Grüne Wirtschaft

Im DIALOG IM DUNKELN® führen blinde Guides sehende Besucher durch eine faszinierende Welt

Wir interviewten Dörte Maack von Dialog im Dunkeln und befragten sie zu den Besonderheiten und dem Leistungsangebot dieser einzigartigen Geschäftsidee.

Wir interviewten Dörte Maack von Dialog im Dunkeln und befragten sie zu den Besonderheiten und dem Leistungsangebot dieser einzigartigen Geschäftsidee.

07.07.2014

UMWELTHAUPTSTADT.de: Was ist die Idee hinter "DIALOG IM DUNKELN®"?

DÖRTE MAACK: Im DIALOG IM DUNKELN® führen blinde Guides sehende Besucher durch eine faszinierende Welt, bedienen blinde Kellner sehende Restaurantbesucher oder fordern blinde Trainer Teams und Führungskräfte mit speziellen Aufgaben heraus. All das geschieht in unseren völlig lichtlosen Räumen. Über die außergewöhnliche Erfahrung entsteht ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Menschen mit und ohne Handicap.

Seit wann gibt es DIALOG IM DUNKELN® und wie entstand die "Geschäftsidee"?

Die Idee zum DIALOG IM DUNKELN® hatte unser Gründer, Prof. Dr. Andreas Heinecke vor 25 Jahren in Frankfurt. Als Journalist bekam er den Auftrag, einen durch einen Unfall erblindeten Kollegen zu rehabilitieren. Durch diese überraschende Begegnung wurden Herrn Heinecke seine eigenen Vorurteile deutlich bewusst; sie erwiesen sich alle samt als falsch. Aus dieser Begegnung entstand die Idee zu einem DIALOG IM DUNKELN als Plattform zur vorurteilsfreien Begegnung zwischen Menschen mit und ohne Handicap.


Ihre Angebote richten sich unter anderem auch an Unternehmen, beispielsweise mit der Ausrichtung von Teambuildings. Was genau können Unternehmen bei Ihnen buchen?

Ein Team von blinden qualifizierten Coachs und Trainern bietet seit 7 Jahren im DIALOG IM DUNKELN® Workshops und Seminare zu den Themen Teambuilding, Teamentwicklung, Führungskräfteentwicklung, Kommunikation, Umgang mit Veränderung, Diversity und Inklusion an.

Das Angebot reicht von kurzen Impuls-Workshops hin zu komplexen Seminaren im Wechsel zwischen erlebnisorientierten Phasen im Dunkeln und moderierten Reflexionsphasen in hellen Seminarräumen. Mittlerweile trainierte dass Team Mitarbeiter aller Hierarchiestufen aus nahezu allen großen Unternehmen der Stadt in mehr als 700 Veranstaltungen. 


Teambuildings sollen der Problem-Lösung innerhalb von Teams dienen. Mit welchen Problemen kommen die Unternehmen zu Ihnen und welche Lösungsansätze liefern Sie den Teams?

Teams kommen aus den unterschiedlichsten Anlässen. Vom jährlichen Teamevent für den Teamgeist, über Kick-off Workshops für neu zusammengestellte Teams bis hin zur gezielten Bearbeitung von komplexen dysfunktionalen Teamstrukturen eignet sich (fast) jeder Auftrag für einen Workshop im Dunkeln.

Die Zusammenarbeit im Dunkeln verändert eingeschliffene Muster in Gruppen: Vertrauen, Unterstützung und Verständnis füreinander verstärken sich. Es entsteht eine Atmosphäre, die einen konstruktiven Austausch und offene Diskussionen im Anschluss bei Licht ermöglicht.

Aus einem Repertoire von inzwischen 50 Übungen im Dunkeln konzipieren die blinden Trainer maßgeschneiderte Konzepte für die individuellen Herausforderungen von Teams.

Die Welt blinder und gehörloser Menschen ist durch das Handicap sicherlich eine andere als die der Menschen ohne diese körperliche Beeinträchtigung. Auf welchen Gebieten können beide Seiten voneinander lernen und profitieren?

