Grüne Wirtschaft

Fair Trade: Was fairer Handel bedeutet und wie GLOBO ihn umsetzt

INTERVIEW | Fair Trade ist uns allen ein Begriff – was aber bedeutet fairer Handel konkret und wie wird er sichergestellt? GLOBO als Fair Trade Importeur gibt einen Einblick und stellt Gläser aus fairem Handel vor.

INTERVIEW | Fair Trade ist uns allen ein Begriff – was aber bedeutet fairer Handel konkret und wie wird er sichergestellt? GLOBO als Fair Trade Importeur gibt einen Einblick und stellt Gläser aus fairem Handel vor.

26.07.2021 | Ein Interview geführt von Deborah Iber | Bild: GLOBO Fair Trade


Fairtrade verbindet Konsumentinnen und Konsumenten, Unternehmen und Produzentenorganisationen und verändert Handel(n) durch bessere Preise für Kleinbauernfamilien, sowie menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern.“ (Quelle: TransFair e.V.). Das ist eine der Definitionen von Fair Trade.

Wie diese in die Tat umgesetzt werden kann, erfährst du im Interview mit Sarah Winkler, die Teil des Familienunternehmens ist.
 

LifeVERDE: Sarah, Ziel von GLOBO Fair Trade ist es, euren Partnerbetrieben Einkommen und Arbeit zu ermöglichen und zu sichern. Wie genau funktioniert der faire Handel und welche Rolle nimmt GLOBO Fair Trade ein?

GLOBO ist ein Fair Trade Importeur. Wir importieren Produkte, die unter den Bedingungen des Fairen Handels hergestellt wurden und vertreiben sie in Deutschland unter unserer Marke. Dabei beliefern wir hauptsächlich Einzelhändler*innen, wie die Weltläden. Aber auch Privatkund*innen können über unseren Webshop bei uns kaufen.

Der Faire Handel funktioniert nach strengen Kriterien. Wir sind unter anderem Mitglied der World Fair Trade Organization (WFTO) und verpflichten uns nach deren Richtlinien zu handeln. Das beginnt bei der Auswahl unserer Handelspartner*innen und prägt die gesamte Zusammenarbeit. Neben der wirtschaftlichen Beziehung, die auf Langfristigkeit und einer Begegnung auf Augenhöhe ausgelegt ist, unterstützen wir unsere Partner*innen auch durch Projekte. So finanzieren wir beispielweise nach Bedarf den Schulbesuch von Kindern der Arbeiter*innen, organisieren Arztbesuche für die Beschäftigten oder unterstützen bei der Ausstattung von Arbeitsstätten.
 

Die Produkte die ihr vertreibt, stammen aus Partnerwerkstätten in Asien, Südamerika und Afrika. Welche Art von Betrieben unterstützt ihr und unter welchen Aspekten wählt ihr sie aus?

Wir arbeiten ausschließlich mit kleinen Werkstätten, Kleinbäuer*innen und Fair Trade Organisationen zusammen.

Bei der Auswahl eines neuen Partnerbetriebs spielen die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen vor Ort, die der Werkstatt und des Landes eine Rolle. Wir besuchen potenzielle Partner*innen und machen uns ein umfangreiches Bild. Auch hier folgen wir den Grundsätzen des Fairen Handels. Neben einer gerechten und angemessenen Bezahlung achten wir auf eine ökologisch nachhaltige Produktion und das soziale Engagement der Werkstatt. Viele unserer Partner*innen geben vor allem wirtschaftlich und sozial benachteiligten oder diskriminierten Menschen einen Arbeitsplatz. Darüber hinaus unterstützen sie Frauen dabei, auf eigenen Beinen zu stehen und beispielsweise ein eigenes Bankkonto zu eröffnen. Neben einem sicheren Einkommen geht es darum Mut zu machen, das Selbstbewusstsein zu stärken und eine langfristige Zukunftsperspektive zu schaffen.


Fair Trade Vase aus Glas (Bild: GLOBO Fair Trade).

Wie könnt ihr sicher sein, dass dort letztendlich alles unter fairen Bedingungen abläuft, seid ihr auch ab und zu vor Ort?

Ja, wir besuchen unsere Partnerbetriebe regelmäßig vor Ort. Anders lässt sich schwer ein umfassendes Bild von den Lebens- und Arbeitsbedingungen machen. Außerdem sind wir mit den Betrieben in ständigem Kontakt und besprechen, welche Verbesserungen hilfreich sind und wie diese umgesetzt werden können.
 

Neben Fairness und Gerechtigkeit stehen auch die umweltfreundliche Materialauswahl, Ressourcenschonung und Abfallvermeidung bei GLOBO Fair Trade an oberster Stelle. Wie schätzt du das Bewusstsein zu diesen Themen in den Produktionsländern ein?

Das ist sehr unterschiedlich. Fast alle Betriebe greifen bei der Herstellung der Produkte automatisch auf heimische oder recycelte Rohstoffe zurück, da sich diese leicht beschaffen lassen oder die traditionelle Produktion sie sowieso vorsieht. Alle Produkte in unserem Sortiment entstehen in Handarbeit.

Beim Thema Verpackung und Abfallvermeidung stehen wir mit unseren Partnerbetrieben in einem stetigen Austausch und konnten so schon viele Plastikverpackungen durch Papier ersetzen oder die Anzahl der Produkte pro Verpackung erhöhen. Wir sind uns aber bewusst, dass es noch einiges an Verbesserungspotenzial gibt.   
 

