Grüne Wirtschaft

Für ein gutes Körpergefühl – handgefertigte, vegane Lingerie aus Wien

INTERVIEW | Die handgefertigte Lingerie aus Wien kann nicht nur zu einem positiveren Körpergefühl beitragen, sie fühlt sich auch gut auf dem Körper an.

INTERVIEW | Die handgefertigte Lingerie aus Wien kann nicht nur zu einem positiveren Körpergefühl beitragen, sie fühlt sich auch gut auf dem Körper an.

19.11.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bild: Daniela Paradeis

 

Das Tragen hochwertiger und schöner Unterwäsche kann einen positiven Einfluss auf unser Körperbewusstsein nehmen. Damit man sich in der Lingerie auch so richtig wohlfühlt, sind angenehme Materialien und die richtige Passform das A und O. Darauf legt Daniela Paradeis großen Wert: Die Lingerie fertigt sie selbst in ihrem Atelier in Wien, achtet dabei auf umweltfreundliche Materialien und die individuellen Größenangaben ihrer Kund*innen.

Wie Daniela dazu kam, eigene Lingerie herzustellen, was ihre Kollektionen auszeichnet und was ihr noch am Herzen liegt, erfährst du von ihr im Interview.

Nachhaltige-mode: Daniela, dein Unternehmen steht für nachhaltige Lingerie und Loungewear. Seit wann gibt es euch und wie kam es dazu?

Nach fast 10 Jahren in der Lingerie- und Swimwearindustrie als Designerin und Schnittdirektrice wollte ich meine ganz eigenen Kollektionen verwirklichen. Ich habe für einige Firmen nicht nur Dessous, Nacht-, Lounge- und Swimwear designed, sondern auch als Schnitttechnikerin Protoypen für neue Produkte erstellt und diese Schnitte bis zur Produktionsreife entwickelt. Dabei konnte ich unterschiedlichste Erfahrungen in der Branche sammeln und viele verschiedene Einblicke hinter die Anfertigung glamouröser Bekleidung gewinnen. In Asien und Europa habe ich nicht nur Produktionen gesehen, die menschenunwürdige Arbeitszustände hatten, sondern auch, wie lieblos vermeintliche Luxus-Produkte dort erzeugt, gelagert und verpackt werden. Ich war aber auch in Fabriken, in denen ich selber gerne an der Nähmaschine gesessen wäre und wo mit viel Liebe, Tradition und Handwerkskunst die Stücke angefertigt wurden.

Ich wollte alle meine Erfahrungen nutzen und die für mich beste Kombination zu meinem Traumjob machen. Nach wie vor arbeite ich mit größeren Firmen oder ganz jungen Start-ups, die (design-)technische Unterstützung benötigen, zusammen, kümmere mich von der Idee bis zum Versand um meine eigenen Kollektionen und empfange auch auf meiner Couch im Wiener Atelier Kund*innen, die spezielle Wünsche haben und gerne ganz einzigartige Stücke nach Maß wollen. Für mich die perfekte Mischung aus Design, Technik, Handwerk und abwechslungsreichem Kundenkontakt.

Was muss ein Lingerie-Teil allgemein erfüllen, damit es in deinen Augen nachhaltig ist und sich die Träger*innen darin wohlfühlen?

Für mich war es wichtig, dass die Materialien, die ich nutze, nicht zweimal um den Globus transportiert werden müssen, bis sie bei mir verarbeitet und wieder in die Welt hinausgeschickt werden. Oft werden Fasern zu Garnen und dann zu Stoffen an drei verschiedenen Orten gemacht, bevor sie überhaupt endausgerüstet/bedruckt, zugeschnitten und zu fertigen Kleidungsstücken weiterentwickelt werden können. Ich wollte zumindest ab dem Zeitpunkt, ab dem ich selbst für die weitere Verarbeitung verantwortlich sein kann, Transportwege so kurz wie möglich halten. Meine Einfassbänder etwa kommen alle aus dem Norden Wiens, die Stoffe zu 90% aus Österreich.

Da alle Verarbeitungsschritte von mir selbst durchgeführt werden, kann ich die Materialien so abfallsparend wie möglich verwenden und bestmöglich auf Kund*innen-Anfragen, Feedback und Ideen eingehen, damit sich die Träger*innen in den Stücken besonders wohl fühlen. Wenn man kleine schnitt- oder verarbeitungstechnische Individualisierungen anbieten kann, vermeidet man Retouren und nichts ist nachhaltiger als ein Kleidungsstück, in dem man sich so wohl fühlt, dass man es nie wieder hergeben möchte.

Was heißt Nachhaltigkeit für dich und wie zeigt sich dieses Verständnis in deinen Kleidungsstücken und den Unternehmensprozessen?

Durch meine Erfahrung in großen Firmen wollte ich für mein eigenes kleines Label einen für mich stimmigen Prozess entwickeln:

  • Nachhaltig ausgesuchte, vegane Materialien: meine Stoffe stammen zu 90% aus Lagermaterialien aus der Industrie, die aufgrund von Überproduktion, Fehlern oder Stornierungen nicht mehr für ihren ursprünglichen Gebrauch verwendet werden können. Ich bin seit 23 Jahren Vegetarierin und lebe seit 7 Jahren so gut es geht vegan. Für Luxus-Lingerie wird oft Seide oder Wolle verwendet – ich wollte gänzlich tierfreie Luxus-Lingerie entwickeln.
  • Möglichst wenig Abfall produzieren: Selbst die kleinsten Trägerbandreste können für Trägerschlaufen verwendet werden. Ich habe seit 6 Jahren eine kleine Kiste mit Einfassbandresten, die nie voller wird, weil ich für diese immer neue Verwendungen finde. Bei made to order Stücken wird maximal zweilagig zugeschnitten, das heißt es kann nicht nur möglichst platzsparend zugeschnitten, sondern auch fehlerhaftes Material wunderbar aufgebraucht werden, weil man einfach herum schneiden kann ohne viel Stoff zu verschwenden.
  • Fair und nachhaltig produziert: Das bedeutet für mich, dass ich selbst das Stück vom Anfang bis zum Ende fertige, so kann man wunderbar auf individuelle Bedürfnisse eingehen, Transporte vermeiden und sichergehen, dass die Stücke nicht aus einem Sweat-Shop kommen.
  • Die kürzesten Transportwege wählen: Meine Lingerie und Swimwear wird zwar in die ganze Welt verschickt, trotzdem war es mir wichtig, dass zumindest die Materialien und das Zubehör vor dem Versand nicht um den halben Globus reisen müssen. Alle meine Einfassbänder kommen aus Österreich und auch 90% der Stoffe.
  • Spezielle Services für langjährige Stammkund*innen: Oft biete ich für besonders treue Kund*innen ein Upcycling ihrer alten Stücke an, damit sie sich in den Teilen wohlfühlen, die sie tragen müssen, wenn ihre Teile aus meinen Kollektionen gerade in der Wäsche sind.

Die meisten nachhaltigen Dessous sind zwar super öko, aber nicht unbedingt hot. Mein Anspruch an meine Kollektion war es außerdem, sie nicht nur fair und vegan, sondern gerade deswegen auch sexy zu kreieren.

Das gesamte Interview mit weiteren Infos zu den verwendeten Stoffen, der Herstellung im Wiener Atelier und den Kollektionen findest du auf nachhaltige-mode.de.

 

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