftlich sichern?

THOMAS RÖTTGERMANN: Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Prosperität sind keine Widersprüche. Zum einen führt der durch unser Nachhaltigkeits-Bekenntnis ausgelöste Impuls, reflektierend durch den Alltag zu gehen, schon per se zu aufmerksamerem und kostensparendem Verhalten. Zum anderen sparen wir grundsätzlich durch nachhaltiges Wirtschaften bares Geld.

Fußballvereine sind schon seit Jahrzehnten aufgrund des internationalen Wettbewerbs wesentlich globaler ausgerichtet als es beispielsweise viele Mittelständler sind. Welche Vorteile hat ein multinationales Personal-Team für Sie?

THOMAS RÖTTGERMANN: Durch internationales Benchmarking haben wir bessere Möglichkeiten, intelligente Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen. Das ist sicher ein Vorteil für international aufgestellte Vereine. Der VfL Wolfsburg wird außerhalb Deutschlands aufgrund seiner Konzernzugehörigkeit viel internationaler wahrgenommen als vergleichbare Vereine in Deutschland. Das bringt uns in die Lage, unsere Vereinsentwicklung – etwa im Sponsoring und Merchandising – auch sehr international voranzutreiben.

Der VfL Wolfsburg präsentierte kürzlich die nachhaltige Merchandising-Kollektion "Wolf's Up". Was hat es damit auf sich?

THOMAS RÖTTGERMANN: Bei „Wolf´s Up“ handelt es sich um eine Designkooperation, in deren Vordergrund das Thema Nachhaltigkeit steht. Es wurde eine aus Trikots und Restbeständen recycelte Mode-Kollektion für Fans entworfen, mit der wir unsere Fans noch stärker für nachhaltige Themen sensibilisieren und zum Nachdenken anregen wollten. In diesem speziellen Fall haben wir also Nachhaltigkeit auf kreative Weise anfassbar und erlebbar gemacht. Die limitierte Kollektion war übrigens innerhalb kürzester Zeit vergriffen.


Was passiert eigentlich mit den Spieler-Trikots nach einem Spiel, werden die etwa gewaschen und wiederverwendet?

THOMAS RÖTTGERMANN: Selbstverständlich werden die Trikots nach einem Spiel gewaschen und dann auch wiederverwendet. Im Normalfall ist es aber so, dass die Spieler ihre Trikots mit den Akteuren der gegnerischen Mannschaft tauschen oder auch als Souvenir an die Fans im Stadion geben. Beim VfL finden Sie darüber hinaus Verwendung in unserer Recycling-Konzeption, das ist sicherlich einmalig in der Liga.

Das Thema "Upcycling" müßte für Ihr Unternehmen ein enormes Kosten- und Co2-Einsparpotenzial bieten, tut es das auch?

THOMAS RÖTTGERMANN: Das ist etwas zu hoch gegriffen. Wir verstehen das Thema „Upcycling“ in erster Linie als Pilotprojekt, dass vor allem auch eine symbolische Wirkung haben soll. Größere Chancen bei der Reduzierung von Co2-Emissionen sind eher durch ein bewussteres Zuschauerverhalten zu erwarten, beispielsweise durch die vermehrte Nutzung von Bus und Bahn an Spieltagen. 

Was würden Sie sich aus einer nachhaltigen Perspektive für die kommende Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wünschen?

THOMAS RÖTTGERMANN: Gerade die FIFA, die ja die gesellschaftliche Facette des Fußballs immer sehr betont, muss darauf achten, dass auch während der WM durch ernstgemeinte und ernstzunehmende Maßnahmen die Nachhaltigkeits-Chancen des Fußballs und die daraus abzuleitende Verpflichtung spürbar werden. 

Was sind die Ziele des VfL Wolfsburg für die laufende und kommende Saison?

THOMAS RÖTTGERMANN: Ziel des VfL ist es immer, auf europäischer Bühne präsent zu sein. Diese Tendenz wollen wir verstetigen. Gleiches gilt für die konsequente Umsetzung der in unserem zertifizierten Nachhaltigkeitsbericht formulierten Ziele.

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Kommentare
josef
19.05.2014
es wäre mal zu hinterfragen warum der Profifußball durch den Steuerzahler subventioniert werden muss. Polizeieinsätze am Stadion. Fernsehgebühren für fragwürdige, nicht nachhaltige und unfaire FIFA geldmach-Feste.

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