Elon Musks Schachzug mit den TeslaPatenten
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Elon Musks Schachzug mit den Tesla-Patenten

Die Erneuerbaren Energien voranzutreiben ist Elon Musks Mission. Was steht hinter der Freigabe der Tesla-Patente - und was bedeutet sie?

Die Erneuerbaren Energien voranzutreiben ist Elon Musks Mission. Was steht hinter der Freigabe der Tesla-Patente - und was bedeutet sie?

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28.07.2017 - ein Beitrag von Robert Plantus

“All Our Patent Are Belong To You”

Diesen (an ein Internet-Meme angelehnten) Slogan wählte Musk, als er vor wenigen Jahren mit seiner Firma Tesla sämtliche hauseigenen Patente freigab, zum Staunen der Öffentlichkeit. Die globale Automobilindustrie ist kein leicht zu erschließender Markt - so stand Tesla bereits mehrmals kurz vor dem aus.

Der Unternehmer, Ingenieur und Erfinder gründete bereits 1995 gemeinsam mit seinem Bruder Zip2 - ein Dotcom-Unternehmen, das schon vier Jahre später von Compaq für 307 Millionen Dollar aufgekauft werden sollte. Das daraufhin gegründete Unternehmen X.com arbeitete an einem System für Online-Zahlungen. Es fusionierte später mit Paypal-Entwickler Confinity. Paypal wurde 2002 schließlich für etwa eineinhalb Milliarden US-Dollar von Ebay gekauft - Musk war mit 11,7 % größter Anteilhaber. Aber auch dieser viele Millionen schwere Erlös wurde in neue Geschäftspläne investiert: den Fahrzeughersteller Tesla, die Gründung des Raumfahrtunternehmens SpaceX und die Förderung der mit Familienmitgliedern geführten Firma SolarCity. Ab 2013 folgten Hyperloop, OpenAI, Neuralink und zuletzt in 2017 “The Boring Company”, die an einem unterirdischen Hochgeschwindigkeits-Tunnelsystem für Großstädte arbeitet.

Als Elon Musk mit Tesla 2004 durchstartete, waren die Sorgen um die eigenen Patente und mögliche Trittbrettfahrer, die das Unternehmen vom Markt drängen könnten, groß. In den kommenden Jahren sollte allerdings der globale Anteil an Elektrischen Fahrzeugen in den Flotten der Fahrzeughersteller nicht das erste Prozent erreichen.

Als die fossile Konkurrenz in der Automobilindustrie weder bedroht noch sonderlich an der neuen Technik interessiert schien, ging Tesla den philanthropisch wirkenden Schritt, die eigens entwickelten Patente frei Verfügbar zu machen und so die Energiewende in Bezug auf elektrisch motorisierte Fahrzeuge voranzutreiben.

Geschäft und Philanthropie

Zumeist sieht man Musk dieser Tage auf Konferenzen rund um den Globus - mal auf einem Summit in Dubai, mal neben Bill Gates. Das Image vom waghalsigen Unternehmer, der noch erleben will, wie die Menschheit den Mars kolonisiert, ist eine Marke für sich. Mit einem guten Gefühl in die Zukunft blicken - eine häufig geäußerte Motivation Musks. Die Welt brauche inspirierende Abenteuer wie die Erkundung des Mars.

So riskant Musks Ambitionen auch sind - er plant längerfristig als viele Wettbewerber. Die rasante Entwicklung im bereich der Künstlichen Intelligenz unterstützt Musk als Mitinvestor des 2015 als gemeinnützige Gesellschaft gegründeten Unternehmens “OpenAI”. Dabei vertritt er die Auffassung, dass die Forschung und Entwicklung von KI mit besonderem Schwerpunkt auf dem Thema Sicherheit einhergehen muss.

Musks Schachzug - nicht so uneigennützig, wie er scheint

Während der gebürtige Südafrikaner bei SpaceX - wie immer wieder selbst geäußert - das große Abenteuer sucht, ist das Tesla-Geschäft wirtschaftlich geerdeter. Hier setzt man vor allem auf ausgefeiltes Produktdesign zwischen Nützlichkeit und Minimalismus, wie es von Marken wie Apple bestens erprobt und demonstriert wurde.

Für die Forschung und Entwicklung im Bereich E-Mobilität ist das Teilen von Wissen und Technologie in Form von Patenten durchaus förderlich. Das Unternehmen begründet die Freigabe damit, den Wettbewerb antreiben zu wollen, um die Etablierung und Verbreitung von Elektrofahrzeugen zu unterstützen.

Die Chancen der Marke Tesla könnten jedoch als Fahrzeughersteller mit Pioniercharakter auf einem neuen Markt nicht schlecht ausfallen. Außerdem sind sowohl die Aktion selbst als auch ihre Auswirkungen am Ende nicht mehr und nicht weniger, als äußerst effektive Werbung.

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Kommentare
Kommentare
Michael
17.08.2017
Das naive Menschenhirn sucht immer einen Grund, wenn es etwas nicht versteht. So ist es dann irgendein Gott, wenn es um Themen wie Unendlichkeit und Tod geht.

Bei Idealismus beissen sich die Zweifler dann die Zähne aus. Was hat er damit vor? Irgendeinen Steuervorteil? Oder sind die Patente am Ende gar nichts wert? Oder nur ein Bluff?

Und wenn das alles nicht passt, war es am Ende einfach nur die gute Werbung, die er damit gemacht hat. Klar. Obwohl Tesla schon vorher die Auftragsbücher voller, als man mit der Produktion nachkommen konnte, hatte.

Für die, die es verstehen wollen: Musk geht es immer um Themen, die er vorantreiben möchte. Das sind alles Märkte, wo es kein Angebot gibt (damals Elektroautos, Flug zum Mars). Und wenn das ein anderer besser macht, dann ist's für ihn auch gut. Genau das ist auch der Grund für die Patentfreigabe.

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