Was ist aus deiner Sicht noch zu machen, um den fairen Handel weiterzuentwickeln und welche Barrieren gibt es deiner Meinung nach noch zu überwinden?

Für viele Menschen wird es zum Glück immer wichtiger zu wissen, unter welchen Bedingungen ein Produkt hergestellt wurde. Gerechte Bezahlung, gute Arbeitsbedingungen und Umweltschutz rücken mehr in das Blickfeld der Konsument*innen. Das ist toll.

Leider wird der Markt aber von vielen Siegeln überschwemmt, die Nachhaltigkeit und Fairness versprechen, beides aber nicht halten. Für die Konsument*innen ist es ohne viel Aufwand nicht möglich, das zu durchschauen und „echte“ von „falschen“ Siegeln zu unterscheiden. Wir wünschen uns, dass die Politik dies den Verbraucher*innen zukünftig leichter macht. 
 

Nun möchten wir eure Fair Trade Gläser genauer kennenlernen, die von einer Glasbläserei in Mexiko hergestellt werden. Kannst du uns einmal etwas über den Produktionsablauf erzählen?

Bei uns im Sortiment findet ihr mundgeblasene Trinkgläser, Krüge und Schalen in unterschiedlichen Farben. Alle Glasartikel werden zu 100% aus Altglas hergestellt. Das ist uns wichtig, denn das Recyclen von Glas verbraucht weniger Energie als eine Neuproduktion.

Somit beginnt die Produktion immer mit dem Einschmelzen von Altglas. Das erfolgt bei 1.200°C im Schmelzofen. Mit einem Rohr entnimmt ein Glasbläser den Klumpen glühender Glasmasse und bringt ihn durch gezielte Luftstöße mit dem Blasrohr in eine erste Form. Bei Gläsern mit Fuß, wie Cocktail- oder Weingläsern, entsteht dann zunächst der untere Teil. Dabei ist Teamarbeit gefragt. Zwei Glasbläser arbeiten in einem perfekt aufeinander abgestimmten Tempo, damit das Glas weder zu schnell erkaltet noch zu flüssig bleibt.

Ist der Fuß fertig, wird der obere Rand des Glases erneut erhitzt und mit einer Zange ausgeformt. Nach dem Feinschliff wird der Abriss entschärft und das Glas in einem ca. 500°C warmen Ofen „abgekühlt“.

Gläser, die bei der Qualitätskontrolle aussortiert werden, werden erneut eingeschmolzen. Diesen Vorgang kann man bei Glas beliebig oft ohne Qualitätsverlust wiederholen.


Die Schalen, Krüge und Gläser werden aus mundgeblasenem Glas in einer Glasbläserei in Mexiko hergestellt (Bilder: GLOBo Fair Trade).

Was zeichnet die Glasbläserei in Sachen Fairness und Nachhaltigkeit aus und worauf wird dort Wert gelegt?

Der Gründer der Werkstatt ist selbst gelernter Glasbläser und gibt sein traditionelles Wissen über das Handwerk auf diese Weise weiter. In Sachen Nachhaltigkeit legt er neben der schon erwähnten Nutzung von Recycling-Glas Wert auf eine sehr gute Isolierung der Öfen und plastikfreie Verpackungen. Die Isolierung der Öfen spart zum einen Energie und zum anderen sorgt sie für eine angenehme Raum- und Arbeitstemperatur. Das ist bei weitem nicht selbstverständlich.  

In der Glasbläserei arbeiten über 40 Frauen und Männer. Im Fairen Handel stehen neben dem Bezahlen gerechter Löhne auch Sozialleistungen wie das Absichern der Beschäftigten im Krankheitsfall im Fokus. Alle Mitarbeiter*innen werden am Unternehmenserfolg beteiligt, erhalten bezahlten Urlaub und verfügen über eine Sozialversicherung, die ihnen Zugang zu medizinischer Versorgung und Wohnungskrediten sichert.
 

Wie genau steht ihr in Kontakt mit dem Betrieb und wie erfolgt die Zusammenarbeit?

Am Anfang der Zusammenarbeit steht ein Auftakt-Besuch vor Ort zum gegenseitigen Kennenlernen. In nicht Pandemie-Zeiten besuchen wir unsere Partnerwerkstätten danach regelmäßig alle ein bis zwei Jahre. Im letzten Jahr war das natürlich nicht möglich. Dort standen wir verstärkt über E-Mail und Telefon in Kontakt. Darüber wickeln wir unsere Bestellungen ab und stimmen uns zu Lieferzeiten, Verpackungen und Etikettierung ab. Gibt es Schwierigkeiten bei der Produktion, finden wir gemeinsam eine Lösung. Darüber hinaus besprechen wir auch die Entwicklung neuer Produkte. Es ist üblich bereits bei der Bestellung 50% anzuzahlen, damit die Kosten für die Rohstoffe gedeckt sind. Der Transport der Waren nach Deutschland erfolgt immer per Schiff, meist in einem Sammelcontainer, um auch hier ein Maximum an Nachhaltigkeit zu leisten.

 

Vielen Dank für das Interview, liebe Sarah!

Dir schwebt nun auch noch eine Frage im Kopf herum, die du gerne an GLOBO Fair Trade stellen möchtest?

Dann schreib sie in die Kommentare - wir freuen uns auf den Austausch mit dir!

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Mehr zum Thema fairer Handel: Nachhaltiger Goldschmuck – recycelt und Fairtrade

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