„Die einzige Form zu lernen, liegt in der Begegnung“ schrieb der deutsch-jüdische Philosoph Martin Buber. So lernen Menschen mit und vor allem diejenigen ohne offensichtliches Handicap durch den offenen Austausch im DIALOG IM DUNKELN® ihre eigenen Denkmuster zu erkennen und zu hinterfragen. Menschen mit vollem Sehvermögen lernen, dass die Welt ohne zu sehen in mancher Hinsicht anders aber durchaus nicht ärmer ist. In der extremen Situation „nicht sehen“ begegnet man aber auch sich selbst und seinen Freunden und Kollegen anders. Eine Erfahrung, die nachhaltig beeindruckt.


Wie würden Sie die Erfahrungen beschreiben, die die Besucher Ihrer Ausstellungen machen?

Unsere Besucher tauchen auf einer Ausstellungsfläche von knapp 600 m² ein in eine Welt ohne Licht. Sie erleben ihre Sinne auf neue Weise und sind fasziniert, über die Anpassungsfähigkeit ihrer verbleibenden Sinne. Zudem erleben sie einen inspirierenden Rollentausch mit einem Guide mit vermeintlichem Defizit. Mit Neugier und Offenheit sprechen sie mit ihrem Guide über Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Lebenswelten.


Bei Ihnen kann man sogar dinieren im Dunkeln und brunchen im Stillen. Wie laufen diese Events ab?

Bei einem Dinner in the Dark isst das Auge nicht mit, dafür erleben die anderen Sinne intensiver. Blinde Kellner führen die Gäste durch einen Abend mit einem mehrgängigen Überraschungsmenü in völliger Dunkelheit. Im Anschluss wird das Menü bei Licht präsentiert.

Beim „Brunch im Stillen“ kommunizieren die Gäste mit Mimik und Gesten mit ihren gehörlosen Kellnern und den anderen Gästen. Auch eine Reihe von Begriffen in Gebärdensprache kann man hier lernen und erproben.

Der Erfolg von Dialog im Dunkeln ist laut Medienberichten außergewöhnlich. Seit 1988 wurde die Ausstellung in über 30 Länder und mehr als 130 Städte weltweit exportiert. Wie genau schaffen Sie das und was macht den Erfolg aus?

Tatsächlich findet der DIALOG IM DUNKELN® von Hamburg aus den Weg in alle Teile der Welt. Als soziales Franchise Unternehmen geben wir unser Know-how und die Erfahrungen der vergangenen 25 Jahre weiter.

Dabei hat DIALOG IM DUNKELN® hohe Ansprüche an Qualität in der Umsetzung und erlaubt dennoch eine Anpassung an die Bedingungen am jeweiligen Standort.

Bemerkenswert ist, dass die Wirkung von DIALOG IM DUNKELN® überall auf der Welt nahezu gleich ist, was daran liegen mag, dass hier Menschen die Möglichkeit haben ganz unmaskiert ebenfalls unmaskierten Menschen zu begegnen und gemeinsam über das zu staunen, was möglich ist.


An Ihrem Hamburger Standort werden derzeit Bauarbeiten durchgeführt, sie vergrößern sich. Was wird es Neues geben?

Unser Ziel ist es, den gesamten Speicher für besondere Ausstellungen zu nutzen. Derzeit bauen wir den 1. Lagerboden aus, in dem Ende September die Ausstellung DIALOG IM STILLEN® eröffnen wird. Hier werden gehörlose Guides die Besucher durch eine lautlose Welt führen und für sie die Möglichkeiten der nonverbalen Kommunikation erlebbar machen.

Was sind generell Ihre Meilensteine für die nächsten 3 Jahre?

In Hamburg ist es der weitere Ausbau unseres Eckgebäudes in der Speicherstadt, unter anderem mit dem DIALOG MIT DER ZEIT®, einer Ausstellung über die Kunst des Alterns. Weltweit treiben wir die Verbreitung der Ausstellungsformate natürlich weiterhin voran. Derzeit beginnen wir einen DIALOG IM DUNKELN® in Kigali. Hier können Begegnungen im Dunkeln einen besonderen Beitrag zur Versöhnung in der Post-Conflict-Zone Ruanda leisten.

Kontakt:

Dörte Maack

Bereichsleitung Bildung

DIALOG IM DUNKELN®

Consens Ausstellungs GmbH

Alter Wandrahm 4 / Speicherstadt

D-20457 Hamburg

Telefon: 040 - 309 634-0
E-Mail: info@dialog-im-dunkeln.de



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